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Ausgabe:

1918

Spalte:

297-298

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loserth, Johann

Titel/Untertitel:

Die protestantischen Schulen der Steiermark im 16. Jahrh 1918

Rezensent:

Knoke, Karl

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Seite 1

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297' Theolagifche Literaturzeitung 1918 Nr. 23/24. 798

fchließlich hielt nur der Jurift Amandus dort einige Zeit fchiedene Tafeln herzurichten. An der teuelften Tafel
öffentliche Vorlefungen. Es blieb nichts übrig, als zunächft wurden vier, ja Techs ,gute Gerichte' geliefert, darunter
durch reichliche Gewährung von Stipendien möglichft viel .zweierlei gefottenes und ein gebratenes Fleifch', dazu

,eine Halbe Wein'. Über die anzuwendende Unterrichtsmethode
fcheint nichts beltimmt zu fein; auch über die
Disziplin erfahren wir nur wenig. — Trotzdem die Ritter-
fchaft mit der Ausftattung der Schule durch Unterrichtsräume
und Befoldung der Lehrer nicht kargte, namentlich
auch durch Befchaffung einer reichen Bibliothek ihr
zu nützen beftrebt war, blieben ihre Leinungen doch

Landeskindern den Befuch von auswärtigen Univerfitäten
zu ermöglichen. Eingehend hat der Verfaffer diefe Be-
ftrebungen dargelegt; aber er bietet uns mehr: erbietet
uns ein treffliches Bild des gefamten wiffenfchaftlichen
Lebens in der Markgraflchaft Vom Ausgang des Mittelalters
bis in die erften Jahrzehnte der Reformation, bisher
vielfach eine terra incognita.

Loferth, Ho fr Prof. Dr. Joh.: Die proteftantifchen Schulen
der Steiermark im 16. Jahrh. (Monumenta Germaniae
paedagogica. 55- Bd.) IXVIII, 217 S. m. I Taf.) Berlin,

Weidmann 19'7- _ M- 6—

Der Verf. diefes Bandes der Monumenta Germaniae
paedagogica hat fich bereits früher durch eine Reihe ver-
dienftvoller Arbeiten als einen genauen Kenner der Ge-
fchichte der Steiermark im Zeitalter der Reformation und
Gegenreformation rühmlichft bekannt gemacht. Wie kaum
ein anderer war er darum berufen, die Gefchichte der
proteftantifchen Schulen der Steiermark in jenem Zeitalter
zu fchreiben. Der Gefchichtsforfcher auf dem Gebiete
der Pädagogik muß ihm.für diefe feine neufte Darbietung
in hohem Maße dankbar fein. Zwar kann man nicht
fagen, daß fie in bezug auf unfere bisherigen Kenntmlfe
der pädagogifchen, insbelondere auch der Schulverhält-
niffe in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im allgemeinen
wefentlich Neues bringt, aber das allgemein
Beobachtete erfährt in diefer Publikation eine mannigfache
Beftätigung und lokale Illuftration von nicht zu unter-
fchätzendem Werte. Es handelt fich um die Gefchichte
der proteftantifchen Schulen in einer öfterreichifchen
Provinz, deren Adel um 1570 zum weitaus größeften Teile
lutherifch geworden war, deren Bewohner aber durch die
unter dem Erzherzog Karl begonnene und durch deffen
Nachfolger Erzherzog Ferdinand II. unter dem beftimmen-
den Einfluß feiner fanatifchen, denjefuiten ergebenen Mutter,
der Erzherzogin Maria, mit Gewalt durchgefetzte Gegenreformation
zum römifchen Bekenntnis zurückgeführt
wurden. Durch die Pazifikation von Bruck 1578 war dem
fteierifchen Adel die lutherifche Religionsübung zuge-
ftanden worden. Um feine Söhne nicht im Auslande
ftudieren laffen zu müffen, entfchloß fich diefer, in Graz,
der Hauptftadt des Landes, eine Gelehrtenfchule zu begründen
, welche man als Gymnasium illustre bezeichnen
könnte, da fle in ihren oberen Klaffen Ziele verfolgte,
welche denen der damaligen Univerfitäten nicht unähnlich
waren. Der Verfaffer der öfterreichifchen proteftantifchen
Kirchenagende, David Chyträus in Roftock, wurde

Alfeld. Schornbauni. j mehrfach hinter den Wünfchen und Erwartungen ihrer

Patrone zurück. Es lag das zum Teil daran, daß man.
fleh in der Wahl der Lehrer hin und wieder vergriff, daß
diefe nicht immer in voller Harmonie miteinander ftanden
und daß die befferen Lehrkräfte nur zu kurze Zeit im
Dienfte blieben. Vielleicht wäre Joh. Kepler der Mann
gewefen, der eine Blütezeit der Schule hätte herbeiführen
können, aber für das Studium der Mathematik fehlen die

Schuler, fo daß er Virgil und Rhetorik zu lehren gezwungen
war, zudem wurde die Schule kurz nach feiner Anftellung
aufgehoben. Dies gefchah durch Dekret des Erzherzogs
vom 3. Oktober 1598. Es ift ergreifend, die Gewaltmaßregeln
, welche dieiem Schlußakte voraufgingen, kennen
zu lernen. Die Schulgefchichte wird hieü zur Gefchichte
politifcher Maßregelungen und herzlofer Unterdrückung
der fteierifchen Anhänger der Augsburgifchen Konfeffion,
wie fle tragifcher kaum gedacht werden kann.. Nach
wohlüberlegtem Plane hatten die Jefuiten erft eine Gegen-
fchule gegen die proteftantifche Adelsfchule, dann eine
Univerfltät in Graz errichtet. Um ihren Befuch zu erzwingen
, erfolgte das landesherrliche Verbot des Be-
fuches der evangelifchen Schule dort oder im Auslande,
erfolgte die Vertreibung aller IWangelifchen, die fich über
diefes Verbot hinwegfetzten. Loferth hat das alles mit
großer Sachlichkeit, aber gerade dadurch um fo wirkfamer
dargeftellt und fich damit zugleich ein kirchengefchicht-
liches Verdienft erworben. — Im wefentlichen bietet er
nur eine Gefchichte der Schule zu Graz; von den übrigen
proteftantifchen Schulen der Steiermark kann er, mit Ausnahme
von derjenigen in Judenburg, nur kurze Notizen
bringen, weil über fle keine Akten vorliegen, wie fle über
die Stiftsfchule in Graz in größerem Umfange erhalten
find. Mag man das bedauern, fo wird man es um fo dankbarer
begrüßen, daß der Verf. nach feiner zufammenhängen-
den Gefchichte über jene Schule in den ihr folgenden .Beilagen
' S. 132—208 wertvolle gefchichtliche Urkunden zum
Abdruck gebracht hat. Sie enthalten Verträge über den
Erwerb von Grundftücken zur Errichtung der Schule,
Beftallungsurkunden und Inftruktionen für die Lehrer
derfelben, Auszüge aus den Schulordnungen, foweit fie
noch vorhanden, Berichte über die Schulbibliothek, die

zur Ausarbeitung der Schulordnung ,in der Stifte' zu Graz I mit der Aufhebung der Schule vernichtet oder verfchleppt
gewonnen. Die in gleichem Sinne mit dem Berliner Hof- , worden, Exzerpte aus Dekreten und Korrefpondenzen,
prediger Georg Caeleftinus geführten Verhandlungen die fich auf die Schule und ihre Angefteliten beziehen,
hatten nicht das gewünfehte Ergebnis. Trotzdem von der I und Mitteilungen über Stiftungen und das Rechnungs-
Schulordnung des Chyträus zahlreiche Exemplare 1574 I wefen derfelben. Ein ausführliches Orts-, Perfonen- und
gedruckt wurden, ift keins derfelben auf uns gekommen. Sachregifter bildet den Schluß diefes wertvollen Bandes
Ihren Inhalt kann man jedoch aus den Beftallungsurkunden ! der Monumenta, der fich würdig an die voraufgegangenen
der Lehrer an der Grazer Schule und aus der Reformier- J anfchließt.

ten' Schulordnung von 1594 fchließen. Danach baute j Göttingen. K. Knoke.

fich die Schule in drei Dekurien und vier Klaffen, deren

oberfte als classis publica bezeichnet wurde, auf. Die Zeitlchrift der Gefelllchaft für niederlächfifche Kirchengelchichte,

Lehrgegenftände waren wefentlich diefelben wie in den
übrigen höheren Schulen jener Zeit. Als Lehrbücher
dienten auch hier Luthers Katechismus und die von
Melanchthon und Sturm verfaßten Bücher. Die Schul-
gefetze zeichneten fich durch ihre Kürze aus, lehnten fich
aber im übrigen an die leges anderer Schulen an. Die
Schüler lebten im Internat; der Verlauf jedes Tages war
für fie genau geregelt; er trug ein wefentlich kirchliches
Gepräge.Für die Befpeifung der Zöglinge war ein be-
fonderer Ökonom beftellt; er hatte je nach dem Koftgelde,
das bezahlt wurde, für fie zwei, fpäter fogar drei verunter
Mitwirkg. v. D. Pr. Meyer u. Prof. D. Mirbt
hrsg. v. Konfift.-R. u. Sup. D. Ferdinand Cohrs. 21.
Jahrg. (IV, 269 S.) gr. 8°. Braunfchweig, A. Limbach
1916. M. S —

Steinmetz gibt den zweiten Teil feiner Biographie
der Generalfuperintendenten von Lüneburg-Celle und
zwar 1. von der Abtrennung der Generalfuperintendentur
Harburg bis zur franzefifchen Fremdherrfchaft 1701 —1803.
2. Von letzterer bis zum Aufhören der Gen.-Sup. Lüneburg
-Celle 1803 — 1903. Es ift ihm gelungen, von 8 unter
den 13 geschilderten Theologen Bilder beizubringen. Recht