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Ausgabe:

1916

Spalte:

49-51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cathrein, Viktor

Titel/Untertitel:

Die Einheit des sittlichen Bewußtseins der Menschheit. Eine ethnographische Untersuchung. 3 Bde 1916

Rezensent:

Hoensbroech, Paul

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. G. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan .. _

•41. JanrfiT. Nr. 3 ProfeflbrD. Ti tius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. FeDPUclX 1916

Ö" " Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Cathrein, Die Einheit des fittlichen Bewußt- I. uther, Studien zur Bibliographie der Kirchen- Referate: Geyer, Papft Klemens III. — Mei-

feins der Menfchheit (Hoensbroech). poftille Martin Luthers (Kawerau). fenzahl, Das Prämonftratenfer-Chorherrn-

Gabriel, Die Theologie W. A. Tellers (Kohl- ftift Veßra. — Zürcher, Der Meifter von

meyer). Frauenroth und feine kunftgefchichtliche

Frankl, Die Entwicklungsphafen der neueren I Stellung.—Süß, Gelchichte der Reformation

Baukunft (Strzygowski). in der Herrfchaft Rappoltftein. — Luthardt,

Briggs, Theological Symbolics (Loofs). Kompendium der Dogmatik. — Eberhardt,

Rudolph, Theofophie (R. A. Hoffmann]. Das Ungeheure. — Kittel, Judenfeindfchaft

heil. Athanafius (Koch). I Sachffe, Einführung in die praktifche Theo- i oder GoUesläfterung? — Gihr, Gedanken

Homburger, Die Anlange der Malfchule v. logie (Eger). j über katholifchcs Gebetsleben.

Winchefter (Stuhlfauth). ] Geililer, Rhetorik (Niebergall). Mitteilung: (3) Das Hethitifche eine indo-

Schwartz, Die Befetzung der Bistümer Reichs- j Stutz, Die katholifche Kirche und ihr Recht in germanifchc Sprache?

italiens (Lerche). den preußifchen Rheinlanden (Schling). Wichtige Rezenlionen. — Neuefte Literatur.

Schwöbel, Die Landesnatur Paläftinas(Guthej.
Procklch, Die Völker Altpaläftinas (Derf.).
Greif!, Das Gebet im Alten Teftament (Greß-
mann).

Wernle, Jefus (Troeltfch).

VVeigl, Üuterfuchungen zur Chriftologie des

Cathrein, Vikt, S. J.: Die Einheit des littlichen Bewußtleins religiöfen und fittlichen Ideen eines Volkes als die allermeinen Reifenden,
j „ , , . .. ., . . p « n , die vielleicht fonft ausgezeichnete Kenntniffe haben, aber in relirriöfeu

der Menfchheit. Eine ethnograph. Unterfuchg. 3 Bde. und flttlichen Fragen °ur mangeihaft und theoretifch gebildet find'
( VII, 694; IX, 653 u. VIII, 592 S.) gr. 8°. Freiburg i. B., (1,27-28).

Herder 1914. M. 36—; geb. 40— So fchroffe Urteile über ,vorgefaßte' Meinungen muten

Das Buch tritt fehr anfpruchsvoll auf, äußerlich und fe£n?cL SW?1^ in- ^Jf™ *?* T-dc^

innerlich. Äußerlich: drei dicke Bände mit zufammen 1929 kathohfeh-kmehhehe Imprimatur tragt d. h. die Befchei-
Seiten; innerlich: ,Wir haben diefen Beweis [für den i >f un-gL /k Y°n d^ftafrYrf kjehhehen Lehren nicht
.Glauben an ein Fortleben nach dem Tode als Gemeingut abdeicht und bei einem Verfaffer, der durch das SJ. hinter
der Menfchheit'] mit völlig zuverläffigen Zeugniffen in ! fe!ne™ Namen bekundet, daß er felbft zu einer Gefelleiner
Allgemeinheit erbracht" wie unferes Wiffens noch J ^rl d T? wenn irgend eine, .vorgefaßte' dogma-
niemand vor uns' (3,575); ähnliches Selbftbewußtfein tlfchÄ Anflehten hat ja haben muß,

äußert f.ch noch an anderen Stellen. Die Leiftungen ent- I nur d^as veröffentlichen dürfen, was die Ordenszenfur zu
fprechen dem anfpruchsvollen Auftreten nicht. Zunächft: ! veröffentlichen geftattefc So weit muß bekanntlich die
aus Eigenem gibt der Verfaffer nichts; feine ganze eth- ! .Vorein^omnienheit' des Verfaffers gehen, daß das Er-
nographifche fWiffenfchaft' ruht auf Äusfagen Anderer. I gebms feiner ^orfchung : die Einheit des fitd.chen Be-
Da°s ift gerade bei einem völkerbefchreibenden (ethnogra- ; 7^!H^

„tifel^ni w„u a.,c R»nb„kf,,nWn' w,li^neußP feftftand und, aus dogmaüfehenGründen,feftftehen mußte.

phifchen) Werke, das aus Beobachtungen' weitgehende
Schlöffe zieht und das die Schlüffe Anderer, die felbft
beobachtet haben, apodiktifch für falfch erklärt, wenig
vertrauenerweckend, ja geradezu unwiffenfehaftlich. Diefer
unerfreuliche Eindruck wird verftärkt durch die Art, wie

Unter folchen Umftänden gilt von feiner Entrüftung über
.vorgefaßte'Anflehten der Reifenden und Ethnographen:
fpottet feiner felbft und weiß nicht wie. Neben der Zweiteilung
der Zeugen, in gute und fchlechte (Miffionäre und

Reifende, Ethnologen), findet fich aber fortwährend die

der Verfaffer die fremden Zeugniffe in zwei Klaffen ein- ..... , ' t> . , °, /' , .

. -i, t> -r j / , TiT-rr < j r • -j j • Mifchung Beider, d. h. wo und wann immer ein fonft

teilt: ,Reifende' und .Miffionare' und fie in ermüdend wieder- k^i^l^w p„;Lj^ ~a tvi 1 . jr~.

u lz wt ^ -l • j ur-.v-i._z. abgelehnter Reuender und Ethnologe etwas fagt was

holten Werturteilen gegeneinander abfehatzt: v- . . > . „ „ _ e ,,. , p , .7 öi '

ö ö : dem Ziele, d. n. der .vorgefaßten Meinung des Verfaffers

,Die Berichte der Reifenden find mit großer Vorficht zu ge- | entfpricht, da ift das Zeugnis vollwertig Auch wirft

brauchen. . . . Oft fehlt den Reifenden die genügende philofophifche j j_„ vr__r„/r,_,. „ -i__• V. ___■■ _ _j Tz-

und theologifche Vorbildung zur richtigen Beurteilung der religiöfen und I d" Verfaffer weil er nicht die genugende Kenntnis

fittlichen Anfchauungen eines Volkes, auch abgefehen davon, daß fie mit i uber den Grad der wiffenlchaftlichen Bedeutung der von

vorgefaßten Theorien an das Studium diefer Anfchauungen gehen. . . . I ihm Verwerteten Zeugen befitzt, anerkannte ethnogra-

Ein Naturforfcher, Arzt oder Geograph mag in feinem Fache gründliche 1 phifche Größen und Leute fehr geringen wiffenfehaftlichen

Kenntniffe und eine feine Beobachtungsgabe haben, das befähigt ihn . Anfehens bunt durcheinander. Den Wert ethnographifcher

aber noch lange nicht zur richtigen Beurteilung der Religion und Sitt- D__, , a/r-rr-__•• _< u„rr_„u„ „. „u : u ..: u.

lichkeit eines Volkes' (1,22). ,Zu bedauern ift, daß fo viele heutige T*?^*"1*«" Y0" -Mlffionaren' beftreite auch ich nicht.
Ethnologen völlig im Banne der extremften Entwicklungslehre ftehen und Aber Sachlichkeit verlangt, ZU lagen, daß der Wert erleider
zu oft von vornherein ablehnen, was nicht zu ihren vorgefaßten t heblich gefchmälert wird durch die .Vorgefaßte' Meinung

Ideen über den LTfpruug der Menfchheit paßt'(1,19). Den ,in evolutio- : der ,Miffionäre' (das Dogma der Kirche). Vor allem aber
X^^r"^^^' Ethnologen und Reifenden die den Tat- ( ift wertmindernd, daß weitaus die Mehrzahl der .Miffionäre',

lachen oft Gewalt antun oder fie wenigftens drehen und deuten, bis he . ,__i__.v. vr v. r - t-.i 1 ■ , V. , . •

in ihr Entwicklungsfchema hineinpaffen' (1,19.24), Hellt der Verfaffer zumal der kathohfehen, für Ethnographie und Ethnologie

die Miffionäre' entgegen: .Gegenüber diefer Voreiligkeit im Urteil bei
oberflächlicher Kenntnis [der Verfaffer teilt ein törichtes, gänzlich unbeglaubigtes
Gefpräch zwifchen einem .Miffionar' und ,einem jungen fran

eine ganz unzulängliche Vorbildung (etwas handwerksmäßige
fchablonenhafte Theologie und Philofophie) befitzen
. Auch der Verfaffer fcheint wenig befähigt für

fl Merr ^^fTl^;.^ die vorfiehtige Zurückhaltung, mit der logifche Durchdringung des von ihm

fich Miffionäre oft nach jahrelanger Beobachtung ausdrucken, vorteilhaft r f ~ -t *"J5"~~ ". , .. &, v> , ,.

ab. . . . Manche Ethnologen fprechen verächtlich und fpöttifch von den l behandelten Stoffes. In der .Einleitung, in der er die

Berichten der Miffionäre, aber das hat feinen Grund nur in ihren vorge- philofophifche Grundlage feines Werkes legen will, fchreibt

faßten evolutioniftifchen Theorien, zu denen die Zeugniffe der Miffionäre er (tjA;
oft nicht paffen. . . . Die Miffionäre ftehen doch gewiß an Wahrheitsliebe
den Forfchungsreifenden nicht nach, und durch ihre philofophifche Daß in der Tat das Kind fchon frühzeitig zur Erkenntnis der all-

und theologifche Vorbildung find fie viel befähigter zur Erforfchung der gemeinen fittlichen Grundfätze gelangt, zeigt die Erfahrung. Man braucht

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