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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

7-8

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ephraem, S.

Titel/Untertitel:

Syri, opera. Textum syriacum, graecum, latinum ad fidem codicum recensuit, prolegomenis, notis, indicibus instruxit Sylvius Joseph Mercati. Tom. I, Fasc. 1 1916

Rezensent:

Diettrich, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 1.

8

Ephraem, S., Syri, opera. Textum syriacum, graecum,
latinum ad fidem codicum recensuit, prolegomenis,
notis, indicibus instruxit Sylvius Joseph Mercati.
Tom. I. Fase. 1. Sermones in Abraham et Isaac, in Basi-
lium Magnum, in Eliam. Cum tabula phototypica.
(Monumenta biblica et ecclesiastica. 1.) (XVI, 231 S.)
Lex. 8°. Rom, M. Bretfchneider 1915. M. 10 —

Der Herausgeber ift fchon im Jahre 1905 mit einer
Arbeit über Ephraem an die Öffentlichkeit getreten, und

Überletzung der Oden Salomos nach diefem Gefichts-
punkte habe fetzen laffen, cfr. Neue Studien zur Gefchichte
der Theologie und der Kirche von Bonwetfch und Seeberg
, Heft IX. Um fo mehr wundere ich mich, daß ich
auch aus Mercatis Feder den alten in der Zeitfchr. für
die Neuteftl. Wiffenfchaft 1910, p. 293 gegen mich erhobenen
Vorwurf, ich hätte mit Harris, Flemming, Zahn
und Wellhaufen die Verseinteilung der Oden Salomos über-
fehen und den Text als Profa wiedergegeben, noch einmal
über mich ergehen laffen muß. Der Vorwurf, der
mir damals wohl mit Recht gemacht werden konnte, trifft

zwar mit einer Differtationsfchrift der Univerfität Bologna: I micll heute jedenfalls nicht mehr. Er ift durch die Ausgabe
,Studi sulle versioni greche di Efrem Siro. Contnbuto : der 0den Salomos von 1911 gegenftandlos geworden,
alla critica del teste ed alla storia della metnea bizantina Wim M fa fdn Urteü über dje handfchriftl.

antica* Den damals aufgenommenen Faden hat er uberiieferun äerWerkeEphraems einmal dahin zufammen-
namentheh mit Hilfe der ,Fondaz.one Villarf in Florenz gefaßt; >Die i4andfchriften felbft gehen oft fo auseinander,

daß man häufig nicht mehr vergleichen kann, fondern
abfehreiben muß. So ift es Affemani paffiert, daß er
einige Stücke des Antichrift in fünf verfchiedenen Faffungen

weiterverfolgt. Dabei ift ihm die völlige Unzulänglichkeit
der Editio Affemani in textkritifcher Beziehung immer
klarer geworden. Das hatten zwar hinfichtlich der drei

{rri-ri'l^fChv?f:IldAe A^f1'5 fch°ni rTmT mHelnt^
(Synfche Studien Zeitfchr. der,^d^eutfehen morgenl.Gefellfch. k Gefammelte Abhandlungen I, pag. 8). Das

1850, p^3H), Gddemeifter_ (Uber die in Bonn entdeckten muß Q . ^ wenn inan verftehen will,

neuen Fragmente des Makarius Zweites Wo^ k ungeheuren Schwierigkeiten der Herausgeber zu

1867, pag. 10,271.) und Burkitt (St. Ephraim s Quotations -

from the Gospel, Texts and Studies VIII, 2 Cambridge
1902, p. 4f.) gefehen. Und hinfichtlich der griechifch
lateinifchen Bände hatten außer Gildemeifter auch Wilh

überwinden hatte, ehe er uns in dem vorliegenden Fas-
ciculum die erfte Frucht feiner jahrelangen textkritifchen
Bemühungen vorlegen konnte. Wie weit er die Hand-

f1"11^1 »*llur "«£n a,TCI uu"cmaK" au"V fchriften im allgemeinen und ihre Varianten imbefonderen

Meyer (Gefammelte Abhandlungen I, pag 8) und Krimi- ,; fa gegeneinander abgewogen hat, kann vorläufig
bacher (MisceUen zu Romanos pag. 70) ähnliche Be- * ^ nicgt Bentfchieden werden. Ich begnüge mich damit,
obachtungen gemacht. Der Letztere faßt fem Urteil 1. c. , . . {rharffm- TpYtpmpnHaHonPn wifrh«, für

dahin zufammen: ,Der Text (Affemani's) ift durch Myriaden
von Fehlern aller Art verunftaltet und der Lefer muß
fich in diefem Geftrüpp Schritt für Schritt durch Emendationen
den Weg bahnen*. Aber Mercati geht weiter.
Er faßt den kühnen Entfchluß zu einer textkritifchen
Ausgabe der Werke Ephraems in ihrer fyrifchen, griechifchen
und lateinifchen Überlieferung. Damit kommt er einem
Bedürfnis entgegen, das in Pauly-Wiffowa's Realenzyklopädie
der klaffifchen Altertumswiffenfchaft geradezu als
ein dringendes bezeichnet wird.

Mercati beginnt feine Ausgebe in dem vorliegenden

1. Fasciculum des I. Bandes mit folgenden drei Homilien
Ephraems: 1. Sermo in Abraham et Isaac (pag. 4—110),

2. Encomium in S. Basilium Magnum (pag. HS —188),

3. Sermo in Eliam prophetam (pag. 191 — 231). Hier
gibt er jedesmal erft eine praefazione, in der er fich
über die bisherigen Ausgaben und über die handfchriftl,
Überlieferung ausfpricht, dann den Text, unter dem fich
die Varianten und, davon getrennt, der Nachweis der
biblifchen und patriftifchen Zitate befindet, und fchließ-
lich zahlreiche erklärende Noten, die eine geradezu bewundernswerte
Belefenheit verraten. Nur bei dem Sermo
in Abraham et Isaac fügt er zwei Appendices hinzu,
nämlich pag. 97 ff. eine Omelia sul Sacrificio d' Abramo
dello Pfeudo-Efrem und pag. 105 ff. eine Omelia su Abramo
ed Isaacco dello Pseudo-Gregorio di Nissa.

Der Text der Homilien ift, wie das nach Krumbachers
grundlegenden Studien zur byzantinifchen Metrik nicht
anders zu erwarten ift, in Kurzzeilen gedruckt. Die Kurzzeile
umfaßt, wenn der Herausgeber nicht ausdrücklich auf
einen größeren Umfang aufmerkfam macht (cfr. pag. 211,
Z. 237—332), fieben Silben. Vier Siebenfilber bilden immer
eine Langzeile, hinter welcher ein Einfchnitt des Sinnes,
alfo auch ein Ruhepunkt der Melodie eintritt. Dabei
kann der erfte Siebenfilber mit dem zweiten und der
dritte mit dem vierten (nicht aber der zweite mit dem
dritten) verbunden werden, d. h. zwei Siebenfilber bilden
gelegentlich einen Vierzehnfilber. In den Kurzzeilen
felbft werden abfolut nur Silben gezählt, von Quantität
oder von Rückficht auf den Wortakzent ift nirgends eine
Spur zu finden.

Diefe ftichifche Gliederung des Textes findet um fo
mehr meine Billigung, als ich fchon im Jahre 1911 meine

einige fcharffinnige Textemendationen hierherzufetzen, für
die der Herausgeber gewiß die Zuftimmung weitefter
Kreife finden wird. M. Ichreibt pag. 207, Z. 135 f.: xal diu
to Tf]v ödgxa ex xijg ölxpr/q xrjvlrrjvai — ,und weil ihr
Fleifch infolge des Duriles vertrocknet war' für xal 6m
tovto xrjv adgxa xrjg ohprq ezrji^fj', Z. 145 f.: övvexXeioe
de tovto) xal xr/v xovxov (iTjriga — ,er (der Vater) begrub
aber mit diefem (dem Kinde) auch deffen Mutter'
für övvexXrjösv de ev xovxtp x. x. 1.

Die Publikation fleht, wie fchon die Literaturnachweife
erkennen laffen, in der Hauptfache auf den Schultern
deutfeher Gelehrter.

M. felbft nennt im Proemium von Männern, denen er für fachliche
Förderung feiner Ausgabe zu Dank verpflichtet ift, Meyer, Heifenberg,
Maas, Marc, liengftenberg, Krumbacher, Genocchi, Ehrle, Omont, Popoff,
Fonck. Das find acht deutfehe, ein italienifcher, ein franzöfifcher und ein
ruffifcher Name. Auch eine Illuftration zu der in den Kreifen des Vierverbandes
üblichen Phrafe vom Kampf der Zivilifation wider die deutfehe
Barbareil

Pag. 201, /.. 14 muß zur Herftellung des Siebenzeilers ufifta in
eckige Klammern gefetzt werden. Tetra; ift hier wie an der von M.
in der Note zitierten Stelle Lucian, Tox. c. 50 abfolut gebraucht. Pag.
206, Z. 126 ift aus demfelben Grunde die lydifche Form (cfr. Note)
LvfjXQiov für firjxiooyv zu lefen, alfo das e in eckige Klammern zu fetzen;
pag. 211 lies in den oberen Fußnoten 246 für 249 u. f. w.

Möchte es dem tüchtigen Herausgeber vergönnt fein,
bald ein neues P"asciculum feiner Ausgabe folgen zu laffen!

Berlin. Diettrich.

Kybal, Priv.-Doz. Vlastimil: Die Ordensregeln des heiligen
Franz v. Aflifi u. die urlpriingliche Verfaflung des Minoriten-
ordens. Ein quellenkrit. Verfuch. (Beiträge zur Kultur-
gefchichte des Mittelalters u. der Renaiffance. 20. Bd.)
(IV, 176 S.) gr. 8°. Leipzig, B. G. Teubner 1915. M. 6 —

Seit Karl Müller vor 30 Jahren die Frage der erften
Regeln des Minoritenordens entdeckt und angefchnitten
hat, ,ift faft unabläffig daran weiter gearbeitet worden und
die Frage hat fich, wie K. mit Recht fagt, als ,eines der
fchwerften quellenkritifchen Probleme der Franziskanerliteratur
' erwiefen, fo daß einer, der die vielen Löfungs-
verfuche verfolgt hat, wohl fragen könnte, ob die Sify-
phusarbeit nicht eingeftellt werden follte. K. hat fich
nicht abfehrecken laffen, aber er felbft glaubt nicht, daß
er definitive Löfungen gefunden habe und ift vielfach nur