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Ausgabe:

1918 Nr. 1

Spalte:

257

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schrörs, Heinrich

Titel/Untertitel:

Deutscher und französischer Katholizismus in den letzten Jahrzehnten 1918

Rezensent:

Lobstein, Paul

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257

Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 19/20.

258

Kreifen der eingehendften Beachtung, wie er in der Ge-
meinfchaft der Evangelifchen die wärmfte Anerkennung
und freudige Zuftimmung finden wird.

Göttingen. K. Knoke.

Wotfchke, Lic. D. Dr. Theodor: Erasmus Glitzner. Ein

Superintendent der großpoln. luther. Kirche. Sonder-
abdr. aus Aus Pofens kirchl. Vergangenheit, Jahrg.
1917/18. (73 S.) 8». Liffa i. P. 1918.
Die 73 Seiten umfaffende Schrift bringt das Leben
und Wirken des Superintendenten Erasmus Glitzner und
22 Sendfehreiben aus feiner Zeit. Das Buch ift aus reichfter
Quellen- und Literaturkenntnis gefchrieben und Hellt in
erfchöpfender Ausführlichkeit einen intereffanten Ausfchnitt
aus der Reformationsgefchichte Polens dar. Befonders
wird Gl. als Ereund und Förderer der Union in Polen gefeiert
. Sein Verhalten hierbei wird aber wohl etwas zu günftig
beurteilt, während die vorausgehenden Beftrebungen Laskis
faft garnicht gewertet werden. Das Buch, das auf gutem
Papier in forgfältigem Druck hergeftellt ift, kann auch
für die Polenfrage untrer Zeit manchen beachtenswerten
Fingerzeig geben.
Oftrowo. Naunin.

Schrörs, Prof. Dr. Heinrich: Deutfcher und franzölifcher
Katholizismus in den letzten Jahrzehnten. (XV, 228 S.)
8°. Freiburg i. B., Herder 1917. M. 4 —; geb. M. 4.60
Nachdem der Bonner Kirchenhiftoriker Prof. Schrörs
mit feiner Schrift ,Das chriftliche Gewiffen im Weltkrieg'
(1916) den franzöfifchen Angriffen entgegengetreten war,
ftellt er in diefem neuen Buch feine Verteidigung und
feine Abwehr auf die fefte und breite Basis der Gefchichte,
die der befte Anwalt in dem franzöfifch-deutfehen Katholikenprozeß
fei. Die Darfteilung des Vf. zerfällt in fünf
Kapitel. Im erften fchildert er den Nationalismus im
katholifchen Frankreich, feine Entwicklung und feine
Ziele (1—70); das zweite zeigt die deutfehen Katholiken
im franzöfifchem Spiegel, der nur ein fehr entftelltes Bild
wiedergibt (71 — in); im dritten ftellt S. dem Zerrbild,
das die Gegner entwerfen, den wirklichen Verlauf der
Gefchichte gegenüber ,Zentrum, Reich und Katholizismus'
(112—154); die Krifen im franzöfifchen Katholizismus, die
im 4. Kap. (155—204) befchrieben werden, führen zu dem
Urteil: .Welche Flut von Anklagen und Verdächtigungen
würde fich aus franzöfifchen Federn über uns ergießen,
wenn nur der zehnte Teil von dem, was drüben vorgekommen
ift, fich bei uns ereignet hätte!' (202) Im Schlußkapitel
(205—228) eröffnet der Vf. einen höchft lehrreichen
und dankenswerten Ausblick auf die Lage der deutfehen
Katholiken, denen er hohe Ziele und umfaffende Aufgaben
zuweift. <— DieSchrift des vortrefflich orientierten
aus dem Vollen fchöpfenden, nur mit genau belegten
Tatfachen operierenden Pliftorikers zeichnet fich durch
maßvolles und befonnenes Urteil, durch vornehmen Ton
in fo wohltuender Weife aus, daß durch diefe mufter-
gültige Haltung die Zurückweifung der feindlichen Klagen
und Anklagen einen tiefen Eindruck zurücklaffen und
eine bleibende Frucht fchaffen muß. Den Gegnern weiß
der Gefchichtsfchreiber mit rühmlicher Unparteilichkeit
gerecht zu werden, einem Georges Goyau zollt er Lob
und Hochachtung (vgl. auch 37. 69. 177. 181. 184); er
erklärt, ,der franzöfifche Klerus fleht höher und lauterer
als feit langem da' (203); diefe Unbefangenheit, die den
echten Hiftoriker bekundet, gibt feinen Worten größeres
Gewicht und höheres Anfehen, da wo er eine fchärfere
Sprache führen muß. Daß einem proteftantifchen Lefer
in der Beurteilung unferer Verhältniffe manches in einem
anderen Lichte erfcheinen muß, ift felbftverftändlich. Die
Äußerungen über Elfaß-Lothringen, die dem Ref. aus
dem Herzen gefprochen find, möchte derfelbe nicht auf
die Katholiken allein befchränken, fondern auch für die
Proteftanten in Anfpruch nehmen (213—214).
Straßburg i. E. P. Lobftein.

Schreiber, Dir. A. W.: Kameruner Kriegserlebnille in deutfcher
und englifcher Beleuchtung. Antworten der deutfehen
Baptiften-Miffionare Valentin Wolff und Wilhelm Mär-
tens auf das engl. Blaubuch vom November 1915. Mit
Vorwort u. e. Briefwechfel m. Neutralen hrsg. (55 S.)
40. Gütersloh, C. Bertelsmann 1917. M. 1.50

In der Gefchichte der chriftlichen Miffion der neueften
Zeit bildet die Behandlung der deutfehen Miffionare in den
Kolonien der mit Deutfchland jetzt im Krieg befindlichen
Mächte ein dunkles Kapitel. Während zur Zeit eine volle
Überficht über den Umfang der Vergewaltigungen, denen
die deutfehen Miffionare beider Konfeffionen ausgefetzt
wurden, noch nicht gewonnen werden kann, find wir über
die berüchtigten Vorgänge in Kamerun durch Augenzeugen
gut unterrichtet und fogar bereits in der Lage, ihren Schilderungen
die von englifcher Seite erfolgten Antworten
gegenüber zu Hellen. Da diefes ganze Material in diefer
Schrift mit genauen Quellenangaben zufammengeftellt ift,
hat fie urkundlichen Wert und daher für die Gefchichts-
forfchung bleibende Bedeutung.
Göttingen. Carl Mirbt.

Marek, Priv.-Doz. Dr. Siegfried: Kant und Hegel. Eine
Gegenüberftellg. ihrer Grundbegriffe. (III, 91 S.) 8U.
Tübingen, J. C. B. Mohr 1917. M. 2.40

Ein tüchtiger Neukantianer aus der Schule Rickerts
fühlt, fehr charakteriftifch für die philofophifche Situation,
das Bedürfnis, den Begriff Kants von der Philofophie und
den Hegels einander fcharf gegenüberzuftellen. Er gibt
als Grund zwar nur an, daß eine folche Auseinander-
fetzung gerade für den Neukantianismus befonders nahe
liegend fei, weil diefer dem Hegelianismus einesteils als
fchärffter Gegenpol gegenüberftehe, andererfeits in feiner
eigenen Entwicklung zu Fragen der ,Hegelfchen Weiterbildung
Kants' zurückführe; er nennt hierbei nur den
Panlogismus der Marburger, hätte aber ebenfoftark die
gefchichtsphilofophifche Richtung der füdweftdeutfehen
Schule betonen dürfen, die bei Windelband nahe an
Hegel heranführte und aus der Rickertfehen Gefchichts-
logik heraus vermutlich immer ftärker gewiffen Seiten
Hegels fich nähern wird. Die Schrift des Verf. ift neben
denen von B. Croce und Windelband und J. Ebbinghaus
ein Signal kommender Entwicklungen und bei ihrer doch
wefentlichen Ablehnung Hegels eine Art Vorpoften-
gefecht.

Diefem Zweck dient fie vortrefflich durch klare und
fcharfe Herausarbeitung der Gegenfätze, denen man nur
noch eine handlichere Formulierung und prinzipiellere
Zufpitzung wünfehen möchte, obwohl alles wefentliche
klug und fein gefagt ift. Der Gegenfatz liegt nach dem
Verf. in der grundlegenden Anfchauung von Wefen
und Aufgabe der Philofophie. Der Kritizismus, wobei
der Verf. ftets zugleich den Neokritizismus im Auge hat,
faßt die Philofophie auf als Frage nach den Kriterien
giltiger und objektiver Wahrheit in der gedanklichen
Formung der Erfahrung, wobei die gedankliche Verarbeitung
bereits in den großen Kulturfchöpfungen der
Wiffenfchaft, Moral, Religion und Kunft vorliegt und nur
die kritifche Herausarbeitungund Rechtfertigung der echten
in ihnen vorliegenden, gegenftändlichen, d. h. objektiven
und allgemeingiltigen Erkenntniffe fordert. Das ergibt
eine das irrational gegebene Leben vorausfetzende, feine
gedankliche Verarbeitung nur durch giltige logifche
Formen begründende und begrenzende und darum ent-
fchieden logifche Grundrichtungen in der Erzeugung
objektiver Erkenntniswerte befolgende Philofophie. ° Die
Idee des Abfoluten rückt ganz in die der objektiven
Giltigkeit der Erfahrungsbeurteilung hinein, und die letzte
Einheit diefer Vernunitformen wie die Einheit von Gegebenem
und Vernunftformung liegt in unendlicher Ferne
hinter unüberwindlichen Antinomien, als eine wiffenfehaft-
lich nur in unendlicher Annäherung zu löfende Aufgabe und
als ein praktifch in der Freiheit erlebbares und darum