Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1916

Spalte:

126-128

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kleinschmidt, Beda

Titel/Untertitel:

Sankt Franziskus von Assisi in Kunst und Legende 1916

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

12?

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 6.

126

dritter Stelle genannten Auffatz dar — auch in der
Chriftologie heterodox gewefen. Sie haben die Entwicklung
der Homoiufianer nicht mitgemacht, fondern mit den I
Homöern Fühlung gehabt und behalten. Die Bezeichnung '
'Huiantiavoi, unter der fie 381 in Konftantinopel verurteilt i
wurden, paßt darum auf fie, während fie in Anwendung
auf die alten Homöufianer ein Unrecht bedeutet. Von
den beiden Abhandlungen in den Sitzungsberichten erbringt
die zweite den abfchließenden Nachweis, daß unter
der fxö-eovc der antiochenifchen Kirchweihfynode von 341 [
das Hahn § 154 gedruckte Bekenntnis zu verftehen, und
daß an der Abfaffung diefes Bekenntniffes durch Lucian 1
nicht zu zweifeln ift. Mit den macedonianifchen Studien
fteht diefe Abhandlung infofern im Zufammenhang, als
die Macedonianer eben diefe ix&söig als ihr Symbol anfallen
. Einem verzwickten literargefchichtlichen Problem j
fpürt die erfte Abhandlung nach. Daß Didymus' Schrift !
von der Dreieinigkeit Zitate macedonianifchen Urfprungs
enthält, war fchon von Anderen (Holl, Stolz) bemerkt
worden. Aber es find viel mehr, als man bisher annahm;
31 druckt Loofs ab. Sie find zum weitaus größten Teil |
dem Dialog zuzuweifen, den Didymus (2,8, 1; Loofs Nr. 19) i
felbft befchrieben und exzerpiert hat. Als eine zweite 1
Quelle glaubt Loofs den erften der pfeudoathanafianifchen
Dialogi contra Macedonianos bezeichnen zu dürfen, in
dem ein von einem Macedonianer verfaßter Dialog zwifchen
einem Orthodoxen und einem Macedonianer verarbeitet
ift. Die Entftehung diefes Dialogus fällt, wenn Didymus
ihn benutzte, in die achtziger Jahre des vierten Jahrhun- j
derts. Wer der Verfaffer der Dialoge war, bleibt ungewiß;
ficher nicht (trotz Stolz) Athanafius. Benutzt find fie allem j
Anfchein nach in dem dritten der Dialogi de sancta trini-
tate, die von der Überlieferung Athanafius oder Maximus, '
von gelehrter Kritik Theodoret (Garnier) oder Apollinaris
(Dräfeke) zugefchrieben werden. Möglicherweife hat Garnier
Recht, doch möchte Loofs Theodoret mit der Autorfchaft
nicht beladen. Für ficher hält er nur, daß der I
Verfaffer zwifchen 395 und 430, alfo vor Ausbruch des
neftorianifchen Streits, fchrieb.

Gießen. G. Krüger.

Saadia's Polemic against Hiwi al-Balkhi, a fragment edited
from a Genizah MS. by Israel Davidfon. (104 S.) 8°.
New York 1915.

Im VIII—IX. Jahrhundert griff auf weiten Gebieten des
afiatifchen Judentums in dogmatifchen Dingen große Zügel-
lofigkeit um lieh, die fich auch in der Menge von kleinlichen
Sekten, deren Schilderung man am heften bei Kirkifäni
(ed. Harkavy) finden kann, bekundet. Diefe Zuftände
werden es gewefen fein, die im X. Jahrhundert Sa'adjah
zur Abfaffung feines dogmatifchen Werkes veranlaßten.
Eines der markanteften Zeichen diefer Verhältniffe ift die
auf 200 Angriffe fich erftreckende Polemik des Hajjüjah
aus Balch (ca. 850—875) gegen das Alte Teft. iii einem
arabifch gefchriebenen Werk, das nach dem Zeugnis
jüdifcher Hiftoriker großen, felbft auf den Schulunterricht
fich erftreckenden Eindruck hervorrief, wenn es auch mit
dem Verf. (S. 30) abgelehnt werden muß, daß fich letzterer
in einer von Hajj. hergeftellten expurgierten Redaktion
des Pentateuch verkörpert haben foll. Das Buch des H. I
ift nicht vorhanden; ein kleiner Teil feiner rationaliftifchen I
Einwendungen ift bloß aus abwehrenden Zitaten bekannt,
aus welchen Samuel Poznanski in einer gelehrten Abhandlung
(hebr. Jahrbuch Ha-Gören VII [1908] 112—137)
zehn von den 200 Nummern rekonftruieren und beleuchten j
konnte. Noch vor Abfaffung feines Amänät, in welchem !
er auf einige Thefen des H. Bezug nimmt, hat Sa'adjah ;
(928, wie der Verf. S. 35 annimmt) in hebräifcher Sprache,
nach dem Gefchmacke jener Zeit in gereimten alphabetifch-
akroftichifchen Profaftrophen, eine umfaffende, von Punkt
zu Punkt auf famtliche 200 Thefen fich erftreckende |

Widerlegung des Werkes des IL abgefaßt. Sie galt als
verfchollen, bis es dem Verf. geglückt ift, in einer Cambridger
Genizah-Handfchrift ein umfangreiches, die Polemik
gegen 40 Thefen enthaltendes Fragment zu entdecken
und dasfelbe als das Werk des S. zu erkennen. Dadurch
wird die Zahl der zur Kenntnis gelangten Thefen des IL
auf 47 Nummern gefteigert (S. 23). Die Autorfchaft des
S. wird außer anderen Zeichen durch die in die akrofti-
chifchen Ordnungen eingelegten Namenakrofticha außer
Zweifel gefetzt. Diefe wertvolle Fintdeckung des Verf.s
wird in vorliegendem, als Nr. 5 der ,Texts and Studies
of the Jewish Theological Seminary of America', an dem
er als Profeffor wirkt, erfcheinenden Buche bearbeitet.
S. 11—37 gibt er eine Überficht über die bisherigen, das
Werk des Hajj. betreffenden Studien feit S. L. Rapaport,
der in der wiffenfehaftlichen Literatur, 1829, zuerft darauf
hingewiefen hat. Dann ift auch eine nach inhaltlichen Kategorien
geordnete Überficht über die nun nachgewiefenen
Thefen des H. (S. 23—26), fowie über deffen Verhältnis
zum Zoroafterismus angefchloffen. Wenn auch anzunehmen
ift, daß Hajj. durch das in feiner Umgebung
fich bekundende polemifche Verhältnis des Parfentums
gegen den Pentateuch (vgl. meinen Auffatz im Kaufmann-
Gedenkbuch [Breslau 1900] 91) beeinflußt war, möchten wir
doch nicht mit dem hierin der Annahme D. Kaufmanns
beitretenden Verf. (S. 30) diefe Beeinfluffung gerade an
die mit dem Werke des H. faft gleichzeitige Pehlewi-
fchrift Schikand-Gumänik Vijär anknüpfen. — S. 38—79
folgt die von einer englifchen Überfetzung und von
Midräfch- und fonftige Parallelen nachweifenden reichlichen
Anmerkungen begleitete Textausgabe des vom Verf.
entdeckten Fragmentes.

In der Darftellung der auch hier mit mu tazilitifchen Theorien
ftinimenden Gedanken des Sa adjah find terminologifche Einzelheiten nicht
zu überfehen. Strophe 8 und 11 (S. 43") entfpricht der 'iwad- und
aslah-Lehre; bei erfterer (Erfatz, die Lberfetzung change entfpricht
nicht) wendet S. das hebr. Cpbrin an, die Überfetzerfchule hat dafür
ITTrar, lion geprägt. Str. 65 (S. 74, 3 u.) werden die Akzidenfe ni"iip
genannt; bei den rabbinifchen Überfetzern hat fich Ö^pB eingebürgert
(Karuit. sing. 3>B5t). — Zu Str. 40 (S. 60, 3 v. u.) teilt mir Dr. Immanuel
Low die zweifellos richtige und dem dort nachgewiefenen arab. Sprichwort
entfprechende Emendation von eyst~ri in EOSOn (= die Fliegenden
, Vögel) mit; danach muß die überfetzung (neither see) geändert
werden. —

S. 80—104 werden die Bezugnahmen auf die ketze-
rifchen Lehren des Hajj. vom IX—XVII. Jahrhundert textlich
zufammengeftellt; die arabifchen Texte mit engl.
Überfetzung, wobei diefe S. 97 Anm. von ,and none' bis
,arguments' zu verbeffern ift. Der Verf. hätte die von
Poznanski erfchloffene Namensform Hajjüjah (ftatt der
ficher unrichtigen als Hiwi) gebrauchen follen; erftere ift
unter den von ihm gefammelten Textftellen S. 82,4 v. u.
(rrivn) und S. 85 paenult. (tO"riH), zumal in Landauers Cod.
M. der den Namen mit fchließendem n gibt, belegt.

Budapeft. I. Goldziher.

Kleinfchmidt. Beda: Sankt Franziskus von Affifi in KunFt
u. Legende. (Monographien zur Gefchichte der chriftl.
Kunft. II.) (XVI, 135 S. m. 81 Abbildgn. u. 1 Farbdr.)
Lex. 8°. M.-Gladbach, B. Kühlen (1911). Geb. M. 5 —

Daß der poverello von Affifi von der Stunde nach
feinem Tode an, wie der Legende, fo der Kunft willkom-
menfter Stoff und Auftrag gewefen, ift bekannt. Beda
Kleinfchmidt, fein kunftbefliffener Sohn, der es fich zur
Aufgabe gefetzt hat, den künftlerifchen Anregungen, die
mit feinem Ordensvater und deffen Gründung zufammen-
hängen, nachzugehen, hat den glücklichen Gedanken gehabt
, die Legende des Heiligen in der Kunft zu verfolgen.
Das Refultat diefer Arbeit ift das vorliegende hübfeh aus-
geftattete Buch, das, populär wie es gehalten, gewiß in
weiteften katholifchen Volkskreifen verdienten Eingang
finden wird, aber auch dem von Nutzen, Wert und Inter-