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Ausgabe:

1917 Nr. 2

Spalte:

39

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Süßmann, Arthur

Titel/Untertitel:

Das Erfurter Judenbuch (1357-1407) 1917

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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Seite 1

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39 Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 2. 40

druck gegeben, in die uns fowohl der Titel diefes Teils
(,Die allgemeine Kirchenordnung des 2. Jahrhunderts') als
auch das vorweggenommene und formulierte Ergebnis
der folgenden Unterfuchungen verfetzt (I S. 9): ,Die ganze
Kirchenordnung (nämlich die fog. apoftolifche und die

mitgliedern hrsg. v. Prof. D. Simons. N. F. 16. Heft.
(VII, 120 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C. B. Mohr 1916.

M. 6 --

Auch dies neue Heft verfolgt den Doppelzweck die-

irrtümlich fog. ägyptifche) war eine allgemein kirchliche; £« Jahrbücher: Förderung der Rheinifchen Kirchenge
Rom hat, wie es Icheint, den Hauptanteil an der Ausgabe fchichte und der allgemeinen theologifchen Arbeit Dem

und Redaktion, während da und dort, neuen Zeitver-
hältniffen entfprechend, beigefügt und umgeändert wurde.
Das Rituale geht in feinen wefentlichen Beftimmungen auf
den Anfang des 2., wenn nicht auf den Schluß des 1.
Jahrhunderts zurück'.

erfteren Intereffe dienen die Beiträge von P. Bockmühl-
Odenkirchen und H. Rodewald-Irmenach, dem letzteren
der von Th. Bungenberg-Inden.

Bockmühls Auffatz (S. 1—40): Der Brief des Waffen-
berger Prädikanten Dionyfius Vinne an Luther und fein

Was erhalten wir nun auf 437 SS. des 2. Teils? In 5 Abendmahlstraktat fetzt die Forfchungen von Cornelius,
großen Abfchnitten (Kirchenverfaffung und Amtsüber- Habers, Cramer, Rembert, Redlich fort. Vinne ift einer der
tragung nach Jefus Chriftus, den Apofteln und im apo- taufenfch gefilmten Prädikanten, die unter dem Schutz des

Droften Werner v. Palant von Waffenberg aus im Jülichfchen.
wirkten, und ift, nachdem kaiferliche Ungnade dem Droften
den fchirmenden Arm gelähmt, wie feine Freundejohann
Camganus, Johann Klopriß, Heinrich Slachtfcaep und Heinrich
Roll nach Münfter gegangen und dort hingerichtet worden
. Der Brief(entwurf) an Luther ift nach Krafft noch von
Rembert und Enders abgedruckt worden; B. bietet den Brief
in deutfcher Wiedergabe und nur den bei jenen fehlenden
Schluß nach demOriginal im Düffeldorfer Staatsarchiv auch
lateinifch. Der Abendmahlstraktat, vermutlich beftimmt, mit
dem Brief an Luther gefandt zu werden, gleicher Handfchrift
mit dem Brief, trägt die Überfchrift: Anno 32 ministri verbi
hec definierunt septima febr., die Krafft und Simons (Theol.
Arb. III. 105; Niederrhein. Synodal- und Gemeindeleben 96
A.l) noch ohne Kenntnis des fchwer lesbaren Traktates auf
frühe Anfänge fynodalen Lebens vermuteten deuten zu
dürfen. B. glaubt wahrfcheinlich machen zu können, daß der
Traktat von Vinne zugleich im Namen feiner drei genannten
Freunde gefchrieben fei. Er bietet ihn im niederdeutfchen
Original und hochdeutfcher Wiedergabe. Übrigens handelt
die Schrift, die fich zufammen mit einem Troft-
brief des Slachtfcaep an die Brüder und Schweftern zu
Süßeren und einem Abendmahlstraktat (von Klopriß?)
unter den Akten über die Kirchenvifitation des Amtes
Born findet, auch von Taufe und Sakramenten überhaupt
in fpiritualiftifchem Sinne. — Rodewald bietet (S. 41—76)
,aus der Gefchichte des Dreißigjährigen Krieges in der hinteren
Graffchaft Sponheim' zwei äußerft anfchauliche Dokumente
als erftes Stück einer längeren Folge: die Friedens-
predigt (1652) und das Memorial (1665) des Trarbacher
Inspektors Johann Nik. Artopoeus (1604—1666), letzteres
nach Handfchriften in Karlsruhe, München und Trarbach,
erftere nach einer Karlsruher Handfchrift, mit trefflich
orientierender Einleitung. — Bungenberg veröffentlicht
(S. 77—105) einen Konferenzvortrag: ,Neue Wege in der
Behandlung der biblifchen Gefchichte', Kabifchs,Zurhellens,
Scharrelmanns, Pauls und anderer Vorfchläge nüchtern
gerecht und klug befprechend, vor ihren Gefahren warnend!
maßvolle, gelegentliche Berückfichtigung der neuen Gesichtspunkte
empfehlend. — Den Schluß macht W. Rot-
fcheidts Bibliographie des Jahres 1914 (S. 106—120).

Stolberg (Rheinland). Alfred Zilleffen.

ftolifchen und nachapoftolifchen Zeitalter, mündend in
die Beftimmungen der fyrifchen Didaskalia — die früh-
chriftliche Taufe. Vorbereitung, Feier, Firmung, Meffe —
die zweite Buße — die Abendmahlsliturgie — der Wort-
gottesdienft und feine Beftandteile, Lefung, Predigt, Erbauung
, Gebetsarten, Gebets-Ort, -Zeit, -Riten) eine
forgfältige und daher wertvolle Zufammenftellung des ein-
fchlagenden Materials bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts.
Wie aber gefchichtlich über Urfprung und Wachstum
diefer Inftitutionen zu urteilen ift, das bleibt offen, und
es wird kaum fchüchtern der Verfuch gemacht, diefes
alles bereits auf die Zeit + ICO zurückzudatieren. Die
Thefe des Verfaffers ift alfo keineswegs erwiefen; aber
neben den Zufammenftellungen, die wir fchon befitzen,
kann auch diefe fich fehen laffen.

Berlin. v. Harnack.

Sülimann, Arthur: Das Erfurter Judenbuch (1357—1407).
(126 S.) gr. 8°. Leipzig, Buchh. G. Fock 1915. M. 3 —

Ein in mancher Hinficht dankenswerter Beitrag zur
Gefchichte der alten Erfurterjudengemeinde, wahrfcheinlich
ein nicht ganz vollftändig erhaltener Auszug aus dem
Kämmereibuche, fich beziehend namentlich auf 1. den
Hauszins, für welchen die Juden lebenslänglich oder
während einer Reihe von Jahren ein Haus bewohnen
durften; ?. die Jahresfteuer und andere Abgaben; 3. die
Gebühren für Erteilung des Bürgerrechts. Gewöhnlich
ift die Zahlung in Talenten (S 78. 79: Pfund) angegeben,
nicht feiten auch in floreni (S. 61. 62: guldin) und in Mark
(mehrfach marca puri). Der Gulden galt '/2 Pfund, die
Mark 2ll2 Pfund, der Grofchen (zu 6 Pfennigen) 1/40
Pfund, das Schock (sexagena) 3/4 Pfund. Das, foviel ich
bemerkte, nur S. 22 vorkommende .fertones' hätte erklärt
werden follen. Aus den fehr zahlreichen Eigennamen
erwähne ich hier Endegud und Lebelang. Slavifche
Namen finden fich nicht feiten bei weiblichen Perfonen,
fo: Bogslaba, Czerniczfche, Kusicza, Dobrifche, Drafana,
Melencze, (Pichna?) Slabe. Die Namen der Juden verdienen
eine neue gründliche Unterfuchung oder eigentlich
mehrere; denn der feit L. Zunz (1837) zu Tage geförderte
Stoff ift fehr umfangreich und fehr vielfeitig. — Zu der
S. £9 angeführten Beftimmung vom J. 1389, daß hinfort
kein Jude in Erfurt chriftliche Knechte, Mägde oder Ammen
haben dürfe, vgl. Friedr. Wiegand, Agobard von Lyon und
die Judenfrage, Leipzig 1901, fowie Mifchna'Aboda Zara
2,1. — Bei den mit großem Fleiße gearbeiteten Regiftern
(34 Seiten!) vermißt man am Kopf der Seiten Angabe
ihres Inhalts.

Berlin-Lichterfelde Weft. Herrn. L. Strack.

Nachfchrift. Der Verfaffer ift, wie ich nach Einfenduug der vor-
ftehenden Anzeige erfahren habe, im Kampfe für fein und unfer deut-
fches Vaterland gefallen. Schon feine frühere Arbeit,Die Judenfchulden-
Tilgungen unter König Wenzel', Berlin 1907, berechtigte zu guten
Erwartungen für die Zukunft. H. Str.

Theologilche Arbeiten aus dem Rheinifchen wiff. Prediger-
Verein. In Gemeinfchaft mit den übrigen Vorftands-

Kriele, Miffions-Infp. Ed.: Das Evangelium bei den Dajak

auf Borneo. (155 S. m. 8 Taf. u. 1 Karte.) 8°. Barmen,
Verlag des Miffionshaufes 1915. M. 1.40; geb. M. 2 —

Die evangelifche Miffion auf Borneo zieht nicht durch
die Größe ihrer Erfolge die Aufmerkfamkeit auf fich —
nach der letzten veröffentlichten Statiftik von Ende 1913
zählte fie 3658 chriftliche Eingeborene, 1113 Katechumenen,
47 Schulen mit 1832 Schülern — und fleht weit zurück
hinter den großen Arbeitsgebieten, die fich der Rheinifchen
Miffionsgefellfchaft in Sumatra und Nias erfchloffen
haben. Aber die 80jährige Gefchichte einer Miffion ift
immer lehrreich, auch wenn die fichtbaren Arbeitsrefultate
nur einen befcheidenen Umfang erreichen. Das frifch ge-
fchriebene Buch zeugt von großer Sachkunde, fchildert die