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Ausgabe:

1917 Nr. 26

Spalte:

470

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loewenfeld, J. R. v.

Titel/Untertitel:

Biblia incognita. Gedanken üb. weniger bekannte Bibeltexte 1917

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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469

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 26.

470

Kreufer, Obermed.-R. Heilanft.-Dir. Dr. H.: Krankheit u. Charakter
. Wandlungen der Perlonlichkeit in gefunden u. kranken
Tagen. (VII, 213 S.) 8". Stuttgart, Strecker 8t Schröder 1916.

M. 3.20; geb. M. 4.40
In feinem Buch über Krankenfeelforge berührt Hollftein
auf S. 155 flüchtig die Beobachtung, ,daß faft jede einzelne Krankheit
ihre benonderen Wirkungen auf das Perfönlichkeitsleben des
Kranken ausübt', und fügt mit Recht die Forderung hinzu:,Hiervon
muß der Krankenfeelforger eine Ahnung haben'. Es fragt
fleh nu/, woher dem Seelforger diefe Ahnung kommen Poll.
Was in praktifchen Theologien z. B. bei Achelis darüber gefagt i
wird, ift höchft dürftiger Natur; die pfychifchen Wirkungen der
Krankheiten mußten alfo in der Praxis kennen gelernt werden,
ein Übelftand, denn in der Zeit, wo folide Kenntniffe noch feh- I
len, find dann Mißgriffe unvermeidlich. Die Kenntnis der durch
Krankheiten hervorgerufenen feelifchen Veränderungen ift aber
aus zwei Gründen wichtig, einmal um davor zu fchützen, dem
Kranken als Schuld anzurechnen und als fittliche Schwäche zu
beurteilen, was doch nur eine Folge und Ausfluß der Krankheit
ift, auf der andern Seite aber, um von vornherein auf die Charaktergefahren
der Krankheiten hinzuweifen und an der Stärkung
des Charakters zu arbeiten, damit er den Ott liehen Gefahren der
Krankheit nicht erliegt. Hier kommt nun, ohne es zu willen
und zu wollen, dem Geiftlichen das von einem Mediziner ge-
fchriebene neue Buch zur Hilfe. Der Verfaffer gehört zu den
Medizinern, die das Prychifche hoch einfehätzen, Theologen
werden alfo feine Belehrungen vertrauensvoll entgegennehmen.
Als charakteriftifch möchte ich in diefer Hinficht einen Satz anführen
, den der Verfaffer auf S. 153, wo er von Abwehr und
Abhilfe fpricht, fchreibt: ,muß aber auch die Charakterbildung
erzieherifch in dem Sinne beeinflußt werden, daß des Menfchen
fittliche Natur ftark genug werde, um der Krankheit Nöten ausreichenden
inneren Widerftand entgegenfetzen zu können'. Des
VerfafTers befonnenes und gerechtes Urteil, zugleich fein fittlicher
Idealismus kommen wohl am deutlichften und fchönlten in dem
Kapitel über den Selbftmord zum Ausdruck. Hier fpricht er
zuletzt von dem völlig felbftlofen Selbftmord lediglich, um
denen, für die man in keiner Weife mehr forgen kann, Sorge zu
erfparen, und will ,über folchem Entfchluffe' den Stab nicht
brechen; fügt aber hinzu: ,Mehr Selbftzucht und fittliche Kraft
liegt aber doch in der Ausdauer, mit der auch ein folches Dafein
noch ohne Hader mit dem Schickfal bis zum Ende getragen
wird. Zum leuchtenden Beifpiel felbftlofer Ergebung kann ein fol-
cher Dulder immer noch werden für Perfonen feiner Umgebung
die aus geringerem Anlaß leicht verzagen wollen'. Herrlich!,
Das Buch, das von uns Theologen leicht überfehen werden
könnte, fei der Beachtung beftens empfohlen, wenn auch nicht
alles darin untere volle Zuftimmung finden kann.
Daflenfen, Kr. Einbeck. H. DuenHng.

Im Reiche der Gnade. I, 4: Traureden (II, 68 S.) 11,2: Abfchieds-
predigten. 2. Aufl. (II, 60 S.) III, 2: Predigten bei Feiten der
inneren Mirfion. 2. Aufl. (II, 65 S.) III, 4: Guftav-Adolf-Feft-
predigten. 2. Aufl. (11,60 S.) Hrsg. v. Prof. D. K. Dunkmann
u. Palt. Lic. Riemer. 8". Dresden, C. L. Ungelenk 1914.

Je M. 1-

Die bekannte und viel benutzte Sammlung errcheint unter
Leitung neuer Herausgeber in neuer Geftalt. Für I, 4 und III,
4 ift ausdrücklich gefagt, daß der Inhalt ganz neu ift; II, 2 und
III, 2 find als durchgängig neubearbeitet bezeichnet; aber auch
Iier können höchftens ganz vereinzelte Stücke übernommen fein.
Eine Reihe fehr bekannter Mitarbeiter find, z. T. mehrfach, beteiligt
: Generalfuperintendenten Döblin (•}•), Gennrich, Haupt,
Hoppe, ferner Conrad (Berlin), Studiendirektor Weinreich (Preetz),
Sup. Cordes (Leipzig), Prof. Stange, Sup. Jofephfon (Halle), Lic.
Dibelius (Berlin), Lic. Peters (Hannover). Daß viele gute und
fchöne Reden geboten werden, braucht unter diefen Umftänden
nicht befonders gefagt zu werden. Befonders hervorheben möchte
ich die m. E. fehr gute Abfchiedspredigt von Dibelius. Einiges
nicht Vollwertige ift immerhin mit untergelaufen; dahin rechne
ich die Traurede von Bartolomaeus, die mit ihren zahHofen Zitaten
und ihren unvollftändigen Sätzen durchaus nicht günftig
wirkt. Auch Durchfchnittsware ift natürlich dabei. Im Allgemeinen
gehören die hier vereinigten Reden dem am weiteften
verbreiteten Typus der neueren Predigt an, die ich als eine Art
moderner Fortbildung der Kunfthomilie pofitiver Richtung unter
Erweichung der ftrengen Formen derfelben bezeichnen möchte.
Zweifellos ift, daß die Sammlung ganz vornehmlich, wenn nicht
:.usfchließlich von Pfarrern benutzt wird, die für ihre eigene

Arbeit Anregung fuchen. Für folche werden die Traureden fehr
wefentlich fein, vielleicht auch die Abfchiedspredigten; ob Feft-
prediger bei größeren, bebänderen Gelegenheiten folche Vorlagen
brauchen, fcheint recht zweifelhaft; dazu werden doch meift
wohlgeübte, erfahrene Prediger berufen. Doch will ich die grund-
fätzliche Frage nach der Beftimmung und Benutzung hier nicht
aufwerfen; die Hefte mit Feftpredigten haben ja, zumal fie meift
genau datiert find, auch davon abgefehen ihren Wert. Soll aber
die Sammlung vornehmlich jenem Zweck dienen, fo müßte fie
jedenfalls auf möglich!! große Mannigfaltigkeit der behandelten
Fälle Bedacht nehmen. Daß von 20 Traureden nicht weniger als
4 (No. 4. 6. 10. 18.) Pfarrerehepaaren gelten, ift darum mißlich.
Gießen. M. Schian.

Loewenfeld, J. R. v.: Biblia incognlta. Gedanken üb. weniger
bekannte Bibeltexte. (Mühlmann's theol. Tafchenbb. Nr. 3.)
(104 S.) kl. 8". Halle a. S., Mühlmann 1915. M. 1.50

Vierundzwanzig Betrachtungen von je 4—5 Seiten über wenig
bekannte und meift wenig beachtete Bibelftellen des A. und des
N. T. Der Verfaffer weiß, ohne gezwungene Geiftreichigkeit, feinen
Texten eine Fülle eigenartiger, kräftiger und wirkfamer Gedanken
zu entnehmen. Des Verfaffers geiftvolle Textbehandlung und
fein im bellen Sinn entfehiedenes Chriftentum haben mich, trotz
gelegentlicher hiftorifch-kritifcher Bedenken, fo gefeffelt, daß
ich das Büchlein ohne im geringften zu ermüden, in einem Zug
durchlas. Es wird gewiß im Ruckfack eines wandernden Studenten
oder im Tornifter eines befinnlichen Feldgrauen am Platze
fein. Es wird aber auch Geiftlichen und Religionslehrern für
Predigten und Andachten fchöne Anregung geben. Daß die
Heldentat der Rizpa gewürdigt ift, freut mich herzlich.
Hannover-Kleefeld. Schufter.

Müller, Johannes: Kriegstroft. Achtes Kriegsheft der Grünen
Blättet. 19. Bd., 2. Heft. (S. 49—128) gr. 8». Elmau, Verl.
d. Grünen Blätter 1917. M. 1.20

Daß diefes Heft für (ich erfchienen und zu haben ift, ift gut;
es kann als Probe für Müllers Wollen und als ftärkende Gabe an
nachdenkende Leute dienen, die aus Anlaß des Kriegs mit fich
zu ringen haben. Es zeigt M.s Hauptgedanken angewandt auf
Nöte und Aufgaben des Krieges: in dem Auffatz ,Gott mit uns
und mit unfern Feinden' die Hoffnung auf das Mit- und Füreinander
ftatt des Gegeneinanders, in der ,Selbftbehauptung' der Gedanke
der Unabhängigkeit vom Gefchick und der zuverfichtlichen Herrfchaft
über das Leben, in ,Wenn du glauben könnteft', den von
Spür- und Taftfinn für die Hintergründe des Seins und Gefchehens,
in ,Seit allezeit fröhlich!' die Wertfehätzung der Freude als der
Begleiterin gefunden Lebens und' als der Helferin zum Leben in
allem Guten.

Heidelberg. F. Niebergall.

Wichtige Rezensionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Beziig/. Hinweife und Sendungen find jederzeit erwiinje/it.

Sägmüller: Lehrb. d. kath. Kirchenrechts (v. AMKoeniger: Dtfch-

Ltz 1915, 17; AllgLtbl 1916, 3/4; v. Schian: ThRdl'ch 1916, 2).
Saitfchick: Franziskus v. Affiu (v. BJordan: Dtl'chLtz 1916, 48; v.

vWallher: ThLtbl 1916, 19; v. AMatthies: MntfchrHöhSchulen 1917,

2/3; v. HSpettmann: FranziskStud 1917, 2).
Schaefi'er: The social legislation of the primitive Hebrcws (v. OT

Abis: PrincetonThRcv 1916, 4; v. HMWiencr: BibliothSacra 1916,

oct; v. TUPinches: JournRoyalAsiatSoc 1917, jan).
Schiwietz: Das morgenländ. Mönchtum (v. Strethmann: ThLtber.

1915, 10; v. KBihlmeyer: ThQuartfchr 1915, 3; v. CBaur: Divus-

Thomas 1916, 1).

Schlögl: Das B. Ijjob (v. Rießler: ThQuartlch 1916, 3; BiblZ 1917,

3; v. S: Kath 1917, 4; v. FWjlke: TlHigw 1917, 5).
Schubert, v: Die fog. Slavenapoflel Konfta'.in u Methodius (v. BBeß:

ZKgelch 36, 3 4, 1916; v. NBonwctfch: ThLtbl 1916,20; v. Wotlchke;

ThLtber 1916, 8; v. GGrützmacher: ThGgw 1917, 3; v. ANaccle:

MtilglnflitÜfteirGelchlrfchg 37, 2, 1916).
Schumacher: Der Alexandriner Apollos (v. WBauer: DtfchLtz 1916,

51; v. KBihlmeyer: ThQuartlch 1916, 3; v. Büchfei: ThLtbl 1917,1).
Schwahn: Die Beziehgn. d. kath. Rheinlande u. Belgiens 1830—40

(v. GKrüger: ZKgcfch 36, 3/4, 1916; v. RAKeller: LtZtrbl 1916,28;

v. FTenckhoff: ThGlb 1917, 5).
Seidenllücker: Südbuddhift. Studien (v. HVVSchomerus: ThLtbl 1916,

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—März).

Smith, CC: Parent, child and church (v. LPLeavel: RevExpos 1916,
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«9'6, 3)-

Soares: The social institutions and ideals of the Bible (v. CSGardner: