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Ausgabe:

1916 Nr. 7

Spalte:

165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ritter, Karl Bernh.

Titel/Untertitel:

Über den Ursprung e. kritischen Religionsphilosophie in Kants ‘Kritik der reinen Vernunft’ 1916

Rezensent:

Kowalewski, Arnold

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i65

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 7.

166

Der angefehene Effayift hat in diefem ftattlichen Bande 19
Auffätze vereinigt, die zum größten Teil in Zeitfchriften (La Cul-

Jaeger, Paul: .Ich glaube keinen Tod ...' Stille Gedanken beim
Heimgang unterer Lieben. (63 S.) 8". Freiburg i. B. 1914.

tura, La Rassegna Contemporanea u. a.) erfchienen find; vier (Tübingen, J. C. B. Mohr.) M. —50

waren noch unveröffentlicht. Es handelt lieh meift um kritifche ; — Daslelbe. 2. verm. Aufl. (63 S.) 8». Tübingen, J. C. B. Mohr

Gedanken über bedeutfame literarifche Erfcheinungen (Reinachs
Orpheus, Deila Setas Religione e arte figurata, Duchesnes Kirchen-
gefchichte, Batiffols Urkirche, Puechs Apologeten, Denifles Luther,
Tyrrells Mediaevalism u. a.), vereinzelt um Charakteriftiken Iitera-
rifcher (Labanca, Sabatier) und kirchlicher (PiusX) Perfönlichkeiten
oder um allgemeine Gegenltände, wie die Religionspolitik der
römifchen Kaifer, Recht und Moral im Islam, den italienifchen
Modernismus, Philofophie und Religion im zeitgenöffifchen Italien,
Alle Abhandlungen find klar und fiüffig gefchrieben, der kritifche
Standpunkt des Verfalfers gefund, die Lektüre alfo zu empfehlen.
Gießen. G. Krüger.

Düker, D. A. C.: Gisbertus Voetius. Regifters. (VIII, 187 S. m.

1 Bildnis u. 1 Fkfm.) gr. 8°. Leiden, Boekh. en Drukk. voorh.

E. J. Brill 1915. M. 8.50

Die Befprechung des verdienftvollen D.'fchen Werkes in
Nr. 26, 1914 wurde mit den Worten gefchloffen: ,Bedauerlicher
Weife ift das 1913 verheißene Regifter über das Ganze mit dem
letzten Stück nicht erfchienen'. Nun ift es erfchienen, und zwar
in einer Form, die allen Wünfchen entfpricht. Das ausführliche
Namen- und Sachregifter bringt auf 128 S. nicht bloß Zahlen, fondern
dabei auch Stichworte, die das Nachfchlagen ungemein erleichtern
. Dann folgen auf 60 S. drei gefonderte, alphabetifch

1915. M. - 50

Einen großen, fchönen, tiefbegründeten Lebensglauben
verkündet dies Büchlein. Nicht als ob das bloße Weiterleben
an fleh wertvoll wäre, auf die Steigerung des Lebens, auf das
Leben in Gott kommt es an. Nicht ,Beweife' für dies höhere
Leben fucht J.; denn es handelt fleh um eine Wahrheit, die in
Herz und Gewiffen verankert fein muß. Aber Bedenken will er
zerftreuen, Analogien, Erfchließungen, Ahnungen aufweifen; und
gewichtige Zeugen ruft er zu Hilfe, wie Fechner mit feiner
Lehre von den drei Lebensftufen. Stark betont er das Recht der
Hoffnung auf Wiederfehen; denn was auf diefer Stufe das köft-
lichfte war: herzliche Gemeinrchaft, wird in jener nicht fehlen,
verklärt durch die Liebe zum Erlöfer. Die meiften Blätter find
vor dem Krieg niedergefchrieben; fie follen fleh nur im Krieg
bewähren. Der Reinertrag ift für Kriegerwaifen beftimmt.

Inzwifchen ift fchon eine zweite, um eine Ofterbetrachtung
vermehrte Auflage erfchienen, und zwar im Verlag von J. C. B.
Mohr in Tübingen, in den das Büchlein übergegangen ift.
Hannover. Schufter.

Entgegnung.

An einer Steile feiner Befprechung meiner Arbeit ,Die Attri-
geordnete Verzeichniffe, L der benutzten und zitierten Hand- 1 bute der chriftlichen Heiligen' (Theol. Literaturzeitg. Sp. 104) geht
fchriften, 2. der gedruckten Quellen erfter und 3. der gedruckten Herr Prof. v. Dobfchütz ins Einzelne, aber gerade da wider-

Quellen zweiter Hand. In allen Stücken eine fleißige, akkurate
Arbeit, wie das ganze Werk. Am Anfang des Buches fteht ein
Bildnis des ftreitbaren Theologen Voetius, mit Iat. Verfen feiner
früheren gelehrten Verehrerin A. M. v. Schurmann, und am Ende
das Fakfimile eines Albumblattes von feiner Hand für einen Utrechter
Studenten von 1652.
Göttingen. Regula.

Ritter, Dr. Karl Bernh.: Über den Urfprung e. kritifchen Religions-
philorophie in Kants .Kritik der reinen Vernunft'. (80 S.) gr.8°.
Gütersloh, C.Bertelsmann 1913. M. 2 —

Mit fubtiler Dialektik fucht der Verfaffer den fyftematifchen
Ort der Gottes'dee in der kantifchen Vernunftkritik nachzuweifen
und fo namentlich die metaphyfifchen Elemente des Kritizismus
zu pofitiver Geltung zu bringen. In diefem Zufammenhange werden
auch manche Bemerkungen gemacht, die für die Kant-Interpretation
überhaupt anregend find. So z. B. hat R. treffend den Einfluß der
polemifchen Einftellungen betont, mit denen der große Vernunftkritiker
arbeitete. Unter diefem Einfluffe leidet vor allem die vielberufene
Lehre vom Ding an fich. Nach R. kann Gott kritiziftifch
nur als .abfolutes Ich' verftanden werden und fällt eben prinzipiell
mit der ,Einheit der Apperzeption' zufammen, unferer letzten Erkenntnisbedingung
. Von hier aus Iaffen fich auch theoretifcher
(regulativer) und praktifcher Gebrauch der ,Idee' in ihrem gemein-
famen Kern erfaffen. Diefe Auslegungen bewegen fich freilich fchon
in der Richtung der fpekulativen Fortbildner des Kritizismus und
können nicht ohne einige Gewaltfamkeit durchgeführt werden.
Immerhin ift eslehrreich.die lebendigen Entwicklungstendenzen der
kantifchen Lehre an einem hervorragenden Beifpiele zu ftudieren
ftatt der toten dogmatifchen Fixierungen.
Königsberg i. Pr. Kowalewski.

Weigl, F.: Kind und Religion. (III, 120 S.) 8". Paderborn, F. Schö-
ningh 1914. M. 1.20

Diefe Schrift bildet einen Beitrag zur fog. religiöfen Kinderkunde
von dem Standpunkte eines katholifchen Lehrers aus. W. geht
den Weg, den auch die meiften andern gehn, die über diefe Sache
gefchrieben haben: mit Bekenntniffen einzelner hervorragender
religiöfen Geftalten, wie z.B. Gerok,Wagner,Chriftoph vonSchmid,
verbindet er die Ergebniffe der schriftlichen Auslaffungen von Schulkindern
. Bieten die erftern nichts Neues, fo find die letztern
gerade dem ev. Pädagogen von Wert: Einmal nämlich ergibt fich
ein viel günftigeres Bild von den religiöfen Stand der Münchner
Kinder als etwa von den Mannheimern nach Emieins bekannt
gewordener Darftellung; dann aber gewinnt man einen Marken
Eindruck von der Bedeutung all der finnlichen Mittel zur Frömmigkeitspflege
befonders für Kinder, über die die katholifche Kirche
verfügt. Daß dies ganz unparteiifch erfaßt und dargeftellt wird,
verfteht fich von felbft.
Heidelberg. Niebergall.

fährt ihm leider ein übles Mißgefchick. Er vergreift fich in feinem
Eifer gerade an dem Motiv der Mondmythologie, das von allen
wohl am fefteften fteht und den ftärkften Anklang bei den My-
thologen gefunden hat, nämlich dem Kahlheitsmotiv. Stucken
Frobenius, Siecke, Hüfing, Jeremias u. a. haben die Darftellung
des Mondes als Kahlkopf fo überzeugend nachgewieren,
daß gerade dies Ergebnis ihrer Forfchung am ficherften flehen
dürfte, und ich mir die Freiheit nehme, allerdings ,allen Ernftes'
den Kahlkopf auch als Mondfymbol aufzufallen. Schade, daß
der Herr Referent fich bei keinem der anderen Motive auf eine
Begründung feines Anathemas eingelaffen hat; vielleicht hätte er
da mehr Glück gehabt. Wer weiß?
Berlin. C. Fries.

Erwiderung.

Es ift ein Unterfchied, ob der Mond — zuweilen — als Kahlkopf
dargeftellt wird oder ob man jeden Kahlkopf als Mondfymbol
anfpricht.

Halle a/S. von Dobfchütz.

Wichtige Rezenlionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Betrüg/. Hinweiß und Sendungen find jederzeit erwünßht.

Lagrange: S. Justin (v. CvdVorst: AnalBoll 1914, 3; v. HL: RevBen&l

1914, 3; v. FEmmerich: ThRev 1915, 15/16).

Leeuwen: Het evang. van Mattheus (v. FWGrosheide: GerefThTidsch

1915, aug; v. PvWijk: ThLtbl 1915, 20; v. GAvdBerghvEysinga: NTh
Tijdsch 1916, 1).

Leifegang: Der Begriff d. Zeit u. Ewigkeit i. fpät. Piatonismus (v. K
Michel: ThRev 1914, 9; v. RSeeberg: ThLtbl 1915, 15; v. Kowalewski:
ThLtber 1915, 2).

Lempp: Die Frage d. Trennung v. Kirche u. Staat i. Frankfurter Parlament
(v. EJacobi: ThLtbl 1914, 23; v. Uckeley. ThLtber 1915, 3;
idem; ZKgefch 36, 1/2, 1915).

Lichtenftein: Komm. z. Matthäusevang.'v. PFiebig: DtfchLtz 1914, 16;
v. MS: AmerJournTh 1915, 1; v. HLStrack: ThLtbl 1915, 11).

Liepe: Das Religionsprobl. im neuer. Drama (v. HScholz: DtfchLtz 1915,
15; v. LJacobskötter: ThLtbl 1915, 24; v. -tz-: LtZtrbl 1915, 48).

Lietzmann: Symbole d. alten Kirche (ThRev 1914, 13/14; v. HJordan
ThLtbl 1915, 3; v. AUckeley: ZKgefch 36, 1/2, 1915).

Lithgow: The parabolic gospel (v. SJC: AmerJournTh 1915, 1; v. AT
Robertfon: RevExpos 1915, 2; BibliothSacra 1915, apr).

Lohmeyer: Die Lehre v. Willen bei Anfelm v. Canterbury (v. Aicher:
ThQuartfch 1915, 1; v. FBaeumker: ThRev 1915, 3/4; v. Hofer: ThLtber
1915, 2).

Loofs: Nestorius and his place in bist, of Christ, doctrine (Athen 1914,

napr; v. EBuonaiuti: BollLetCritRel 1914, agosto; V. WJMcGlothlin •

RevExpos 1915, 3).
Lote: Du Christianisme au Germanisme (v. HL: LtZtrbl 1914, 33; v.

EBuonaiuti: BollLettCritRel 1915, marzo; v. MHebert: Coenobium

'9'5. 4/5)-