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Ausgabe:

1918

Spalte:

209

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Commer, Ernst (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Divus Thomas. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. 2. Serie. 3. Jahrg., 4 Hefte u. 4. Jahrg. Heft 1 u. 2 1918

Rezensent:

Scheel, Otto

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Seite 1

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209 Theologliche Literaturzeitung 1918 Nr. 15/16. 210

Divus Thomas. Jahrbuch f. Philofophie u. fpekulative Theologie, I Boehmer, Prof. Heinrich: Luther im Lichte der neueren Forlchung.

II. Serie. Hrsg.: Prof. i. R. DD. Ernft Commer. III. Jahrg. Ein krit. Bericht. 4. verm. u. umgearb. Aufl. 17.—20. Tauf.

(Bd.) 1916, 4 Hefte u. IV. Jahrg. (Bd.) 1917, Heft 1 u. 2. 8". j fVIII, 301 S.) 8". Leipzig, B. G. Teubner 1917.

Wien, Mechithariftendruckerei. Der Jahrg. M. 12.50 : M. 3 —; geb. M. 3.50

Aus den Auffätzen diefer Hefte feien die Unterfuchungen des j Für die neue Auflage feines verdienftvollen Lutherbuches

Paters Sadoc Szabö über den Gegenftand der Approbation in der
Lehre des hl. Thomas und über den theologifchen Wert der
approbierten Lehre des hl. Thomas herausgehoben. Formalob

war Boehmer in der angenehmen Lage, aus dem eng gelpannten,
Umfangbefchränkung gebieterifch verlangenden Rahmen der
Sammlung ,Aus Natur und Geifteswelf heraustreten zu können

jekt der Approbation find die metaphyfifchen Sätze feiner Philo- und lieh freier zu ergehen. Das ilt der ganzen Darfteilung be

fophie, nicht jedoch, was damit in lofem oder keinem Zufammen
hang fteht, wie naturwifTenrchaftliche Anschauungen oder hifto-
rifche und kritifche Ungenauigkeiten. In der Theologie ift das

greiflicher Weife zu gute gekommen. Die Grundlage ift zwar
geblieben, die Kapitelüberfchriften find zwar etwas geändert, aber
nur nach der formalen Seite hin; das Neue befteht alfo mehr in

Formalobjekt die fyftematifche Begründung und Erklärung, der j Ergänzungen, Berichtigungen, Berückfichtigung neuerer Forfchung

organirche Aufbau der offenbarten Wahrheiten im Geift und nach 1 u. dgl. Ich hebe Einiges heraus und füge Bemerkungen hinzu:

den Grundfätzen der Kirche. Durch die Approbation hat das S. 2 find jetzt fünf Lutherpoi träts als unzweifelhaft echte Cranachs

übernatürliche Lehramt der Kirche der thomiltifchen Lehre eine erwiefen (3. Aufl.: 4); S. 22 ift trotz Scheel ftehen geblieben, daß

übernatürliche Garantie der Gewißheit gegeben. Durch ,Anteil- : Luther nicht der Erftgeborene war; S. 23 läßt B. Luther in Erfurt

nähme' gewinnt darum Thomas ein übernatürliches Anfeilen, , zuerft in der Georgenburfe ,und dann kurze Zeit als ftud. jur. in

eine Autorität die die Autorität aller anderen Lehrer der Kirche I der Burfe zur Himmelspforte wohnen', aber das ift unmöglich,

übertrifft. Im'4. Heft des Bd. III gelangt Horväth in einem Auf- denn der von H. Degering (aus Luthers Frühzeit, 1916, S. 78)

fatz über Albert den Großen und Thomas von Aquin als Begrün- mitgeteilte Brief mit der Nachricht vom Wohnen in celi porta

der der chriftlichen Philofophie zu dem Ergebnis, daß fie jene datiert von 1501; da war.Luther nicht ftud. jur., fondern wurde

chriftliche Philofophie fchufen, welche allen Anfprüchen, fowohl i erft immatrikuliert. S. 27 und 148: der ,echte Thüringer' Luther

denen des Menfchen als auch jenen des in die Gnadenordnung ift jetzt von Scheel (M. Luther 2 Aufl. S. ) auf Grund einer

erhobenen Chriften gerecht wird. Von dem gefchichtlichen Ver- Äußerung Luthers in Frage gezogen worden. S. 50: wo findet

fahren unferer Tage find diele Hefte natürlich nicht beherrfcht. ; fich der ,Nachweis' für die feelifche Abnormität Luthers fchon

vor dem Eintritt ins Klofter? Es handelt fich doch nur um
fpätere Äußerungen darüber, die nicht ohne Weiteres zuver-
läffig find. Die bekannte Stelle WA 37,661 wird von B. felbft
S. 69 in einer fehr lehrreichen Anmerkung preis gegeben. — Die

Tübingen. Scheel.

Paafche, Frederik: Luther. (108 S.) 8«. Chriftiania, A.

Atchenoug Nr Lo. 1917. Kr. 2.50 2. Bd. von Scheel noch nicht benutzt; das Studium Auguftins wird

Rnnwptrch Prof D G Nnrhanael- Wip wiirrlp Luthpr zum jetzt um einJahr <1509) herabgefetzt (S. 58). Neu gearbeitet find
Bonweticn, Iro .U G. iNatnanael. Wie WUrae LUther Zum die Ausführungen über Luther und die deutfehe Myftik; B.fchreibt
Reformator? (Zeit- u. Streitfragen des Glaubens, der ihr die Bedeutung zu, ihn zu dem Schluß ermutigt zu haben:
Weltanfchaug. u. Bibelforfchg., II. Reihe, 8./9- Heft.) j auch die Freuden der Seligkeit find etwas jetzt fchon zu genießen-
(38 S.) 8°. Berlin-Lichterfelde, E.Runge 1917. M. — 80 j des Geiftliches. S. 76 wird zum Verftändnis der Schrift, an den

Paafches Luther ift ein erfreulicher Beitrag des fkan- fdel ~ l™.1 R.ec„nt ~ cauf °?ka™ T?Lwie92ft; Z" PS 78: 8ewiß
,. .r , , t, r ... , -P- t-- ift es richtig, daß die Freunde die Thefen erft port festum kennen

dinavifchen Nordens zum Reformationsjubilaum. Eine iernten, aber Beratungen mit den Freunden find vorausgegangen;
Biographie wird uns nicht geliefert, auch keine umfaffende vgl. Enders 1, Nr. 61. S. 83 ff ift die Ablaßlehre eingehender
Erörterung der kirchen- und geiftesgefchichtlichen Pro- dargeftellt und der Einfluß germanifcher Rechtsvorftellur.gen

latent worden. Die ganze Entwicklung des KetzerprozelTes gegen
Luther S. 91 ff. ift neu ausgearbeitet worden. S. 108 wird — allerdings
mit der Einfchränkung ,allem AnTchein nach' — die Ablehnung
der Aufforderung, auf die Ebernburg zu kommen, einer

bleme. Der Verfaffer will vor allem die Perfönlchkeit
Luthers aus feinem Glauben heraus begreiflich machen.
So gelingt es ihm, die heldenhafte Größe des Reformators
zu fchildern, feine Unabhängigkeit vom .Zeitgeift' Warnung durch die fächfifchen Räte zugefchrieben. Das ift ge
und dem Mittelalter feftzuftellen und das Verftändnis | wiß möglich. Hingegen ift nicht richtig (S. 111 f.), daß das Reich
für feine weltgefchichtliche Bedeutung zu wecken. An- fofort nach dem Wormfer Reichstag fleh abfolut neutral'verhielt
fchauliche Szenen beleben die D irftelluno- Gelerrenrlirh ~nd 'die Entfcneldunß >n der rehgiofen Frage in diefer ganzen
lcnauncne C3zener^peieoen nie jGanteitung. Gelegentlich Zeit vollftändig dem Gutdünken der einzelnen Reichsftände überladen
war'. Vgl. dagegen H. v. Schubert: Reich und Reformation
1911. — S. 145 u. ö. wird die Kompofition von ,Ein fefte Burg'
,mit Sicherheit' Luther zugefprochen. — Ob die ,Antwort ohne
Hörner und Zähne' wirklich an die ftudentifche Depofition
erinnert (S. 147), ift zweifelhaft (vgl. meinen Vortrag: die deutrehe
Reformation und die Studenten 1917, S. 21). — Den vollendeten
Bourgois' fehe ich bei Hausrath (S. 165) gerne entfernt; wer
ihn kannte, weiß, daß er das nicht war. Im Übrigen ift diefes
Kapitel über den Charakter Luthers ftark erweitert. — M. E. geht
es nicht an, den Beichtrat in der Doppelehe des Landgrafen nur
auf die .mittelalterlich-katholifche Beichtpraxis' abzuladen (S. 187);
es fteckt darin das ganze Problem ,Reformation und Kultur', angefaßt
am heikelftenPunkte. Vgl. meine Darftellung in: M. Luther
und die deutfehe Reformation. Treffend weift B. die übliche Verherrlichung
des Landgrafen in diefer Frage zurück. — Die Darfteilung
des Marburger Religionsgefpräches S. 204, die auch neu
eingefügt ift, wird Zwingli nicht ganz gerecht, wie ich hier nur
andeuten kann, fie (timrat auch nicht zu v. Schuberts bekannter
Darlegung. — Auch der 5. Abfchnitt ift vielfach geändert, doch
die Stellungnahme zu Troeltfch die gleiche geblieben. Inzwifchen
ift fchon die fünfte Auflage des Böhmerfchen Buches erfchienen.
So geht es feinen Weg, den es verdient.
Zürich. Walther Köhler.

find wohl mißverftändliche Formulierungen untergelaufen.
Luthers Siindenbewul.itfein mit dem Verfündigungswahn
der Pfychopathen zu vergleichen ift abwegig. Es ver-
fperrt das richtige Verftändnis der religiöfen Antinomie,
wie fie fich in Luthers kurzem Satz peccator et iustus
sinuil Ausdruck gibt. Aber das find formale Ent-
gleifungen, die durch die Darftellung felbft korrigiert
werden oder doch korrigiert werden können. Im ganzen
darf Paafches Büchlein als ein warmes Bekenntnis zur
religions- und weltgefchichtlichen Größe des Reformators
gewürdigt werden. Von jenen Stimmen, die im letzten
Jahr dem Wittenberger Reformator Gefundheit und weltgefchichtliche
Größe haben abfprechen wollen, hat fich
diefer Skandinavier nicht beirren laffen.

In knapper und fchlichter Form erzählt Bonwetfch
die Entwicklung Luthers zum Reformator, die er bis zu
den großen Reformationsfchriften verfolgt. Die Darfteilung
kennzeichnet unter anderem, daß fie auf das
perfönliche Erleben den Nachdruck legt und den .großen
Entwicklungen' vorher nur die Bedeutung zufpricht, den
Boden bereitet zu haben, daß fie ferner Luthers reforma-
torifche Entdeckung als Überwindung auch des Au-
guftinismus würdigt — wird nun auch B. von A. V. Müller
jenen ,gewiffen jüngeren Forfchern' zugezählt werden,
die nur ,fehr gelegentliche Spaziergänge durch die Scho-
laftik' gemacht haben? — und ihre Originalität in der
Imputationstheprie fichergeftellt fieht, und endlich den religiöfen
Materialismus der Sakramentsreligion durch Wort
und Glauben fein Ende finden läßt.

Tübingen. Scheel.

Ficker, Johs.: Martin Bucer. Ein Vortrag. Bilder zu feinem
Leben und Wirken u. aus dem Kreife feiner Zeitge-
noffen aufgezeigt v. F. (Quellen u. Forfchgn. z. Kirchen-
u. Kulturgefch. v. Elfaß-Lothr. V.) (63 S. m. 7 Tafeln u.
5 Abbildgn.) 8°. Straßburg, K.J. Trübner 1918. M.2.50
Ficker bietet einen Vortrag über Martin Bucer zur
Werbung für ein Denkmal, dazu eine Überficht über
Bilder gefchichtlicher Stätten, Perfönlichkeiten und Drucke
aus dem näheren und weiteren Kreis um Bucer und außer
den Tafeln Bilder von Hetzer, Melch. Hoffmann, Hub-
maier und Servet, fowie einen Nachweis der Fundorte und