Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1916

Spalte:

452-453

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kvacala, Iwan

Titel/Untertitel:

J. A. Comenius 1916

Rezensent:

Schmid, R.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 20/21.

452

zur Feier der akademifchen Preisverteilung in Jena
am 19. Juni 1915. (15 S.) Lex. 8°. Jena, G. Fifcher
1915. M. — 60

In diefer Prorektoratsrede geht Th. der zeitgemäßen
Frage des Verhältniffes von Religion und Kirche zum
Volkstum nach. Er zeigt, wie aus der urfprünglich ganz
engen Verbindung von Religion und Volkstum Individual-
und Univerfalreligionen wurden, ja werden mußten. Eine
Religion kann nicht in den Grenzen eines Volkes einge-
fchloffen fein. Wohl aber eine Kirche. Diefe muß fo-
gar national fein, weil fie nur fo der Individualität der
Volksfeele gerecht werden kann. Daß Volkskirchen auch
an den Nachteilen leiden, die das Verflochtenfein mit
dem Volksleben mit fleh bringt, ift freilich unvermeidlich.
Aber die daher flammenden Gefahren können überwunden
werden (hier S. 8f.: deutfeher Gott = die deutfehe
Art, in der wir die Offenbarung Gottes aufnehmen).
Werden Th.s Gedankengänge bis hierher auf fehr weitgehende
Zuftimmung zu rechnen haben, die fleh mit
aufrichtigem Dank für die klare und fehr feffelnde Art
verbindet, mit der er fie einleuchtend macht, fo müffen
die letzten Seiten auf viel Widerfpruch gefaßt fein. Sie
deuten freilich nur allgemeinfte Umriffe an, fie bilden
gleichfam nur eine Zukunftskündung voll prophetifcher
Hoffnung; aber felbft fo gefaßt, können fie nicht ohne
ein großes Fragezeichen gelefen werden. Th. fcheint
doch irgendwie mit der Möglichkeit einer Vereinigung
der Konfeffionen in Deutfchland, alfo mit einer einigen
chriftlichen Kirche Deutfchlands zu rechnen. Dazu fpannt
er allerdings den Rahmen des Begriffs ,Kirche' weit; ihr
Wefen foll nur ,die Summe der Mittel und die Art, wie
ein Menfch zur Einigkeit mit feinem Gott und danach
auch mit einigen gleichftimmten Menfchen komme', ausmachen
(S. 10). Aber felbft bei diefer Deutung der
Kirche erfcheint jenes Zukunftsbild als überkühn; und
zugleich als fachlich recht anfechtbar. Ich halte es mit
dem gleichfam zwifcheneingeftreuten Satz: ,Es wäre fchon
viel, wenn der kleine Streit in heimlicher Tücke und in
offenem Haß einem großen, ehrlichen Ringen Platz machte'
(S. 11), und ich finde, daß fchon die Hoffnung darauf
hohen Flug nimmt.

Gießen. M. Schian.

Lehmenfick, Sem.-Oberlehrer, Fritz: Anfchaulicher Katechismusunterricht
. Gefetz. Die zehn Gebote. 2 Tie.
(Koehlers Lehrerbibliothek Bd. 12.) 8°. Leipzig, K. F.
Koehler 1915. Je M. 3 80

t. Tl.: 1.-5. Gebot. (XII, 222 S.) — 2. Tl.: 6.—10. Gebot.
(III, 204 S.l

L.s Gabe ift, wie er in feiner Schrift über die Behandlung
der Kernlieder in Stimmungsbildern gezeigt hat, in
flüffiger anfchaulicher Darftellung Stoffe aus Gefchichte
und Gegenwart herbeizubringen, die Lieder und Katechismus
kindlich praktifch erläutern. Kommt man etwa aus
Theodor Kaftans viel gebrauchter Auslegung des Kleinen
Katechismus in diefe zwei Bände, die nur die lo Gebote
behandeln, fo tritt man in eine ganz andre Welt. Keine
theologifchen Begriffe und Schlußketten, keine mühfamen
Anpaffungen einzelner Wörter an heutiges Verftändnis;
fondern eine ganz überwältigende Fülle von neuen Ge-
fchichten und Ausmalungen alter Gefchichten, wie fie nur
die mit der Gabe leichten Geftaltens gefegnete Liebe eines
Schulmannes, zum Unterfcbied von der fchweren Zunge
des Theologen, zufammenftellen kann. Kein Schema und
keine Methode, für den richtigen und korrekten -ianer j
zum Verzweifeln; immer anders und immer praktifch angeordnet
, wie es gerade der Stoff erfordert; und zwifchen [
den einzelnen einigermaßen wiederkehrenden Überfchrif- j

| ten: Grundlegung, Ausgeftaltung, Anwendung—eine Fülle
von jenen Stoffen, von der man fleh keine Vorftellung <

I macht. Aus der Zeitung, aus Novellen, aus Verordnungen

und Gefetzbüchern, kurz überall her; Erzählungen, Zwie-
gefpräche, Gedichte, Dramatifierungen, kurz alle Formen.
Mit Macht bricht modernes Leben in den alten Katechismus
hinein und füllt den Schlauch mit neuem Wein. All
jener Stoff ift natürlich nicht vorfchriftsmäßig beizubringen
, fondern nur nach Auswahl und Belieben. Wer aber
nur in diefem Geift Leben und Katechismus ineinander
fehen lernt, wird erleben, was man ftets erlebt, wenn man
den Kindern Leben aufdeckt, ftatt Scholaftik zu applizieren
: fie find mit dem Herzen dabei und wollen immer
noch mehr.

Heidelberg. Fr. Niebergall.

Referate.

Sickenberger, Jof.: Leben Jefu nach den vier Evangelien. Kurzgefaßte
Erklärg. I. Die Zeit der Vorbereitg. (Mt 1,1—4,11;
Mk 1,1—13; Lk 1,5-4,13; Jo 1,1— 4,42). (Biblifche Zeitfragen
VII, 11 u. 12.) (80 S.) gr.8". Münder i. W., Afchendorff 1915.

M. 1 —

Wie es (ich für einen Beftandtei! der ,Biblifchen Zeitfragen'
fchickt, (teilt (ich unfer Heft auf den korrekt katholifchen Standpunkt
der Schriftbetrachtung, zu dem fleh ihr Verfaffer noch ausdrücklich
bekennt. Damit ift der Charakter der Arbeit gegeben.
Eine Kritik, die nur hundertmal Gefagtes wiederholen könnte,
erübrigt fleh, und es bedarf lediglich eines Wortes darüber, wie
Verf. von feinen Vorausfetzungen aus der ihm gedeihen Aufgabe
gerecht geworden id. Diefe Befchränkung fällt dem Ref. um fo
leichter, als auch S. feine Auffaffungen durchaus pofitiv und fad
ohne Polemik gegen abweichende Überzeugungen entwickelt.
S. entledigt fleh feiner Pflicht mit Gefchick und Gefchmack.
Er hält die richtige Mitte in dem, was er feinen Lefern an gelehrtem
Stoff zumutet. Die Literaturangaben ziehen begreiflicherweife
katholifche Werke vor, ohne jedoch einfeitig zu werden.

— Die ,Zeit der Vorbereitung', mit der es der vorliegende Teil feiner
,kurzgefaßten Erklärung' zu tun hat, umfaßt ,die Kindheit Jefu'

— hier wird neben den fynoptifchen Urgefchichten auch der Prolog
des vierten Evangeliums behandelt — und sodann ,die unmittelbare
Vorbereitung': der Täufer, Taufe und Verfuchung Jefu, die
erden Jünger, Hochzeit zu Kana, erde Reife nach Jerufalem mit
Reinigung des Tempels, Nikodemusgefpräch, Jefus und der Täufer,
Durchzug durch Samarien.

Göttingen. Walter Bauer.

Vigener, Fritz: Deutfehe Gerchichtsfchreiber der Kaiferzeit (von
Widukind von Korvey bis auf Eike von Repgow). (Quellen-
fammlung zur deutfehen Gefchichte. Quellen zur Gefchichte
der mittelalterl. Gefchichtsfchreibung II.) (VI, 126 S.) 8°.
Leipzig, B. G. Teubner 1914. M. 2.40

Das vorliegende Heft id eins von den vier, die in der
,QueIlenfammlung zur deutfehen Gefchichte' den Entwickelungs-
gang der deutfehen und außerdeutfehen Gefchichtsfchreibung im
Mittelalter veranfehaulichen follen. Teile der typifchen Werke
der Gefchichtsfchreibung werden geboten, damit die Werke felbd
als Glieder in der Entwickelungskette des mittelalterlichen Gei-
deslebens erkannt und gewürdigt werden können. Die Sammlung
foll als Grundlage für Seminarübungen der Studenten dienen
und ich zweifle nicht, daß unter der Leitung kundiger Führer das
vorliegende Heft feinen Zweck erfüllen wird, wenn es mir auch
etwas gewagt erfcheint, einen Teil des Werkes für die Würdigung
des ganzen vorzuführen und für eine folche Quellenfammlung
allein den hiftoriographifchen Geflchtspunkt maßgebend fein zu
laden. Doch kann ich mir vordellen, daß fie zur Einführung
der Studenten in die Geheimnide der hiftorifchen Kritik gute
Dienfte leiden wird. Der fleißige Student wird ja ohne eine Aufforderung
zu brauchen nach den volldändigen Texten greifen.
Für die Theologen id die Sammlung durchaus brauchbar. Aus
pädagogifchen Gründen id auf Literaturangaben verzichtet. Die
Stücke find nach den beden Ausgaben abgedruckt.
Kiel. G. Ficker.

Kvacala, Prof. Dr. Iwan: J. A. Comenius. (Die großen Erzieher
VI. Bd.) (X, 192 S.) 8». Berlin, Reuther & Reichard 1914.

M. 3.—; geb. M. 3.80
Die Arbeit wird fleh als willkommenen Führer durch die
veffchlungenen Irrgänge des Lebens und der Schriften des Comenius
bewähren. Ein befonderer Vorzug id die Sicherheit, mit
der aus vollkommener Kenntnis der Zeitgefchichte heraus die
Zufammenhänge mit Vorgängern und Zeitgenoffen wie Ratke, Val.