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Ausgabe:

1917

Spalte:

464-466

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Löbmann, Hugo

Titel/Untertitel:

Über Glockentöne 1917

Rezensent:

Knoke, Karl

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Theologilche Literaturzeitung 1917 Nr. 26.

ift. Er befchränkt fich auf Altwürttemberg bis 1806. Im
ersten Teil behandelt er die Bibelausgaben. Erft 159t
wird die erfte deutfche Bibel in Tübingen gedruckt, doch
war die 1564 in Frankfurt gedruckte für Württemberg
beftimmt, dagegen wurde 1566 eine lateinifche Bibel in
Tübingen nach der Vulgata gedruckt, die 1 Mof. 3,15 ip-
sa im Text gibt, am Rand hebr. ipse. Arm an Bibeldrucken
ift die Zeit des dreißigjährigen Kriegs und der
franzöfifchen Raubkriege. Die einzige Ausgabe von Wildt
ift überaus gering. Nun aber folgt mit dem Piet smus ein
ungemeiner Reichtum. Man fieht, wie der Pietismus die
Bibel unter das arme, unter drei fchlechten Regierungen
leidende Volk zu bringen bemüht ift. Ein hervorragendes
Verdienft gebührt Hedinger. Am Scnluß wirft K. auch
noch einen Blick auf die Reichsftädte. Überfehen hat er
die Hohenloher Bibeldrucke. Vgl. Wibel, Hohenl. K. u.
RefG. 1,612.

Der zweite Teil behandelt die Bibelwiffenfchaft in der
Zeit der Orthodoxie, des Pietismus und der Aufklärung.
Er ift das wichtigfte Stück des ganzen Buches und verdient
nicht nur für die Exegefe und Einleitung, fondern
auch für Dogmen-und Kirchengefchichte Berücksichtigung.
Zwei Fragen kommen vor allem in Betracht, die vom Kanon
und von der Infpiration. Der Unterfchied von kanonifchen
und deuterokanonifchen Schriften auch im Neuen Teftament,
der in der erften Zeit unbefangen anerkannt wird, verliert
fich mit der Zeit, befonders unter dem Einfluß des Pietismus
, ganz. 1. Joh. 5,7 fehlt erft noch, aber wird mit der
Zeit als echt verteidigt. Noch Hedinger bietet 3 Makka-
bäer, 3 und 4 Esra und Zufatz zur Judith. Überaus
wichtig ift die Verbalinfpiration, die zu den Fragen nach
dem Alter der Punktation und derLefezeichen, dergriechi-
fchen Sprache des N. T., den Varianten führte und allmählich
fich erweift. Überall begegnen wir feffelnden
Charakteriftiken, wie z. B. Bengels, ,des erften wifien-
fchaftlichen Exegeten', und feines Freundes Ötinger. Bengel
ift der Schrifttheolog, Ötinger der Schriftphilofoph.
Nicht genug beachtet wird, wie Kolb zeigt, wie der Boden,
aus dem Bengels Wirksamkeit erwuchs, ein wohlbereiteter
war. Die Notwendigkeit der Textkritik war fchon von
Pfaff und Klemm erwiefen. Das Verdienft Bengels ift es,
dem bisher ftiefmütterlich behandelten Lehrftück von den
letzten Dingen mehr Beachtung verfchafift zu haben, aber
fein Mißgelchick war, wie bei Mich. Stiefel, die Berechnung
der apokalyptifchen Zahlen.

Im dritten Teil behandelt Kolb den Bibelgebrauch
in der Kirche, in der Schule (Volksfchule die Bibel, Lefe-
buch, Partikularfchulen, Klöfter, Stift, Karlsfchule), im Haus,
bei den Gemeinfchaften und Separatisten, in Poefie und
Kunft. Für die Bibelkenntnis des Volkes wären Briefe
wie der des alten Wizemanns von hohem Wert, aber
leider find wir fehr arm an Briefen aus dem Volke. Das ganze
wichtige Buch von Kolb follte am Reformationsjubiläum
unferem ganzen Volk das als Motto auf dem Titel flehende
Wort von Brenz eindringlich machen: Der wahre
Schatz der Kirchen nicht ift der Reichtum äußerer Hilfsmittel
, fondern die Schrift.

Stuttgart. Guft. Boffert.

Revue de Theologie et de Phüolophie. Nouvelle serie. Tome
IVifcnw jg[6. (328 S.) gr. 8°. Laufanne, Bureau
de la Redaction. fr. 12 —

Über Jahrg. 1915 vgl ThLztg. 1917, Num. 4. — Betrachten
wir die verl'chiedenen Gebiete, die im Jahrgang
1916 der .Laufanner Revue' bearbeitet wurden, fo find
zunächst die altteftamentliche Forfchung und deren Grenzgebiete
zu erwähnen, die durch drei Stücke vertreten find.
Das erfte ift eine zwifchen Greßmann und dem Ägypto-
logen Ed. Naville mit einem großen Aufwand von
Gelehrfamkeit und Scharffinn in muftergiltig höflichem
Ton gehaltene Auseinanderfetzung über die ursprüngliche
Sprache der altteftamentlichen Bücher (26—53; 191—237). '

Zum zweiten gibt Ad. Lods ein ausführliches Referat
über das babylonifche Epos vom goldenen Zeitalter, der
Sintflut und dem Sündenfall, nach dem durch den Ox-
forder Profeffor Stephan Langdon 1915 herausgegebnen,
überfetzten und erläuterten 'lext; felbftverständlich wird
befonders das Verhältnis zu den Genefisberichten untersucht
(269 - 286). Drittens bringt G. Jequier den Reifebericht
von Prof. Cart (Neufchätel) Au Sinai et dans
l'Arabie Petree zur Sprache, der zum Verständnis der im
Exodus überlieferten Stoffe beachtenswerte Elemente
abwirft (16—25). — Eine forgfältige fummarifche Wiedergabe
der glänzenden Monographie Anrieh's über Bucer
(von Ch. Schnetzler, 141 — 154); der in einen größeren Zu-
fammenhang eingefügte Nachweis, daß Galilei nicht in
elfter Linie als Astronom, fondern als Physiker verurteilt
wurde (A. Reymond, 5—15); hierauf zwei Artikel über
Gegenstände aus der Gegenwart: Platzhoffs Mitteilungen
über die antireligiöfe Propaganda und die Flucht aus
der Kirche in Deutfchland (54—65) und H. Monaftier's
Bericht über die Religiös-Sozialen der Schweiz (161—190),
Hellen die der Kirchengefchichte gewidmeten Themata
dar. In diefes Gebiet fä lt allerdings noch ein weiterer
Beitrag, der aber eher den Namen und den Wert eines
,menfchlichen Dokuments' von eminent religiöfer Bedeutung
beanfpruchen darf, nämlich einige Zwilchen Hyacin-
the Loyfon und Edm. de Pressen.'e gewechfelte Briefe
(287—303), die niemand ohne tiefe Ergriffenheit wird lefen
können. — Während zwei Auffätze apologetifch orientiert
find (H. L. Mieville, Pourquoi chc-rchons-nous ä justifier
nos opinions? 112—140 — A. Berthoud, La science et
la loi 304—414), vertreten zwei Beiträge die ethifchen
Difziplinen, ein Bruchstück aus Dutoit's Nachlaß, Deter-
minisme moral (104— m) und das erfte Kapitel einer im
folgenden Jahrgang weiter zu fuhrenden Darstellung Ph.
Bridel's über das evangelifche Lehensideal (LTdeal evange-
lique dans son application ä la vie reelle. 1. Le chretien et
les necessifes materielles 249—268). — In die durch den
Weltkrieg angeregten Fragen führt die unter dieQuestions
actuelles aufgenommene und mit der Überfchrift La con-
science chretienne et l'armee herausgegebene Verteidigungsrede
, die der Schweizer Hauptmann Picot für den
Schullehrer J. Baudraz, der aus Gewiffensgründen den
Kriegsdienst verweigert hatte, vor dem Kriegsgericht hielt,
und in welcher einige der wichtigsten Probleme, die in
den Worten Evangelium und Krieg enthalten find, zu
deutlichem, zuweilen beredtem Ausdruck gelangen (238—
248). Anklänge an die Erfahrungen des Weltkrieges
find auch in einem originellen Auffatz Pierre Bovet's
wahrzunehmen, L'instinct combatif dans l'experience chretienne
(81—103): die chriftliche Religion appelliert an den
im natürlichen Menfchen vorhandenen Kampfinftinkt, den
fie aber umzubilden und zu läutern trachtet; wo die
Regungen des alten Menfchen diefem Läuterungsprozeß
widerstehen oder denfelben überdauern, ift eine verfehlte
Sublimierung (Sublimation manquee) zu konstatieren.
— Die am Schluß der einzelnen Hefte befindlichen Mis-
cellenaea (66-80, 156—160, 315—322) enthalten nekrolo-
gifche Artikel, bibliographische Notizen und andere Mitteilungen
von verfchiedenem Inhalt und Wert. — Der
tapferen Zeitfchrift wünfehen wir ein kräftiges, durch
wachfende und umfaffende Arbeit fich kundgebendes Gedeihen
.

Straßburg i. E. P. Lobstein.

Löbmann, Glocken- u. Orgelinfp. Dr. Hugo: Uber Glockentöne
. Zugleich Ratfchläge f. den Glockenkauf. (59 S.)
8°. Leipzig, Breitkopf & Härtel 1915. M. 1 —

B i eh le, Priv.-Doz. Sachverftänd. Kirchenmufikdir. Prof.
Johs.: Wefen, Wertung und liturgifcher Gebrauch der Glocken.
Mit e. Innenanficht u. 3 Kurvenbildern. (32 S.) gr. 8°.
Wittenberg, A. Ziemfen 1916. M. 1 —