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Ausgabe:

1918 Nr. 2

Spalte:

269

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Straubinger, Heinrich

Titel/Untertitel:

Texte zum Gottesbeweis 1918

Rezensent:

Scheel, Otto

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269

Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 21/22.

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Heften, D. Johs.: Die Begründung der Erkenntnis nach dem
heil. Auguftinus. (Beiträge zur Gefch. der Philofophie
des M.-A. XIX, 2.) (XII, 118 S.) gr. 8°. Münfter i. W.,
Afchendorff 1916. M. 4.20

Grab mann, Prof. Dr. Martin: Die Grundgedanken des hl.
Auguftinus über Seele und Gott. In »hrer Gegenwarts-
bedeutg. dargeftellt. (Rüftzeug d. Gegenwart. Neue
Folge, 5. Bd.) (126 S) 8°. Köln, J. P. Bachem 1916.

M. 2.20; geb. M. 3 —
Das Befondere der tüchtigen Arbeit Heffens ift
nicht die Feftftellung des platonifch - neuplatonifchen
Grundcharakters des von Heften erörterten Problems.
Hier kann er nur wiederholen, was frühere Forfchungen
nachgewiefen haben. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt
in den Ausführungen über die scientia bei Auguftin im
Unterfchied von der sapientia und in der Darfteilung der
göttlichen Erleuchtung. Die sapientia umfchließt nach H.
das apriorifche Wiffensgebiet, von dem fich eine Provinz
niederen Wiffens unterhalb jenes apriorifchen Erkenntnisbezirks
abhebt, die scientia. Ihre Quelle ift nicht die Ideenwelt
, fondern die Erfahrungswelt. Durch Induktion und
Abftraktion des Intelligiblen aus dem Sinnesmaterial gewinnt
fie ihre Begriffe und gelangt zu Erkenntniffen real-
wiffenfchaftlicher Art. Aber ift damit wirklich die Grenze
des Neuplatonismus überfchritten und eine .realwiffen-
fchaftliche' Erkenntnis erreicht? Diefe Annahme dürfte
ebenfo anfechtbar fein wie die andere, daß Auguftin eine
fpezififch chriftliche Löfung des Erkenntnisproblems gegeben
habe. Die Arbeit H's wird aber beachten müffen,
wer mit der Erkenntnistheorie Auguftins fich befaßt.

Grabmanns Schrift verfolgt ausgefprochen apologe-
tifche Abheilten. Der Nachweis foll erbracht werden,
daß Auguftin auch der Gegenwart nahe fteht und die
rechten Antworten auf die Grundfragen des menfehlichen
Denkens und Strebens bereit hat. Darum klingt in die Darfteilung
der Grundgedanken Auguftins über Seele und
Gott nur leife hinein, was zeitgefchichtlich und vergänglich
ift. Auguftin erfcheint in erfter Linie als der Träger
übergefchichtlicher, allem Wechfel entzogener Ideen. Das
Wort Bonaventuras: .Niemand hat beffere Antworten auf
die Fragen über Gott und die Seele gegeben als Auguftinus
' wird gleichfam zum Motiv der ganzen Schrift. So
fällt es dem Verfaffer auch nicht fchwer, das in feiner
Geltung doch recht begrenzte und wirklich nur cum grano
salis anzuwendende Wort von Auguftin als dem erften
modernen Denker fich als Leitwort anzueignen. Auguftin
fteht im Grunde fchon als Religionsphilofoph der
Gegenwart vor uns. Kein Wunder, daß nun auch der
Abftand vom Mittelalter überbrückt wird. Troeltfchs Ver-
fuch, Auguftin vom Mittelalter abzurücken, wird als irrig
abgewiefen und die Scholaftik geradezu als verläßliche
Auslegerin auguftinifcher Gedanken methodifch verwertet.
Eine ununterbrochene und nicht zu unterbrechende Linie
verbindet Auguftin mit der Scholaftik und Gegenwart.
Es fpricht alfo aus diefer Schrift vornehmlich der katho-
Hfche Apologet der Gegenwart zu uns.

Tübingen. Otto Scheel.

Straubinger, Prof. Dr. Heinrich: Texte zum Gottesbeweis.

Chronologifch zurammengeftellt u. kurz erläutert. (VIII, 171 S.)

kl. 8». Freiburg i. B., Herder 1916. M. 2.40

Die hier abgedruckten Texte ,tollen in erfter Linie als Grundlage
für Übungen im pliilofophifchen oder apologetifchen Seminar
dienen... In erfter Hindern war es dem VerfatTer darum zu
tun, befonders charakteriltifche Stellen zum Gottesbeweis aus
der philofophifchen Literatur zurammenzuftellen, wobei zugleich
die Ablicht obwaltete, nach Möglichkeit Vertreter der veri'chie-
denen Richtungen zu V/orte kommen zu laflen'. Kurze Erläuterungen
lind den Texten mitgegeben, doch nur foweit, als tle ,zum
rechten Verltändnis und zur richtigen Würdigung unbedingt notwendig
find'. Ob aber nicht diefe unbedingt notwendigen' Erläuterungen
gelegentlich, um mit dem alten Matthias Claudius
zu fprechen, zu Maulkörben geworden find?

Tübingen. Scheel.

Koeniger, Albert Michael: Die Militärleelforge der Karolingerzeit
. Ihr Recht u. ihre Praxis. (Veröffentlichungen
aus dem kirchenhiftor. Seminar München IV. Reihe Nr. 7.)
(78 S.) 8°. München, J. J. Lentner 1918. M. 3.20
Der L Teil des Buches über das Recht der Militär-
feelforge ift bereits in der Feftgabe zum 70. Geburtstage
Knöpflers erfchienen. Auf dem germanifchen Nationalkonzil
742 wird, wie K. feftftellt, erftmals in der Karolingerzeit
durch die Bemühungen des Bonifatius eine geregelte
Militärforge rechtlich und förmlich ins Leben gerufen
und organifiert. Karl der Große fchärfte dann diefe Be-
ftimmungen in einem Kapitulare von 769 von neuem ein.
Trotz der Einrichtung einer geordneten Militärfeelforge
ging aber die feit alter Zeit verbotene aktive Beteiligung
der Geiftlichen am Militärdienft nebenher. Zwar ver-
fuchten einzelne, wie der Mainzer Benediktas Levita, durch
eine Bittlchrift an Karl den Großen den Mißbrauch ab-
zuftellen, aber ohne Erfolg. Im IL Teil gibt K. auf Grund
z. T. entlegener Quellen ein Bild von der Praxis der Militärfeelforge
in der Karolingerzeit. Neben der Feier des
Meßopfers und der Predigttätigkeit war die Hauptaufgabe
die Entgegennahme der Soldatenbeichten. Die Heiligen,
die von den Soldaten befonders angerufen wurden, waren
der hl. Georg, Mauritius, die felbft ehedem Soldaten ge-
wefen waren, und der Erzengel Michael, der in chriftlich
loldatifcher Vorfteliung als Schlachthelfer fchlechthin gefeiert
wurde. Es ift dem Verfaffer gelungen, ein intereffan-
tes und zutreffendes Bild zu zeichnen.

Münfter i. W. G. Grützmacher.

Adam von Bremen: Hamburgifche Kirchengelchichte.3. Aull,
hrsg. v. Bernhard Schmeidler. (Scriptores rer. Germanicarum
.) (LXVIII, 353 S.) gr. 8°. Hannover, Hahn
1917. M. 10 —

Die Bedeutung von Adams Hamburgifcher Kirchen-
gefchichte, die mehr gibt als der Titel befagt und deren
Inhalt mit Miffionsgefchichte des europäifchen Nordens
nicht zu anfpruchsvoll umriffen ift, fteht feit langen Jahren
feft. Sowohl die rein literarifche Wertung wie auch die
als Gefchichtsquelle des deutfehen Mittelalters ift durch
Schmeidlers forgfältige Neuausgabe nicht in völlig neue
Bahnen gerückt. Im Gegenteil, Schm. bemüht fich —
nicht in kritikloler Anerkennung des Überlieferten, wohl
aber in forglältiger Nachprüfung der Refultate früherer
Bearbeiter — die Ergebniffe der Arbeiten von Lappenberg
, Pertz, Waitz und Weiland und ihrer Ausgaben zu
verwerten, zu vertiefen und fortzuführen. Die von Lappenberg
feiner Ausgabe zugrunde gelegte Wiener Hf. ift auch
von Schm. als Grundlage der Textgeftaltung in den Vordergrund
gerückt. Doch find in einem gefchickt abwägenden
Verfahren die wefentlichften anderen Überlieferungen
und ihre Abweichungen ftets berückfichtigt, insbefondere
ift die vielfeitige Veränderung und Ausgeftaltung, die das
vierte Buch durchgemacht hat, im Apparat zum Ausdruck
gekommen. In feiner Einleitung erörtert Schm. auch
die Frage nach Adams Heimat, die man bisher in Lothringen
fuchte. Schm. kommt aus fachlichen und fprach-
lichen — hier geftützt auf eingehende Unterfuchungen
von Edward Schröder — Gründen zu dem Schluffe, daß
Adams Heimat in Oftfranken zu fuchen fei. Die neue
forgfältige Ausgabe ift — trotz des verhältnismäßig hohen
Preifes — hoffentlich geeignet, dem alten Bremer Schul-
meifter neue Freunde zuzuführen.

Hannover. Otto Lerche.

Heidegger, Priv.-Doz. Dr. Martin: Die Kategorien- und
Bedeutunglehre des Duns Scotus. (VII, 245 S.) gr. 8°.

Tübingen, J. C. B. Mohr 1916. M. 6_

Diefes Buch verfolgt nicht in erfter Linie eine ge-
fchichtliche Abficht, fondern, indem der Verf. fich innerlich
mit den Gedanken eines fcharffinnigen Denkers auseinanderfetzt
, trachtet er, feine eigene Gedanken zu formen
und zu klären. Daraus verlieht es fich daß über die Bett