Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1918

Spalte:

206-208

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Müller, Wilh.

Titel/Untertitel:

Der Staat in seinen Beziehungen zur sittlichen Ordung bei Thomas v. Aquin 1918

Rezensent:

Troeltsch, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

20$

Theologilche Literaturzeitung 1918 Nr. 15 16.

206

Da/.u fehlte wohl auch der Raum. Um (b dringender aber war Bcfclminkunf,' richtig. Ich habe in meinem Leben Jefu im Zeitalter der

nt. Apokryphen 1909, S. 294 darauf hingewiesen.

auf das abfolut Sichere und Echte geboten: Das Spottcrucilix (S. 302) war

-ebenfo entbehrlich, wie die. Clematiusinfchrilt (S. 396) und die plumpe fCÄ&nnZf*" ***^~J' " w'aW Baii^r

Fälfchung vom Martyrium des r0Qfit)avvq raM.i]C vvvcrjvq (Cordianus | wrangen. vvaucr Dauer.
•Gallie nunciusl und feiner ganzen Familie durch Halsabfchneiden (S. 216.

32'' :a ukf ß. u a a n a <. Arr 7m* der Supplementum Psalterii Bononiensis. Incerti auctoris expla"

Es .ft lebhaft zu bedauern, daß das adeZeit der psalmorum graeCa ad fidem codicum ed. V.

großen Papiernot erfchienene prächtig ausgeftattete Buch 1 c »acad vindobonensis hberalitate

von Grund auf neu gemacht werden muß. adjuvante. (XI, 320 S.) Lex. 8». Wien, A. Holzhaufen

Innsbruck. 1917. M. 12.50

In den altflavifchen Pfalterhandfchriften, die Jagic im
Victorini episcopi Petavionensis Opera. Recensuit, Pg|terium

commentario critico instruxit, prolegomena et indices I tß^J1^™ K°m™n?l beigegeben, der auf gne-
adiecit Johannes Haussleiter. Prolegomena. Vic- r,uht D.efe hat Jagic m 5 Handfchnften

torini tractatus de fabrica mundi. Commentan. in sc&^ flC hia A^^w-

Annralinsin editio Victorini et recensio Hieronymi t?cn,ot,te Hyv,11- der Maunner delaRue, der Wiener Bib-
KuTpostSorum additamentis. Indices. Adiectae j }>f hekar Xollar, der Rulle Kopitar vergebens erftrebten
sunt sex tabulae lucis ope depictae. (LXXIV, 194 S.) | "f ™e?" greiftet. Wir gewinnen damit einen wenn auch
o-r 8° Wien F. Tempsky. — Leipzig, G. Freytag ; m.cnt bedeutenden, geiftreichen, fo doch in exegetifcher
*''l6 ' ' M. 15— ;wie «ogmengefchichtlicher Hinficht recht intereffanten

Die gelehrte Welt hat lange auf diefe Ausgabe der ^0mn3enTta// ?us der antiochenifchen Schule — wohl aus
Werke des Victorinus warten müffen. Sie hat aber keinen ! d|P '6- . nc!5.rt' der die Spätere Pfalmenauslegung
Grund fich darüber zu befchweren. Denn einmal war j oHenbar ftark beftimmt hat, auch für die Pfalterilluftration
die Verzögerung der Erfüllung ihres Wunfehes bedingt | zweifellos von hoher Bedeutung war. Die fachliche Wür-
durch die — leider vergebliche — Hoffnung des Heraus- ! f'W des Kommentars und feine Einreihung in die Ge-
o-ebers, es möchte fich für die Urgeftalt des Apokalypfen- c.h^hte der Exegefe muß einer anderen Stelle vorbehalten
kommentars des V. noch ein weiterer Zeuge finden. So- j °,leibre^ hher nur einige Bemerkungen über die Au
dann jedoch darf fie mit Genugtuung feftftellen, daß von
diefem Werk das Wort gilt, daß, was lange währt, gut
-wird. Denn unfere Ausgabe verdient, folange nicht neue
Entdeckungen die Sachlage erheblich umgeftalten, den
Namen einer abfchließenden.

Die Prolegomena handeln zunächft über V's Lebens-
umftände und die von ihm verfaßten Schriften, sodann
von dem Traktat de fabrica mundi und dem Kommentar
zur Apokalypfe, jenen beiden Arbeiten, die heute die
1 linterlaffenfchaft des Bilchofs von Pettau faft vollftändig
ausmachen. Ihr Text bildet den Inhalt der größeren
Hälfte des von H. vorgelegten Bandes. Die Haupt-
fchwierigkeit bot die Herftellung des Kommentars zur
Offenbarung. Von der nur durch einen, bedauerlicher
Weife in üblem Zuftand befindlichen, Zeugen repräfen-
tierten Urgeftalt war die eingreifende Rezenfion des
Hieronymus zu unterfcheiden, die ihrerleits noch zwei
Entwicklungsphafen durchgemacht hat. Alle vier Formen
werden dem Lefer deutlich vor Augen geführt, von der,
das eigentliche Werk des V. enthaltenden, Handfchrift,
dem Cod. Ottobon. lat. 3288 A die fechs letzten Seiten in
Lichtdruck reproduziert. Sie find infofern von befonderer
Wichtigkeit als fie den, von Hieronymus wegen feines
chiliaftifchen Charakters getilgten, Schluß der Auslegung
des V. enthalten.

H. bemüht fich mit Erfolg, dem verwahrloften Zuftand
der Handfchrift durch Konjektur aufzuhelfen, muß
manches freilich auch unverbeffert laffen, ohne es doch
für intakt halten zu können. Auch fpürt er forgfältig
nach Anzeichen, wo etwa bei Kirchenvätern der eigentliche
Text des V. noch erhalten wäre. Erheblich reicher
und beffer als diefer ift die Bearbeitung des Hieronymus
auf ihren verfchiedenen Entwicklungsftufen bezeugt. Darüber
berichtet der reichhaltige Apparat; über drei neuerdings
noch entdeckte Handfchnften die .Addenda et
corrigenda' S. LXIX—LXXII.

Mancherlei Hypothefen, die das Erbe des V. bereichern
zu können glauben, werden von H. teils ausdrücklich
zurückgewiefen, teils einfach mit Stillfchweigen
übergangen. Doch verweift er in den Prolegomena auf
da und dort erhaltene Spuren der literarifchen Betätigung
des V. Die wichtigfte ift das merkwürdige Fragment mit
der eigentümlichen Chronologie des Lebens Jefu. das
H. S. XXII ff. abdruckt. Daß deffen enge Verwandtfchaft
mit V's Traktat de fabrica mundi bisher noch von niemanden
bemerkt worden fei (S. XXIV), ift freilich nicht

als folche. Die Art der Textrezenfion ift vom Standpunkt
des Slaviften zu verftehen, der die Vorlage für die
altflavifchen Texte fuchte. An fich würde man fie fich
anders gewünfeht haben. In den Text gehörte nicht die
dem Slaven am nächften flehende, fondern die urfprüng-
liche Lesart; die Varianten nicht in Klammern in den
Text, fondern unter diefen. Nach Jagic eigenen, forg-
fältigen Unterluchungen der Überlieferung (in Denkfchr.
der Wiener Akad. LH 1, 1906 [1904]) gliedert fich diefe
in 3 Gruppen: a) Ven. Marc. I 29 (X. Jh) und Marc. 535
(XI/XII) und Scorial. (abfehriftlich in Ambr. B 134 fup.
von der Hand Colvills) — hierzu Slav. b) Vind. 311 (um
1310) undBarocc. 118 (XIII. Jh.): erweiterte Form, c) Vat.
gr. 342 Paraphrafe. Ohne die Handfchnften felbft oder
Photographien eingefehen zu haben, kann man fich von der
Anlage des Kommentars kein ganz klares Bild machen:
Jagic gibt kurze meift nur wenige Textworte umfaffende
Lemmata mit zugehöriger Auslegung; diefe greift manchmal
über die Lemmata hinaus, fetzt fich, durch das neue
Lemma ftörend unterbrochen, im folgenden Scholion direkt
fort. Zuweilen ift auch in der Erklärung ein anderer Text
vorausgefetzt als ihn das Lemma bietet. Befonders fchmerz-
lich empfindet man den völligen Mangel jeder Nachwei-
fung der Anführungen und Anfpielungen. Ich zähle an
100 Stellen des A. T. und etwa 250 aus dem N. T. Sie
zeigen einen höchft bemerkenswerten, oft eigenartigen,
vielleicht aus dem Syrifchen, vielleicht aus Apokryphen
zu erklärenden Texttypus. Apokryphen find ficher benutzt
. Die Gefchichte der Onomaftica erfährt willkommene
Bereicherung. Auch für die Haggada und für die Ikonographie
fällt einiges ab. So ift der Kommentar eine viel-
feitig intereffante Quelle, und dem Herausgeber gebührt
für die gewiß recht mühfame Veröffentlichung (Vind. 311
muß Augenpulver fein) unfer befter Dank.

Einige kleine Verbederungen: 7,11 L wq ft. ixq; 24,8 L i»q dföc,:
34,11 L ei ft. eiq; 36,21 afywv ft. alpwv; 37,11 L 'Iva; 39,11 1. htqvipa;
41,9 op&pon ßa&twq; 59,7 Auhpalfia; 61,4 liyiov; 63,4 q>9-övo>:
77,19 MmMut; 85,9 xotAarfa (2 mal); 87,i AlD-afi; 887 eviffdyosTai;:
Swt)Oet(u; ?5>u ev<p(>aivea(*waav; 96,1 Ayalhda&w; gS,6 vor xau)
/teileq'iv zu interpungieren; 107,3 ^yyijv; 109,1 inö; 112,1 Vujoavvu ;
113,17) vor xwv maxibv einzufügen.

118,142 näq ft. 7i(ö£;; 120,8 anders zu interpungieren eiaoöov, 6u-
oio)q . . ■ xöaptoV )Jyei; 131,5 Xtyei zwifchen Kommata; 131,10
Xqigxov; 134,6 i'nnh/aev; 135,3 fdwvüoq; 141,5 Ven. Amb. yag.
Halle a. S. v. Dobfchütz.

Müller, Domvik., Dr. Wilh.: Der Staat in feinen Beziehungen
zur littlichen Ordnung beiThomas v. Aquin. Eine ftaatsphilo-