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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

364

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Thierry, Gerard Jacobus

Titel/Untertitel:

De religieuze Beteekenis van het aegyptische Koningschap. I. De Titulatuur 1916

Rezensent:

Roeder, Günther

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 16/17.

364

— und zwar erheblich jünger —, als die hittitifchen Keil-
infchriften fein. Damit fiele aber gerade jeder etwaige
Zwang weg, die Einheit der Sprachen zu vertreten 1 Hierzu
muß darum hinzugefügt werden, daß Ed. Meyer die hittitifchen
Hieroglypheninfchriften mit beneidenswerter Sicherheit
für großenteils älter erklärt, nämlich bis weit ins zweite
vorchriftliche Jahrtaufend, d. h. in die Zeit des Keilfchrift-
Hittitifchen und des hittitifchen Großreichs hinaufrückt
(S. 11, 16, 23, 43, 46, 100), fomit fich mit feiner Einerleiheit
der Sprachen ahnungslos felbft bekämpft, ohne freilich
irgendwelche Gründe für feine Zeitbeftimmung anzugeben.

Ed. Meyers Unüberlegtheit im Urteilen über ihm
unbekannte Dinge zeigt fich u. A. auch in einem zweiten
bezw. dritten recht wichtigen Punkte, der den Bericht-
erftatter befonders nahe angeht. Um die Entzifferung der
hittitifchen Hieroglypheninfchriften hat fich bekanntlich
u. A., und zwar zuerft, Sayce, nach ihm mehrere Jahrzehnte
hindurch bis heute der Unterzeichnete und inzwifchen
neuerdings R. Campbell Thompfon bemüht. Wie faft unglaublich
Thompfon gearbeitet hat, konnte ich kürzlich im
Liter. Zentralblatt Nr. 9,1916, darlegen. Und wer andrerfeits
auch nur ein paar Seiten Saycefcher Entzifferung überflogen
hat, der kann immer nur ftaunen über das ungewöhnliche
Maß feiner Selbftgenügfamkeit und Leichtfertigkeit. Andrerfeits
wage ich aber zu behaupten, daß mir Derartiges
nicht vorgeworfen werden dürfte. Ed. Meyer zeigt nun
deutlich in feinem Buche, daß er von den Hieroglypheninfchriften
nichts weiß. Gleichwohl hielt er fich tür befugt
, f. Z. (f. feine Gefchichte des Altertums 1,2; 3. Auflage
S. 696f.) für den Unfinn Sayce's und gegen Jenfen Partei
zu nehmen. Und jetzt hält er wieder Thompfon's unerhörten
Verfuch— denEd.Meyeraber.fcharffinnig'zu nennen
wagt! — für möglicherweile im Kern gelungen, wieder
freilich, ohne feine Gründe zu nennen, und findet dabei
andrerfeits einen Einfall feines Schülers Prinz zur Deutung
gewiffer Zeichengruppen von Boghazköi und Emirghazi fehr
erwägenswert, einen Einfall, den eine Kenntnis der In-
fchriften glatt und rückfichtslos zu Fall bringt. Ja, er
fteuert auch noch aus Eigenftem einen Geiftesfunken bei
(S. 143), der jedoch nur zeigt, daß er, fo wenig wie Prinz
oder Sayce oder Thompfon, eine Vorftellung von der
unendlichen Schwierigkeit der Entzifferungsaufgabe hat,
mit der er glaubt fpielen zu dürfen. Etwas mehr dürfte
der Berichterftatter aber doch wohl der Aufgabe gerecht
geworden fein. Allein — gerade er wird nun von Ed.
Meyer von neuem als erledigt betrachtet (S. 133), allerdings
wieder auf Grund von Erwägungen die nur zeigen,
daß diefer, wie über das bloße äußere Ausfehen der
Infchriften, fo über Jenfen's Arbeiten völlig ununterrichtet
ift. Und das darf fich derfelbe Ed. Meyer leiden, der im
Jahre 1893 am 16. Sept. auf einer Tagung der Deutfchen
Morgenländifchen Gefellfchaft (f. ZDMG XLVII S. XXV)
von einleuchtenden Ergebniffen und der anfcheinend
richtigen Methode gerade meiner Entzifferung fprachl
Und dabei hat fich feit der Zeit nicht etwa irgend etwas
zu deren Ungunften im Ganzen verfchoben, vielmehr haben
fich feitdem deren Grundlagen ganz gewaltig verftärkt;
und niemand könnte doch wohl behaupten, daß gerade
folche Erbärmlichkeiten wie die von Sayce und Thompfon

— man errötet ja, indem man das überhaupt ausfprechen
muß — meine Grundlagen und damit das darauf Aufgebaute
zu entwurzeln vermocht haben.

Jeder von uns hat die Pflicht, nur über Dinge zu
urteilen, von denen er etwas weiß und verfteht. Aber es
ift nicht das erfte Mal, daß Ed. Meyer dies nicht als feine
Pflicht empfunden hat, und es ift auch nicht das erfte
Mal, daß er dadurch mitgeholfen hat, recht wichtige Er-
gebniffe gerade meiner Bemühungen zu verfenken. Man
wird es bedauern dürfen, daß ich felbft ihm das fage.
Allein wer fagt's ihm fonft?1

Marburg i. H. P. Jenfen.

1) Ausführlicheres über Ed. Meyer's Buch d den GGA.

Thierry, Gerard Jacobus: De religieuze Beteekenis van het
aegyptitche Koningfchap. I. De Titulatuur. Proeffchrift
(Leiden). (XII, 140 u. 4 S.) gr. 8°. Leiden, E. J.
Brill 1913.

Es handelt fich um eine Differtation aus der Theolo-
gifchen Fakultät der Univerfität Leiden, deshalb fteht
das religionsgefchichtliche Intereffe an dem Stoff begreiflicherweife
im Vordergrunde; und zwar herrfcht, entsprechend
dem Namen von Chantepie de la Sauffaye,
der als erfter unter den Lehrern genannt ift, die kri-
tifche Analyfe und die forgfältige Vergleichung vor.
Der Verfaffer hat feine Ägyptologie, wie es fcheint,
weniger in Leiden als in Deutfchland gelernt; und fo
findet man die deutfchen Auffaffungen in dem Text wie
in den Literaturangaben ftark vertreten. In den letzteren
erfreulicherweife auch englifche und franzöfifche Autoren;
Th. hat fich da von Einfeitigkeit frei gehalten, allerdings
hätten die Autoren gelegentlich mit etwas mehr Unter-
fchied im Vertrauen benützt werden follen. Was die Er-
gebniffe der Arbeit anlangt, fo find fie für jemanden, der
in dem Gebiet zu Haufe ift, nicht gerade überrafchend.
Aber es ift ja immer gut, das Richtige zu verbreiten, befonders
wenn es ausführlich begründet und durch zahlreiche
Belege und mit viel Sachkenntnis bewiefen wird.

Die Einzelheiten der Nachweife find eine rein ägypto-
logifche Fachangelegenheit und mit ihnen will ich die
Lefer nicht ermüden. Aber der allgemeine Gang der
Unterfuchung hat allgemeineres Intereffe. Die Einleitung
gibt eine Reihe von Titulaturen der Pharaonen und wir
lernen aus ihnen, daß fie in fünf Teile zerfallen, die eingeleitet
werden durch: ,Horus', ,König von Ober- und
Unterägypten', ,Nebti', ,Hor-nub' und ,Sohn des Re'
Die angegebenen Teile, die zu verfchiedenen Zeiten und
z. T. unabhängig von einander entftanden find, werden
nun einzeln vorgenommen; fie find die bei allen Königen
gleichlautenden Einleitungen zu den eigentlichen
Namen, die ihnen folgen und für jeden Herrfcher neu
gebildet werden. Für das Verftändnis des Einleitungswortes
muß man natürlich auch den Inhalt des ihm folgenden
individuellen Namens berückfichtigen, was reichlicher
hätte gefchehen können. ,Horus' deutet zweifellos
auf den falkengeftaltigen Gott, der in der Urzeit einer
der erften Herrfcher des Landes war und das Vorbild
aller Pharaonen blieb. ,König von Ober- und Unterägypten
' heißt der Beherrfcher der beiden Landeshälften,
feitdem diefe unter einem Szepter vereinigt find. ,Nebti'
weift auf die beiden Schlangen, die den König und
feine Kronen fchützen. ,Hor-nub' ift ftets verfchieden
gedeutet; die frühere Deutung, zu der fich auch Th. bekennt
, überfetzt ,Horus von Gold', die neuere in Anlehnung
an die griechifche Überfetzung avriotälmv vne>-
xeqoq ,Horus, Bezwinger des Nubti-Seth'. Endlich
,Sohn des Re' heißt der Pharao, weil der Sonnengott
fein Vater ift. Die einzelnen Teile der Titulatur fetzen
alfo den König in nahe Beziehung zu Gottheiten: er ift
ihr Sohn oder wird mit ihnen identifiziert.

Hildesheim. Roeder.

Hoffmann, Dr. D.: Das Buch Deuteronomium. Überf. u.
erklärt. 1. Halbbd. Deut. I—XXI, 9. (VIII, 402 S.)
Lex.-8°. Berlin, M. Poppelauer 1913. M. 7 —;

geb. M. 8.50; in Halbfrz. M. 9.50

Ref. hoffte die Anzeige diefes erften Halbbandes mit
der des abfchließenden zweiten verbinden zu können, doch
ift derfelbe noch nicht erfchienen. Der vorliegende umfangreiche
Band enthält Überfetzung und ausführlichen
Kommentar zu Deut. 1—21,9, der noch ausftehende foll
außer dem Schluß der Auslegung eine ausführliche Einleitung
zum Deuteronomium bringen. Die Literarkritik,
wie fie uns für das Verftändnis des Deuteronomiums
grundleglich wichtig ift, kommt für Hoffmann entfprechend