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Ausgabe:

1918 Nr. 1

Spalte:

220

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Eduard

Titel/Untertitel:

Das Deuteronomium, eingeleitet, übersetzt und erklärt 1918

Rezensent:

Steuernagel, Carl

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219

Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 17/18.

220

altbabylonifchen Titel ,Sohn der Gottheit NN.' als Adop- I richten haben. Die Priefter beginnen alfo, zunächft teil-
tionsformel; möglich, aber nicht zwingend. Weidner weife, den Zehnten für fich zu beanfpruchen, was in der
will die Labyrinthe auf Darfteilung der Eingeweide zurück- ! nachkommenden Zeit in fteigendemMaßegefch'ieht, zugleich
führen; die zeichnerifche Übereinftimmung ift frappierend, , weicht d'efe Zeit von der altteftamentlichen darin ab, daß
aber man fieht noch keine hiftorifchen Verbindungslinien. | fie 1) eine Mehrheit vom Zehnten fordert und 2) das
Weber verfucht eine Deutung der in Affur gefundenen j Material, von dem der Zehnte gefordert wird, erheblich
Terrakottahäuschen, die ficher Kultgeräte waren und bis- j erweitert. In diefer Zeit hat fich auch der Viehzehnte
her jeder Erklärung fpotten; er faßt fie als ftilifierte - durchgefetzt und die Forderung ift nachträglich in den
Berghäufer des Sonnengottes auf und möchte hypothetifch M. T. eingedrungen. Die Teigabgabe ift wahrfcheinlich
auch die Ladejahves in diefen Zufammenhang einreihen, j erft in ex'lifcher Zeit üblich geworden, jedenfalls zu diefer
Borchardt fetzt den älteften Feldzug der Ägypter nach ! Zeit erft zur Bedeutung gekommen. — Das ift in kurzen
Afien, den wir kennen, ,mit geringem Fehler' in das Jahr ; Zügen das Hauptergebnis der durch ft<-enge methodifche
4099 v. Chr. Sethe zeigt im Gegenfatz zu modernen j Unterfuchung, durch forgfam abwägendes Utieil, dmch
Beftreitungen, daß das ägyptifche Fenh-w tatfächlich die ■ vollftändige Heranziehung des Materials und der Literatur
Phöniker bedeutete, daß es fie wahrfcheinlich nach ihrem J ausgezeichneten Arbeit. Nicht überall wird der Lefer
Berufe als ,Tifchler' oder .Schiffbauer' bezeichne, daß es zur Zuftimmung geneigt fein, das ift aber wefentlich di -ch
aber vermutlich ebenfo wie das griechifche <Poivtxeg auf ; das Material bedingt, das nicht überall zwingende Schlüffe
ein bisher unbekanntes, femitifches Urwort zurückgehe. : ermöglicht, fondern der Subjektivität einen gewiffen
Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann. | Spielraum läßt.Jedenfalls verdienen die vonE. vertretenen An-

fchauungen überall forgfältige Erwägung: öfter verfchweigt

Ei (Hei dt, Priv.-Doz. Lic. Dr. Otto: Erftlinge und Zehnten er nicht die Unficherheit des Schluffes, verfteht es aber

im Alten Teltament. Ein Beitrag zur Gefchichte des mit Scharffinn aus der folgenden Entwicklung Stützen

ifraelitifch-jüd. Kultus. (Beiträge zur Wiff. vom A. T. für die von ihm vertretene Auffaffung zu gewinnen.
Heft 22.) (VIII, 172 S.) gr. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs Straßburg i/E. W. Nowack.

I9I7; M. 6.50; geb. M. 7.50

E. ift durch Wellhaufen zu feiner Aufgabe beftimmt, | König, Dr. litt, femit, phil., theol., ord. Prof. u. Geh.
der in feinen Prolegomena 1886 forderte, daß das Ver- Konf.-Rat Eduard: Das Deuteronomium, eingeleitet,
hältnis von b©y©, fi"1©«"!, D"ni33 und -p fWlM zu ein- I überfetzt und erklärt. (Kommentar zum A. T., hrr^.
ander mit forgfamer Unterfcheidung der verfchiedenen j v. E. Sellin. Bd. III.) (V, 248 S.) gr. 8°. Leipzig,
Quellen und Zeiten bis zur M'fchna beftimmt würde. A. Deichert 1917. M. 7.50

Nr :h einer genauen Literaturüberficht und einer Dar- j In den Prolegomena (S. 1—59) fetzt fich der Verfaffer
ftellung der bisherigen Behandlung des Problems beginnt j mit den verfchiedenen über das Dtn. geäußerten Anflehten
er mit der formellen Unterfuchung der hebräifchen Be- , in der Hauptfache fo auseinander, daß er wefen 'ich an
griffe, an die fich von S. 26—152 die fachliche Unter- j den in leiner .Einleitung'(1893) vorgetragenen Meinungen
fuchung fchließt. Der dritte Abfchnitt S. 152 fr faßt die ' fefthält, und feine Ablehnung anderer Meinungen durch
Ergebniffe der Einzelunterfuchungen zufammen und 1 prinzipielle Erörterungen über die bei ihrer Bildung anzeichnet
die gefchichtliche Entwicklung der kultifch-vega- gewandten Methoden zu rechtfertigen füchi Da die
tabilifchen Abgaben, während der letzte S. 163 ff die Be- prinzipielle Erörterung meift an Einzelbeifpielen erfolgt,
deutung des gewonnenen Ergebniffes für den Gefamt- wirkt fie, fo beachtenswert fie oft auch ift, im ganzen
aufriß der ifraelitifch-jüdifchen Kultusgefchichte aufzeigt, doch nicht recht überzeugend, und trägt fie in ihrer fpä-
Drei Fragen ftehen im Mittelpunkt der Unterfuchung: teren Anwendung auf andere EinzeLälle vielfach den
1) das Verhältnis der rTi»&n zu den D^TlDS, 2) das des Stempel unnatürlicher Vergewaltigung. Im eigentlichen
deuteronomifchen Zehnten zu dem von P. geforderten u. j Kommentar begleiten kleinere exegetifche Einzelbemer-
3) das Verhältnis von tVOin u. Qi"i133 zueinander und kungen — leider zu oft in der Form von Verweifen auf

der beiden zum Zehnten. Im Gegenfatz zu der allmählich
zur Herrfchaft gekommenen Anfchauung, daß Erftlinge
und Zehnten urfprünglich die gleichen Abgaben feien,
der Zehnte alfo nichts als die auf ein beftimmtes Maß
gebrachten Erftlinge ift, fucht E. zu zeigen, daß Erftlinge

andere Schriften oder Auffätze des Verf., die den Benutzern
meift nicht zur Hand fein werden, oder in der
Form der Stellungnahme zu nur angedeuteten oder gar
als bekannt vorausgefetzten Problemen, von denen die
meiften Lcfer nichts wiffen werden — die Üoerfetzung

und Zehnten in den älteften Quellen gleichzeitig bezeugt 1 in Form von Fußnoten, ergänzt durch Ve. veife auf andere
find, fie find urfprünglich nicht identifch. Der Zehnte i Stellen, die in Klammern in die Überfetzung eingefchaltet

diente wohl zu einem in den Lokalheiligtümern von den
Darbringenden zu veranftaltenden Mahle, doch ftand dem
Kultusperfonal ein Anteil am Material zu. Das Dt. beftimmt
, daß der Zehnte nur im Nationalheiligtum dargebracht
werden darf, aber im dritten Jahre foll die
Darbringung unterbleiben und das Zehntmaterial in den
einzelnen Ortfchaften an die Bedürftigen verteilt werden.
Zugleich beftimmt Dt., daß die bisher in den Lokalheilig

find. Die inhaltliche Erklärung der einzelnen Abfchnit'e
und die Erörterung ihrer allgemeinen Probleme folgt jedesmal
der Überfetzung. Sie leidet etwas an Ungleich-
mäßigkeit hinfichtlich des berückfichtigten Materials und
der Ausführlichkeit, die keineswegs immer durch den
größeren oder geringeren Grad der Wichtigkeit bedingt
ift. (1, 1—5 erfordern mehr als 6 Seiten, Kap. 6—11 zufammen
nur etwa 3f/2 Seiten!) Umfangreichfte Berück-

tümern tätigen, nun aber ihrer Einnahme beraubten 1 fichtigung der Literatur, auch der abgelegenften, und
Priefter an den Zehntmahlzeiten in Jeruf. teilnehmen, in j peinliche Sorgfalt bis in die Kleinigkeiten verliehen fich
jedem dritten Jahr aber foll ihnen, wie den Bedürftigen, j bei dem Verf. fo fehr von felbft, daß fie kaum noch be-
das ganze Material zufallen. In exilifcher Zeit ift der | fonders hervorgehoben zu werden brauchen,
den Prieftern zuftehende Anteil am Zehntmaterial zu ! Breslau. C. Steuernagel,

einer felbftändigen Abgabe, der Priefterhebe geworden

der Zehnte felbft aber zu einer einfachen, wohl den Grimm, H. A.: Das Hohe Lied der Liebe. Des Königlichen
Leviten zufallenden Steuer, die in die Vorratsräume des Sängers Salomon Minnelieder, ins Neuhochdeutfche
Tempels geliefert und dort aufbewahrt wird. Die Zentrali- übertragen von G. (56 S.) 8°. Berlin, W. Borngräber
fierung des Kultus und hernach das Exil haben umge- ! (1917)- .. Geb. M. 3 —

Haltend auf den Zehnten eingewirkt. Die im Exil zur Vorliegendes Büchlein ift eine Übertragung einer

Geltung gekommene Praxis vertritt P: Die Priefter haben : mittelhochdeutfchen Nachdichtung des biblifchen .Hohen
die Hebe, der Zehnte felbft ift Einnahme der Leviten, j Liedes', worin nach der Weife der mittelalterlichen Kirche
die aber davon wieder den Prieftern den Zehnten zu ent- ■ die Braut als die Jungfrau Maria verftanden wird und