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Ausgabe:

1916 Nr. 7

Spalte:

160-164

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Uckeley, Alfred

Titel/Untertitel:

Die moderne Dorfpredigt. Eine Studie zur Homiletik. 2., stark erweit. Aufl 1916

Rezensent:

Bussmann, E. W.

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 7.

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gefchichte (281 f.); auch die Ausführungen über Theologie
und Kulturgefchichte, Religionsgefchichte und Re-
ligionspfychologie (56f., 6of., 83f.) enthalten fehr beachtenswerte
Winke. Der Nachtrag über Kant und die
Theologie (288—308) und feine Devife ,mitKant und gegen
Kant', ift wohl geeignet, fördernde Diskuffionen hervorzurufen
: ,Der Grundgedanke Kant's, daß kein Weg ver-
ftandesmäßiger Deduktion oder Spekulation von der Welt
oder von irgend etwas Inweltlichem aus zu Gott, zur
Gewißheit Gottes führe, ift unangreifbar. . . Die reine
Wertbetrachtung Gottes und feines Chriftus, die durchgeführte
praktifche Auffaffung der Gotteserkenntnis oder
der gläubigen Gottesgewißheit muß fchwinden' (288. 291).
Die anfechtbaren Momente der Schaederfchen Unter-
fuchungen bewegen fich zwifchen diefen zwei Sätzen. —
Die kirchenpolitifch intereffierten Leiter untrer religiöfen
Preffe werden in Sch.s Buch zu mancherlei Artikeln
reichen Stoff finden: fo fei ihnen der Abfchnitt über die
Gottheit Chrifti (251t), oder auch die Notiz über die
Jungfrauengeburt Seite 104 empfohlen: ,Es zeugt von einem
fehr mangelhaften Nachdenken über die innern Verhält-
niffe des Chriftenglaubens, wenn man den Satz: geboren
von der Jungfrau Maria, zu einem Hauptartikel diefes
Glaubens Rempeln will, mit dem derfelbe fleht und fällt'.
— Zur Form des Buchs kann fchließlich Ref. eine Bemerkung
nicht unterdrücken. Daß die Breite der Ausführungen
und die nicht feltenen Wiederholungen dem
Intereffe der Darfteilung Eintrag tun, daß auch die Gliederung
des zweiten Teils und die innere Verknüpfung der
Gedanken nicht einwandfrei find, ift wohl das geringere
Übel. Dagegen braucht man nicht ein Purift und Pedant
zu fein, um fich an den zahllofen Fremdwörtern zu flößen,
die fich überall und zwar flets mit dem Vorteil der Klarheit
und Eleganz durch deutfche Ausdrücke erfetzen
ließen. ,Präfent', ,konftant', ,konträr', drängen fich dem
Verf. immer wieder auf; von Schlatter entlehnt er ,die
kreatorifchen Akte Gottes' (178); er fpricht vom dnfpira-
tianismus' (103); er fchrickt nicht vor den folgenden Sätzen
zurück: ,Er läßt Gott in abfoluter Intaktheit uns gegenüber
den Gott der Liebe fein' (252), ,der Glaube rotiert
gar nicht gleich um Chriftus' (280), ,der Glaube rotiert um
die beiden Pole, Sünde und Gnade' (290), ,er hat durchaus
in der lebendigen Begründung des Glaubens die tete'
(191). Zur Entlaftung unferes Theologen läßt fich fagen,
daß er fein Vorwort am Himmelfahrtsfeft 1914 nieder-
gefchrieben, alfo fein ganzes Buch zu einer Zeit verfaßt
hat, da der Weltkrieg feine fprachreinigende Kraft noch
nicht an unferm Volk bewährt hatte.

Straßburg i/E. P. Lobftein.

Gutberiet, Dr. Conftantin: Experimentelle Psychologie mit
befonderer Berücklichtigung der Pädagogik. (V, 367 S.)

gr. 8°. Paderborn, F. Schöningh 1915. M. 6.80

Vor einem Jahrzehnt (1905) erfchien des Verf. .Pfycho-
phyfik', welche über die bis dahin erfchienene einfchläg-
liche Literatur gut orientierte. Das vorliegende Werk
kann als eine Art Fortfetzung jener frühern Arbeit an-
gefehen werden. G. nennt es felbft S. 287 ein .hiftorifch
kritifches Referat über experimentelle Pfychologie'. In der
Tat berichtet der Vert. ziemlich lückenlos über die ein-
fchläglichen wiffenfchaftlichen Arbeiten, welche fich feit
dem angegebenen Jahre mit diefem Gegenftande befchäftigt
haben, und zwar fo, daß er die einzelnen Forfcher durch
kürzere oder längere Zitate aus ihren Publikationen zu
Worte kommen läßt. Dabei ergibt fich, daß deren Gedanken
fich vielfach ,unter einander verklagen oder ent-
fchuldigen', oder, wie G. fich S. 248 ausdrückt, daß die
experimentellen Pfychologen ,nicht nur in ihren Ergeb-
niffen, fondern felbft in den Methoden einander bekämpfen'.
Aus diefem Grunde äußert er fich S. 148 dahin, daß auf
dem Gebiete des pfychologifchen Experimentes noch viel

gearbeitet werden muß, ehe man zu ,fichern Grundlagen
einer neuen Pädagogik' gelangen kann. Er erinnert S. 127
daran, daß der Altmeifter Wundt auf dem Gebiete der
experimentellen Pfychologie davor warnt, ihre Ergebniffe
voreilig in der Schule anzuwenden, zumal wenn fich ,unberufene
Abenteurer', wie einzelne Elementarlehrer, für
befugt halten, ihre Schüler zum Gegenftande ihres ,Expe-
rimentierens' zu machen (S. 76). Er meint S. 238, der
amerikanifche Pfychologe james habe ,nicht ganz unrecht,
wenn er fage, was von diefer Pfychologie dem Lehrer zu
wiffen nötig fei, laffe fich auf die Handfläche fchreiben'.
So kann denn auch manche Erkenntnis diefer Wiffenfchaft
,nur indirekt pädagogifchen Zwecken dienen' (S. 287). Von
feinem katholifchen Standpunkte aus fagt G. S. 6, die
,experm. Pfych. leifte nur Kleinarbeit und über das Wefen
der Seele könne fie gar nichts ausmachen', wogegen ,die
alte Pfychologie' die einfchläglichen Grundfragen über
die Seele ,mit aller Sicherheit beantwortet habe', und aus
feiner Praxis heraus urteilt er S. 211, ,was das Experiment
... an Brauchbarem für die Praxis geliefert hat, war
bereits allen einfichtigen und erfahrenen Pädagogen bekannt
', um fich zugleich S. 127 dahin auszufprechen:
,Ich . . . habe mehr Vertrauen auf die Erfahrungen eines
einfichtigen, von Liebe zu feiner fo wichtigen Aufgabe
und zu den Kindern erfüllten Lehrers als zu noch fo
fcharffinnigen Experimenten'. So fehr G. darum den Eifer
und den Scharffinn, der fich in den Arbeiten über die
exper. Pfychol., einer Errungenfchaft der Neuzeit, anerkennt
, er hält es fchließlich doch mit den Ergebniffen der
' ,alten' Pfychologie. Der Standpunkt, den er fomit ein-
| nimmt, rechtfertigt danach gewiß das ,Imprimatur' des
j Paderborner Generalvikars, mit dem fein Buch eröffnet
wird. Wir möchten uns dahin ausfprechen, daß dies
,hiftorifch kritifche Referat über exper. Pfych.' auch ohne
folche Sanktion des kirchlichen Obern feines Verf.s von
anzuerkennendem wiffenfchaftlichem Werte ift.

Göttingen. K. Knoke.

Uckeley, Prof. D. theol. Alfr.: Die moderne Dorfpredigt. Eine
Studie zur Homiletik. 2., ftark erweit. Aufl. (IV, 148 S.)
8°. Leipzig, A. Deichert Nachf. 1914. M. 2.70

Heffeibacher, fr. Pfr. Karl: Aus der Dorfkirche. Predigten.
I. Bdchn., 3. Aufl., u. 3. Bdchn. (VII, 135 u. III, 198 S.)
8°. Tübingen, J. C. B. Mohr 1913. Je M. 2.50;

geb. je M. 3.50; 1—3 in 1 Bd. geb. M. 8.50

Eckert, Pfr. Lic. A.: Bauernpredigten. 3 Bände Predigtentwürfe
über die Eifenacher altteftamentl. evange-
lifchen u. epiftolifchen Perikopen. III. Bd.: Heiligung
aus Glauben. 2. u. 3. Aufl. (IX, 231 S.) gr. 8°. Leipzig,
G. Strübigs Verl. 1914. M. 3—; geb. M. 4 —

Das Thema von der Dorfpredigt ift in den letzten
Jahren vielfach verhandelt worden. Das vorliegende, fchon
in zweiter, ftark erweiterter Auflage vorliegende Buch
von Uckeley fucht über die bisherigen Verhandlungen zu
berichten und daraus das Ergebnis zu ziehen, nicht um
eine erfchöpfende Homiletik für Gottesdienfte in Landgemeinden
zu bieten, fondern um auf diefe neuen Be-
ftrebungen aufmerkfam zu machen, fich mit ihnen aus-
einanderzufetzen und fie zu fördern. Diefe Abficht ift
ohne Zweifel gelungen, und jeder Landpfarrer wird mit
großem Intereffe die meift vorfichtig abgewogenen Darlegungen
lefen, allerdings auch manchmal zum Wider-
fpruch und zu Bedenken durch fie geführt werden. Aber
auch das wird eine Klärung und Förderung der An-
fchauung und des daraus hervorgehenden praktifchen
Handelns bedeuten.

Der Verfaffer erörtert zunächft die Frage, ob über-
I haupt ein Bedürfnis für eine befondere Abart der mo-
j dernen Predigt, eben der Dorfpredigt, befteht, und will