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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

402-404

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Preuß, Hans

Titel/Untertitel:

Das Bild Christi im Wandel der Zeiten 1916

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 18/19.

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derjenigen Arbeiten hat gefchehen können, die den Ge- , Werden des Katholizismus gefchichtlich darzuftellen, ohne
famtftoff behandeln. der dogmatifchen Theorie zu nahe zu treten, ein nicht

Gotha. Fiebig.

Weiß, D. Bernh.: Paulus und feine Gemeinden. Ein Bild

v. der Entwickig. des Urchriftentums, gezeichnet. (VIII,

296S.) 8°. Berlin, K. Curtius 1914. M. 4—; geb. M. 5 —
Bei feiner neueften Veröffentlichung war B. Weiß
von dem Wunfche geleitet, feinem für weitere Kreife be-
ftimmten Lebensbilde Jefus vonNazareth' 1913 eine ebensolche
Darfteilung des Urchriftentums anzureihen. Er
durfte für fich daß Recht zum Popularifieren in Anfpruch
nehmen. Denn der wiffenfchaftlichen Welt hatte er feine
Meinung über alle in Frage kommenden Dinge mehrfach

und eingehend auseinander gefetzt. Damit ift gefagt, j eine Fortfetzung der früheren Ausführungen, die in einem

unberechtigtes Auffehen. Sein Buch L'Eglise naissante
et le catholicisme (Paris 1909) wurde ins Deutfche von
F. X. Seppelt, Urkirche und Katholizismus, (Kempten 1910),
Englifche, Italienifche und Spanifche überfetzt. In diefer
Zeitung (1909, Sp. 51 ff.) hat Harnack es einer längeren
Befprechung unterzogen und dabei B.s Trugfchlüffe aufgedeckt
, ohne die Gelehrfamkeit und Gewandtheit, mit
der fie vorgetragen werden, und die Sorgfalt und Unparteilichkeit
der gefchichtlichen Darfteilung zu verkennen.
Auffehen wird das neue Buch B.s fchwerlich machen,
dazu enthält es zu wenig Neues, aber die Vorzüge des
Schriftftellers treten auch in ihm deutlich zutage. Es
handelt fich, was der Titel nicht ficher erkennen läßt, um

daß dem Forfcher diefes Buch keine neue Ausbeute ge- dritten Bande u. d. T. Le catholicisme romain de saint
währt. Es erzählt dem Gebildeten von dem Apoftel j Damase ä saint Leon zum Abfchluß geführt werden
Paulus und feinen Gemeinden und zieht, befonders im | follen. Die Darfteilung fetzt mit der Zeit des Septimius
letzten Kapitel, auch den nichtpaulinifchen Teil der neu- : Severus ein und führt b is zum Triumph des Homöismus
teftamentlichen Literatur heran. Seinem Publikum ent- unter Konftantius. Im Mittelpunkt — daher der Titel —
fprechend vermeidet W. fall durchweg eine Bekämpfung fteht Konftantin. Im Vordergrund durchweg die Beabweichender
Anfchauungen und ganz und gar die An- Ziehungen zwifchen Staat und Kirche. In den Quellen
führung moderner Autoren und ihrer Werke. wie in der Literatur ift B. gleichmäßig belefen und ver-

Es liegt in der Natur der Sache, daß nicht jeder Lefer
in allen Stücken mit dem Verf. zu gehen vermag. Ein
Urteil wie dies, daß der junge Paulus ,von jeder Berührung
mit der hellenifchen Bevölkerung und ihren Bildungs-
ftätten aufs forgfamfte ferngehalten' worden fei (S. 2),
fcheint mir übertrieben. Und die Erklärung: derPhilemon-
brief ,ift mit Recht von Anfang an in den Kanon aufgenommen
, weil in feinem Geilte die ganze für das Ur-
chriftentum fo fchwere Sklavenfrage von vornherein ge-
löft ift' (S. 208), dürfte in mehr als einer Richtung geeignet
fein, falfche Vorftellungen zu erwecken.

Schlimmer ift die Art, wie die Entftehung des Jakobus
- und des I. Petrusbriefes in die Gefchichte des Urchriftentums
verwoben wird. Jak. foll fich an die rein
judenchriftlichen Gemeinden von Syrien und Cilicien
wenden, für die das Schreiben Act. 15,23—29 beftimmt
war (S. 54—57). Diefes aber grüßt doch ausgefpochener-
maßen ädeXtpoi eg tövcöv. L Petr. aber fei an die vor-
paulinifchen judenchriftlichen Gemeinden Vorderafiens
gerichtet, von denen Silas dem in Babylon am Euphrat
miffionierenden Petrus Nachricht zugetragen hatte (S. 60.
87 ff.).

Am tiefften freilich würden diejenigen Änderungen
einfchneiden, die der an Weiß' Bilde vornehmen muß,
dem die Paftoralbriefe und die Apoftelgefchichte in
einem anderen Lichte erfcheinen als ihm. Hat auch der
Glaube an die Echtheit jener mehr nur Bedeutung für
den letzten Abfchnitt des paulinifchen Lebens, fo gibt
das, durch kaum einen Zweifel getrübte, Vertrauen auf
die Glaubwürdigkeit diefer der gefamten älteften Gefchichte
des Chriftentums eine Geftalt, die mancher nicht
als die wirklich hiftorifche wird anerkennen wollen.

Über folche .Vorfragen' mit dem Verf. zu rechten,
ift hier nicht der Ort. Obige Bemerkungen find auch
nicht als Beanftandung, fondern lediglich als Charakte-
riftik gemeint. Daß W. feine, in einem überaus reichen
Gelehrtenleben erftrittenen und immer wieder verteidigten
Überzeugungen fefthält, wird ihm wahrlich niemand verargen
. Die große Gemeinde derer, die feine Grund-
vorausfetzungen teilen, können fich feiner reichhaltigen
und gefälligen Darlegungen reftlos freuen. Und auch
die andern werden fich zu ihrem Nutzen daran erinnern
laßen, wie ein Kenner des N. T.s von der Bedeutung
unferes Verf .s über die Urgefchichte unferer Religion denkt.

fäumt keine Gelegenheit, fich mit feinen Vorgängern aus-
einanderzufetzen. Nur feiten ift etwas überfehen, z. B. die
Kritik von Thiele und Hönn an Lampridius oder Loofs'
neuere Arbeiten über Sardika und Schwartzs Hypothefe
über den 8. Kanon von Nicaea. In Sachen der Synode
von Antiochien 324 hält B. mit feinem Urteil zurück.
Konftantins Brief an Alexander und Arius (V. C. 2, 64
bis 72) verwirft er als unecht unter Bezugnahme auf feine
Darlegungen im Bulletin d'anciennes litteratures 1914,
83—86. Befondere Beachtung verdienen die in zwei Ex-
kurfen niedergelegten eingehenden Bemerkungen über
Sol invictus und Summus deus. Dagegen genügt die
Behandlung des .Falles Liberius' trotz B.s gegenteiliger
Behauptung nicht.

Gießen. G. Krüger.

Preuß, Prof. Lic. Dr. Hans: Das Bild Chrifti im Wandel der
Zeiten. 113 Bilder auf 96 Tafeln, gefammelt u. m. e.
Einführg. fowie m. Erläutergn. verfehen v. P. (215 S.)
gr. 8°. Leipzig, R. Voigtländer 1915.

M. 3.50; geb. M. 4.50

.Gewaltig predigt die gegenwärtige Paffion Deutfch-
lands von der Heiligkeit des Opfers. Und da ift wie
von felbft über den Schlachtfeldern das Bild des Größten
lebendig geworden, deffen Blut „vergoffen ward für viele".
Wie die Feldpoft erzählt, ift fo mancher Tapfere hin-
gefchlummert unter dem Gebet:

Erfcheine mir zum Schilde,
Zum Troft in meinem Tod,
Und laß mich fehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot.
Nun wollen wir hinter der Front auch darin von
unferen Brüdern draußen lernen und das Bild des
lehrenden, leidenden und hegenden Heilands in unfer
„trotziges und verzagtes Herz" faffen.

Dem möchte diefes Büchlein an feinem Teile dienft-
bar fein. Es möchte den ganzen Reichtum des Bildes
Jefu Chrifti aufleuchten laffen, wie man einen Edelftein
im Sonnenlicht hin und her wendet. Es möchte ein
ernftes Gedenken den fchönen Kranz der Kunft winden,
an dem die Chriftenheit feit zwei Jahrtaufenden in Glaube
und Liebe geflochten hat'. Nur wenn man Anlaß und
Zweck, wie er hier in den offenfichtlich von dem VerBreslau
. Walter Bauer. I faffer flammenden Sätzen des Schutzumfchlages ausge^

Batiffol, Pierre: La Paix Constantinienne et le Catholicisme.

(VIII, 542 S.) kl. 8n. Paris, V. Lecoffre 1914. fr. 4 —
Vor einigen Jahren machte Batiffbls Verfuch, das

fprochen ift, fich gegenwärtig hält, wird man dem Buche
mit feinem hübfehen Gewand und feinem fchönen Inhalt
vom wiffenfchaftlichen Standpunkt im Urteil gerecht
werden können. Es ift nicht die Gefchichte des Chriftus-

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