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Ausgabe:

1916

Spalte:

501-502

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Richter, Joh. Heinr.

Titel/Untertitel:

Geschichte des Augustinerklosters Frenswegen in der Grafsch. Bentheim 1916

Rezensent:

Lerche, Otto

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Soi

502

tige Geftalt bekommen. Die 4. Auflage (1911, 60) brachte nur
unbedeutende Verbefferungen; die vorliegende 5. erheblichere.
Der Hauptteil freilich, die eigentliche Synopfe, ift fo gut wie unverändert
geblieben; nur ift die Paralleliflerung der Texte noch
mehr vervollkommt. Natürlich handelt es fleh nur um ganz
kleine Veränderungen im Satz. Für die Benutzung fehr angenehm
ift, daß jetzt die Abfätze, in denen man jeden Evangeliften
in feinem eigenen Zufammenhang lieft, durch wefentlich größere
Typen von den nur um der fynoptifchen Vergleichung willen wiederholten
Stellen unterfchieden find. Da der Verf. mit Rückficht
auf den akademifchen Gebrauch die alte Seitenzählung behalten
wollte, mußte das Format entfprechend vergrößert werden. Neubearbeitet
ift der textkritifche Apparat mit Rückficht auf das in-
zwifchen vollendete von Soden'fche Werk. H. hat dabei unbefcha-
det aller fchuldigen Dankbarkeit die Verbefferungsbedürftigkeit
diefes Werkes auch feinerfeits feftgeftellt und zu dem Zweck ver-
fchiedene Handfchriften neu verglichen. Aus diefer textkritifchen
Arbeit ergab fich auch feine Neubearbeitung des II. Teils der
Prolegomena. H. fchließt fich noch zuverfichtlicher der (Bouffet-)
von Soden'fchen Gruppierung der Handfchriften an. In Teil III
ift die auffälligfte Neuerung, daß jetzt die meiften Zitate des
Hebräer-Evangeliums dem Nazaräer-Evangelium zugewiefen
werden. Endlich die bedeutfamfte Zutat diefer Auflage ift
die Beigabe der Johannes-Parallelen (im weiteften Umfang
bis zu fachlichen Anfpielungen ohne jede wörtliche Berührung),
in einem gefondert gehefteten Anhang ohne Lesarten der Handfchriften
, aber mit Angabe der Abweichungen Weftcott-Horts,
Neftles, v. Sodens und B. Weiß' von dem gebotenen Tifchendorf-
Gebhardt'fchen Text. Einer Empfehlung bedarf Hucks Meifter-
Arbeit nicht mehr.
Hannover. Schuft er.

Appel, Palt. Lic. Heinr.: Die Echtheit des Johannesevangeliums m.

befond. Berückfichtg. der neueften kritifchen Forfchungen.
Ein Vortrag. (37 S.) gr. 8'. Leipzig, A. Deichen Nachf. 1915.

M. —80

A. beginnt feine Verteidigung der Echtheit des vierten Evangeliums
mit einer Prüfung der Tradition, die fleh der Abfaffung
durch den Apoftel Johannes äußert günftig zeige. Mit der Überlieferung
aber ftimme das Selbftzeugnis, das einen Augenzeugen
und vertrauten Jünger als Autor fordere. Die Zerlegungshypo-
thefen von Schwanz und Wellhaufen, die gerade auch jene Stücke,
die das Selbftzeugnis enthalten, ausscheiden wollen, find nämlich
abzulehnen. Auch der Inhalt des Evangeliums fchließt die herkömmliche
Meinung über feine apoftolifche Entftehung nicht aus.
Die Predigt Jefu bei Johannes widerfpricht der fynoptifchen keineswegs
, fondern ergänzt fie vielmehr. Redet Jefus im 4. Evangelium
anders als in den drei übrigen, fo hat das feinen Grund darin,
daß ,folche Ausfprüche des Herrn wiederzugeben, nicht jeder
befähigt war' (S. 32). So drängt alles zu dem Schluß hin: ,Die
einzige Löfung der johannifchen Frage ift die Annahme der Tradition
' (S. 37). Denn auch die vermittelnden Vorfchläge von
Wendt und Spitta find unzulänglich. — Die Apologie ift nicht
ungerchickt gefchrieben. Vor allem wirkt der Ton fympathifch,
der auch der ,Kritik' ihr Recht wiedefahren läßt. Wenn fich Verf.
aber der Hoffnung hingibt, fie mit der Zeit in pofitive Bahnen
einlenken zu fehen, fo kann ich ihm hierin auch nach Kenntnisnahme
feiner Stellung zur Sache nicht folgen.
Breslau. Walter Bauer.

Richter, Dr. Joh. Hetnr.: Gefchichte des Auguftinerklofters Frenswegen
in der Grafreh. Bentheim. (Beiträge f. die Gefchichte
Niederfachfens und Weftfalens. 30. Heft.) (107 S.) gr. 8».
Hildesheim, A. Lax 1913. M. 2.80

Diele Arbeit, die auf archivalifchen Quellen in Burgfteinfurt,
Osnabrück und Münfter aufgebaut ift, gibt einen rein hiftorifchen
und einen wirtrehaftshiftorifchen Abfchnitt. Trotzdem Frenswegen
erft recht fpät, Ende 14. Jahrhunderts gegründet wurde, fo ift es
doch dank der Großmütigkeit und dem Entgegenkommen feiner
Stifter und Freunde, insbefondere der Grafen von Bentheim,
bald zu einigem Anfehen und nicht unbedeutendem Reichtum
gelangt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts fleht das Klofter mit
einem zahlreichen Konvente, neuerbauter Kirche und einem
großen Belitz an nahen und fernen Ländereien auf dem Höhepunkte
feiner wirtfchaftlichen Entwicklung. Dem eigentümlichen
Charakter der Auguftinerklöfter entfprechend ift es dem Klofter
möglich, umfangreiche Ländereien durch die Laiendiener zu be-
wirtfehaften. Neben diefen kommen natürlich für die noch weiter
entfernt liegenden Güter auch Meier und für die Hovefaat auch

Heuer in Frage. Dem gefamten Wirtfchaftsbetriebe mit feinen
vielen befonderen Gerechtfamen, Weiden, Abgaben und Zehnten
fleht der Archikolon vor, der fpäter vom Baufchulzen u. a. unter-
ftützt wird. Der wirtfehaftliche Höhepunkt bezeichnet zugleich
für Frenswegen die Zeit höchften kirchlichen Anfehens. Als
Mittelpunkt der Windsheimer Kongregation hat damals Frenswegen
alte klöfterliche Zucht und Sitte und die hohen kirchlichen
Ideale aufrecht erhalten. Viele der alten Lehre ftreng ergebene
und wahrhaft fromme Geiftliche find von hier in leitende Stellen
in benachbarte Diözefen ausgegangen. In diefer Zeit kirchlichen
Niedergangs bildet Frenswegen einen recht erfreulichen Lichtblick.
Die Annahme der neuen Lehre durch die Bentheimer Grafen hat
dagegen dem Klofter wirtfehaftliche und politifche Schwierigkeiten
gebracht, die durch die Not der Kriege der folgenden Jahrhunderte
ftets vermehrt und durch die Rückkehr der Bentbeimer
zum Katholizismus nur unwefentlich gemildert find. Die 1806
erfolgte Säkularifation hat kein blühendes Wirtfchaftleben mehr
vernichtet.

Leipzig. Otto Lerche.

Vierteljahrsrchrift für Innere Miffion m. Einfchluß der Diakonie,
Diafporapflege, Evangelifation u. gefamten Wohltätigkeit. Begründet
v. Paft. D. Theodor Schäfer. Hrsg. v. Pfr. Martin
Ulbrich. 35. Bd. 1915. (S. 233—496.) gr. 8". Gütersloh, C. Bertelsmann
. M. 6—
Im Anfchluß an den Hinweis auf das Erfcheinen der 1. und 2.
Heftes vom Jahrgang 1915 der Vierteljahrsfchrift (vgl. Sp. 213f.)
teilen wir den Lefern mit, daß inzwifchen auch das 3. und 4.
Heft erfchienen ift. Aus ihrem reichen Inhalte mögen die
folgenden Auffätze genannt werden: Wettftein, Lebensbild der
Gräfin Adeline Schimmelmann S. 233—319; Eberhard, Ludwig
Auer und fein Werk, das Caffianeum S. 324-329; Frick, Entftehung
und Organifation der Kriegshilfe in Bremen S. 333—342;
Ulbrich, Kriegsbefchädigten-Fürforge in früherer Zeit S. 342—345;
Grofchupf, Chr. Fürchteg. Geliert als Moralphiloroph S. 353-415;
Steinwachs, Philipp von Nathufius S. 417—437; Langkutfch, die
Weiterführung der Spenerfchen Gedanken durch J. H. Wichern
S. 437—462; Jarper, Seelforgerifche Zellenbefuche in der Straf-
anftalt R. S. 472—485. — Schon die Aufzählung diefer Über-
fchriften veranfehaulicht dem Lefer den Wert auch diefer Hefte.
Göttingen. K. Knoke.

Wichtige Rezenfionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Baügl. Hiniutife und Sendungen find jederzeit envünfcht.

Schweizer: Nuntiaturber. aus Deutfchland (LtZtrbl 1915, 24; v. Herre:
ZKgefch 36, 1/2, 1915; v. Willburger: ThQuartfch 1915, 3).

Seitz: Nattirl. Religionsbegriindung (v. JEngert: ThRev 1915, 7/8; v.
Stange: ThLtber 1915, 1; v. W'Koch: ThQuartfch 1915, 3'.

Skiuner: The divine names in Genesis (v. HCreelmau: AmerJournTh
igi5,july; v. EKönig: LtZtrbl 1915, 37 ; v. WRAmold: HarvardThRev

»9i5. 3)- .... ,

Smit: De daemoniacis in hist. evang. (v. CCMcCown: AmerJournTh

1915, 2; liibliothSacra 1915, july; v. PVolz: DtfchLtz 1915, 48).
Stöckerl: Iiruder David v. Augsburg (v. Siedel: ThLtbl 1914 25; v,

KEubel: ThRev 1914, 19/20; v. KBihlmeyer: ThQuartfch 1915, 4).
Streit: Atlas Hierarchicus (v. FXSeppelt: ThRev 1914,11; v. AUckeley:

ZKgefch 36, 1/2, 1915; v. W'Koehlcr: ChrftlWelt 1916, 1).
Triode: Luther u. d. deutfehe Kultur (v. ALaufcher: ThRev 1915, 13/14;

v. Albrecht; ThLtber 1915, 6; v. HJordan: ThGgw 1916, 4).

Neuelte Literatur

ausgewählt von P. Pape.

RG:Böhl,FMT: AuFgew. Keilfchrifttexte aus l!oghaz-Köi. Schluß
(ThTijdsch 1916, 4'5, 303—326). | Inglis, JV: The chrisiian dement
in Chinese Buddhism (IntRevMiss 1916, oct, 587—602). | Witte, J:
KuHungMing, der Geift des chinef. Volkes u. d. Ausweg aus d. Kriege
(ZMisskdRelwfch 1916, 10,296—312). | Wundt.W: Völkerpfychologie.
Eine Unterfuchg. d. Entwicklgsgefetze v. Sprache, Mythus u. Sitte. 7. u.
8. Bd. Die Gefellfchaft. i.u. 2. Tl. (8,4380.344) grS° Lpzg., Kröner'17.
20 —; geb. 26 —

AT: Greijdanus, S: In Edens hof (GerefThTijdsch 1916, nov,
237—254). | Hölfcher, G: Über d. Entftehungszeit d. „Himmelfahrt
Mofes". II. (ZNteftWfch 1916, 3, 149—158). | Italie, E: Dooven,
Stommen en Doofstommen in de Joodsche oudheid (ThTijdsch 1916,
4/5, 357—372). | Palache, JL: Drie plaatsen uit het Boek Job (ibid.
347—356). | War neck, J: Der Kampf mit d. Heidentum i. Alten Bunde.
Schluß (AllgMlffZ 1916, II, 481—49°l-

NT: Allgeier, A: Cod. syr. Phillips 1388 u. f. älteften Perikopen-
vermerke (OriensChrist VI, I, 1916, 147—152). | Baumftark, A: Außer-