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Ausgabe:

1918

Spalte:

320-321

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knauer, Paul

Titel/Untertitel:

Der Ursprung der Marien-Wallfahrt zu Wartha in Schlesien 1918

Rezensent:

Völker, Karl

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Die Arbeit gliedert fleh in vier Abfchnitte. Im erften wird
die Sinnenerkenntnis famt deren Bedeutung dargeftellt. Der
zweite Abfchnitt handelt von der Vernunfterkenntnis oder dem

gefch. u. zum Kirchenrecht. 2.) (VII, 182 S.) 8». Paderborn,
F. Schöningh. m. 4.80

In fyftematifcher Zufammenftellung werden die Quellen dar-

nichtmyftifchen Erkennen. Im dritten wird der Glaube und fein i geboten, aus denen die Rechtsanfchauungen über das Verhältnis
Fortfchreiten zum Wiffen gefchildert. Der vierte Abfchnitt erörtert I von Kirche und Staat und die politifchen Beziehungen beider
das myftifcheErkennen. Neue wichtige philofophiegerchichtliche ' Machtfaktoren entfpringen. Privilegien, Briefe, kirchliche und
Auffchlüffe und Ausblicke werden nicht gegeben. [ weltliche Rechtsbücher und erzählende Quellen find im weitelten

Tübingen. Scheel. ; Umfang herangezogen. Oft find es freilich nur wenige Zeilen,

--- --— | fo daß man, wie bei vielen derartigen Sammlungen, das Bedenken

v. Loe, Fr. Paulus Maria, O. Praed.: Alberts des Großen Homilie nicllt unterdrücken kann, ob durch Iie nicht der Student — für
zu Luc. 11,27, zum erftenmal hrsg. (57 S. m. I Bildnis.) 8«. ' folche find lie ja Itets in erfter Linie beftimmt — gar zu arg in
Bonn, P. Hanftein 1916. M. 1.20 Verfuchung gerät, mit den Quellen werken fleh nicht vertraut

Zum erften Mal wird uns hier auf Grund von fechs Hand- zu machen. Andrerfeits ift es gewiß ausgefchloffen, daß der
fchriften eine Predigt Alberts des Großen über Luc. 11,27 vor- , Student von lieh aus diefe vereinzelter, aber darum nicht minder
gelegt. Der Text ift eingeleitet durch ziemlich ausführliche Dar- 1 wichtigen Äußerungen herausfinden kann, zumal bei einer Materie,
legungen des Herausgebers über Entftehung und Bedeutung der in der Gerchichte und Rechtswiffenfchaft fleh überfchneiden.
Homilie fowie über ihren Autor. Man darf annehmen, daß diefe ; So wird das Heft bei Seminarübungen gute Dienfte leiften, wenn
Maienpredigt vor den Geiftlichen und Klerikern der Liebfrauen- ' nicht der auffällig hohe Preis hinderlich wird.

kirche zu Trier nicht lange nach 1260 gehalten worden ift. Für ; Berlin-Dahlem.___Gerhard BonwetIch.

die Gefchichte des Bibelverftändnifies, der chriftlichen Ideen und i T' . „
Dogmen ift lie von geringer Bedeutung, da Albert auf dielen j Würsdorfer, Dr. Joleph: Erkennen und Wiffen nach Gregor
Gebieten nichts Neues vorträgt. Aber abgefehen von einigen j von Rimini. Ein Beitrag zur Gefchichte der Erkennt-
intereffanten Streiflichtern, die auf Kultur und Kunft jener Zeit | nistheorie des Nominalismus. Aus den Quellen darfallen
, find wir dankbar für jedes Dokument, das unfere Kennt- '. aeftellt fBeiträe-e zur Gefch der Philofonhie He« M
nis des großen Predigers, Sittenlehrers und Myftikers, wenn nicht , vv 'uTg? /wrri e iv/ 1 • GT
erweitert, fo doch befeftigt. Bd. XX, Heft i.) (VIII, 139 S.) gr. 8°. Munfter 1. Vv.,
Göttingen. V/alter Bauer. Afchendorff 1917. M. 460
-------—--— Gregor von Rimini erfreut fich neuerdings der Bett
ich el, Karl, S. V. D.: Der Uber de consonancia nature j achtung. Das verdankt er freilich weder einer augen-
ei gracie des Raphael von Pornaxio. (Beiträge z. Gefch. fälligen Stellung in der Gefchichte feiner Tage noch der
d. Philofophie des M.-A. 18. Bd. r. Heft.) (X, 62 S.) : Originalität feiner Gedanken. Die Beziehungen zu einem
gr. 8°. Münfter i. W., Afchendorff 1915. M. 2.40 j Größerem, zu Luther, haben die Aufmerkfamkeit lebhafter
Auf dies Ineditum des 15. Jahrh. haben neuerdings j auf ihn gelenkt. So darf man es denn auch Würsdorfer
L. Paftor und M. Grabmann die Aufmerkfamkeit gelenkt. ! Dank wiffen, daß er feine Forfchung Gregor von Rimini
Michel hat fich von Grabmann anregen laffen, die Schrift ! zuwendet. Freilich befchäftigt er fich nicht mit jenen
Raphaels von Pornaxio eingehender zu unterluchen. Er Problemen, um derentwillen zur Zeit Gregor die Aufmerkweift
ihr eine ,zeitgefchichtliche' Bedeutung zu. Der Liber famkeit auf fich gezogen hat. Sie werden nur gelegent-
de consonancia ift eine Gelegenheitsfchrift, die fich wider ' lieh geftreift; dann allerdings mit glücklicher Korrektur
die Gegner des Humanismus wendet und nachzuweifen I eines Denifle und Grifar. Was jedoch Würsdorfer inter-
unternimmt, daß der Humanismus der Offenbarung ge- effiert, find die erkenntnistheoretifchen Probleme, aus-
mäß ift. Die Methode des Beweifes ift eigenartig. Einer fchließlich der Frage nach dem Umfang des Erkennens.
lateinifchen Evangelienharmonie, der fog. Kompilation ! Die folide monographifche Behandlnng hat fich gelohnt,
des Ammonius, d. h. einer lateinifchen Überfetzung des : Zwar kann W. in der Hauptfache nur beftätigen, daß
Diateffarons Tatians, wird die ,Lehre der Natur', der Huma- j Gregor von Wilhelm von Ockham fich beeinfluffen ließ
nismus, in der Form von Zitaten aus den Klaffikern und j und der nominaliftifchen Schule angehört. Er zeigt aber
Ausfprüchen aller Weltweifen zur Seite geftellt. So werden j mit Erfolg, daß Gregor noch mit den Problemen rang
.klaffifche' Sachparallelen zur Offenbarung gegeben und und die Sicherheit Wilhelms nicht ereichte Denn die
damit die Konkordanz erwiefen. Als Quellen verfchmäht : Speziestheorie überwand er nicht ganz. Die aus dem Skotis-
Raphael nicht landläufige Schulbücher wie Cato und Aefop ; mus bekannten Spezies oder Erkenntnisbilder find viel-
fowie eine Kompilation des Diogenes Laertius. mehr für das Erkennen abwefender, aber fchon einmal
Was Michel über Methoden und Quellen Raphaels > erkannter Objekte unbedingt nötig. Vielleicht entfchließt
ausführt, ift zutreffend. Ob wir es aber mit einer Ge- ! fich Würsdorfer, feine Studien zu Gregor auch auf das
legenheitsfchrift in dem von ihm gemeinten Sinn zu tun theologifche Gebiet auszudehnen und wenn möglich den
haben, ift doch fraglich. Klare Beziehungen zum Huma- ganzen Gregor monographifch zu behandeln,
nismus verrät die Schrift nicht. Michel felbft muß auch Tübingen. Scheel.

zum Schluß einräumen, daß der Liber de conconancia 1 ~~------

vorwiegend, wenn nicht ausfchließlich an der längft be- Knauer, Dr. Paul: Der Urlprung der Marien-Walllahrt zu Warkannten
populären ethifchen lateinifchen Literatur orien- tha in Schlefien. Eine quellenkrit. Unterfuchg. (VI.cjoS.)
tiert ift, und Raphael kein Humanift im emphatifchen ■ 8°. Breslau, Goerlich & Goch 1917. M. 2.50

Sinn gewefen fei. Die Reaktion, die er bekämpft, ift m. E. In feiner fleißigen Doktor-Differtation unterfucht K.

vermutlich nicht eine Reaktion gegen den Humanismus des | zum erften Mal kritifch die Anfänge der Marien-Bild-
15. Jahrh., fonder n gegen den in den Klöftern immer wieder, ; und Bergwallfahrt zu Wartha. Die bisherigen zur Erstach
im hohen Mittelalter regen Widerfpruch gegen Be- : r?:iu.ung und Belehrung der Wallfahrer beftimmten 1 >ar-
fchäftigung mit weltlicher, d. h. vornehmlich ,klalfifcher' Heilungen gehen alle auf die 1655 erfchienene diva
Literatur " Die diefe Literatur gegen folchen Wider- ' Wartensis des tfchechifchen Jefuiten Bohuslaus Balbinus,
fpruch verteidigten, waren noch keine Humaniften oder ' der die 1523 in der eben fertiggeftellten Wallfahrtskirche
Anwälte des Humanismus. Diefen .Humanismus', der aufgezeichnete Legende als einwandfreie Gefchichts-
keiner war, kannte auch das Mittelalter. So würde Ra- ! qu-;lle übernahm, zurück Entgegen den Behauptungen
phaels Schrift nicht einer ,zeitgenöffifchen' Reaktion gegen diefer, das Muttergottesbild lei um 1200 einem Jüngling
den Humanismus des 15. Jahrh. ihren Urfprung verdanken, erfchienen, worauf ein von einem Beinbruch geheilter
alfo kein Dokument der eigentlichen humaniftifchen Be- Böhme zum Dank die Kapelle aus Holz errichtet habe,
wegung fein, fondern jenen älteren Verfuchen angehören, teilt der Verf.. unter Beruckfichtigung der wirtfchaft-
die .KTaffiker« gegen mönchifchen Übereifer zur Geltung liehen und kirchlichen Verhältmffe Warthas feft, die Ver-
zu bringen ehrung eines Manengnadenbildes fei dafelbft erft gegen

Tübingen Scheel Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar, während die

° ' Kirche des Ortes infolge der zahlreichen ihr erteilten

Eichmann. Prof. Dr. Eduard: Kirche u. Staat. II. Von 1122 bis Abiäffe bereits einige Jahrzehnte vorher einen Anziehungs-
zur Mitte des 14. Jahrh. (Quellenfammlung zur kirchl. Rechts- punkt der Glaubigen gebildet habe.