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Ausgabe:

1916 Nr. 7

Spalte:

164

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Derbos, Georg I.

Titel/Untertitel:

Egcheiridion Christianikes Archaiologias 1916

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 7.

164

ebenfo, wenn auch verdeckter oder in anderer Form und
in anderer Weife fich ausprägend und auswirkend. Und
das Andere ift die ganze Ausführung über Sünden- und
Gnadenpredigt als notwendige Ergänzung zu den beiden
Stücken religiöfer Eigenart des Bauern, Gottesfurcht und
Gottvertrauen, S. 24!?. Dem gegenüber möchte ich fagen,
ob dies nicht für den Städter ebenfo nötig ift, und daß
anderfeits grade auf dem Lande für Sünde und Gnade
leichter das Verftändnis zu finden ift, als in der Stadt.
Wenn U. S. 33 bedauert, daß z. B. Heffelbacher diefe
Gedankenreihen nicht in den Vordergrund ftellt, fo wird
er das mit gutem Bedacht tun, weil feine Gemeinde es
eben nicht fo nötig machte. Man kann auch die Thefe
aufftellen: auf der Kanzel der Großftadt wird dies viel
fchwieriger fein, da auf der Dorfkanzel zu allererft Chriftus-
predigt getrieben und auch gefucht wird. Oder man
kann fagen, für das Religiöfe wird auf beiden Kanzeln
der Menfch im Allgemeinen im Hinblick auf Schuld, Ver-
fuchung und Leid zu beachten fein, dagegen für das Sittliche
wäre auf befondere Standesfünden oder Mißbräuche
der Gegend oder des Ortes zu achten. Die ganze Darlegung
U.s geht vielmehr darauf hinaus: Wie ift beim
Bauern das rechte Sünden- und Gnadenbewußtfein zu
fchaffen? Das ift aber doch eine andere Frageftellung,
als wenn eine befondere Dorfpredigt dadurch als nötig
erwiefen werden foll, daß man behauptet, beim Bauern
fei diefe Schaffung nötig, und nicht beim Städter.

Schließlich eine Frage: Was war die Predigt Jefu?
Dorf- oder Stadtpredigt? Ift fie verfchieden in Galiläa und
injerufalem? Man wird fagen, fie war beides: Gleichniffe
vom Kaufmann find in Galiläa, vom Weinbauern in Jeru-
falem gefprochen. Sollte darin nicht ein Fingerzeig liegen,
den Prof. Bauer fehr gut am Schluß feiner Abhandlung über
Dorf- und Stadtpredigt formuliert hat: Neben Individua-
lifierung das allgemein Chriftlichel

Es wird alfo auch der Dorfprediger ftets zu fragen
haben: Ift meine Predigt gemeindemäßig, gibt fie dem
Einzelnen und gibt fie Allen etwas? Dann gibt es aber
nicht mehr allgemeine Kriterien und Grundzüge für die
Dorfpredigt im Ganzen, fondern in jeder Gemeinde und
jeder Zuhörerfchaft ändern fich die Höhenlage, der Zweck
und die Mittel der Predigt.

Die beiden Predigtfammlungen beftätigen auch fchon
durch ihren Titel, was hier ausgeführt ift: Eckert will
Bauernpredigten, alfo Standespredigten geben, Heffelbacher
bietet Predigten aus der Dorfkirche, eben aus
der Dorfkirche zu Neckarzimmern. Ich ftimme nun hin-
fichtlich der Beurteilung des Wertes diefer Predigten,
nicht hinfichtlich ihrer Eignung als Beweismittel für das
Bedürfnis einer befonderen Art von Dorfpredigt, ganz mit
dem gründlichen, feinfinnigen Urteil Uckeleys überein und
hätte dem nichts hinzuzufügen. Größere Gegenfätze wie
diefe beiden Dorfprediger, nicht nur in formaler Beziehung
und abgefehen von ihrer Theologie, laffen fich kaum
denken. Heffelbacher ift der Künftler, von dem auch der
Stadtprediger mutatis mutandis, alfo jeder Prediger, viel
lernen kann, wie er felbft den Übergang zum Großftadt-
prediger auch leicht vollzogen hat. Eckert ift der Pädagoge
, oft nüchtern, und zeigt manchmal, wie der Prediger
es nicht machen darf, befonders da, wo er ins Triviale
fällt. Dafür haben auch die Landleute ein fehr feines
Verftändnis: wenn fie felbft auch grob find, fo wollen fie
es vom Pfarrer und auf der Kanzel nicht haben. Ich
kann mir nicht denken, daß unfere Landgemeinden von
folcher Predigt, wie Eckert fie bietet, ergriffen werden
follten. Was er fich als Ziel gefetzt hat, erwecklich zu
predigen, ift ihm nach diefen Entwürfen zu urteilen nach
meinem Empfinden nicht ganz gelungen. Es ift freilich
dabei zu beachten, worauf fchon Bauer aufmerkfam gemacht
hat, daß er nur Entwürfe, keine ausgeführten Predigten
geben will. Entweder müßte er darum einige ausgeführte
Predigten bieten, oder aus diefen Entwürfen viel
ganz Selbftverftändliches und Nebenfächliches ausmerzen.

Schon die Themata find bei beiden Predigern grund-
verfchieden; bei H. konkret, aus dem Leben und darum
das Intereffe weckend: z. B. Brunnen im Jammertal (Reformation
), Wie weit haft du's gebracht? Alle Tage Sonntag
, Wartende Leute, Wir wollen vorwärts kommen, Wir
und die Leute, Es ift nicht fo fchlimm, In Gottes Schule
ufw; und bei Eckert allgemein, abgeblaßt und auch erklügelt
, z. B. Was braucht ihr zur Reife durch das neue
Kirchenjahr? Ich habe einen guten Kampf gekämpfet,
Des Chriftkindleins Herrlichkeit, Von dem Urfprung
unferer heimlich und verborgenen Weisheit, Zwei Kennzeichen
geiftlicher Gefinnung, Was hat uns Jefu Tod
gebracht, Die Bedeutung der Auferftehung des Herrn, Mir
ift Erbarmung widerfahren, Jefus Chriftus ift mein Herr ufw.,
wobei dann Wiederholungen nicht ausbleiben.

Ahlden/Aller. E. W. Bussmann.

Seeberjof.: Chriftus. Epifches Gedicht. 1.—3. Aufl. (V,
272 S.) 8°. Freiburg i. B., Herder (1914).

M. 3—i geb. M. 4 —

In feinem Gedicht, welches mit dem Einzug in Jeru-
falem einfetzt und mit der Himmelfahrt endet, hat S., wie
er in den dem Werke angehängten Anmerkungen erwähnt,
den ,Verfuch gemacht, die epifche Handlung, foweit es
der Stoff erlaubte, dramatifch zu geftalten und auch äußerlich
gleichfam in fünf Akte zu je drei Gefangen zu gliedern,
ohne der epifchen Eigenart Eintrag zu tun'. Die fünf
,Akte', wie fie im Anfchluß an die Ausdrucksweife des
Verfaffers genannt fein mögen, tragen folgende Über-
fchriften: I. Hofanna. II. Verrat. III. Crucifigel IV. Das
Opferlamm. V. Alleluja. Der nicht ausdrücklich darauf
hingewiefene Lefer würde übrigens von einer dramatifchen
Geftaltung des Stoffes nichts merken.

Ohne bedeutend zu fein, hat doch das Buch manches
Sympathifche an fich. Anders als bei Klopftock treten
dogmatifche Gefichtspunkte bei der Darfteilung der Perfon
Jefu trotz des katholifchen Standpunktes des Verfaffers,
den er nirgends verleugnet, nicht ftörend hervor. Das
Werk wendet fich, hierin den Forderungen der Dichtkunft
völlig gerecht werdend, ausfchließlich an das Gemüt. Den
Kenner der Zeitgefchichte befremdet hier und da eine
gewiffe Gleichgültigkeit gegen die damaligen Verhältniffe,
fo z.B. wennS. die Hinrichtung Jefu durch einen Kriegstribunen
, dazu noch einen Neffen des ,Prätors' Pilatus,
kommandieren läßt. Die große Mehrzahl der Lefer wird
aber dadurch im Genuß der Dichtung nicht geftört werden.

Die Stärke des Gedichtes liegt in der fprachlichen
Geftaltung. Sie ift durchweg edel und der Würde des
Gegenftandes angemeffen. Der gereimte Blankvers, deffen
Seeber fich überall bedient, wird von ihm mit einer alle
Eintönigkeit vermeidenden Meifterfchaft gehandhabt.

Münfter i. W. Wilh. Koppelmann.

Referate.

Aecfßoq, rewpy. '/.: 'EyxftQictiov XQiaxiavixTjq 'ÄQXttio-
i-oyiug. (352 S.) gr. 8°. 'Ev 'ASfjvatc, ix rov zvnoyQwpelov
2. K. Bldaxov 1913.

Derbos, Profeffor der Theologie an der athenifchen Hoch-
fchule, hat feine Arbeiten zur Patriftik (f. diefe Zeitung 1911 Sp. 80)
unterbrochen, und bietet uns einen Grundriß der Xazgtia zcüv
äpyuiwv XQMziavmv (1. nzioaev/al. 2. vpivwöla xai yaXiiiydia. 3.
avüyrwoiQ zvjv äyiwv yympwv. xhQvyfia. 4. toQxcti 5. /Ivozi^nu)
und der ze/vixa tpya nQÖq yQijaiv xfjs Aarpe/ac z. ä. y. {tvxxvoioi
olxot) in Grundrißform. Vorangeftellt find metliodologifelie Erörterungen
und eine kritifche Bibliographie, aus denen hervorgeht,
daß der VerfafTer den neuen Arbeiten mit Aufmerkfamkeit gefolgt
ift.

Gießen. G. Krüger.

Salvatorelli, Luigi: Saggi di storia e politica religiosa. (VII,
278 S.) gr. 8». Cittä di Castello, S. Lapi 1914.