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Ausgabe:

1918 Nr. 1

Spalte:

9

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jann, Adelhelm

Titel/Untertitel:

Candidus Sierro aus dem Kapuzinerorden. Ein Indianer-Missionar 1918

Rezensent:

Bussmann, E. W.

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. i.

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hang mit Petrus Comestor behandelte Pilatus-Legende
(S. 48 f.) fei nur noch eine Bemerkung geblattet. Sollte
Konrads Vorlage nicht vielleicht eine interpolierte Historia
Scholastica gewefen fein, die auch die Pilatus-Legende
enthielt? Daß es folche erweiterten Exemplare gab, dürfte
nach meinen Darlegungen in den Materialien zur Bibel-
gefchichte etc. I 1 S. 14h nicht von der Hand zu weifen
fein.

Gern habe ich gerade für den theologifchen Lefer-
kreis diefer Zeitfchrift die Befprechung von Mayers ver-
dienftlicher Unterfuchung übernommen; habe ich doch
am eignen Leibe erfahren müffen, wie manche Fachge-
noffen den Wert folcher Kleinarbeit unterfchätzen. Und
doch ift beim Bau der Wiffenfchaft ein zuverläffiger
,Kärrner' nützlicher als mancher, der gern königlicher
Bauherr wäre, ohne Boden und Material für feine Kon-
ftruktionen genügend unterfucht zu haben.
Hamburg-Schmalenbeck. H. Vollmer.

Jann, Lyz.- u. Gymn.-Prof. Dr. Pat. Adelhelm, O. Min. Cap.:
Candidus Sierro aus dem Kapuzinerorden. Ein Indianer-Mifflo-
när. Ein Beitrag zur brafllian. Mifiionsgefchichte. (124 S. m.
Abbildgn.) gr. 8». Stans, H. v. Matt & Co. 1915. M. 1.20
Diefer Beitrag zur brafilianifchen Mifiionsgefchichte ift nicht
fo wichtig wegen der etwas breit ausgefponnenen Lebensgefchichte
des genannten Miffionars, der ein Opfer feines Berufes im Jahre
1874 geworden ift, als wegen der fonftigen wertvollen Nachrichten
über die katholifche Miffion unter den Indianern in der Provinz
Parä. Befonders fcheint mir der im Anhang gegebene
Uberblick über die Kapuzinermiffionen in Brafilien vom Beginn
des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gefchichtlichen Wert
zu haben. Eine Nachprüfung der einzelnen Daten ift mir freilich
nicht möglich gewefen.
Ahlden Aller. E. W. Bussmann.

Ebers, Prof. Dr. Godehard Jofef: Der Paplt und die römi-

Iche Kurie. 1. Wahl, Ordination u. Kröng. des Papftes.

(Quellenfammlung zur kirchl. Rechtsgefchichte u. zum

Kirchenrecht. 3.) (VIII, 216 S.) 8». Paderborn, F.

Schöningh 1916. M. 6 —

Mit dielem Hefte der Eichmannfchen Quellenfammlung
beginnt Ebers die Reihe der Hefte, welche planmäßig
die Quellen zur Gefchichte der kirchlichen Verfaffung
und des kirchlichen Ämterrechtes bieten follen. Nur die
Fülle des Materials hat den Herausgeber gezwungen, in
pem vorliegenden Hefte zunächft das Papftwahlrecht
herauszuheben. Die Quellen für die gefchichtliche Entwicklung
der päpftlichen Jurisdiktion und Ehrenrechte
nebft denen für den Streit zwifchen Papalismus und Episkopalismus
find einem zweiten, die für die Organifation
der Kurie einem dritten Hefte vorbehalten. In dem vorliegenden
Hefte nimmt die ältere Gefchichte des Papft-
wahlrechtes immerhin ziemlich ein Drittel des Raumes
ein. Diefer erfte Abfchnitt fchließt mit der für die Folgezeit
maßgebenden Papftwahlordnung Alexanders III. von
1179. Im Anfchluß daran werden Quellen zur Regelung
der Wahl von Alexanders III. Zeit bis auf Clemens VI.
und dann weiter bis in die Änderungen Gregors XV. !
und Clemens' XII. im 17. und 18. Jhdt. geboten: damit j
ift die Entwicklung der Papflwahl im ganzen gegeben. !
Es folgt in einem weiteren Abfatz die Papftwahlrege- j
lung durch Pius und anfchließend daran ein Stück aus !
der Zeit Leos XIII. Mit einigen Quellen über Ordination
, Inthronifation, Poffeß und Krönung fchließt das
vorliegende Heft.

Bei der Ausführlichkeit und Reichhaltigkeit, mit der
hier die Quellen zu einem in kirchenrechtlich und kirchen-
gefchichtlich intereffierten Kreifen mehrfach erörterten
Thema geboten werden, hat der Verfaffer wohl neben
Studenten auch andre Perfonen als Benutzer feiner Hefte
im Auge. Wenn nur an Studenten gedacht wird, dann
würde fich vielleicht bei den beiden vorbereiteten Heften
eine Zufammenziehung empfehlen.

Aber wie nun auch der gedachte Benutzerkreis ausfallen
mag: vor allem kommt es darauf an, daß die Quellenfammlung
in den Fällen, in denen fie die Quelle bietet,
die weitere Heranziehung eines andren Druckes — meift
eines großen Wälzers — unnötig macht. Bei den hohen
Preifen und dem großen Umfange unferer Quellen werke
kann fich der Gelehrte, gefchweige aber der Student,
nicht die Originalausgaben anfchaffen, um fie ftets zur
Hand zu haben. Eine Quellenfammlung von mäßigem
Umfange und Preife kann ihm, wenn fie zuverläffig ift,
Erfatz leiften. Diefen Erfatz wird diefes Heft nicht bieten.

Die Quellenfammlung von Ebers ift fehr ungleichmäßig
, unmethodifch und unzuverläffig. Ungleichmäßig
ift die Auswahl: nicht etwa weil manche Zeiten zu ftark
und andre wieder zu fchwach vertreten wären, fondern
weil der Wert der Zeit, ihre Bedeutung für die Entwicklung
der Papftwahlordnung nicht recht gegeneinander
abgewogen ift (1059 beanfprucht faft 5 Seiten, 1179 nicht
ganz 1 Seite). Unmethodifch und ungewandt ift E. in
der Editionstechnik.

S. 44 unten fetzt er über das zu druckende Stück die Bemerkung
[Abweichungen der unechten fog. kaiferlichen Faffung (vor 1084).1
Trotzdem unterbricht er den Abdruck S. 45 nochmal [Zufatz der Kaiferlichen
Faffung: non pnpa sed salhanas, non apoftolicus . . .]. S. 4b
ift etwas gefperrt, was nicht gefperrt werden follle. S. V fteht nebeneinander
Klemens und Clemens. Vielfach find die von E. angewandten
Abkürzungen ungebräuchlich und nicht ohne weiteres verftändlich, z. B,
S. 117 PiiX.P.M. Acta III 239. oder MG. Gesta P.R. I 139 wie
S. 7. und häufig. Auch find die Abkürzungen häufig ungleichmäßig
und daher verwirrend, z. B. S. 7: Lib. pontif. n. 91 Ed. Duchesne I 281.
S. 38: Duchesne, Lib. pontif. II. 332; ferner S. 6: MG. Auct. ant. XII
246, S. 8 MG. Auct. antiqu. XII. 279. Auch die Zitierweiie aus dem
Corpus iur. can. weicht gelegentlich von der üblichen ab.

Vor allem aber ift die Ausgabe unzuverläffig; von
willkürlichen Änderungen und Nachläffigkeiten der Schreibweife
und der Zeichenfetzung fehe ich ab. Wenn man
aber die in den Monumenta Germaniae Hiftorica enthaltenen
Stücke abdruckt, foll man es beffer machen als
Ebers. Ich habe bei vergleichendem Lefen kaum einen
fehlerfreien Satz gefunden und bitte nebeneinander fetzen
zu dürfen den Text, den Ebers für die fog. kaiferliche
Faffung des Papftwahldekrets von 1059 angeblich aus MG.
Conft. entnimmt, und den Text, den die MG. wirklich haben.

Ebers S. 45 MG. Conft. I. 54I

Quodsi quis contra hoc nostrum Quodsi quis contra hoc nostrum
decretum . . . intronizatus fuerit ... decretum . . . intronizatus fuerit . . .
perpetuo anathcmate cum suis auc- perpetuo anathemate cum suis auc-
toribus,fautoribus,sequacibus alimi- toribus, fautoribus et sequacibus a li-
nibus sanctae dei ecclesiae separatus minibus sanctae ecclesie separa-
subiiciatur, sicut Antichristus et in- tus subiciatur, sicut Antichristus
vasor atque destructor totius chri- et invasor atque destructor tocius
stianitatis; nec aliqua super hoc au- Christianitatis, nec aliqua super hoc
dicntiaaliquando ei reservctur, sed audientia aliquando ei reservetur,
ab omni ecclesiastico gradu, in quo sed ab omni ecclesiastico gradu,
prius fuerat, sine retractatione de- in quocumque prius fuerat sine re-
ponatur. Cui quisquis adhaeserit tractatione deponatur. Cui quisquis
vel qualcmcunque tanquam pon- adhaeserit vel qualemcunque taiu-
tifici reverentiam exhibuerit aut in quam pontifici reverentiam exhi-
aliquo illum defendere praesump- buerit aut illum in aliquo defenderc
serit, pari sentcntia sit mancipatus. presumpserit, pari sententia sit man-
Quisquis autem huius nostrae sen- cipatus. Quisquis autem huius no-
tentiae temerator extiterit et Roma- stre decretalis sentencie temerator
nam ecclesiam sua praesumptione extiterit et Romanam ecclesiam sua
confundere et perturbare contra hoc presumptione confundere et pertur-
statutum fentaverit, perpetuo ana- bare contra hoc statulum templave-
thcmate atque excommunicatione rit, perpetuo anathemate atque ex-
damnetur et cum impiis, qui non communicatione dampnetur et cum
resurgent in iudicio rcputetur. . . . impiis, qui non resurgent in iudicio
Ego Nicolaus cpiscopus sanctae et reputetur. . . . Ego Nicolaus episco-
apostolicae Romanae ecclesiae huic pus sancte catholice et apostolice
decreto a nobis promulgato, sicut Romane ecclesie huic decreto a no-
superius legitur subscripsi. Boni- bis sicut superius legitur promulga-
fatius dei gratia Albanensis cpis- to subscripsi. Bonifatius Dci gratia
copus subscripsi. Humbertus sanc- Albanensis episcopus subscripsi.
tae ecclesiae Silviae Candidae cpis- Humbertus sanctae ecclesiae Silve
copus subscripsi. Petrus Ostiensis Candide episcopus subscripsi. Petrus
ecclesiae episcopus subscripsi. etc. Ostiensis episcopus subscripsi etc.

Die weiteren Schlußworte zeigen dann ebenfalls ganz
deutlich, daß E. einfach die Conftitutiones der MG. nicht
benutzt hat, daß feine Angabe, daß er den Text dort

i) Die Abfchlußklammer fetzt E. nicht für feine Notiz

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