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Ausgabe:

1917

Spalte:

118

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sleumer, Alb.

Titel/Untertitel:

Liturgisches Lexikon 1917

Rezensent:

Eger, Karl

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Ii;

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 5.

118

Tchreibung, keine bloße Charakterfchilderung. Die von Anfang
bis zum Schluß lieh fortfetzenden Lobeserhebungen erinnern an
katholirche Erbauungsbücher, aber es ift kein Buch, in dem
katholirche Religiofität lebt. Am eheften kann man vielleicht
fagen, das Büchlein will zeigen, was Franz für den modernen
Menfchen bedeuten kann. Aber ich muß geftehen, daß ich folch
eine Malerei von Licht ohne Schatten, die fleh um das, was in
Wirklichkeit einft vorging, nichts kümmert und nur ein Idealbild
zeichnet, nicht verliehen kann.

Stuttgart. Lempp.

Ackermann, Dr. Aug.: Der Seelenglaube bei Shakefpeare. Eine
mythologifch-literar-wiffenfchaftl. Abhandig. (VI, 151 S.) 8».
Frauenfeld, Huber & Co. 1914. M. 2.80-

Eine philologifch exakte Unterfuchung über Umfang und Quel
len derShakefpearefchenGeifterwelt. An eine kurze Einleitungüber
die beiden Hauptbeftandteile des Animismus (die Seele als bewegende
Kraft im Leben und als überlebendes Subj ekt nach dem Tode
des Menfchen) fchließen fleh Unterfuchungen über die Lebensformen
und Lebensart der Shakefpearefchen Geifter. Die wich-
tigften Lebensformen find Luft, Feuer, Tier- und Menfchengeftalt,
von denen die letzte merkwürdiger Weife an den Schluß der
Arbeit gerückt ift, fo daß fie von ihrem natürlichen Einfatzpunkt
durch umfangreiche Unterfuchungen über die Lebensart der
Shakefpearefchen Geifter (ruhelofe Bewegung) und über die Bedeutung
von Tag und Nacht getrennt erfcheint. Den naheliegenden
Verfuch, auf Grund des erhobenen Materials die weltanfchau-
liche Bedeutung des Shakefpearefchen Geifterglaubens zu ergründen
, hat der Verfaffer nicht gemacht; der Schritt von der Geifter-
zur Geifteswelt liegt jenfeits des Gefichtskreifes, den er fleh ab-
gefteckt hat. Infolgedeffen führt feine Arbeit über das Stoffliche
nicht hinaus und ift unter ideengefchichtlichem Gefichtspunkt
mehr Beitrag zur Gefchichte des Animismus als ein Beitrag zur
Erkenntnis und Würdigung Skakefpeares.

Berlin. Heinrich Scholz.

Liebert, Arth.: Der Geltungswert der Metaphyllk. (Philofophifche
Vorträge, veröffentlicht von der Kantgefellfchaft. Nr. 10.) (65 S.)
gr. 8». Berlin, Reuther & Reichard 1915. M. 1 —

Daß die Lehre des hiftorifchen Kant ftarke metaphyfifche
Vorausfetzungen einfehloß und eben folche Folgerungen aus fleh
hervortreibt, hat vor kurzem Benno Erdmanns Abhandlung über
,Die Problemlage in Kants tranfzendentaler Deduktion der Kategorien
' (SBAW 1915) wieder mit Recht betont, indem er auf den
von Kant gemachten Unterfchied von Denken und Erkennen hinwies
. Aus dem Denken geht einerfeits die Grundunterfcheidung des
Subjekts und der es affizierenden, übrigens nur negativ zu beftim-
menden Dinge an fleh hervor. Die Ergebniffe der Kritik der prakti-
fchen Vernunft münden andrerfeits in eine Metaphyllk des intelli-
gibeln Ich der Freiheit aus. Zwifchen beiden metaphyfifchen
Pofitionen, der Vorausfetzung und der Folgerung, liegt erft die
eigentliche kritifche Aufgabe der Deduktion der Kategorien für die
vom Denken unterfchiedene, auf Erfahrung bezogene und in den
pofitiven Wiffenfchaften bereits betätigte Erkenntnis, fowie die
Analyfe der praktifchen und teleologifchen Vernunft auf apriori
fchen Gehalt. Das ift die Metaphyllk, von der Jacobis bekanntes
Wort gilt, daß man ohne fie in die Kritik nicht hineinkommen und
mit ihr nicht darin bleiben könne, die Kant felbft auf diefe Punkte
befchränkt und deren weitere Ausbildung er als transfzendentalen
Schein, weil als erfahrungslofe Hypoftaflerung von Vernunftformen
bezeichnet hat. Nur in den religiöfen Vernunftpoftulaten hat er
feine beiden Gebiete, die Erkenntnis und die metaphyflfchen
Elementarbeftandteile feines Denkens, zu vereinigen unternommen.
Daraus folgt, daß feine Nachfolger entweder die Metaphyllk ganz
zu eliminieren verruchten oder fie wieder zum tragenden Rückgrat
des Ganzen machten. Der Verfaffer will weder dem einen
noch dem andern Weg folgen, fondern die Metaphyllk als ein
felbftändiges ,Kulturgebiet' betrachten, dem, ähnlich wie dem Recht
der Kunft, der Sittlichkeit und der Religion, nach der Methode des
Kritizismus die Frage nach einem es in die Einheit der fyntheti-
fchen Vernunft einreihenden Apriori und einem damit gegebenen,
nicht Erkenntnis- fondern Geltungswert geftellt werden müffe.
Das ift nun freilich eine feltfame Umkehrung des natürlichen
und urfprünglichen Zurammenhangs. Was für Kant Vorausfetzung
und Folgerung feiner Geltungsphilofophie gewefen ift, das
foll nun felbft der Methode der Feftftellung von Geltungen unterworfen
werden, als wäre es eine Kategorie neben anderen, ein
.Kulturgebiet' neben anderen. Was die Einfchränkung der Philo-
fophie auf Aufweis und Deduktion fynthetifcher Ordnung erfah-
rungsmäßer Inhalte begründet, foll felbft als folche Form deduziert

werden. Das ift möglich, weil der Verf. das ,KuIturgebiet der
Metaphyllk' zunächft auf die ,Kategorie des Abflauten' begründet,
die pfychologifch aus einem metaphyflfchen Triebe hervorgehe und
logifch als die Kategorie der Einheit aller Widerfprüche im Abflauten
geklärt werden könne. Es ift darum weiterhin, wie der
Verfaffer geradezu zu fagen wagt, die ,Kategorie der Problematik',
was freilich eine kuriofe Kategorie ift, aber wodurch der Verf.
mit der transfzendentalen Dialektik des Meifters wenigften fchein-
bar wieder übereinkommt. In Wahrheit ift das freilich fo tieffinnig
, wie wenn man das Denken felber eine Kategorie nennt,
was jeden Sinn des Wortes ,Kategorie' aufheben würde. Ja die
neue Kategorie wächft fleh fogar zu einer ,Philofophie der Problematik
, der Antinomie und der Paradoxie' aus, und zugleich foll
,durch fie der Objektivitätswert der Metaphyllk verftanden und
begriffen werden'. Sie wird dann im weiteren Verlauf zur Kategorie
des Abfoluten, der einheitlichen Weltanfchauung und des
felbftändigen hiftorifchen Kulturgebietes der Metaphyllk. Weiter
zu berichten ift unmöglich und auch zwecklos. Das Bisherige genügt
, um erfchreckend zu zeigen, ein wie bequemes fcholaftifches
Spiel mit den Formeln des Kritizismus getrieben werden kann, ins-
befondere wie verführerifch die Abfchiebung der Realitätsprobleme
auf fog. Geltungsprobleme wirken kann, wie ahnungslos insbefon-
dere folche Leute mit dem Religiöfen umgehen, das bei diefer neuen
Kategorie natürlich noch mit obendrein gegeben wird.

Berlin. Troeltfch.
Sleumer, Prof. D. Dr. Alb.: Liturgirches Lexikon. Ausführliches
Wörterbuch zum Missale romanum, Rituale romanum u. Bre-
viarium romanum fowie zu den Diöfanproprien v. Deutfch-
land, Öfterreich-Ungarn, Luxemburg u. der Schweiz. (339 S.)
gr. 8". Limburg, Limburger Antiquariat 1916

M. 5.75; geb. M. 6.75
Das Buch will nicht etwa liturgifche Belehrungen und Erklärungen
zu Miffale, Rituale und Brevier, fowie zu den deutfehen
(öfterreichifchen, luxemburgifchen, fchweizerifchen) Diözefanpro-
prien bieten, fondern — als erften Verfuch der Art — ein ausführliches
Wörterbuch zu denfelben. Als Benutzer kommen
nicht nur in der Kenntnis des Lateinifchen Geförderte, fondern
alle in betracht, die Breviergebete und dgl. pflichtmäßig oder
aus perfönlichem Antrieb beten. Diefem Leferkreis find auch die
gegebenen Erläuterungen bei erdkundlichen oder Perfonen-Namen
(einfchl. der Jahreszahlen) angepaßt; überall ift lediglich die Tradition
maßgebend, auch wenn die betr. Angaben von der Forfchung
bereits überholt find. Die beigefügten Heiligengefchichten gehen
auf die kirchlich approbierten Lektionen der zweiten Nokturn
zurück und nehmen auch die legendenhaften Züge ohne Kritik
auf. Heiligen- und Seligengefchichten werden nur dann gegeben
wenn die betr. Vita fleh lediglich in den Proprien der verfchie-
denen Diözefen, nicht auch im Brevier felbft findet. Biblifche Fund-
ftellen find nur in feltenen Ausnahmefällen angegeben. — Diefe Angaben
aus der Vorrede genügen, um die Art des Buches zu kennzeichnen
. Es ift fleißig gearbeitet und wird für feine durchaus praktifchen
Zwecke und für den ins Auge gefaßten Leferkreis zweifellos
brauchbar fein. Ein kritifche Befprechung erübrigt fich-

Halle a. S. K. Eger.

K. Wolf, Direktor des Ev. Preßverbandes für Weftfalen und Lippe :
Der ChriTt und die Leiden in diefer Welt. Weftdeutfcher Lutherverlag
. Witten a/Ruhr 1916. M. 0.80
Die Behandlung der alten Rätfeifragen der Menfchheit, die
der Verf. bietet, ift dazu beftimmt, den Gebildeten unferer Tage
einc i Wegweifer zu geben, um fich in fchwerer Zeit zurechtzufinden
. Der Verf. ift auch theologifch gut orientiert. Da er es
aber mit Recht vermeidet, fich allzugenau auf die tieferliegenden
wiffenfehaftlichen Probleme einzulaffen, fo wirkt auch das, was
er davon fagt, nicht immer überzeugend. Aber die großen einfachen
Grundgedanken, die er in gefchickter Auswahl der heiligen
Schrift entnimmt, find ja auch viel wertvoller als jede theoretifche
Auseinanderfetzung. Das Büchlein empfiehlt fich gerade durch
feine einfache und anfpruchslofe Art und ift wohl verwendbar
in allen Fällen, in denen es fich um Herftellung des feelifchen
Gleichgewichts handelt. In dem Abrchnitte über die Leiden ,um
des Namens Chrifti willen' wäre vielleicht auch eine Warnung
am Platze gewefen, das durch eigene Unart oder Befchränktheit
zugezogene Leiden nicht irrtümlich für ein ,Leiden um Chrifti
willen' zu halten. Auch mag es bedenklich erfcheinen, das Leiden
der armen Leute in Oftpreußen und Galizien unter den Gefichtspunkt
des chriftlichen Martyriums zu Hellen. Das find aber Einzelheiten
. Das Büchlein verdient eine warme Empfehlung,
i Greifswald. Ed. von der Goltz.