Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1916

Spalte:

30-31

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hirzel, Rudolf

Titel/Untertitel:

Die Person. Begriff und Name derselben im Altertum 1916

Rezensent:

Cybulla, K.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

30

Hand, zumal bei Exkurfionenf Für diefe Mängel ift j fallende Auffaffungen von van Leeuwen hingewiefen — fie
demnach, wie es fcheint, der Herausgeber verantwortlich find offenbar aus Zahn genommen.

zu machen. Profeffor Becker hat feinerfeits den reizvollen | Natürlich weicht van L. gelegentlich auch von Zahns

Verfuch gemacht, die Oberfläche des Landes in der
Manier der fog. Reliefkarten in Farbenplaftik' darzuftellen
(vgl. feinen diefe Karte betreffenden Auffatz inZDPV 1913,
S. 198 — 202). Solche Karten find bisher namentlich von
Schweizer Firmen für Alpenlandfchaften mit gutem Erfolg
hergeftellt worden, aber die Anwendung des gleichen
Verfahrens auf Paläftina wird durch diefe Probe nicht
empfohlen. Die Landfchaft ift zu verfchieden: die Alpen
haben breite, offene Täler und hochragende Bergkämme,
Paläffina dagegen hat fchmale, tiefe, ftark gekrümmte
Täler und flache Kuppen. Bekanntlich wirft die Sonne
in Paläffina bei feitlicher Beleuchtung auf die gegenüberliegenden
Halden und auf die Sohle der Täler einen fehr

Anfchauung ab, fo z. B. erfreulicherweife beim .Menfchen-
fohn', den er aus Daniel 7,13 ableitet, weniger glücklich
bei der Doxologie des Vaterunfers, die er für echt hält;
auch haben mich mehrfach Stichproben davon überzeugt,
daß keineswegs das Material der Erklärung ausfchließlich
aus Zahn gefchöpft ift.

Die Feftftellung der ftarken Abhängigkeit von Zahn
erübrigt eine eingehende Charakterifierung der Exegefe
van L.s. Die guten und die bedenklichen Seiten der
Methode Zahns finden fich eben auch hier.

Ein Bedenken, das fich mir fchon bei van Veldhuizen
aufdrängte, verftärkte fich mir hier: für die Auslegung
ift (nach der Anlage des Unternehmens) zu wenig Raum

fcharfgezeichneten Schatten; wenn man ihn nun durch ; vorgefehen. Daher kommt es, daß die ,Erklärung' vieleinen
lillafarbigen Ton darfteilen will, fo wird in vielen fach den Text nur paraphrafiert, ftatt ihn zu ,erklären',
Fällen auch die Talfohle verdeckt, alfo für das Auge oder daß die Ifrklärung zu kurz und für den Laien fchwer
mehr oder weniger unerkennbar gemacht, felbft wenn ; verftändlich ift. Mehrfach wurde mir Sinn und Begrün-
fie durch eine punktierte Linie in Braun hervorgehoben ' dung einer Erklärung van L.s erft deutlich, als ich Zahn
wird. Auf diefe Weife wird der Zweck diefer Darftellung, zur Hand nahm. Ganz ungenügend — gerade für Laien —
die Anfchaulichkeit und Deutlichkeit, verfehlt. Der vor- ift die Behandlung der VYundergefchichten bei van L. ebenliegende
Verfuch ift fehr lehrreich, aber als gelungen ift fo wie bei van Veldhuizen.

er meiner Meinung nach nicht zu betrachten. Es kommt Über Text und Inhalt von 1,16 ift fo gut wie nichts

darauf an, ob es möglich ift, die Ausdrucksmittel der j gefagt. S. 88 vermiffe ich eine Auslegung des charak-
fog. Reliefkarte enger als bisher dem durchfchnittlichen ' teriftifchen Wortes 6,34. Mt. 7,27 ift nach dem Text von
Landfchaftsbilde von Paläftina anzupaffen. ! Lc. 6,48 ausgelegt, was unftatthaft ift.

Leipzig. Guthe. Leiden. Hans Windifch.

Leeuwen, Hoogl. Dr. J. A. C. van: Het Evangelie van Mattheus
. (Tekst en Uitleg. Practische Verklaring van het
Nieuwe Testament, (uitg.) door A. van Veldhuizen.)
(172 s.) 8°. Groningen, J. B. Wolters 1915. Geb. fl. 1.90

Diefe Auslegung ift die zweite Lieferung einer von
holländifchen Gelehrten beforgten Erklärung des Neuen
Teftaments für Laien. Voran ging nur die Erklärung
des Markus durch A. van Veldhuizen, kirchlichen Profeffor
in Groningen, der wohl der Leiter des Unternehmens
ift. Holland befitzt fchon eine moderne Überfetzung des
N. T. mit kurzen Einleitungen und Erklärungen, dieLeidfche
vertaling von Profeffor Oort. Sie wird, foviel ich fehe,
von dem neuen Unternehmen ignoriert, das in konfer-
vativem Geift geleitet und für den altgläubigen Teil der
Gemeinden beftimmt ift.

Die Einrichtung der einzelnen Teile ift gleichmäßig:
eine Einleitung mit anfchließendem Literaturverzeichnis,

Hirzel, Rudolf: Die Perfon. Begriff und Name derfelben
im Altertum. (Sitzgsberichte d. Kgl. Bayer. Akad. d.
Wiff. Philof.-philol. u. hiftor. Kl. Jahrg. 1914, 10. Abhandig
.) (54 S.) 8°. München, G. Franz in Komm. 1914.

M. 1 —

Im Anfchluß an Adolf Trend elenburgs Auffatz ,Zur
Gefchichte des Wortes Perfon' geht Hirzel in der vorliegenden
Abhandlung diefem Begriff im klaffifchen Altertum
nach. Zunächft herrfchte bei den Griechen eine
rein finnliche Auffaffung der Perfönlichkeit, darum ift
oä>nu die Bezeichnung der Perfon. So finden wir diefen
Ausdruck bei Dichtern wie Homer, Pindar, den Tragikern,
und in der Profa bei Demofthenes, Aefchines und Lykurgos'.
Bei Andokides wird man fchon an die Identität der
Perfon erinnert, die im Wechfel der Zeiten und Zuftände
verharrt, ja fogar fo etwas wie Freiheit der Perfon zeigt
fich bereits an öcö/ia. Weiter entwickelt es fich zur Beeine
Überfetzung in modernem Holländifch, die Auslegung, j deutung .Gefamtperfönlichkeit'. Seinen anfangs durchaus
darauf folgend — ob es nicht zweckmäßiger wäre, die edlen Klang verlor es allmählich, es wurde wenigftens

Erklärung entfprechend unter den Text zu fetzen, da
fonft Gefahr befteht, daß die Überfetzung, auf die offen
bar befonderes Gewicht gelegt wird, weniger beachtet wird

mit einem Zufatz zur Bezeichnung für Sklaven. Aber
es nahm nicht ausfchließlich diefe Bedeutung an, fondern
blieb bis in die letzten Zeiten des Altertums in der Bewährend
van Veldhuizen in feiner Einleitung zu Mk ; deutung von Perfon überhaupt in Geltung. Schließlich
ausführlich auch auf den theologifchen Inhalt des Evan- aber wurde es ein fo abgegriffener Ausdruck, daß die

geliums eingeht und deutlich zeigt, daß er mit der Mar-
kuskontroverfe der letzten 15 Jahre vertraut ift — fo
fehr leider auch er allen kritifchen Fragen aus dem Wege
geht — handelt van Leeuwen, Profeffor für N. T. in
Utrecht, über Urfprung und Inhalt des Mt wefentlich
kürzer. Er hält das Ev. für ein Werk des Matthäus,
ohne .Quellen' aramäifch verfaßt, fpäter unter dem Einfluß
des Mk. ins Griechifche überfetzt, das feinerfeits nach
dem Vorbild des aramäifchen Mt. gefchrieben ift. Diefe
komplizierte Auffaffung ift uns Deutfchen wohl bekannt,
es ift die von Th. Zahn.

Diefe Abhängigkeit von Zahn in der Einleitung ift
nicht zufällig. Sie zieht fich auch durch die ganze Auslegung
. Zahlreiche Stichproben bei Auslegungen, die

Bedeutung .Körper' ganz dem Bewußtfein entfchwand.

Schon bei Homer findet fich gelegentlich die Andeutung
, daß er die Perfönlichkeit in der Seele fucht. Bei
den Orphikern-Pythogoreern wird die Seele ein felbftän-
diges Wefen, es entwickelt fich die Seelenperfönlichkeit,
wie wir fie in Piatos Phädon fehen. So griff man jetzt
zum Worte tyv/ri^ um die Perfon zu bezeichnen. Daneben
kommt auch cpvoig und r/&og vor, wie auch wir von
.Naturen' und .Charakteren' fprechen. Es finden fich
auch weitere Ausdrücke für Perfon, wie Oftua, xt(paXrj,
xdga und xaQrjvov, aber nie in der Rechtsfprache, wo
nur öeöjUccvorkommt. Mitöcö//«konkurriertfpäter nQÖacoxov,
das aus dem Drama hergenommen ift, alfo urfprünglich
die fprechende und handelnde, fpäter auch die gram.

mich frappierten, zeigten eine oft wörtlich übereinftimmende matifche Perfon bezeichnet. Auch bei ngöowjtov fehen
Abhängigkeit von dem Matth.-Kommentar Th. Zahns, wir ein allmähliches Sinken der Bedeutung. Dem oiqqocojiov
In einer holländifchen Rezenfion wurde auf einige auf- entfpricht genau das lat, perfona, dem aber die Bedeu-