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Ausgabe:

1918

Spalte:

249

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Probst, Jean Henri

Titel/Untertitel:

La Mystique de Ramon Luil et l‘Art de Contemplacio 1918

Rezensent:

Scheel, Otto

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Seite 1

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249

Theologifche LiteraturzeUurtg 1918 Nr. 1920.

hoffe fie dem Drucke übergeben zu können, wenn wieder
günftigere Zeiten für den Wiffenfchaftsbetrieb gekommen
Fein werden. Dabei werde ich nun auch zu Adams Ausfuhrungen
im einzelnen Stellung nehmen. Soviel fei hier
fchon bemerkt, daß ich weder feinen Beweis für einen
Unterfchied zwifchen der römifchen und der afrikanifchen
Praxis noch den damit zufammenhängenden für einen
afrikanifchen Urfprung des .Ediktes' für durchfchlagend
halte, vielmehr in der Haupfache nach wie vor auf dem
Harnack-Funk'fchen Standpunkt ftehe und diefen durch
neue Beobachtungen und Erwägungen befeftigen zu
können glaube.
München. Hugo Koch.

Lürßen, Johanna: Eine mitteiniederdeutfche Paraphrale des
Hohenliedes, unterfucht u. hrsg. (Germaniftifche Abhanden
. 49. Heft ) (VIII, 232 S.) 8n. Breslau, M. & H.
Marcus 1917. M. 9 —

Eine fleißige Arbeit; und doch habe ich fie enttäufcht
aus der Hand gelegt, weil fie weniger bot, als der Titel
erwarten ließ. Die .Ausgabe' befchränkt fich auf Abdruck
der Roftocker Handfchrift (Univerfitätsbibliothek
Mscr. theol. 40). Die offenbar verderbten Stellen find durch Knrliv-
druck hervorgehoben (übrigens nicht immer, vgl. funderghen Bl.
90a, S. 192 Z. 5 v. o.), und das Auge muß fortwährend zu den in den
Fußnoten verzeichneten Varianten der andern Handlchriften hinunter-
fchweil'en, um einen lesbaren Text zu erlangen. Und doch hätte das
überlieferte handfchriftliche Material, befonders bei gebührender Heranziehung
der Kopenhagener Handfchrift, zu einer kritifchen Ausgabe
hingereicht. Warum wurde darauf verzichtet? —

.Unterfucht' wird, und zwar recht gründlich, die Grammatik
der Handfchriften, mit keiner Silbe aber das Milieu
fowie die literargefchichtliche Stellung und Bedeutung
diefer niederdeutfchen Paraphrafe des Hohenliedes.
Und doch hätte vielleicht feit Willirams Bearbeitung des
Hohenliedes (11. Jhdt.) keine deutfche Behandlung diefes
Stoffes eine folche Würdigung mehr verdient als die vorliegende
Paraphrafe. Möglich, daß ihr Verfaffer Williranis
Arbeit kannte. Man vergleiche die beiderfeitigen Ausführungen
zu Cant. 1,14:

Baeumker, Clemens: Der Platonismus im Mittelalter. (49 S.)

4». München, G. Franz 1916. M. 2—

Aus der Fülle reichen Einzelwiffens gibt B. einen
Überblick über den Platonismus im Mittelalter. Die
Pormel Ariftoteles gehöre dem Mittelalter, Plato der
Renaiffance, ift viel zu eng. Baeumker will freilich nicht
beftreiten, daß diefer Formel ein relatives Recht gebührt.
Auch leugnet er nicht, daß die wertvollften Erzeugniffe
der mittelalterlichen Spekulation in der ariftotelifchen Entwicklungsreihe
liegen. Aber .Mittelalter uud Renaiffance,
das Zeitalter Dantes und das Zeitalter Michelangelos,
flehen auch im philofophifchen Denken nicht wie zwei
durch einen unüberbrückbaren Abgrund getrennte Welten
gegeneinander. Ein Strom des Geiftes, der aus dem Born
in Piatos Akademie entfprang, aus Plotins und Auguftins
Schacht Zufluß erhielt, der im Hochmittelalter zwar mehr
von der Oberfläche verfchwindet, aber als kräftige Unter-
ftrömung fortzieht, um in der künftlerifch geftimmten
Renaiffance mit Macht wieder hervorzubrechen, verbindet
fie miteinander und geht auch weiter, unverfiegend, durch
die Zeiten'. Der Strom ift freilich nicht ganz fo fichtbar,
wie B. überzeugt ift. Dem thomiftifchen Syftem dürfte
eine zu ftarke Berührung mit dem Platonismus zuerkannt
worden fein. Und von einer felbftändigen Bewegung des
Platonismus im ariftotelifchen Hochmittelalter kann nicht
wohl gesprochen werden. Literarifch und gedanklich reißen
aber die platonischen Fäden nicht ganz ab. Die gram-
matifchen (humaniftifchen) Studien des Mittelalters wie
auch die haturwiffenfchaftlichen find, wie B. mit Recht
betont, mit Plato verknüpft. Der Renaiffance-Humanift
Petrarka hat fein Vorbild im philofophifchen Humanismus
des 11. u. 12. Jhds., wie er vornehmlich in der Schule

von Chartres gepflegt wurde, die auch ein Mittelpunkt der j Kleriker als Verfaffer hin. Charakteriftifch ift die Bemer-

Williram: fcone biß; tu, uuine Mnd. Par.: unde du byft fchone
min, unte erlich. Du quid, daz ih myn vruntynne, fu, du byft i'uvti-
Icone fi, abo al min fcone diu ift lyck ... O, leve here, du fecht,
mir uone dir cuman. dat ik fchone unde fuverlik fy,

Van weme hebbe ik de fchonheyt,
anders den van dy?

Daß Willirams Arbeit fchon früh im niederdeutfchen
Sprachgebiet Beachtung fand, beweift die Leidener
Handfchrift (noch aus dem 11. Jhdt). Aber freilich
während Williram das Hohelied auf das Verhältnis Chrifti
zu der Kirche deutete, werden in unfrer Paraphrafe der
König und die Braut ganz ausfchließlich auf Chriftus und
die minnende Seele bezogen; alfo auch kein Schwanken
der Deutung wie in der St. Trutperter Bearbeitung von
Willirams Werk. — Auf Entftehungszeit und -ort unferer
Paraphrafe kann nur aus dem Handfchriftenbefund ge-
fchloffen werden; danach kommt die erfte Hälfte des
15. Jahrhunderts in Betracht und als Entftehungsort etwa
die Gegend von Lüneburg und Celle. Die Myftik diefer
Auslegung ift keine außerkirchliche; die wiederholte Auszeichnung
der Prediger und Lehrer deutet auf einen

naturwiffenfchaftlichen Studien war. Die naturwiffen-
fchaftliche Bewegung bleibt, wenn man von der fpät-
mittelalterlichen nominaliftifchen Gruppe an der Parifer
Univerfität abfieht, in Beziehung zur Platonismus. In Nik.
von Kues fließt fie mit der Renaiffance zufammen. Und
felbft im Dominikanerorden fchafft fich in der füdweft-

kung zu Cant. 8, 12 (Bl. 137b, S. 230): rechte alzo de
mer arbeydet, de den wyn lecht unde plantet, wen
de de ripen wynberen bewaret, alzo arbeyden de lerere
edder de predekere mer wen de bichtegere.

Wer liefert uns einmal eine zufammenfaffende Behandlung
der deutfchen Überfetzungen (gereimten wie

deutfchen Schule der Platonismus theologifch einen Herd, j ungereimten) und Bearbeitungen des Hohenliedes im
Tübingen. Scheel. ! Mittelalter? Manches noch ungedruckte Material wäre

^____| dabei freilich zu benutzen; aus meinen Notizen fei auf

Ms. theol. 94 der Kgl. Bibliothek zu Bamberg hinge-
Prohn, Prof. Dr. Jean Henri: La Mystique de Ramon Lull et lArt j wiefen (s. XIV.), das eine lateinifche Auslegung des Höhende
Contemplaoio. Etüde philosophique suiyie de la publication : liecies enthält mit deutfcher Überfetzung der Textftellen
du texte Catalan retabli d'apres le ms. No. 67 de la Konigl. r> • pphatiHInno- Her nieHerHentfi-hen ArheJfe,, "; of.
Hof-u. Staatsbibliothek in München. (Beiträge zur Gefch. der ! bel Behandlung der ntedeideutfchen Arbeiten mußten
Philofophie des M.-A. 13. Bd., 2. u. 3. Heft.) (VIII, 126 S.) auch die niederlandifchen herangezogen werden. Anch
gr. 8°. Münlter i. w., Afchendorff. M. 4.25 j wäre natürlich auf die Bibel-Frühdrucke einzugehen; unter

Auf Grund einer Handfchrift der Münchener Hof- und Staats- j den niederdeutfchen verzichtet die berühmte Kölner Bibel
bibliothek publiziert Prob» den Text der art de contemplacio. , von H?g auf eine Übertragung des Hohenliedes da der
Eine Darftellung der Myftik des Raimundus Lullus und eine , w.rff,'y ;„.ff.. r ninht%,^r6^u r u j ,

Analvfe der Schrift art de contemplacio werden vorangefchickt. < Wortfinn jungen Leuten nicht zuträglich fei wahrend die
,Le lecteur attentif de notre petit commentaire et du texte que Lübecker Bibel des btetten Arndes vom J. 1494 einen
nous lui offrons s'apercevra vite que Lull est tout autre qu'on i gloffierten deutfchen Text gibt, der aber von dem unferer
ne l'a cru jusqu'ä maintenant, c' est ä dire un poete mystique j Paraphrafe abweicht, und die Halberftädter Bibel von
chretien, bien equilibre, toujours egal ä lui meine en effet et chez I $ d Lübecker Text ohne die Gloffen darbietet
lequel on ne rencontre nen de morb de, mais un enthousiasme •> • A 7 ■. , - c" UM uieter.

genereux et splendide. Ce n'est peut-ltre pas le plus grand ! . . Wann wird die Zeit kommen wo für das weite For-
mystique medieval, mais incontestablement un des plus originaux.' j IcnungsgeDiet mittelalterlicher Bibelgefchtchte eine grö-
Tübingen. Scheel. | ßere Zahl theologifcher Mitarbeiter zur Verfügung ftehU

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