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Ausgabe:

1916

Spalte:

36

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Loofs, Friedrich

Titel/Untertitel:

Matthias Claudius in kirchengeschichtlicher Beleuchtung 1916

Rezensent:

Stephan, Horst

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Seite 1

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Reformationsgefchichte tritt noch mehr zurück als in den heim II. zumRofenkreuzerorden (fie gehörten dem 8. Grade
vorhergehenden (vgl meine Befprechung ThLz. 1914, 592) ; des Ordens an, waren,aber noch diesfeits des Vorhangs')
und ift eigentlich nur vertreten durch eine Miszelle von ; erklärt die Freundfchaft zwifchen beiden Männern und
Theodor Wotfchke: ,Zum Leben Jakob Schenks'. das Auffteigen des ehemaligen einfachen Landpfarrers
Schenk war 1541 Prediger und Profeffor in Leipzig ge- bis zum Juftizminifter. Den gegenwärtigen Verhältniffen
worden; der Leipziger Amtmann Georg von Bendorf wird Rechnung getragen durch zwei Beiträge von Rud.
verfluchte Herbft 1542 ihm eine Profeffur an der geplanten Jungklaus: ,Wie die Ereigniffe der Freiheitskriege zu
Königsberger Univerfität zu verfchaffen, aber der Herzog ihrer Zeit in Berlin kirchlich gefeiert worden find' und
Albrecht von Preußen, von Schenks Antinomismus unter- | ,Zur Berliner Lazarettfeelforge und Kriegsfürforge 1813/15'
richtet, lehnte ab. Bereits über die Grenze des refor- | auf Grund eines Akten-Fafzikels der Petrigemeinde zu
mationsgefchichtlichen Forfchungsgebiets weift die in | Berlin.

diefem Bande zum Abfchluß gebrachte Abhandlung von ] Zwickau i S O. Clemen.

Joh. Splittgerber: ,Die Gegenreformation im Kreife

Schwiebus, 1686 trat Kaifer Leopold I. den Kreis an ' -——-----

Kurfürften ab 1695 wurde er wieder dem Loofs Prof Dr Friedrich: Matthias Claudius in kirchen-

Erbfurftentum Glogau einverleibt und hei an Ofterreich zu- /....... _ . - _. TT , . , ... „.

rück. Die acht Jahre brandenburgifcher Herrfchaft brachten gefchichtlicher Beleuchtung. Eine Unterfuchg. über Clau-
mit einem Male die feit 1626 wirkende Gegenreformation dius' rehgiöfe Stellg. u. Altersentwicklg. (Aus: .Studien
zum Stillftand. Am weiteften in die Vergangenheit zu- u. Kritiken' 1915.) (IV, 144 S.) 8°. Gotha, F. A.

rück reichen die Arbeiten von Hans Schulze: ,Zur Perthes 1915. M. 2_

Gefchichte des Grundbefitzes des Bistums Brandenburg', _ _ , , ,. .. . ,

von der unfer Band die Fortfetzung bringt, und von . Der Gedenktag des Matthias Claudius hat trotz des
Fritz Funke: ,Das Bistum Lebus bis zum Anfange der ; Krieges Beachtung gefunden. Außer Stammlers Biographie
Hohenzollernherrfchaft in der Mark Brandenburg', die in , ™d Y0' al;em die Auflatze zu nennen, die L erft in den
diefem Bande einfetzt. Beide Artikel find Gegenftücke, 1 lh,eoL Studien und Kritiken, dann in diefem Buche vordem
! auch Funke gibt nicht eine politifche Gefchichte ' ^

des Bistums Lebus und feiner Bifchöfe, fondern fchildert | äffende rehgiöfe Würdigung feines Heldem fondern eine
nur die territorialen Verhältniffe, wobei ihm als Haupt- ! Unterfuchung mit all der Genauigkeit und Quelienbegrun-
quelle das Regifter der Lebufer Kirche dient (Handfchrift 1 dun& ™ Yon lhm ^ew°hntr ,nd,n U"r1 fT" ?' T'
im Geh. Staatsarchive zu Berlin), eine fyftematifche Zu- ; « fie der Wiederlegung des heirfchenden Urteils, daß der
fammenftellung der Diözefankirchen, ihrer Güter und Ein- Wandsbecker Bote ein pietiftifches oder orthodoxes Chri-
nahmen, deren Angaben durch die Urkunden zu kon- ! ftentum vertreten habe, oder daß wenigftens feit etwa
trollieren und zeitlich zu ordnen waren. Die neueften j '790 feine Frömmigkeit trüber und enger geworden fei.
Beiträge führen uns in die neuere Kirchengefchichte: Was jenen erften Satzbetrifft fo kommt L. zu einem
Schwartz, Philipp Rofenfeld (1731-88), ein neSer Meffias ! Ergebnis den' Ref- fchon Yon feiner Kenntnis Hamanns
in der Mark. Er prophezeite für 1770 das Kommen des | -nd Herders her zuneigt: die verfchiedenen, zu keinem
taufendjährigen Reiches, wurde Ende 1769 bis Mai 1771 j Schema paffenden Äußerungen von Claudius erklaren f.ch
im Irrenhaut, von November 1782 ab im Zuchthaus in I aurer durchL Rine patriarchalifch-konfervative Gefamt-
Spandau interniert, wo er am 10. April 1788 ftarb. Seine ! haItung. am beften durch die Annahme, ,daß es die durch
Anhänger glaubten nicht an feinen Tod und machten I (7n, eigenen Erfahrungen infonderheit auch durch den
auch weiterhin den Behörden große Schwierigkeiten. 1826 Verkehr mit Leffmg und Herder — auch Hamanns hte-

wird zum letzten Male von Rofenfeldianern berichtet,
Karl Aner, Friedrich Herrmanus Lüdke. Streiflichter
auf die Theologie und kirchliche Praxis der deutfchen
Aufklärung. Diefer Berliner Theologe hat befonders durch
die faft 1000, z. T. fehr umfangreichen Rezenfionen, die
er in 20—25 Jahren für Nikolais Allgemeine deutfche
Bibliothek lieferte, großen Einfluß ausgeübt. Er kann

rarifcher Einfluß kommt früh in Betracht — geklärten
und freier gewordenen lutherifchen Traditionen feines
Elternhaufes waren, in denen er lebte und in die er . . .
immermehr hineinwuchs' (S. 45 f.). Aber auch im letzten
Drittel feines Lebens ift Claudius weder orthodox noch
pietiftifch geworden. Nur verfchärft fleh feine konfervative
Gefamthaltung naturgemäß gleichzeitig mit der Erftarkung

als ein typifcher Vertreter der bei aller Kritik pofltiv j der radikalen Gegenftrömuneen auf politif^
gerichteten deutfchen kirchlichen Aufklärung gelten. Das : fem Gebiet. Und die von ihm ftets gefchatzte Myftik: geerhellt
aus feinem Kampfe gegen die von der Ortho- i winnt zuletzt entfprechend der erlahmen^den Kraft zum felb-
doxie übertriebene Autorität der fymbolifchen Bücher, ■ ftandigen Ausdruck des Glaubens größeren Einfluß, doch
aus feiner Stellungnahme zu den Wolfenbüttler Frag- ! ohae 2Ur beherrfchen. — Das Ergebnis von L. dürfte
menten und aus feiner kirchlichen Reformtätigkeit. In j enag-.tag- fein. Es wird außer dem Verftandnis des
der höchft lehrreichen Abhandlung von Walter Wend- : Claudius auch das der rehgiöfen Erhebung vertiefen, die
land: /Die praktifche Wirkfamkeit Berliner Geifllicher den .Kationalismus' überwand und die in der Regel viel
im Zeitalter der Aufklärung (1740—1806)' erhalten wir zu einfeitig auf den Pietismus zurückgeführt wird. Da-
Fortfetzung und Schluß. Hans Petri bietet ein Lebens- 1 t.uber f11"^8 nudet der Lefer ein& Fülle von Stoff ge-
biid feines'Vaters S. Leopold Petri, der 1838 in Lemgo ir^Trl - e d^r ^naueren Kenntnis jenes wichtigen
geboren wurde, von 1863 ab in Gablonz in Böhmen, ' ^eitabfchnittes dient.

auch während des Krieges von 1866, als Pfarrer amtierte,
1867 Pfarrer in Mansfelde in der Neumark wurde, den
Krieg von 1870/71 als Lazarettpfarrer mitmachte, dann
als Oberpfarrer in Küftiin (feit 1874), als Superintendent
von Sorau (feit 1886), als Mitglied der Provinzial- und
Generalfynode und der theologifchen Prüfungskommiffion
fleh betätigte. Beachtenswert ift das Gutachten Hengften

Marburg a. d. L. Horft Stephan.

Wendland, Prof. Dr. Johannes: Die religiöle Entwicklung
Schleiermachers. (VIII, 243 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C. B.
Mohr 1915. M. 5 —

bergs: Bei einer Entfcheidung muffe man immei" das Die rehgiöfeEntwicklungSchleiermachers zu fchreiben,

Schwerere wählen. ,Gehts der Natur entgegen, fo gehts,
wie Gott es will.' Reinicke teilt aus dem Schloßarchiv
des märkifchen Dorfes Großrietz Notizen über Johann
Chriftoph von Wöllner,- den Rofenkreuzer' mit. die Zu-

ift eine fchöne, aber immer noch fchwierige Aufgabe.
Wendland hat fie fo weit gelöft, wie man es kann, ohne
ein Buch über ,Schleiermacher und feine Zeit' zu fchreiben.
Mit Dilthey konkurrieren zu wollen, ift ihm nicht in den

gehörigkeit Wöllners und des Königs Friedrich Wil- Sinn gekommen. Statt der .Schule von Athen' erhalten