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Ausgabe:

1918

Spalte:

265-267

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köhler, Ludwig

Titel/Untertitel:

Amos 1918

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Professor D. Hermann Schuster

Jälvrlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mar«

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au s fc hl i e ß 1 i c h an _ ~. , _ 0

43. Jahri? lTr 91/22 Pro(effor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, Iu fenden. 26. OklODer lyio

'iO. ddlUg. a5i./ää Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Thomfen, Paläftina. 2. Aufl. (Nowack).

L. Köhler, Arnos (Meinhold).

Schlatter, Die beiden Schwerter (W.Bauer).

Soltau, Das vierte Evangelium (W. Bauer).

Wrzol Die Echtheit des zweitenTheifalomcher-
briefes (Brdtmann).

Heffen, Die Begründung der Erkenntnis nach
dem hg. Auguftinus (Scheel).

Grabraann, Die Grundgedanken des hg. Auguftinus
über Seele und Gott (Derf.).

Straubinger, Texte zum Gottesbeweis (Scheel).

Koeniger, Die Militärfeelforge der Karolingerzeit
(Grützmacher).

Adam von Bremen, Hamburgifche Kirchen-
gefchichte (Lerche).

Heidegger, Die Kategorien- und Bedeutungslehre
des Duns Scotus (Seeberg).

Rade ,LuthersRechtfertigungsglaube(W.Köhler).
Vesper, Martin Luthers Jugendjahre (Hirfch).
Walther, Das Erbe der Reformation. 4. Luthers

Kirche (O. Clemen).
Luther noch immer (Schornbaum).
Halecki, Zgoda Sandomierska 1570 (Völker).
Reiche, Deutsche Bücher über Polen (Völker).
Paskai, Gottesgedanken, zufammengeftellt v.

F. Wagner (Lobftein).
Aus dem Briefwcchfel des Magus im Norden.

Hrsg. von Schmitz-Kallenberg (Smend).
Valentin, Kolonialgefchichte der Neuzeit

(Mirbt).

Strucker, Die Kundgebungen Papft Benedikts

XV. zum Weltfrieden (Mirbt).
Kaftan, Philolophie des Proteftantismus (Kat-

tenbufch).
Grupp, Jcnfeitsreligion (Steinmann).
Krebs, Was kein Auge gefehen (Derf.).
Fröbes, Lehrbuch der experiment. Pfychologie

I, 2 (Kutzner).
Nied) ergall, Theologie und Praxis (v.d. Goltz).
Moering, Kirche u. Männer (Derf.).
Niebergall, Die lebendige Gemeinde (Derf.).
Kindermann, Des Deutfchen Volkes Meifter-

jahre (Thimme).
v. Rhoden, Zwei Brüder (Niebergall).
Mitteilung 4: Kaftan-Festfchrift.
Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Thomfen, Prof. Dr. Peter: Palältina und feine Kultur in
fünf Jahrtaufenden. Nach den neueften Ausgrabgn.
u. Forfchgn. dargeftellt. 2. neubearb. Aufl. (Aus Natur
u. Geifteswelt, 260. Bdchn.) (IV, 121 S. m. 37 Abbildgn.)
kl. 8°. Leipzig, B.G.Teubner 1917. M. 1.20; geb. M. 1.50
Die erfte Auflage erfchien 1909 und wurde von allen
Rezenfenten mit lebhafter Anerkennung befprochen, denn
nur wenige waren in gleicher Weife durch ihre bisherige
wiffenfehaftliche Tätigkeit befähigt, die Ergebniffe de>-
Ausgrabungen und Forfchungen in Paläftina zu fchildern:
umfaffende Kenntnis der gefamten Literatur und eigenes
felbftändiges Urteil über die verfchiedenen Probleme, dazu
eine klare und anziehende Darfteilung, das waren die Vorzüge
, durch die Thomfens Arbeit fleh auszeichnete. Die
zwifchen den beiden Auflagen liegenden acht Jahre find
für die hier vorliegenden Probleme nicht ohne Bedeutung
geblieben, neue Funde find gemacht, ich erinnere an die
der Havard-Expedition in Samaria, an die Ausgrabungen
von Mackenzie in Beth semes fowie an die von Sellin
in Sichern, die Unterfuchungen der älteren Funde find
fortgeführt und frühere Refultate berichtigt. All das
machte eine neue Auflage dringend wünfehenswert, denn
der Nichtfachmann ift kaum in der Lage, fich Einficht
in das fchwer zugängliche Material zu verfchaffen. Am
flärkften ift der Abfchnitt über die römifch-byzantinifche
Zeit umgeftaltet. So hat T. den von ihm einft gefchaf-
fenen Führer wieder auf die volle Höhe des Standes der
wiffenfehaftlichen Arbeit gebracht. Wer das Buch zur
Hand nimmt, wird fofort den Eindruck gewinnen, daß
er fich einem unbedingt zuverläffigen Führer anvertraut
hat. Namentlich feien die Religionslehrer auf dasfelbe
aufmerkfam gemacht, für fie ift es geradezu unentbehrlich.
Straßburg i. E. W. Nowack.

Köhler, Dr. Prof. Ludwig: Arnos. (S.-A. a. d. Schweizer,
theol. Zeitfchr. 34. Jg.) (VII, 54 S.) gr. 8°. Zürich,
Beer & Cie. 1917. ' M. 1.50

An Einzelabhandlungen über Arnos fehlt es nicht.
So kann man fragen, ob Köhler recht daran tut, feine
Vorlefungen im Winter 1915/16 über kirchlich wichtige
Perikopen des Alten Teftamentes für den Druck auszuarbeiten
und in diefer Form herauszugeben. Vielleicht
hätte die Hervorhebung feiner Sonderfunde in einer Fachzeit-
fchrift genügt. Wie man darüber nun auch denken mag —
jedesfalls kann man ihm für eine Reihe guter Bemerkungen
dankbar fein. Der erfte Teil des Schriftchens (,die

literarifche Analyfe des Amosbuches' S. 1—32) führt
die Amosfprüche in 55 Nummern vor und verflicht nach
Möglichkeit die metrifche Befchaffenheit aufzuzeigen. Ob
die jetzt immer mehr Mode werdende Zerfchlagung der
prophetifchen Texte in kleine und kleinfte Teile berechtigt
ift, mag man fragen. Auch wird man — wie
natürlich — über die Trennung im Einzelnen verfchiedener
Meinung fein. Das Metrum wird oft auch erft nach
mancherlei Ausfcheidungen und Textveränderungen gewonnen
. Aber auch fo kann man dem Verf. zuweilen
nicht folgen, fo z. B. wenn er in 5,18—20 drei Doppelvierer
oder in 9,11—12 drei Sechfer (2 -fl 2 -j- 2) ' findet.
Es fei übrigens ausdrücklich hervorgehoben, daß Köhler
fich des Plypothetifchen bei den metrifchen Unterfuchungen
in A. T. deutlich bewußt ift (f. S. 35). Bei der Erklärung
fällt manches auf.

Die Überfetzung 3,12: ,Ihr, die ihr in Simron auf dem Prachtbett
fitzet und in Damaskus auf dem Ruhebett' dürfte wohl nicht viel
Beifall linden. Denn die Ableitung des PXB von rlE"' fchön fein, fo
daß dB? PXB3 auf der .Schönheit des Befics' 1!) wäre, ift bedenklich,
ebenfo daß 3131 hier mit 3 und dann unmittelbar darauf mit dem
Accufativ konftruiert wäre. :Die Cberfetzung 5, 14 .Suchet das Gute
und nicht das Böfe, damit ihr lebet und es recht kommt. Weil Jahwe,
Gott der Heerfcharen mit Euch ift, wie ihr fagt' fcheint mir gegenüber
der gewöhnlichen . . . ,Daß es fich fo zeige wie ihr fagt, daß nämlich
Jahwe mit Euch fei' eine Verfchlechtung. Das ,wie Ihr fagt' paßt bei
Köhlers Auffaffung nicht gut. Dem "]3 in der Bedeutung ,alfo' ent-
fpricht das "H3X3 in 14 b. —

Der zweite Abfchnitt (.Beftandteile des Buches Arnos'
S. 33.) ordnet nun die zertrümmerten Teile nach dem
.Inhalt im Allgemeinen', nach ,dem Urheber', nach der
.Scheidung in echte und unechte Stücke' und führt die
metrifche F'orm der echten Stücke zufammenfaffend vor.

Was die Frage der Echtheit anbetrifft, fo könnte ich mich ja freuen,
daß die fchon in meinen Studien zur ifraelitifchen Religionsgefchichte
(die übrigens dem Verf. unbekannt feheinen) betonte Tatfache, daß Arnos
immer aucli mit einer inneren Umkehr rechnet, ja fie erhofft und daß
demnach auch das Wort von der Aufrichtung der zerfallenen Hütte
Davids dem Arnos belaffen werden kann, immer mehr Anerkennung
findet — doch fcheint mir der Zug zur Annahme der Überlieferung (?)
zum Teil zu ftark ins Kraut zu fchießen. Wenn man fagt ,(ie follen
nicht wieder aus dem Lande gerifien werden', fo fetzt man voraus, daß
fie aus dem Lande fort find und heimkehren und immer im Lande
bleiben follen. Das paßt in den Mund des Arnos nicht. Alfo ift gt
13—15 trotz Köhler als fpäterer Anhang zu betrachten. Bemerkenswert
ift, daß er S. 53 (aber nicht S. 17 wo er den Abfchnitt behandelt) 4
6 —12 a als deuteronomifchen Einfatz faffen möchte, ein Stück, das man
bisher als Vorbild von Jef. 9, 7 ff. zu nehmen gewohnt war. Möglich
daß K. darin recht fieht. Auffallender Weife ift auch ihm entgangen
daß die Einfügung des hiftorifchen Abfchnittes von der Ausweisung
des Arnos (7,10—17) den Orakelfpruch des Arnos 7,9 mitten ausein-