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Ausgabe:

1918

Spalte:

199

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stosch, Georg

Titel/Untertitel:

Die Entstehung der Bibel 1918

Rezensent:

Bauer, Walter

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Seite 1

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199

Theologifche Literaturzeitung 1918 Nr. 1 S/16.

200

abzufchwächen, indem er den Fels gewiffermaßen un-
terirdifch mitziehen läßt; kaum richtig. Daß der Logos
das Meffiasbild Philos gewefen, ift mißverftändlich; es ift
für Philo gerade charakteriftifch, daß er die Verbindung
von Logos und Chriftus noch nicht vollzogen hat. Zu I 13
hätte der Verf. fchon mehr fagen können; zu 13, 13 gibt
er eine Illuftration, die gefchmacklos und falfch ift: auch
Glaube und Hoffnung bleiben! Der Verfuch, das mulier
taceatmitl II, 5 auszugleichen, ift kaum glücklich. S. 112
ift Hof. 6, 2 gemeint. Das Taufen für Tote kann Paulus
nach v. V. natürlich nicht gebilligt haben. Was v. V.
zuli5,46 gegen den Mythus vom göttlichen Anthropos
lagt, ift nicht beweiskräftig. Unverftändlich ift mir die
polemifche Bemerkung über J. Weiss' Auffaffung von
II S, 16 geblieben; rechnet v. V. deffen JPaulus und Jefus'
nicht zu den letzten Schriften? Die Auslegung von
pexävoia II 7, 10 verwechfelt dies Wort mit ijtioxQtcpeiv.
Die Überfetzung von II 8, 12 ,niet met ledige doch met
volle handen' fcheint mir kaum richtig. Nach dem Vorgang
englifcher Gelehrter möchte v. V. in dem Bruder II
8, 18 Lukas, den leiblichen Bruder des Titus fehen —
kein Korinther hätte das verftanden; doch glaubt auch
v. V. an die Kombination nicht fo feft. Das Problem
des 9. Kapitels ift auch nicht richtig erfaßt; denn es ift
nicht wahr, daß der Lefer noch Auffchluß verlange, wofür
eigentlich kollektiert werde. Schade, daß man fo

ift antik? Und wie kommt die Philofophie der mittelalterlichen
Araber und Juden, der Deuffen eine befondere
Aufmerkfamkeit widmet, als eigene Bewegung ins .Mittelalter
', wenn Maßftab des Mittelalterlichen der von Deuffen
an den Anfang des Buches geftellte Satz ift? Gewiß ift
der überkommene Begriff des Mittelalters nicht (onderlich
glücklich gewählt. Von ihm fich loszumachen fteht jedem
frei. Schwerlich aber ift Deuffens Sprachgebrauch eine
Verbefferung. Denn er bringt (neue. Unklarheiten und
deckt doch nicht die eigene Darfteilung ganz. Dem Philo-
fophen Deuffen ift freilich diefer ganze Abfchnitt im höheren
, gefchichtsphilofophifchen Sinn Mittelalter. Denn er
fteht zwifchen der grundlegenden indifchen Philofophie
und der auf fie zurücklenkenden neueren Philofophie.
Mit diefem Gefchichtsaufriß hier zu rechten ift nicht nötig.
Er erklärt auch manches in der Darfteilung der Philofophie
des .Mittelalters'. Denn mit Vorliebe verweilt Deuffen bei
jenen Partien, die fich mit der indifchen Philofophie vergleichen
laffen, oder die wenigftens er mit der indifchen
Philofophie meint vergleichen zu dürfen. Eine Darfteilung
der gefchichtlichen Entwicklung, wie der Profan- und Kir-
chenhiftoriker fie erwartet, darf man darum in diefer
.Philofophie des Mittelalters' nicht fuchen, eher den Verfuch
, die eigene Metaphyfik des Verfaffers als das Ziel
der Gefchichte der Philofophie zu erweifen.

Die Verarbeitung der einzelnen Epochen ift recht unwenig
über das wichtige Thema der Krankheit des gleichmäßig. Was z. B. über die Zeit bis 800 n. Chr. aus
Paulus erfährt. , geführt wird, verrät wenig Bekanntfchaft mit der Forfchung

Leiden. Hans Windifch.

Stofch, Georg: Die Enlftehung der Bibel. Forfchungen und Meditationen
. (140 S.) 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann 1916.

M. 2.50; geb. M. 3 —
Als ,Forfchungen' Find die Darbietungen St.s wertlos. Die
Meinung, daß die fünf Bücher des Mofes l'o, wie fie find, von
diefem flammten und daß er fich in der Genefis durchweg
auf die Berichte von Augenzeugen geftützt habe, die er am

ägyptischen Hofe im .Sarge:jorephs finden konnte (S. 30), oder I Eefiung der ideengefchichtlichen Entwicklung gern opfern
der Eindruck, daß ,die Sintflutsgefchtchte fich wie das Tagebuch 1 r.. , ö ö 0 s «j/««««

und nicht die Vertrautheit mit den Quellen, die man doch
auch in einer Gefchichte der Philofophie vorausfetzen darf.
Ganz unzulänglich und auch unberührt von der neueren
Forfchung ift, um nur eins zu nennen, die Schilderung
des arianifchen Streites. Andererfeits wird manches, wie
die äußere Verbreitung und die Verfolgung des Chriften-
tums, mitgeteilt, was man in einer Gefchichte der Metaphyfik
nicht zu finden erwartet und einer präziferen Dar-

deffen, der fie erlebte, lieft' (S. 29), dürfen heute nicht mehr verlangen
, ernft genommen zu werden. Auch, was Verf. über die
Entftehung des N. T.s ausführt, hat mit Forfchung nur fo weit
etwas zu tun, als es einige Kenntnis alter Traditionen und neuer
Einfälle bekundet. Doch foll nicht geleugnet werden, daß feine
durch keinerlei Zweifel angekränkelte Begeifterung für die Schrift
ihm einzelne gute Worte über Wert und Bedeutung der Bibel
eingibt, Urteile, die freilich fern von aller Forfchung gewachfen
find.

Göttingen. Walter Bauer.

würde.

Tübingen. Scheel.

Kaufmann, Carl Maria: Handbuch der altchriftlichen Epi-
graphik. Mit 254 Abbildgn. fowie 10 fchriftvergleich.
Tafeln. (XVI, 514 S.) gr. 8°. Freiburg i. B., Herder
1917. M. 18—; geb. M. 20 —
Das Buch zerfällt in 11 Abfchnitte: 1. Begriff und
Aufgabe der altchriftlichen Epigraphik. Quellen und
Literatur. 2. Äußere Erfcheinung, Palaeographie, Sprache
und Datierung der Infchriften. 3. Die Sepulkralinfchriften

Deuffen, Prof. Dr. Paul: Allgemeine Gefchichte der Philofophie
mit befond. Berückficht, der Religionen. 2. Bd.,

2. Abtlg., 2. Hälfte: Die Philofophie des Mittelalters. ■ im allgemeinen und in einzelnen Ländern. 4. Ausgewählte
(VIII, 517 S.) gr. 8°. Leipzig, F. A. Brockhaus 1915. | epigraphifche Texte zur vita profana und socialis. Volks-

M. 4—; geb. M. 5.50 | klaffen. Berufsftände. Heimatangaben. Familienleben.

Grabrecht. 5. Das epigraphifche Formular in befonderer

Der Titel diefes Bandes wird vermutlich manche be
fremden. Denn es foll in diefem Band gezeigt werden,
,wie der durch die perfönliche Erfcheinung Jefu, durch
das Wirken des Apoftels Paulus und endlich durch das
vierte Evangelium ausgeftaltete chriftliche Gedanke zu-
nächft in der griechifch-römifchen Welt und im weiteren
Verlaufe bei den Völkern des nördlichen Europas in Patri-
ftik und Scholaftik unter mannigfachen Kämpfen mit wi-
derftrebenden Elementen Eingang gefunden und fchließ-
lich die Völker Europas fich unterworfen hat'. Unter den
Begriff des Mittelalters wird demnach auch die ganze
philofophifche Bewegung der alten Kirchengefchichte ge-
ftellt. Damit werden auch die Ausläufer der antiken
Philofophie ins Mittelalter gerückt. Oder follen Plotm
und Porphyrius zur Antike gehören, aber Origenes, Diony-
fius Areopagita, Macrobius, Chalcidius und Boethius zum
Mittelalter? Juftin und Athenagoras find mittelalterliche
l'hilofophen, Fronto und Celfus aber antike? Die chriftliche
Apologetik des zweiten Jahrhunderts ift mittelalterlich
, die ihr die Methode und Argumente liefernde
Apologetik der jüdifchen Alexandriner und der Kyniker

Berückfichtigung dogmatifcher und verwandter Texte
6. Kirche und Hierarchie. 7. Die Graffiti. 8. Urkunden.
Nichtchriftliche hiftorifche Infchriften. 9. Die Infchriften
des Papstes Damasus (nebft Vorbemerkungen über die
epigraphifche Dichtung). 10. Nachdamafianifche hiftorifche
Infchriften in poetifcher Form. Märtyrerelogien und Bautituli
aus den römifchen Katakomben. Bafilikentitel.
11. Ausgewählte Bauinfchriften und verwandte Texte,
mit befonderer Berückfichtigung des Orients. Die Landkarte
von Madaba. Im Anhang: L Schriftvergleichende
Tabellen. II. Der Julianifche Kalender. III. Indiktionen-
tabelle. IV. Der ägyptifch-römifche Kalender. V. Chro-
nologifche Hilfstabelle.

Die von K. in den Abfchnitten 3—11 gewählte Gliederung
verwifcht die Grenzen zwifchen den beiden grund-
verfchiedenen chriftlichen Infchriftengruppen, die fich bei
einer Sichtung dem Bearbeiter aufdrängen, zwifchen den
Infchriften des bürgerlichen und des chriftlichen Lebens.
Man mag zweifeln, ob die Denkmäler, welche fich im
Rahmen der römifch-griechifchen Kultur bewegen, in