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Ausgabe:

1916

Spalte:

57-58

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Homburger, Otto

Titel/Untertitel:

Die Anfänge der Malschule von Winchester im X. Jahrhundert 1916

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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lieh im Stande ift. Die alten Probleme ,Glaube und Ge-
fchichte', ,Askefe und Humanität' legen fich hier vor die
Entfcheidung.

Wernle hat ein vortreffliches Buch gefchrieben, fach-

englifcher Gelehrten, namentlich der Paläographen, ift
eine Fülle kunfthiftorifch wichtigen Materials aus dem
10. und 11. Jahrhundert zutage gekommen, das zu flehten,
,nach dem Stil ihrer Miniaturen, ihrer Initialen und Schriftlich
und durchdringend im hiftorifchen Denken, fruchtbar formen in Familien einzuteilen', zu befragen, ,ob nicht
und anregend für den religiöfen Menfchen, aber die prak- i innerhalb diefer Gruppen fich beftimmte Entwicklungs-
tifchen Hauptfragen getraue ich mich meinerfeits nicht , reihen aufftellen laffen', zugleich auch die etwaigen Ein-
fo entfchloffen zu beantworten wie er, ja es Icheint mir | flüffe zu erforfchen, ,die auf Urfprung und Weiterbildung
nötig, fie noch um einiges fchärfer zu ftellen. Als vor- i der Motive und Stileigentümlichkeiten maßgebend ge

läufige Antwort aber wird das tapfere und fromme, kluge
und feine Buch weniger Bedenklichen mit Recht hoch
willkommen fein.

Berlin. Troeltfch.

Weigl, Klerikalfem.-Dir. Dr. Eduard: Unterfuchungen zur
Chriftologie des heil. Athanafius. (Forfchungen zur chriftl.
Literatur- u. Dogmengefchichte. 12. Bd., 4. Heft.) (VIII,
190 S.) gr. 8°. Paderborn, F. Schöningh 1914. M. 6 —

Eine eindringende und ergebnisreiche Studie. Das
erfte Kapitel behandelt die alexandrinifche Chriftologie
vom nizänifchen Konzil bis zum Tode des Athanafius
mit eingehender Würdigung der chriftologifchen Terminologie
. Die beiden weiteren Kapitel find literargefchichtlicher
Art und dem Nachweis gewidmet, daß die zwei Bücher
Contra Apollinarium i. J. 371 oder 372, unmittelbar nach dem
Brief anEpiktet, entweder von dem greifen Athanafius felber
oder von einem Schüler unter feiner Leitung und endgültigen
Stilifierung verfaßt feien und daß auch die Schrift De incar-
natione et contra Arianos, die epistola IV ad Serapionem,
die oratio IV contra Arianos nach Gedankengehalt und
Sprache fehr wohl dem Athanafius angehören könnten.
Der Schluß gibt ,die Hauptlinien und Hauptfätze der atha-
nafianifchen Chriftologie'. Darnach find die chriftologifchen
Entwicklungen früher anzufetzen als gemeinhin geglaubt
wird. Namentlich in außeralexandrinifchen (apollinari-
ftifchen und antiochenifchen) Kreifen waren die chriftologifchen
Gedanken weit vorangeeilt. Alexandrien folgte
nach, fchwang fich aber in der letzten Lebenszeit des

Athanafnjs a/ch hierin an führende Stelle. Athanafius JÄ^vESSS wÄTTST Ä
rftmeht bloß ein großer Theologe, er ,ft auch groß als ^ uber ^ d d fa wefentUch UJ*™-

Chr.ftologeund wie m femer Theologie, fo war auch in , deutfam hinaus> daß fie auffflllende ikonographifche Be-
feiner Chr.ftologie (Zweiheit der Naturen und numer fche ziehu zu Elfenbeinwerken der ,fpäten Metzer Schule'
Einhe.t des m beiden Naturen ex.ftierenden Chnftus) ein alfo Zlfm Kontinent aufdeckt. Diefe wichtige Feftftellune
praktifch-religiofes Intereffe, die Sicherung der vollen Er- mt die Frage nach Vorlage und Quellen unferer Minia-
lofung, die Tnebfeder feiner Gedanken. Weigls von Scharf- turenzyklen 5der Löfun ^ konirnen. H. behauptet
finn und w.ffenfchaftl.cher Ruhe zeugende Ausfuhrungen ^ dne gegenfeitige Abhängigkeit der Malereien und
verdienen allfe.t.ge Beachtung. Daß ihm die ephefin.fch- ReHef haU eg vidmeh]. ^ | £ füf den Bilder klus
chalcedonenfifche Entfcheidung das letzte Wort aller deg Benediktionale des Aethelw0ld - und das gilt dann
Chriftologie ift, verfteht fich bei feinem dogmatifchen eg . aucb füf die anderen prrr fowje fur dje Schnitzereien
Standpunkt von felber. ; _ >eventuell über die karolingifche Zwifchenftufe hinaus

Der Auffau von y Schweitzer Alter■de. Titels »eotöxoq (Katholik 1 eine Vorlage anzunehmen, die in altchriftlicher Zeit im

1907. I, 97—nelfcheint dem beleienen Verf. (S. 63) entfraniren zu fein. rm^., J„ u ■ u j i_ • t> • i_ 1 1 ,1 • f ■ „ ,

Das ,voll und ganz' (S. 5. 23. 36. 77. 173) bliebe beffer Feftrednem 1 rj.lte" dei'Reichs, d. h. im Bereich der helleniftifchen

überlaffen. Auch ,figurieren' ift keine Sprachzierde, wie überhaupt auf

Kunft entftanden ift, noch bevor orientalifche Schemata

die Sprache etwas mehr Sorgfalt hätte verwendet werden dürfen, S. 14: i und Formen fich durchgefetzt haben. Immerhin bleibt
,Hauptthefe des Arianismus war die Gefchöpflichkeit des Logos. Diefer (1) j dje Frage beliehen, ob die ikonographifchen und ftiliftifchen
r^Ä^t7??S°Tt^t^^S1«^ T* Arge "esjunge" i Eigentümlichkeiten auf die gleiche Quelle zurückgehen'.

Athanafius zugewendet'. S. 09: ,Das lehen wir aus de mc et contr. Ar. und ! 1. i.TTi f i- ^ r 1 j irr 1 r 7

ad Serap. IV, wo diefe Bezeichnungen beider Naturen des Gottmenfchen I Man fleht freilich 1 hier verliert fich der Verf. oder fein
figurieren, anderfeits aber ebendort vom menfchlichen Willen neben dem
götüichen die Rede ift.'

wirkt haben' (3), eine ebenfo notwendige als verlockende
Aufgabe ift. Homburger hat auf Anregung Goldfchmidts
diefer Aufgabe fich zugewandt und bietet in der vorliegenden
gediegenen Differtation die reife Erftlingsfrucht
feiner Studien. Er hat zweckmäßig eine beftimmte Gruppe
von Denkmälern, nämlich die zeitlich und örtlich fchon
feftgelegten Handfchriften der Schule von Winchefter,
wo, wie in Südengland überhaupt, die in den 60er Jahren
des 10. Jahrhunderts eingeführte kluniazenfifche Klofter-
reform einen mächtigen künftlerifchen Auffchwung erzeugte
, herausgegriffen, erörtert aber, den Rahmen noch
enger ziehend, hier zunächft nur die Anfänge (bis zum
Ende des 10. Jahrhunderts), läßt jedoch zur Ergänzung
und Abrundung im Schluß (65—70) einen fyftematifchen
Überblick über die Entwickelung der Schule im 11. Jahrhundert
folgen. So kommen für die eigentliche Unter-
fuchung vier Werke in Betracht: 1) das Benediktionale
des Aethelwold (963—984) vom Jahre c. 980, feit etwa 1720
im Befitze des Herzogs von Devonshire in Chatsworth,
das bezeichnendfte Werk der Gruppe, zwiefach wertvoll,
weil es die Entwickelungsreihe eröffnet (7—43); 2) Charter
König Edgars vom J. 966 (mit einer Miniatur), jetzt in
der Cotton-Sammlung des Britifchen Mufeums (43—49);
3) das Benediktionale des Erzbifchofs Robert in der Bibliothek
zu Rouen (49—57); 4) das Benediktonale zu Paris
Mf. Lat. 987 (57—65). Die gründliche Analyfe, die in
Bezug auf Ikonographie, Ornament, Stil, Kolorit und Technik
und den Formencharakter der Schrift dem Benediktionale
des Aethelwold mit feinen 28 Miniaturen auf 49
Zierfeiten und dann den übrigen illuftrierten Winchefter
Hff. des ausgehenden Jahrhunderts vergleichsweife gewährt

München. Hugo Koch.

Stoff ins Nebelhafte. Im übrigen ift lebhaft zu wünfehen,
daß H. nach fo gründlicher und tüchtiger Einarbeit in
diefem zumal in Deutfchland noch fo unerfchloffenen
Forfchungsgebiete weitergrabe und es für die Wiffenfchaft
weiter bearbeite; möchte der Krieg fich ihm nicht mehr
Homburger, Otto: Die Anfänge der Mallchule v. Winchefter zulange in den Weg ftellen! Für neue Publikationen wäre

im X. Jahrhundert. (Studien üb. chriftl. Denkmäler. N.F. f'^^L^6 a,uch *™ Tefxt ,durcha^J^A^

u /w * c _^ t • ■ ia- und Herausltellung der Stichworte die äußere Gliederung

13. Hett.) (V, 70 S. m. 12 Taf.) gr. 8". Leipzig, Die- gegeben werde, die er tatfächlich hat und die im Inhalts-

terich 1912. M. 3.50 Verzeichnis eigens gedruckt fteht.

Dank dem bis auf Heinrich VIII. zurückreichenden In- Berlin. G. Stuhlfautii.

tereffe englifcher Sammler für alte Handfchriften und der
feit dem 18. Jahrhundert ihnen rege zugewandten Arbeit

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