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Ausgabe:

1917 Nr. 6

Spalte:

150

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nieder, Ludwig

Titel/Untertitel:

Großstadtprobleme 1917

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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i49

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 67.

bittlicher zu fein? Ich jedenfalls nicht, und die meiften anderen
werden von diefer Unerbittlichkeit hochbefriedigt fein.
Berlin. Troeltfch.

Ihmels, Prof. D. Ludwig: Die tägliche Vergebung der Sünden.
Vortrag, geh. auf d. 10. allg. Iuther. Konferenz zu Lund. 2.
u. erw. Aufl. (51 S.) 8°. Leipzig, Dörffling & Franke 1916.

Kart. M. 1.50

Dierer Vortrag erfcheint zum zweiten Male, und zwar
in erweiterter Geltalt. Die Auseinanderfetzung mit der fog. Heiligungsbewegung
(Jellinghaus, Paul) ilt auch hier für die Stellung
und Lotung der Frage ausfchlaggebend. Der Verf. findet das Wahr-
heitsmoment diefer Bewegung in der Ausfage, daß es zu einem
tatfächliehen Erleben der Seligkeit der Gottesgemeinfchaft nur
foweit kommt, als der Chrift wirklich innerlich fleh von der Sünde

Naumann, Frdr.: Briefe über Religion. Mit Nachwort ,Nach 13
Jahren'. 16.—17. Tauf. (130 S.) 8». Berlin, G. Reimer 1916

M. 2 —; geb. M. 2.75
Naumanns Briefe über Religion waren feiner Zeit fein Ab-
fchiedsgruß an die theologifche Periode feines Lebens und haben
deshalb und wegen ihrer gedämpften Stimmung manchem Lefer
eine gewiffe Wehmut bereitet, uns allen aber ftärkfte menfchliche
und fachliche Anteilnahme abgenötigt. Heute, mitten im Kriege,
gibt er fie neu heraus, mit unverändertem Text (91 S.), aber mit
Zufügung eines Nachwortes: ,Nach 13 Jahren' (39 S.). In diefem
Nachwort befpricht er ruhig und klug eine Reihe von Fragen,
die inzwifchen unfere religiöfe und theologifche Welt bewegt
haben, wie religionsgefchichtliche Betrachtungsweife, Verhältnis
zur Naturwiffenfchaft, die ,Chriftusmythe', die fozialen Probleme
und endlich, mit vorfichtiger Zurückhaltung, Chriftentum und
Kirche in und nach dem Kriege. Wir fehen, wie ftark und inner-

löfen läßt; auch die Heiligung will als Gottes Werk erlebt fein, ) Hch der Politiker nocn [die theologifche Arbeit miterlebt hat
und auch fie kommt allein durch den im Geift gewirkten Glauben
zu Stande. Dagegen bekämpft I. eine befondere Theorie
von der Heiligung, die uns über den fchlichten Rechtfertigungsgrund
hinausführen will. Das Evangelium von der Glaubensgerechtigkeit
bedarf auch für den Fortbeftand des Chriftenlebens
keinerlei Ergänzung. Die in Chrifto offenbare und im Glauben
ftets neu ergriffene Gottesgerechtigkeit bildet den bleibenden
Grund der Glaubensgewißheit. Alle innerhalb des Chriftenlebens
fich vollziehende Darbietung der Vergebung der Sünde bedeutet
nur die Beftätigung und Individualifierung der einzelnen Vergebung
für die fpeziellen Bedürfniffe des jedesmaligen konkreten
Sündenbekenntniffes.
Straßburg iE. P. Lobftein.

Kare, Wilib., u. Otto Reichel, Paft.: Jugendgottesdienfte. Eine
prakt. Handreichg. (VI, 60 S.) 8°. Dresden, C. L. Ungelenk
1916. M. —8.

Die Verfairer wollen mit ihrer Arbeit den Unterredungen
mit der konfirmierten Jugend dienen, die fie mit Recht vom
Katechismus loslöfen und durch andere, für die Jugend anziehendere
und notwendigere Stoffe füllen wollen. Ihre Vor-
fchläge zur fchriftlichen Einladung der Konfirmierten find fehr
beachtenswert. Schwierig ift die Frage nach der rechten Stunde,
da die auf den Hauptgottesdienlt folgende, die die Verfaffer
vorfchlagen, eigentlich dem Kindergottesdienft gehört. Daß die
Paftoren für den Jugendgottesdienft fich gründlich!! vorbereiten
müffen, dürfte noch kräftiger betont werden. — Die Themata
find gut gewählt; leider können fie hier nicht genannt werden.
Vielleicht wäre das eine: Läßt fich Gottes Dafein beweifen,
beffer anders formuliert: Wie werden wir Gottes gewiß? und
dann auch anders ausgeführt. Sehr erfreulich ift dagegen der Ab-
fchnitt: Wie kam das Chriftentum in unfern Ort? Die Ausführungen
der Verfaffer zu den einzelnen Teilen find durchaus
praktifch, lebensvoll, reich an Gedanken, meift auch an Beifpielen.
Der in einem Abfchnitt zufammengetragene Stoff genügt oft,
wenn er anfchaulich ausgeführt wird, für 2,3 und mehr Sonntage. —
Stellenweife tritt das Religiöfe, das doch in keinem Gottesdienft
fehlen follte, Mark zurück; fo in den beiden Abfchnitten: ,Unfere
Sächfifche evangelifch-Iutherifche Landeskirche',,Unfere Kirchengemeinde
', ,Unfer Gotteshaus'; fogar in dem Abfchnitt ,Unfer Gefangbuch
', der fehr reich und inftruktiv ift, klingt es nur feiten an,
Sch.iftt^ate werden zwar in der Überfchrift angegeben, aber ihre
Verwertung wuu ässs "^erlaffen, der fich an der Hand diefes
Buches vorbereitet, und fo ift das Manko nicht groß, wenn vor-
ausgefetzt wird, daß der reproduzierende Paftor zu dem Fremden,
das er annimmt, auch fein Eigenes hinzufügt und dabei die Religion
zu ihrem vollen Recht kommen laßt. — Sehr nützlich find
die am Schluß mancher Abfchnitte flehenden Angaben von Gedichten
und Profaftücken. Oft konnten fie noch reicher fein, —
wie ich denn z. B. bei dem Abfchnitt über Tierfchutz den köft-
iichen ,Brief eines parforeegejagten Hirfches' vermiffe, — und
bei vielen Abfchnitten, die ohne folche Angaben fchließen, follten
fie in fpäteren Auflagen beigefügt werden.

Das kleine Werk ift aller Anerkennung wert. Daß es nur
fleißig benutzt werde! Wo keine ,Chriftenlehre' mehr befiehl,
follte man in befonderen Jugendgottesdienften Gelegenheit zu
freiwilligem Befuch fchaffen, und auch hierin wird das kleine
Buch große Dienfte tun. Auf den 2. Teil, deffen Inhaltsangabe
fchon vorliegt, dürfen alle Freunde der Jugend fich im voraus
freuen.

Bremen. Zauleck.

Natürlich ift ihm Einzelnes entgangen: an den naturwiflenfehaft-
Iichen Aufgaben haben noch andere Theologen als Otto ernft gearbeitet
. Das fchmälert unfern herzlichen Dank keineswegs.
Hannover-Kleefeld. Schulter.

Nieder, Dr. Ludwig: GroBftadtprobleme. Sonderabdr. aus der
Präfides-Korrefpondenz 1916, Heft 5/6. (31 S.) gr. 8". M.-Glad-
bach, Volksvereins-Verlag 1916. M. —45

Ein für den Druck erweiterter Vortrag, gehalten für die Ver-
trauensperfonen der männlichen und weiblichen Vereine der
Pfarrei St. Jofeph in Köln fowie für andere zu fozialer Hilfstätigkeit
entfchloffene Damen und Herren. Letzter Zweck ift Belebung
der fozialen Arbeit der katholifchen Kirche in der Groß-
ftadt; aber das Soziale ift der unbedingt herrfchende Gefichts-
punkt. So ziemlich alle dahin gehörigen Großftadtprobleme
(befonders Familienleben, Lefeftoff und Lefen, Vergnügungsleben)
mit ihren zahlreichen Unterfragen kommen zu ganz knapper,
oft nur ftichwortmäßiger, -her durchweg gefchickter und anregender
Behandlung. Die Schrift ift alfo ein praktifcher Verfuch,
durch Aufzeigen der Aufgaben zu packen und zur Mitarbeit zu
werben; eingehender wird keine Frage durchgefprochen. Aber als
folcher Verfuch kann fie auch Nichtkatholiken recht lehrreich
fein. Sehr wertvoll ift das 4 große Seiten umfaffende Verzeichnis
einfehlägiger ,praktifcher Literatur' (mit Preifen).

Gießen. m. Schian.

Krohn, Sem.-Lehr. Aug. E.: Debora. (32 S.) (Baufteine f. d. Religionsunterrichts
, 1. Reihe, 5. Heft.) Göttingen, Vandenhoeck &

Ruprecht 1916. m. _50

So überaus groß auch die Literatur auf dem Gebiet des
Religionsunterrichts fein mag, etwas derartiges wie die Baufteine
und die Quellenhefte von Krohn gibt es fonlt nicht mehr. Auf
grund forgfamer und umfallender Studien der biblifchen und
außerbiblifchen Quellen, wie fie manchen Theologen zur Berchä-
mung diefe fleißigen Großftadtlehrer treiben, wird mit taufend
Parallelen aus alter und neuer Zeit unter lebhaftefter Beteiligung
der Schüler ein Bild von der Zeit und der Perfönichkeit aufgebaut,
das fich ficher tief eingräbt und alle religiöfen Kräfte erweckt, die in
ihm find. Nach dierem Grundfatz, der Religionsgefchichte und
gefühlspfychologifche Methode zu glücklichem Bund vereinigt,
ift das befonders gelungene Heft über Debora und die ganze
Richterzeit gefchrieben, das ganz eingetaucht ift in den Geilt
der Gegenwart.

Heidelberg. F. Niebergall.

Kind, Pfr. D. Aug.: Von den erften Blättern der Bibel. Betrachtungen
(120 S.) gr. 8». Heidelberg, Evang. Verlag 1915.

M. 1.50

In feiner fchlichten Weife behandelt der unlänglt verftor-
bene Berliner Prediger die Urgefchichte und zeigt, wie viel reicher
erbaulicher Stoff und wie viel religiöfes Gedankengut aus diefen
klaffifchen Gefchichten gewonnen werden kann, auch wenn man
auf dem kritifchen und religiös-wiffenfchaftlichen Standpunkt
fteht.

Heidelberg. p. Niebergall.

Hackenfchmidt, Pfr. D.: Wegwcifer zu den Segensquellen Gottes für
Konfirmanden. 3. u. 4. Tauf. (64 S.) 8°. Gütersloh, C.Berte Ismann
1913. Kart. M. —60

Eine treffliche letzte Gabe des trefflichen heimgegangenen
Mannes. Es ilt ein kurzer Abriß für Konfirmanden auf Grund
der fünf Hauptftücke in freiem Anfchluß an Luthers Kleinen