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Ausgabe:

1918

Spalte:

1-2

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Landersdorfer, Simon

Titel/Untertitel:

Die sumerischen Parallelen zur biblischen Urgeschichte 1918

Rezensent:

Ungnad, Arthur

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitu

Begriindet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Tltlü8 und Professor D. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hlnrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich au _ _ _

A'k lohrC' Np 1 ProfelTor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden, 5. AHTIU^V 191S

**0. ddlUg. 1. Rezenfionseiteinplare ausfchließlich an den Verlag UO.l.l.U.a.1 1V1U

Lanrlersdorfer, Die fumerifche Frage und l Mayer, Die Quellen zum Fabularius des

Konrad von Mure (Vollmer).
Jann, Candidus Sierro (Bussmann)

die Bibel (Ungnad).
- Die fumerifchen Parallelen zur biblifchen

Urgefchichte (Derf.).
Coffmann, Die Entwicklung des Gerichts

eedankens' bei den altteftamentlichen Prophe- | SchweizerifcheTheologifcheZeitfchrift, 33 Jahrg.

(W. Köhler).
Schaeder, Religion und Vernunft (Troeltfch).

ten (Greßmann).
Liber Geneleos, ed. G. Hoberg (Holzinger).
Prockfch, Petrus (Bultmatin).
Kaerft, Gefchichte des Hellenismus I (Schwartz).

Keller, Die geiftigen Grundlagen der Frei-
mauerei und das öffentliche Leben (Strunz).
— Die Freimaurerei (Derf.).
Cafpari, Die Bedeutung des Freimaurertums
(Derf.).

Bifchoff, Religion und Freimaurerei (Derf.).
Holl, Der Szientismus (Otto).
Cobn, Ethik und Soziologie Troeltfch).
Rotermund, Ein Konfirmandenunterricht ' Bildungsziele (Schulter).

Ebers, Der Papft und die römifche Kurie I
(Lerche).

(Bomemann). | Wichtige Rezenfionen. — Neuefle Literatur.

Landersdorfer, D. Dr. Pat. Simon, O. S. B.: Die fume-
rilche Frage und die Bibel. (Biblifche Zeitfragen. 8.
Folge. Heft 12.) (39 S.) gr. 8°. Münfter i. W., Afchen-
dorff 1917. M. — 50

— Die fumerilchen Parallelen zur biblifchen Urgelchichte. Mit
2 Tafeln. (Altteftamentliche Abhandlungen. 7. Bd. 5.
Heft.) (VIII, 102 S.) gr. 8». Ebd. 1917. M. 3 —

Je größer die Zahl religionsgefchichtlich bedeutsamer
fumerifcher Texte wird, um fo klarer tritt uns die Tatfache
vor Augen, daß die altorientalifche Kultur in ihren
Fundamenten fchon in fumerilcher Zeit ihr charakterifti-
fches Gepräge erhalten hat. Mögen auch die um 3000
v. Chr. in Mefopotamien eindringenden Semiten allerlei
nichtfumerifche Elemente der älteren Kultur einverleibt
haben, fo verbleibt doch das Verdienft, diefe Kultur begründet
zu haben, den Sumerern. Für die altteftamentliche
Wifienfchaft haben diefe Fragen ein befonderes Interefle,
weil viele der altorientalifchen Weltanfchauung entfprof-
fene Gedanken die Grundlage bilden, auf der fich —
zum Teil allerdings unter Zerftörung oder ftarker Umarbeitung
des vorhandenen Materials — die ifraelitifche
Kultur mit allen ihren Befonderheiten aufgebaut hat.

Es ift deshalb dankbar zu begrüßen, daß L. in der
oben zuerft genannten Schrift es entnommen hat, den
theologifch gebildeten Laien über die hier vorliegenden
Fragen foweit zu unterrichten, wie fich das auf fo knapp
bemefienem Räume möglich machen ließ. Mit Gefchick

Sodann behandelt L. den von Langdon herausgegebenen
Text C.B.S.d) 4561. Leider hat fich L. durch
Langdon's Umfchnft, Überfetzung und Interpretation fo
beeinfluffen laffen, daß fich nichts wefentlich Neues ergibt
. Ich muß bei meinem in ZDMG 71 S. 252ff. näher
begründeten Urteil bleiben, daß in diefem Text nichts
von Paradies, nichts von Sintflut, nichts von einem geretteten
Frommen und nichts von Sündenfall fteht.
Langdon's Arbeit ift ein richtiger ,Bluff, auf den leider
viele hineingefallen zu fein Rheinen. Im einzelnen ift der
Text noch To fchwer verftändlich, daß er erft bei inten-
fivfter Bearbeitung befriedigende Refultate verfpricht;
meine a. a. O. gegebene Auffaffung des Ganzen möchte
ich aber auch jetzt noch für richtig halten.

Den Gott, den L. mit Langdon Tagtug lieft, darf man vielleicht
auf Grund von CT 12,24 I 67 Tibir lefen. Bei den Krankheiten in
Kol. 6 handelt es fich wohl überall um Körperteile. Die erften find
mir noch dunkel, die anderen find: Mund, Zahn, Kehle [zil], Seite [dal],
Rippe [ti], Ohrläppchen [ag, me]. L.'s Umfchrilt ift oft ungenau; vgl.
1,19 nu-mu-nu ftatt nu-mu-un; 1,22 fehlt einmal igi (f. Photo);
1,24 mu-ma ftatt um-ma [auch 1,28 mu ftatt um; 5,36. 39; 6,44
nu ftatt un]; 2,14 im Original a, nicht a-a; 3,1 u. ö. d Nin-sar; 6,15
sugus und S. 56 sagus foll wohl sugus fein? Auf Einzelheiten kann
hier indes nicht weiter eingegangen werden. Einiges findet fchon
ZDMG 17 feine Erledigung.

Für den dritten Text C.B.M. (1) 4611 vgl. ZDMG
7b 2532-

Der vierte Text endlich entflammt den Ausgrabun-

gibt L. einen kurzen Uberblick über die jetzt als erledigt j gen der Deutfchen Orient-Gefellfchaft; Eberings Bear-
zu betrachtende ,Sumerifche Frage', um fodann die Be- | beitung inZi/MG 70, 532«". bietet manche Verbefferung.
deutung der Sumerologie für Form und Inhalt der Bibel 1
zu beleuchten. Mag man auch über manche der erörterten
Fragen anders denken und es nicht gutheißen, daß
L. in einem populären Buche mehrfach fehr unzuverläffigen
Führern wie Langdon und Radau zu weit folgt, fo
wird doch dem Theologen diefer Überblick als Einführung

mancherlei Anregung geben. fchen Textes wird vieles hinfällig, was der Verfafler lagt

In dem an zweiter Stelle genannten Werke wul L jedenfalls kann von einer literarifchen Abhäno-Rkeit keine
die neuentdeckten fumerifchen Texte über Paradies, Sun- , Rede fej unrf ^ bekennt auch L feines Anfchluf-
denfall und Sintflut einem weiteren Kreife zugänglich : feg an La don. Frdlich hat die VQn der
machen Er umfehreibt, überfetzt und interpretiert zu- Wiffenfchaft befürworteteThefeeinerUrüberlieferungwenig

r,4r-hft die inhefrnrhl- Vnr,im»n^0n TpvIp Der erfte ift der , a , r , • , „ . . .. & " 6

Z. 17 lefe ich ni-te(!)-pu-us. Das fum. ä-gis-gar-ra = iskaru
ift bereits bekannt; f. VR 40,32 cd; Bogh. I 42, VAT 7478 I 18. Manches
andre muß ich hier übergehen.

Der zweite Teil des Buches befchäftigt fich mit dem
Verhältnis der fumerifchen Urgefchichten zu den ifraeliti-
fchen. Infoige der unrichtigen Bewertung des Langdon'-

nächft die inbetracht kommenden Texte. Der erfte ift der Verlockendes. Am wahrfcheinlichften bleibt es daß dil
von Poebel herausgegebene Sintfluttext, der den baby-
lonifchen Noah wohl Ziusudu nennt.

L. lieft Ziugiddu; doch hat das ungunierte BU auch den Lautwert
su(d) [s. CT XV 11, 16 — VS II 2, III 37; B EXX1X 2, 16 —
SBH 123, 10; auch K 4359, Rs. 8 BU.AG.A=sus, aus su-sa?]. in
Umfchnft und Interpretation ift mancherlei auszufetzen; vgl. z. B. Kol
5.1, wo einmal im fehlt und ftatt lag-gi-es vielmehr ni-süg-gi-es zu .
lelen ift. me (1,8; 4,6) ift wohl ,unfer'. S. 19, Z. 32 1. Ut-napiiti ftatt | Jena. A. Ungnad

ftatt Gilgames; S. 26: Dilmun ift ganz ficher.

biblifchen Schriftfteller aus dem babylonifchen Material
auf Grund ihrer veränderten Gottesvorftellung ein ganz
neues Gebäude errichtet haben. Die Annahme einer Ur-
überlieferung ift dabei vom rein wiffenfehaftlichen Standpunkt
aus völlig überflüffig.

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