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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schröer, Carl

Titel/Untertitel:

Das Buch Hiob, frei nach der alttestamentlichen Dichtung 1916

Rezensent:

Volz, Paul

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419

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 18/19.

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mentaren zu Euripides, 3 einer aftronomifchen Schrift negl nölov
und eines einem Werke vielleicht tceqI avaXoyiaq zuweifen zu
dürfen. Diefe Bruchftücke prüft der Verfaffer fehr genau und
zieht danach vorfichtig feine Schlüffe. Dabei kommt er zu folgenden
Ergebniffen: P. hat (ich in feinen Kommentaren weniger

bis hin zu den tiefften Fragen der Religion und Weltanfchauung.
Die Überfetzung ift flüffig und getreu. Zu Grunde liegt ihr die
7. englifche Auflage v. J. 1718; Schröer hat aber zur Korrektur
einiger Verfehen und Druckfehler auch die erfte Originalausgabe
von 1693 verglichen.

mit Worterklärung als mit Sacherklärung abgegeben und be- j Berlin-Steglitz. Leopold Zfcharnack.

fonders geographifche und aftronomifche Fragen behandelt. Ari-

ftarch gegenüber wahrt er fich fein eigenes Urteil, das aber nur
feiten unfere Billigung finden kann, da er eine Vorliebe für
Seltenes und Gefuchtes hat. Treffend dagegen ift fein Urteil
in aftronomifchen und mythologifchen Fragen. Im Rhesus des
Euripides hat er Anklänge an den böotifchen Dialekt gefunden
und ihn vielleicht gerade deshalb für ein echt euripideifches Stück
gehalten, da ja des Euripides Eltern in Böotien gewohnt haben
follen. Refte aus den Werken des P. werden fich wohl vielfach
, wie der Verf. wahrfcheinlich macht, in den Scholien, dem
18. Buche des Plinius und den Aftronomica des Hyginus finden,
fie aufzudecken wird aber wohl kaum jemals gelingen. An einer
Stelle (Schol. zu Rhesus 342) ift es dem Verfaffer aber doch geglückt
, Spuren des P. nachzuweifen. Über die Lebenszeit und
Herkunft des Grammtikers ergibt fich leider garnichts.
Königberg i/Pr. K. Cybulla.

Schröer, Carl: Das Buch Hiob, frei nach der altteftamentlichen
Dichtung. (55 S.) 8°. Berlin, (Gfellius) 1914. M. —80
Verfaffer will das Hiobgedicht folchen Lefern zugänglich
machen, die fich für den Stoff intereffieren, aber nicht Zeit und
theologifche Vorbildung genug befitzen, um fich in das hebräifche
Original zu vertiefen. Er gibt eine freie Nachbildung in poetifcher
Form, Prolog und Epilog in der Nibelungenftrophe; Wechfelreden
und Jahwerede find ftark gekürzt, die Elihukapitel weggelaffen;
eine freie Zutat am Schluß greift die Szene im Himmel noch
einmal auf und feiert den Sieg Gottes über den Satan. Der Urheber
der philofophifch-religiöfen Dichtung ,Hiob', gequält von
dem Gedanken, daß der Weltenfchöpfer dem fittlichen Ideal
nicht entfpreche, das der fchwache Menfchengeift fich gefchaffen
habe, wird zum Dichter, um feine Zweifel niederzufchreiben und
fich wenn möglich dadurch von ihnen zu befreien. Er legt feine
Worte der fagenhaften Perfon Hiob in den Mund, indem er die
alte Volksfage felbft in die fchriftftellerifche Form brachte, die
uns vorliegt.

Tübingen. Volz.

Banescu. Dir. N.: Deux Poetes byzantins inedits du Xllle siede.
(20 S.) gr. 8». Bucarest, F. Göbl Fils 1913. M. 1—

Vier Gedichte, zwei von Makarios Kalorites und zwei von
Konftantinos Anagnostes enthält dies Heftchen. Eine Zeitgrenze
für fie und ihre Poefien bringt das Alter des Cod. graec vat. pal.
387, der fie enthält und in das 13. Jahrhundert gehört. Der Beiname
des erften Dichters foll nach dem Verfaffer fo viel heißen
wie Hagiorites, feinen Träger alfo zu einem Athosmönch machen
Dahin führt ja vielleicht, daß er in dem zweiten Gedichte ein
o(tng als feinen Aufenthalt angibt und erzählt, er fei von den
Lateinern feines Glaubens wegen gefangen gefetzt, was in der
lateinifchen Zeit des Athos möglich gewefen ift. Aber daß ein
Hagiorit fich Kalorit nennen follte, ift unwahrfcheinlich. Sein
erlies Gedicht ift ein erbauliches Alphabet, in dem er feine
Lage beklagt. Es ift fchon einmal in der Byzant. Zeitfchr. Jahrgang
16, S. 493 von Anaftafijevic abgedruckt. Die Dichtungen des
Konftantinos, den Verfaffer in die Mitte des 12. Jahrhunderts
fetzt, haben keinen theologifchen Inhalt. In der einen bedankt fich
der Dichter bei einem Wohltäter, die andere ift eine Weifung an
einen Schüler. Übrigens im Volksgriechifch gefchrieben. Das
verhilft dem Poeten wenigftens zu dem Ruhm, daß er zu den
früheften Schriftftellern in diefer Sprache gehört.
Hannover. Ph. Meyer.

Penn, William: Früchte der Einramkeit (1693, 1718). Ins Deutfche
übertr. v. Siegfried Grafen von Dönhoff, Dr. rer. pol. Mit e. Begleitworte
v. Prof. Schröer. (XV, 214 S.) kl. 8". Heidelberg,
C. Winter 1913. Geb. M. 2.50

Penns ,Some Fruits of Solitude, in Reflections and Maxims
relating to the Conduit of Human Life' find eins der intereffan-
teften Handbücher puritanifcher Lebensauffaffung und Lebensführung
. Sie enthalten Reflexionen Penns über das eigene Leben, feine
Ziele und feine Fehler, und über die anderen Menfchen, die menfch-
lichen Organifationsformen, die Welt, Gott, ufw., fodaß in diefem
Büchlein kaum eine Frage unberührt bleibt, von den Äußerlichkeiten
der Kleidung und des Effens und Trinkens angefangen

Seeberg, D. Alfred, weiland ord. Profeffor in Kiel (f 9. VIII. 1915).
Worte des Gedächtniffes an den Heimgegangenen u. Arbeiten
aus feinem Nachlaß, hrsg. v. Reinhold Seeberg. Mit e. Bildnis
. (V, 110 S.) 8». Leipzig, A. Deichen Nachfolger 1916.

M. 2.40; geb. M. 3-
Wer Alfred Seeberg kannte, dem wird das vorliegende Büchlein
ein lieber Freund fein, der ihm manches Intereffante und
Wertvolle aus dem Leben und Schaffen des Heimgegangenen erzählt
. Reinhold Seeberg bietet mit der ihm eigenen Frifche der
Darftellung einen Überblick über das, was der verdorbene Bruder
gelebt und geleiftet hat. Im Anfchluß daran find zwei kürzere
Reden abgedruckt, die D. J. von Walter, der Schwager des Ent-
fchlafenen, und D. J. Herrmann am Sarge Alfred Seebergs gehalten
haben. Wer A. Seeberg noch nicht näher kannte, dem wird
der inftruktive Auffatz von Prof. D. Mandel über die urchriftliche
Heilslehre nach Alfred Seeberg gute Dienfte leiften. Hier find
die Grundgedanken Seebergs klar und überflchtlich dargeftellt
und z. T. mit Zitaten aus den früheren Schriften des Verdorbenen
wiedergegeben.

Einen befonderen Wert erhält das vorliegende Gedenkbuch
durch die kritifchen Unterfuchungen über die vierte Bitte des
Vaterunfers, über die Entftehung der triadifchen Gottesvorftellung
und über das Abendmahl, welche, mit Ausnahme der erfteren
(die fchon als Roftocker Rektoratsrede 1914 gedruckt ift) aus dem
literarifchen Nachlaß A. Seeberg flammen.

Der Tod hat ihm vorzeitig die Feder aus der Hand genommen
, daher behalten fie etwas Unfertiges und Unbefriedigendes,
trotzdem man auch hier deutlich die Eigenart feiner Beweisführung
erkennen kann. Wer die anderen Schriften A. Seebergs
gelefen hat, wird ohne weiteres dem Urteil feines Bruders in
dem Vorwort des vorliegenden Büchleins beiftimmen: ,Wer die
Arbeitsweife des Entfchlafenen kennt, weiß, wie eingehend er,
wenn ihm Zeit und Kraft dazu geblieben wären, die kühnen
Grundgedanken der beiden Abhandlungen zu begründen fich bemüht
hätte'.

Meufelwitz S. A. Beyer.

Schian, Prof. D. Martin: Der Pfarrer und die Gemeindeorganifation.

(Hefte der Konferenz f. ev. Gemeindearbeit. Nr. 2.) (32 S.)
gr. 8». Leipzig, J. C. Hinrichs 1913. M. —50

Die Schrift, die leider verfpätet angezeigt wird, ift außerordentlich
klar und anregend gefchrieben. Sowohl die grundfätzlichen
Erwägungen (Selbftändigkeit des Pfarramts gegenüber der Gemeinde
und ihren Organen, Eingliederung des Pfarramts in die
Arbeit der organifierten Gemeinde, Gewinnung der Gemeindeglieder
zur Selbftändigkeit ufw.) wie die praktifchen Winke für die
verfchiedenen Verhältniffe von der gefchloffenen Dorfgemeinde
bis zur Großftadtgemeinde, ferner die Art und Weife, wie die
Schwierigkeiten der Gemeindeorganifation in Vermehrung der
Reibungsflächen zwifchen den verfchiedenen Arbeitern, fowie die
Gefahren der vielgefchäftigen Zerplitterung und der Veräußer-
lichung für den Gemeindepfarrer erörtert werden, verdienen
vollfte Anerkennung; fie zeigen ebenfo viel glaubensfrohen Idealismus
wie nüchterne Befonnenheit und Blick für das Wirkliche.
Der Schlußfatz kennzeichne den Geift des Ganzen: ,Der Würde
und Höhe, der fchlichten Schönheit und ernften Arbeit des Pfarramts
wird durch die neue Forderung nichts abgebrochen. Zwar
foll der Pfarrer nicht mehr allein arbeiten. Aber er foll der
Führer bleiben. Der Pfarrerftand kann zu reinen Verdienften um
die Gemeinde ein neues, großes hinzufügen, wenn er die Stellung
einzunehmen nicht zögert, die zugleich am heften zeigt, wie Pfarrer
und Gemeindeorganifation zueinander flehen follen: wenn er die
Seele der Gemeindeorganifation wird'. — Ein Bedenken
habe ich: es ift auf dem knappen Raum von 32 S. fall zu viel
befprochen; bei einzelnen Punkten möchte man mit feinen Gedanken
mehr ausruhen können. Alles in allem: ein treffliches
Mittel zur grundfätzlichen und praktifchen Orientierung über die
Frage des Verhältniffes des Pfarrers zur Gemeindeorganifation.
Halle a. S. K. Eger.

Kirchliches Jahrbuch für die evangelifchen Landeskirchen Deutschlands
1915. Ein Hilfsbuch zur Kirchenkunde der Gegenwart,