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Ausgabe:

1916

Spalte:

97

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Walter, Otto

Titel/Untertitel:

Raghuvamscha oder Raghus Stamm. Ein Kunstepos Kalidasas 1916

Rezensent:

Oldenberg, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiüS und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

Manuflcripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan _ _

4L JahrST Nr 5 ProfefibrD. Titius in Göttingen, Nikoiausberger Weg 66, rufenden. jVIärZ 1916

Ö" ■ v Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Walter, Raghuvarascha oder Raghus Stamm
(Oldenberg).

Jenfen, Texte zur alfyrifch-babylonifchen Religion
. L (Meißner).

Naville, Archeologie de l'Ancien Testament
(Nowack).

Kol modin, Inledning tili Nya Testamentets

Skrifter. 2. Delen. (Eidem).
Kittel, Die Oden Salomos (Staerk).
Fries, Die Attribute der chriftlichen Heiligen

(v. Dobfchütz).
Schmidt, Königsrecht, Kirchenrecht und Stadtrecht
beim Auibau des Inquifitionsprozefies
(Lerche).

Kratz, Landgraf Ernft v. Heflen-Rheinfels und
die deutfchen Jefuiten (Hoensbroech).

Jordan, Theodor Kolde (W. Köhler).

Schaffganz, Nietzfches Gei ühlslehre (Schwartz-
kopff).

Stange, Die Wahrheit des Chriftusglaubens
(Lobftein).

Schlatter, Die chriftliche Ethik (Stephan).
Hartz, Wefen und Zweckbeziehung der Strafe
(Kulemann).

Mayer, Von der Herrlichkeit des geiftlichen

Amtes (Eger).
Gradmann, Dorfkirchen in Württemberg (Stuhl-

fauth).

Referate: Cafpari, Erd- oder Feuerbeftattung.
— Monceaux, Saint Cyprien.— Reichert,
Registrum litterarum Joachimi Turrani 1487
—1500, Vincentii Bandeiii 1501—1506,
Thomae de Vio Caietani 1507—1513. — Des-
cartes Meditationes de prima philosophia, —

Mitteilung: (4) Infchrift einer Marcionitenkirche.

Erwiderung von Jannafch.

Wichtige Rezenfionen. —. Neueße Literatur.

Walter, Otto: Raghuvamscha oder Raghus Stamm. Ein Kunft-
epos Kälidäfas. Zum erften Male vollftändig aus dem
Sanskrit in das Deutfche übertragen. (241 S.) gr. 8°.
München, Hans Sachs-Verlag 1914. M. 4.50; geb. M. 5.50

Auf feine 1913 erfchienene Überfetzung des Kumära-
fambhava läßt Walter die des zweiten großen Kunftepos
Kälidäfas folgen, welches mit reicher mythologifcher Aus-
fchmückung von den Königen des Raghuidenftamms berichtet
. Vielleicht erweift fich dies Gedicht dem andern
gegenüber als das forgfältiger gefeilte; ich für mein Teil
bekenne, daß mir jenes das noch liebere ift, das mit
großem Wurf, mit einer Einheitlichkeit, die dem Raghu-
vamsa,fehlt, die wundervolle Gefchichte von der Götterliebe
Sivas und der Bergestochter erzählt. Die Überfetzung
des Ragh. ift in ihren Details forgfältig und ge-
wiffenhaft erwogen. Mir fcheint doch, daß fie dem abend-
ländifchen Lefer die Schönheiten des Originals nicht
wirklich nahe bringt. Wie oft gibt der Überfetzer uns
eben nur des Dichters Worte, deren Leben und Seele
allein ein Dichter hätte fefthalten können — die kluge,
kunftvolle Sprachvollendung Kälidäfas und das zarte Spiel
feiner Grazie, die bald bunte, finnenprächtige Geftalten-
füllen beglückt durchwogt, bald körperlos in leifem, traumhaftem
Flug einherfchwebt. Hören wir, wie W. einige
Verfe wiedergibt. ,Sein Heldentum, das übermäßig fchien,
weil er noch lange auf der Feindfchaft beftand, die durch
das Schleudern der Waffen graufam war, erfreute Indra;
denn überall laffen die guten Eigenfchaften ihre Eindrücke
zurück' (III, 62). ,Dann regte er die in Gebüfchen kauernden
Löwen, in der Abficht fie zu töten, mit dem Dröhnen
feiner Bogenfehne, das wie das Saufen von Wirbelwinden
furchtbar fchallte, auf. Er war gewiß fchon ganz neidifch
auf ihren Königstitel, der bei den Tieren durch das Entfalten
ihrer Stärke einen hohen Grad erreichte' (IX, 64).
,Die Tageshitze mehrte fich bedeutend, doch die Nacht
wurde in hohem Maße kurz. So waren beide durch
ihren Gegenfatz verfchieden wie Mann und Frau, wenn
fie fich in Liebesglut und Schmollen entzweit haben'
(XVI, 45). Ging die Abficht W.s eben nur dahin, dem
Philologen das wörtliche Verftändnis des Textes zu vermitteln
? Auch in diefem Fall würde man fich die Anlage

Jenfen, P.: Texte zur affyrifch-babylonifchen Religion. I.

Kultifche Texte. (Keilinfchriftliche Bibliothek VI. Bd.,
2. TL) (144 u. 16* S.) 8°. Berlin, Reuther & Reichard
I9TS- M. 7.50

Jenfen, der im erften Teile des fechften Bandes der
Keilinfchriftlichen Bibliothek die Mythen und Epen behandelte
, hatte uns einen zweiten Teil mit Überfetzungen
von Texten zur affyrifch-babylonifchen Religion ver-
fprochen. Diefes Verfprechen löft er jetzt wenigftens
teilweife ein, indem er uns als Abfchlagszahlung 10 Bogen
(9 Bogen Text und 1 Bogen Kommentar) als 1. Lieferung
des neuen Buches fchenkt. Natürlich war es nicht möglich
, eine vollftändige Behandlung aller auf die babylonifch-
affyrifche Religion bezüglicher Texte zu geben, fondern
der Verfaffer mußte fich auf eine Auswahl befchränken.
Diefe Auswahl hat er nun meines Erachtens recht glücklich
getroffen, indem er uns eine Reihe fehr fchöner und
nicht immer allfeitig bekannter Texte, enthaltend Götter-
und Dämonenbefchreibungen, Hemerologien, Ritualvor-
fchriften, Hymnen und Gebete, in Umfchrift und Überfetzung
famt dem Anfang des Kommentars vorlegt. Im
einzelnen werden die Wünfche vielleicht etwas auseinandergehen
, indem man auf diefes Stück verzichten würde und
jenes unberückfichtigte dazu gewünfcht hätte, aber im ganzen
, ich muß es wiederholen, ift die Auswahl nur zu billigen.

Die Befchreibungen der Göttertypen, die Hemerologien
für den Schalt-Elul, die Liturgien bei dem Neu-
jahrsfeft, die Ritualvorfchriften bei Mondfinfterniffen, beim
Wiederaufbau und der Einweihung des Tempels und
Haufes, die Rituale für den büßenden König, die zahlreichen
Pfalmen an verfchiedene Gottheiten, befonders
der fchöne Hymnus an den Sonnengott und der an Mar-
duk (mit dem von Jenfen entdeckten Akroftichon: Ich bin
Affurbanipal, der dich anrief. Schenke mir Leben, Mar-
duk, fo will ich deinen Ruhm preifen), die Wechfelrede
zwifchen Affurbanipal und dem Gotte Nebo enthalten
eine folche Fülle wichtigen Inhalts, daß fie gewiß nicht
nur von Affyriologen, fondern auch von Altteftamentlern
und Religionshiftorikern werden eifrig ftudiert werden.

Die philologifche Behandlung der Texte ift ausgezeichnet
und zeigt Jenfen auf der ganzen Höhe feines

der Arbeit in mancher Beziehung anders wünfchen: wor- ] Scharffinnes. Man wird daher in diefer Beziehung nur
über nähere Ausführungen an diefer Stelle nicht am Platz
find.

Göttingen. H. Oldenberg.

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fehr wenig nachzutragen haben. Ein paar Einzelheiten
hoffe ich bringen zu können, wenn das Buch ganz vorliegt.
Breslau. Bruno Meißner.