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Ausgabe:

1918 Nr. 1

Spalte:

212-213

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lehmen, Alfons

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage, zum Gebrauch an höheren Lehranstalten und zum Selbstunterricht. 1. Bd.: Logik, Kritik, Ontologie. 4., verm. u. verb. Aufl., hrsg. v.

Rezensent:

Horten, Max

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Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 15 [6.

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des Wertes der Bilder, in welchem man das Angeld auf I Kirche denkt, mit ihr fühlt und in ihr lebt. Beide
eine Ikonographie der Reformationszeit fehen darf. Mit i Werke fchlieflen fich harmonifch zufammen.
Recht beruft fich F. auf Bezas Worte über die Bedeutung . Alfeld. Schornbaum,
der Bilder für die Würdigung der Reformatoren, was__-___,______

bisher nicht genug beachtet ift. Schon ift die Charak- Germania Judaica. Hrsg. im Auftrage der Gefellfchaft zur
tenftik des Theologen und Politikers Bucer als Apoftel | Förderg. der Wiff. des Judentums v M Brann u.
der Eintracht, wobei ihm freilich auch Entgleifungen A. Freimann. Bd. I, 1 (v. den alterten Zeiten bis

nicht erfpart blieben. Vgl. Luthers Predigtüberfetzun
des Landgrafen Doppelehe, Regensburger Buch.
Stuttgart. G. Boffert.

1238) A—L. (Schritten, hrsg. v. der Gefellfch. z. Förderg
, der Wiff. des Judentums.) (XII, 163 S.) Lex.-8».
Frankfurt a. M., J. Kauffmann 1914. M. 6 —

—~-" ZT~~Z~. L~ i -77~ _ Das Werk foll alle Landfchaften und Orte Deutfch-

._ n h. 71 i h f. m __ . '. ed. ph tnf^.„ 1. . ' m AI»enbHurger lands (auch des alten deutfchen Reiches), wo bis 1815
Lande, zu ihrem 4UOjahr. Oedacntms r. die Gemeinde daree- . ,v A ,- . , , j ju , t

ftellt. (31 S.) 8". Altenburg, O. Bonde 1917. M. - 20 , judifche Anfiedelungen beftanden oder hervorragende Ju-

Die kleine gehaltvolle Gedächtnisfchrift, die dielen Charak- i den lebten, in alphabetifcher Reihenfolge verzeichnen und
ter gefchickt dadurch wahrt, daß fie bei jeder fich darbietenden zugleich deren Gefchichte und Leiftungen quellenmäßt

Gelegenheit die Beziehungen zur Gegenwart herftellt, fchildert ; knapp und gemeinverftändlich darfteilen.' Mir erfcheint An-
die kirchlichen Zuitande in der Ubergangszeit und fodann den 1 1 • a r_ r lu t. ci-ff ;n- a-__; „1..1-..

Gang der Reformation in Stadt und Land, befonders die Tätigkeit j uaS? ™e Ausfuhrung verfehlt. Der Stoff ift in drei alpha-
des Gabriel Didymus, Wenzeslaus Linck und Georg Spalatin, ! betifche Abteilungen zernffen (I bis 1238, IL bis 1500,
verzeichnet auch Luthers 16 Befuche in Altenburg, die noch III bis 1815), fo daß man (nach Fertigftellung) nach jedem
vorhandenen Hausinfchriften aus der Reformationszeit und die Orte dreimal nachfchlagen muß. Schon in I I fehlen Orte,
RAt.taua,1°nSdrUCke -handrchriften in der Ratsbücherei. (He vor I23g juden mtten> dagegen find andere breit er-

_____ ' emen- wähnt, von denen die Verfaffer felbft nicht glauben, daß

n ,/ 1 ,, _T ~ I I ; I damals dort jüdifche Anfiedelungen gewefen oder nach-

w ' 5 g'.i" 5 _d- EV?ft: R . fa . deT Wl"6^^61- weislich feien, ferner folche, bei denen z.B. nur die Tötung
Nachtigall in München. Eine Gefchichte des Proteftan- eines (vielleicht wandernden) Juden in der Umgebung ein-
tismus in Bayerns Hauptftadt in der Zeit der Refor- ; mal erwahnt ift oder wo ein auswärtiger Jude nur (wie
mat.on u. Gegenreformation des 16. Jahrh. Zum Re- in Elmen) Gefchäfts-Teilhaber war. Alle größeren Artikel
formationsgedachtnisjahr 1917 dargeboten. (IV, 286 S. bringen überflüffigerweife und zumeift überwiegend die
m. 2 Fakfm.) gr. 8». München, Müller & Fröhlich 1917. ganze nichtjüdifche Stadtgefchichte fowie fehr viel über-
_ __ ,M-, 4-S°l ge. »}.. 6 1 flüffip-es Anmerkungsmaterial, manche find geradezu kleine,

Conrad, Michael Georg: Der Protestantismus in Bayern, j halbpopuläre Monographien. Das Richtigfte wäre knappe
Erinnerungen u Gedanken zur .^jähr. Jubelfeier der Regeftenform in eitaenl alle Bande durchlaufenden Al-
Reformation (Deutfch-evangel.fche Friedensfchriften habet gewefen. viele andere Ausftellungen verbietet die
Nr. I.) (II, 76 o.) kl. 8°. München, Muller & Prohlich. 1

M. 1 —

Ein guter Gedanke, im Jubiläumsjahr der Reformation
über die Gefchicke der evangelifchen Lehre in Bayerns
Hauptftadt zu berichten. Bereits 1809 und 1810 hatte
der Profeffor an der Univerfität zu Landshut V. A. Winter
eine heute noch wertvolle, den Verfaffer durch feinen
Freimut felbft ehrende Gefchichte der evangelifchen Lehre
in und durch Baiern gefchrieben; viel Neues war aber feit-
dem durch die verfchiedenften Forfcher ans Tageslicht gekommen
. Das weithin zerftreute Material nicht nur zu-
fammengefaßt und durch eigenes Suchen im Reichsarchiv
und Städtifchen Archiv zu München bereichert, fondern
auch in einer Form dargeboten zu haben, daß der Hi-
ftoriker wie der gebildete Laie diefelbe mit Genuß lefen
wird, wird ein bleibendes Verdienft des Verfaffers bleiben.
In 22 Einzelbildern zeigt er uns die Zuftände um den
Beginn der Reformationszeit ■— fie find die gleichen wie
im übrigen Deutfchland —, das Eindringen der evangelifchen
Lehre, ihr Feftwurzeln trotz aller obrigkeitlichen

Papiernot, die dem Rezenfenten höchftens 200 Worte ge-
ftattet.

Leipzig. Erich Bifchoff.

Warmuth, Pfr. Lic. Dr. Kurt: Soeren Kierkegaard — ein
Seelsorger für die Seelsorger. (Aus: ,Archiv f. Gefch.
derPhilof.' (34 S.) 8°. Berlin, L.Simion Nf. 1917. M. 1 —
Insbefondere die Geiftlichen will diefes Schriftchen
zu näherer Befchäftigung mit Kierkegaard anregen. Als
kurze Einführung bietet es Vortreffliches. Zu Anfang
werden klar die Probleme geftellt und die verfchiedenen
Beurteilungen vor Augen geführt, die der eigenartige
religiöfe Denker erfahren hat. Eine gute Literaturüber-
ficht leitet zur Charakteriftik feiner Perfönlichkeit und
feiner Anfchauungen über. Die Hauptgedanken feiner
Predigt von der Innerlichkeit des Chriftentums werden
gefchickt herausgehoben und erklärt, befonders die Kategorie
des Einzelnen, der Begriff der Erbauung, die Bedeutung
der Forderung der Gleichzeitigkeit mit Chriftus'.

Maßnahmen bis es endlich den Jefuiten gelang, fie mit i - . a11«f. Sympathie mit K. fehlt es nicht an der Kritik
Stumpf und Stil durch Gewalt auszurotten. Eine Mär- I feiner Einfeitigkeit und feines Kampfes gegen die Kirche,
tyrerzeit der ev. Kirche; hell leuchtet das Bild fo man- ! Inwiefern K. gerade den Seelforgern ein Seelforgerwerden
eher evangelifchen todesmutigen Bekenner; tief waren die j kann wird überzeugend am Schlaffe nachgewiefen. -
Wunden, die fich die Obrigkeit mit der Vertreibung der 1 Bei der Gefahr der Veräußerhchung des paftoralen Amtslebens
, die auch gerade durch den Krieg den Geiftlichen
droht, wäre es in der Tat zu wünfehen, daß fich recht
viele Paftoren entfehlöffen, K. zu ftudieren und fich von
ihm zur Innerlichkeit mahnen zu laffen.
Straßburg i. E. Gottfried Naumann.

evangelifch Gefinnten felbft fchlug. Nicht vergeffen fei
der Hinweis auf die im Anhang abgedruckten Akten-
ftücke; die Ausftattung macht dem Verlag alle Ehre.

Wefentlich anderer Art ift das Büchlein von Conrad.
In buntem Wechfel ziehen eigene Erlebniffe, Schilderungen
aus dem Leben der bayr.-prot. Kirche im i.Jahrhundert
ihres Beftehens, Reflexionen mancherlei Art an dem Lefer
vorüber. Goethe, Harleß, Bezzel, Dr. Eichhorn (Gemein-
fchaftsmann), Wagner u. a. m. zieht er in den Kreis feiner
Betrachtung. Man möchte manchmal wünfehen, daß er
tiefer gegraben hätte, aber dennoch wird man des Lefens
nicht müde. Nicht nur der gerechte Sinn, mit dem er
alles zu würdigen fucht, vor allem die Liebe zur evan

Lehmen. Alfons, S. J : Lehrbuch der Philolbphie auf ariftotelirch-
fcholaftifcher Grundlage, zum Gebrauch an höheren Lehran-
ftalten u. zum Selbftunterricht. t. Bd. Logik, Kritik, Cytologie
. 4., verm. u. verb. Aufl., hrsg. v. Peter Beck, S. J. (XVUI,
516 S.) gr. 8". Freiburg i. B., Herder 1917. M. 7.60; geb. M. 10 —
Das vorliegende Buch ift eine gute Einführung in das fcho-
laftifche Denken unferer Zeit, wie es in katholifchen Kreifen lebt.
Kritik und Ontologie (Begriff der Urfache) geben dem Verfaffer
Gelegenheit, auch zeitgenörhTche Probleme nichtkatholifcher Phi-
gelilcnen Kirche berührt wohltuend. Das kleine Buch- i0f0phie zu berühren. Zu einer befriedigenden Auseinanderretlein
ift ein Zeichen, wie man in Laienkreifen von feiner | zung mit der modernen Zeit kann es in einem Schulbuche wie