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Ausgabe:

1916

Spalte:

361-363

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Eduard

Titel/Untertitel:

Reich und Kultur der Chetiter 1916

Rezensent:

Jensen, Peter

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchlicOlichan /-»/-» ■

■41. Jaiirr? NF lfi/17 Profeuor D.Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. 2/Q. AUf?. 191ß

n. uaiUg. XXI. XU/1/ . Rezenfionsexemnlare ausfchließlich an den Verlag. -"-"B" iwu

Meyer, Reich u. Kultur der Chetiter (Jenfen).

Thierry, De religieuze Beteekenis van het
aegyptische Koningfchap (Roeder).

Hoffmann, Das Buch Deuteronomium (Herrmann
).

Fiebig: Rofch ha fchana (Miefes).
Wer nie, Antimilitarismus und Evangelium
(Schulter).

Kattenbufch, Iber Feindesliebe im Sinne

des Chriftentums (Derf.).
Kurze, Der Engels- und Teufelsglaube des

Apoftels Paulus (Bauer).
Oriens christianus. Bd. 3. 4. 5 (Ph. Meyer).
Grützmacher, Synefios v. Kyrene (Ficker).

Bikel, Die Wirtfchaftsverhältniffe des Klofters

St. Gallen (G. Bonwetfcb).
Lockemann, Technifche Studien zu Luthers

Briefen an Friedrich den Weifen (Kawerau).
Sachffe, D. Balthafar Hubmaier als Theologe

(W. Kohler).
Kohut, Emanuel Geibel (Lindenberg).
S t o 1 z u. W ö h 1 e r. Hrsg. v. I. Mayer (Mulert).
Herz, Alban Stolz (Derf.).
Bavink, Allgemeine Ergebniffe und Probleme

der Naturwiffenfchaft (Beth).
Mehlis, Lehrbuch der Gefchichtsphilofophie

(Troeltfch).

Dunkmann, Das Gebet des deutfchen Volkes

Cotlarciuc, Homiletifche Formalftufentheorie
(Eger).

Referate: Klaatfch, Die Anfänge von Kunft
u.Religion in derUrmenfchheit.— Reinach,
Repertoire de l'art quaternaire. — Daufch,
Die Zweiquellentheorie und die Glaubwürdigkeit
der drei älteren Evangelien. — Schwabe,

Das Gelehrtenfchulwcfen Kurfachfens. _

Hoffmann, Die altlutherifche Orthodoxie
vor 250 Jahten im Kampfe wider das Apofto-
likum.

Voranzeige: Thomfen's Bibliographie der
Palältina-Literatur Bd. III.

Berichtigung.

(Schian). Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Meyer, Eduard: Reich und Kultur der Chetiter. (VIII, 168 S.
m. 122 Abbildg-n. im Text u. auf 16 Lichtdr.-Taf. u.
1 Kartenfkizze.) 8°. Berlin, K. Curtius 1914.

M. 8—; geb. M. 9.50

Bei der nicht geringen Anteilnahme, die grade jetzt
die fog. hittitifche Frage in manchen Kreifen erweckt
hat, kommt das Buch von Ed. Meyer in gewifler Beziehung
einem Bedürfnis entgegen. Aus einem Vortrage erwachfen,
den der Verfafler am 11. Januar 1914 vor der ,Deutfchen
Orient-Gefellfchaft' und in Gegenwart des Kaifers gehalten
hat, bringt es zwar keine neuen Forfchungsergebniffe
belangreicher Art, führt aber doch, dabei an der Hand
zahlreicher guter Abbildungen, namentlich in die hitti-
tifchen Kunftdenkmäler ein und unterrichtet (S. 24m) über
Beziehungen zwifchen hittitifcher, ägyptifcher und baby-
lonilch-affyrifcher Kunft. Dabei hätte die Anordnung des
Stoffs, die noch den zugrunde liegenden Vortrag mit
Lichtbildern verrät, einheitlicher fein können. Sehr zu
fchätzen find die in den Anhängen gegebenen zahlreichen
Literaturangaben, nebenbei ein beredtes Zeugnis von Ed.
Meyers umfaffender Vielfeitigkeit.

Je weniger blind man für folche und andere Vorzüge
des Berliner Altgefchichtlers fein kann, um fo mehr muß
man gewiffe nicht unbekannte Schattenfeiten feiner wiffen-
fchafüichen Betätigung als bedauerlich empfinden. Eine
folche ift feine unbedachte Voreiligkeit im Urteil bei höchft
mangelhafter oder gar völlig fehlender Kenntnis des
Beurteilten. Und die verrät fich auch gar nicht feiten in
diefem Buch. Ich übergehe hier alle Nebenpunkte und
muß fie bei dem geringen mir zu gewährenden Kaum übergehen
, wie ich ebenfalls keine Möglichkeit finde, auf fo
manche wichtigere Einzelheit einzugehn, über die ich mich
gern mit Ed. Meyer als Erforfcher und Verkünder ge-
fchichtlicher Tat fachen auseinanderfetzte. Aber ein paar
Punkte muß ich hier berühren, um das oben Gefagte zu
belegen

Sprachen für felbftverftändlich hält, ohne auch nur ein
Wort darüber zu verlieren, daß fie doch wahrlich keineswegs
felbftverftändlich ift und mit dem, was ihm bekannt
ift und ihm als erwiefen gilt, in keiner Weife erwiefen
werden kann (S. 23 und 43). Der Berichterftatter aber,
der feit bald einem Vierteljahrhundet mit den Hieroglyphen-
infchriften ringt und fie, im Gegenfatz zu Ed. Meyer, genau
kennt, genauer wohl ohne Frage, als irgend ein anderer,
darf hier verfichern: die Sprache der Infchriften erfcheint
nach meinen Ergebniffen in allen wirklich feftltellbaren
Einzelheiten als eine Vorftufe grade und nur des Armeni-
fchen und entfpricht als folche völlig den Forderungen
von Lautgefetzen, die Sprache der hittitifchen Keil-
infchriften ift aber in keiner Weife armenifch, übrigens
trotz Knudtzon, R. Campbell Thompfon und neuerdings
Hrozny — fowie Ed. Meyer, der ihm in der Hauptfache
zuzultimmen geneigt ift — nach den bisher vorliegenden
Texten nicht einmal indogermanifch. Dabei mag fie, was
ich übrigens fchon im Jahre 1899 in ZA XIV, 180 für nicht
ausgefchloffen erklären mußte, ebenfo wie das Mitannifche,
das ,Präarmenifche' (Vannifche) und das Elamitifche, mit
den indogermanifchen — und den femitifchen — Sprachen
entfernt verwandt fein.

Aber gefetzt felbft, meine Aufftellung wäre verfehlt, fo bliebe doch
z. B. beliehen, daß nach meinen Ergebniffen das Wort für ,ich' in den
Hieroglypheninfchriften als einen und einzigen, nein, feien wir übervor-
fichtig, als einen und einzigen oder als einen und den erden Konfonanten
einen Zifchlaut hat, eines für ,diefer' aber ebenfo, und davor zwei ver-
fchiedene Vokale, 1 (d. i. etwa i oder e) -f- a (d. i. etwa a oder o) oder
ä +1 (und dahinter einen Vokal wie den erden vor dem Konfonanten ?)
(vgl. armenifches es = ,ich' aus älterem *e,s'o und ais — ,diefer' aus
älterem *ai,s'o). Nach Hrozny (in den MDOG Nr. 56 S. 25 f.) foll nun
aber im Keilfcbrift-Hittitifchen uga oder ug ,ich' und na-s, eni oder kä-ä
,diefer' heißen. Hat alfo Hrozny Recht, dann id es gerade deshalb nichts
mit der Einerleiheit der Sprachen. Gefetzt aber, man könnte meine
Lefung eines bedimmten Zeichens als Zifchlaut bedreiten, fo hätten wir
doch noch in den Hieroglypheninlchrifteu ein X für ',ich', aber ein
Vokal + Vokal + eben diefem X für ,diefer' und fomit immer noch
die gegenüber dem Keilfchrift-Hittitifchen bedehende Verfchiedenheit.
Falls man indes auch hierüber hinwegfehen wollte, indem man entweder

Eine fehr wichtige Frage ift es, ob die nicht-affyrifchen j mir oder Hrozny oder beiden in keiner Weife traute, fo wäre z. B. zu

Keilfchrifturkunden aus Boghazköi diefelbe Sprache enthalten
wie die fogen. hittitifchen Hieroglypheninfchriften
oder nicht. Wie dies wohl allgemein gefchieht, fo erkennt
auch Ed. Meyer nicht einmal das Vorhandenfein diefer,
übrigens fchon 1894 in ZDMG XLVIII, 441fr von mir
erörterten Frage an, indem er einfach die Einerleiheit der

betonen, daß wir, wie im Mitannifchen und im Präarmenifchen, fo im
Keilfchrift-Hittitifchen ohne Frage eine Nomiuativcndung, und zwar zu-
nächd s, übrigens daneben au einem und demfelbeu Worte in befonderem
Falle n (I), haben, dagegen bereits in den älteften hittitifchen Hieroglypheninfchriften
fraglos Nominative ohne jede konfonantifche Endung treffen.

Dürfte man darum auf der Einerleiheit der Sprachen
beftehen, fo müßten diefeInfchriften fchon deshalb jünger

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