Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1917

Spalte:

42-43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Helbig, Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? Mit besonderer Berücksichtigung des Spiritismus und Okkultismus 1917

Rezensent:

Steinmann, Theophil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

4)

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 2.

42

einzelnen Phafen der wechfelvollen Entwicklung von der
Ausreife der erften Barmer Miffionare 1834 bis zur Gegenwart
in plaftifcher Anfchaulichkeit, führt in die außerordentlichen
Schwierigkeiten ein, die fich der Ausbreitung
des Chriftentums in den Weg (teilten, und begründet das
Schlußurteil, daß für den weiteren Fortgang der borne-
fifchen Miffion günftige Ausfichten beliehen. In dem gehaltvollen
Buch, dem leider kein Regifter beigegeben ift,
finden fich auch mancherlei Beiträge zur Gefchichte der
Miffionsmethode, über das Verhältnis von Miffion und
Kolonialregierung, über die Beziehungen zwifchen Miffio-
nären und Europäern. Befonderes Intereffe erregt das
eigenartige Experiment, das Inftitut der Schuldfklaven
(Pandelinge) für die Miffion nutzbar zu machen. Durch
Bezahlung der Schuldfumme brachte die Miffion eine nicht
unbeträchtliche Zahl — fie (lieg bis auf 1100 — in ihre
Gewalt und damit unter ihren Einfluß. Diefe Leute wurden
angehalten, die Gottesdienfte und die Schulen zu befuchen
und von heidnifchen Feften fich fern zu halten, aber nicht
gezwungen, Chriften zu werden, erhielten auch die Möglichkeit
, durch Arbeitsleiftungen fich von ihrer Haft zu befreien
. Doch hat diefes Syftem das Jahr 1859, in dem
der Aufftand ausbrach, der für die Miffion verhängnisvolle
Wirkungen hatte, nicht überdauert. Zu bedauern ift, daß
der Verfaffer im Verfolg der praktifchen Ziele feiner Darfteilung
von jeder Literaturangabe Abftand genommen
und auch darauf verzichtet hat, über die religiöfen Vor-
ftellungen der Dajak, denen die Miffion entgegentreten
mußte, eingehender zu berichten als es S. iöff. gefchehen
ift, während er z. B. auf die Sitte des Kopffchnellens mehrfach
zu reden kommt.

Göttingen. Carl Mirbt.

Reuter, Dr. Hans: Zu Schleiermachers Idee des .Gelamtlebens
'. (Neue Studien zur Gefch. der Theologie u. der
Kirche. 2[.Stück.) (31 S.) gr. 8°. Berlin, Trowitzfch &
Sohn 1914. M. 1.60

Der Begriff des Gefamtlebens, aus Schl.s Behandlung
der Sünde und Erlöfung in der Glaubenslehre bekannt,
wird hier umfichtig und eindringend erörtert, zunächft in
der ausgebildeten Geftalt, die er in den Vorlefungen von
; 830 über Pfychologie hat; dann werden die verwandten
Gedanken der Reden, Monologen, Kritik der Sittenlehre
kurz gewürdigt, ausführlicher die des Syftems der Sittenlehre
, zuletzt die §§ 87 bis 90 der Glaubenslehre. Auf
Heranziehung der 1. Aufl. ift verzichtet; der Vergleich
wäre auch hier nicht ohne Intereffe gewefen, z. B. in der
Faltung der Polemik gegen den Separatismus (i.A. § 107,
2. A. §87). Richtig ift gefehen, daß der Gemeinfchafts-
gedanke bei Schi, mit der Zeit dem urfprünglichen Individualismus
gegenüber ftärker wird, und wie fehr bei dem
Begriff des Gefamtlebens die Vorfiellung von einem Organismus
henfeht. Sie ift romantifch; den Gedanken
immer mehr aufs praktifche Leben angewendet und danach
gehandelt hat Schi., weil bei ihm das Ethifche fchließ-
lich ungleich ftärker war als das /vfthetifche. Etwas Undeutliches
behält das Bild des Organismus aber hier natürlich
, weil zwar zwifchen der Menfchheit und dem Einzelnen
Gemeinfchaften wie Familie, Staat, Kirche flehen, man
alfo verfchiedenen .Gefamtleben' angehört, ein Organismus
dagegen nicht wiederum aus anderen Organismen,
fondern aus Gliedern befteht, die für fich nicht lebensfähig
find; er beanfprucht die feinen ausfchließlich. S. 25
Z. 17 v. u. ft. theologifchen L teleologifchen; die Reden
über die Religion würden zweckmäßiger nicht in den
Seitenzahlen der Ausg. von Otto zitiert, fondern in denen
der 1. Aufl., die ja Otto mit angibt.

Berlin. Mulert.

Zahn, Prof. Dr. Jofeph: Das Jenfeits. (VI, 432 S.) gr. 8«.

Paderborn, F. Schöningh 1916. M. 5—; geb. M. 6.20

Blau,Gen.-Superint.D.Paul:Und dann? iobibl.Betrachtgn.
über die perfönl. Vollendg. Nebft e. Anh.: Ift Chriftus
wirklich auferftanden? 3., durchgefeh. Aufl. (VII,
126 S.) gr. 8°. Berlin, Trowitzfch & Sohn 1916.

M. 2.20; geb. M. 3 —

Heibig, Paft.: Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? Mit

befond. Berückficht, des Spiritismus u. Okkultismus.
(96 S.) 8°. Leipzig, M. Koch (1915). M. 1 —; geb. 1.50
Hans, (Kirchenr.) Julius: Die Unfterblichkeitsfrage. Drei
Vorträge. (47 S.) 8°. Augsburg, Gebr. Reichel 1915.

M. -75

Grade der Unfterblichkeitsglaube wird in diefer Zeit
des Sterbens vielfach und in der mannigfaltigften Weife
behandelt. Die in der Brofchüre von Hans veröffentlichte
Vortragsfolge verdankt denn auch der brennender
gewordenen Zeitfrage ihre Entftehung. Das Helbigfche
Buch hat ficher unter dem gegenwärtigen Eindruck des
Sterbens feinen Abfchluß gefunden. Blaus ,Zehn biblifche
Vorträge über die perfönliche Vollendung' find allerdings
fchon 1907 erfchienen, erleben aber grade jetzt ihre dritte
Auflage. Das Zahnfche Buch gibt öffentliche Vorlefungen
des Winterfemefters 1913/14 wieder; zu dem Ent-
fchluffe, fie zu veröffentlichen, hat aber auch die Lage
der Gegenwart endentfeheidend mitgewirkt. So flehen
alfo auch diefe vier Schriften alle irgendwie unter dem
befonderen Eindruck der Gegenwart. Keine von ihnen
will aber lediglich Troftfchrift fein. Sie alle bemühen
fich, fei es auch nur in dem Rahmen einer Vortragsreihe
oder einer mehr populären Darbietung, um eine um-
faffende Behandlung der Unfterblichkeitsfrage. Dabei
handelt es fich am meiften bei Zahn, aber doch auch
bei Blau und Heibig, um die Erörterung von einer Art
Wiffen; bei Hans allein mit voller Deutlichkeit um eine
anders geartete Gewißheit.

Die allergenauefte Auskunft gibt uns der katholifche
Dogmatiker. Der Lefer erhält da bei aller Erkenntnis,
,daß das eschatologifche Dogma bei der durchgreifenden
Verfchiedenheit unterer gegenwärtigen und unferer künftigen
Dafeinsbedingungen jetzt nur teilweife unferm
Denken fich erfchließt, und daß insbelondere auch die
von der Offenbarung gegebenen Auffchlüffe nicht alle
einzelnen Gebiete des zukünftigen Lebens in der gleichen
Weife beleuchten, nicht alle Fragen bis ins einzelne beantworten
' (S. 419), doch eine fehr weitgehende .Klarheit
und Gewißheit über das Ziel, dem er (der Glaube) entgegengeht
' (S. 406). Denn jene Auffchlüffe find doch
immerhin .beftimmt und eingehend genug, um eine
ebenfo gefchloffene als begründete Lebensanfchauung zu
ermöglichen und fo den Glauben als Einficht zu erweifen'
(S. 419). In der Tat fleht Zahn mit feinem Wiffen ja auch
auf einer breiten Bafis: aus der ganzen Fülle kirchlich
approbierter Vorftellungen kann er fein Bild geftalten.
Dafür verfährt er noch außerordentlich vorfichtig.

Nicht ganz fo reich ift Blaus Wiffen. Ihm fleht
nicht allerlei Entfcheidung kirchlicher Tradition zur Verfügung
, fondern allein die in der Schrift enthaltene Offenbarungsmitteilung
von jenen Dingen, fowie daran anknüpfende
Vermutung. Auch er redet davon, wie uns
nicht alles mitgeteilt fei; es langt aber doch zu einer Entfcheidung
von Fragen wie etwa derjenigen nach dem
Seelenfchlaf, der mit Berufung auf das Gleichnis vom reichen
Mann und armen Lazarus und mit dem Hinweis auf die
Paradiefesverheißung an den Schacher abgelehnt wird
(S. 35), oder der Frage nach der Hoffnung auf eine jen-
feitige Gnade (S. 55), zu allerlei Ausführungen über den
Auferftehungsleib und Ähnlichem. Wohl will Blau (S. 3)
die chriftliche Ewigkeitshoffnung .nicht auf irgend eine
Lehre oder eine Ausfage Jefu' gründen, fondern ,auf die
Perfon Jefu Chrifti'. Mit diefer Perfon Jefu Chrifti meint
er aber nicht fein inneres Sein und deffen uns überwindende