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Ausgabe:

1916

Spalte:

313-314

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haeckel, Ernst

Titel/Untertitel:

Monistische Bausteine. Mit e. Einleitung hrsg. v. Wilh. Breitenbach 1916

Rezensent:

Titius, Arthur

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan
41 .TarirP' IVJr 14 Profeffor D.Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. X, -Iii Ii lyif)

ÜCUUg. iAU. l*H Rezenfionsexemnlare aukchließlich an den Verlag. u. UUU wtu

Moniftifche Literatur (Titius).

Richter, Der ezechielifche Tempel (Herrmann).

Crem er, Das vollkommene gegenwärtige Heil

in Chrifto (Windifch).
Ihm eis, Zur Lehre von der Heiligung bei Th.

Jellinghaus (Derf.).
— Die tägliche Vergebung der Sünden (Derf.).
v. d. Goltz, Der Dienft der Frau in der chrift-

lichen Kirche (Zfcharnack).
Poznanski, Babylonifche Geonim im nach-

goanäifchen Zeitalter (Toiczyner).

Hergenröther's Handbuch der allgemeinen
Kirchengefchichte. 2. Band. 5. Aufl. (Ficker).

Archiv für Reformationsgefchichte. 12. Jahrg.
(Boffert).

Die Brüder. Hrsg. v. Uttendörfer u. Schmidt
(Mirbt).

Büttner, Die Brüdergemeine (Derf).
Strunz, Die Vergangenheit der Naturforfchung
(Beth).

Feftfchrift für Wilhelm Jerufalem (Rein).
Referate: Elenco alfabetico delle pubblicationi

periodiche. — Bereschit Rabba, hrsg. v.
J.Theodor. Lfg. 9, 1. Hälfte. — Ebert, Der
kirchenrechtliche Territorialismus in Bayern
im Zeitalter derSäkularifation. — Merkel, Der

Naturphilofoph Gotthilf Heinrich Schubert._

Herbart's Pädagogifche Schriften, l.u.2.Bd.
— Zum Andenken an D. Conrad Orelli. —
Rauh: Deutfehes Chriftentum. — Im Kampf
um die Volksfeele.
Mitteilung: (7) Preisausfehreiben des Calvinfonds
.

Wichtige Rezenfionen. —■ Neuefte Literatur.

Moniftifche Literatur.

Der Begründer der vulgären moniftifchen Bewegung,
Ernft Häckel, ift mit drei neuen Brofchüren1 auf den
Plan getreten. In den .Studien über moniftifche Religion'
bietet er Ausführungen über moniftifche und dualiftifche
Erkenntnislehre, über die anthropologifchen, pfychologi-
fchen, kosmologifchen und theologifchen Fundamente des
Monismus und über die Ethik und fügt zur Veranfchau-
lichung und Zufammenfaffung nach feiner Manier ,fynop-
tifche Tabellen' bei. Hervorgerufen ift die Schrift durch
Fragen feiner Lefer nach der Begründung und Sicherheit
namentlich feiner philofophifchen und religiöfen Anflehten.
Das zweite Schriftchen, ebenfalls durch Zufchriften früherer
Schüler und Gefinnungsgenoffen veranlaßt, will
zeigen, welchen Troft in den Schrecken des Weltkrieges
der Monismus zu gewähren vermag. Die .Baufteine' enthalten
eine Sammlung von 13 älteren Auffätzen Häckels,
denen zur Einführung ein kurzer Abriß der Lebensarbeit
H.s von Breitenbach vorangefchickt ift. Genannt feien
befonders .Monismus und Naturgefetz' (die Antikritik
gegen Chwolfon), ,Der Pappenftiel des Monismus' (Polemik
gegen Harnacks Sätze auf dem Dortmunder
Evang.-foz. Kongreß), ,Die Grenzen der Naturwiffenfchaft'
(Polemik gegen Franz Keibels [des Freiberger Embryologen
] Votum im Braß - Häckel - Streit), .Energetik und
Subftanzgefetz', (eine — wenn ich mich recht erinnere, in
der Form erheblich abgefchwächte — Auseinanderfetzung
mit Oftwald), .Mein Kirchenaustritt'. Die Sammlung der
zerftreuten Auffätze ift verdienftlich und es ift zu begrüßen
, daß ein zweites Heft ältere, noch weniger bekannte
Publikationen bringen foll.

Auf die Ausführungen, die im allgemeinen nur be

und die wirkende Kraft ftellen' und fo gegenüber Materialismus
, Energetik und Pfychomonismus eine höhere
Synthefe gewinnen (z.B. III 155). Die notwendige Kon-
fequenz freilich, daß die Seele etwas anderes als eine bloße
Summe phyfikalifcher Prozeffe in der Großhirnrinde fein
müffe, ift noch nicht gezogen. Zum erften Male, fo weit
ich fehe, taucht ferner bei ihm der Ausdruck einer ,Uni-
verfal-Subftanz' (I 37) auf; mit der Idee eines folchen
.kosmifchen Hylozoismus' ift in der Tat religiöfe Anbetung
und Verehrung im ,Schauen und Erkennen der
unzähligen Wunder diefes ewigen Lebensprozeffes' und
damit eine gewiffe .Befriedigung' des .gläubigen Gemütes'
bereits möglich (vgl. II 128. 89) und ebenfo ein ,Sinn des
Lebens', der ,in der vernünftigen und naturgemäßen
Lebensführung felbft' liegt (II 38). Wie allerdings neben
diefem Univerfalgott (der doch das All ift) noch der
.Zufall' eingeführt werden kann und zwar als entfehei-
dende Macht (z. B. II 42), ift unverftändlich; eine anbetende
Verehrung des Zufalls ift ficher unmöglich.
Ebenfo inkonfequent ift es, wenn H. dem Gemüt jeden
Erkenntniswert abfpricht (I 20). Denn wenn er annimmt,
daß die rein moniftifche Religion im Bunde mit der
Naturwiffenfchaft ,die Kulturmenfchheit des 20. Jahrhunderts
auf eine höhere Stufe der Vollendung hinaufführen
werde' (III 146), fo legt er ihr eine die ganze Wirklichkeit
umgeftaltende Kraft bei, die fie nicht entfalten kann,
wenn fie nicht felbft Erkenntnis der Tiefen der Wirklichkeit
enthält. — Ich glaube feit langem, daß man fich irrt,
wenn man religiös und idealiftifch klingende Wendungen,
wie fie bei H. fich nicht feiten finden, als leere Phrafe
brandmarkt. Vielmehr vermag ein wahrhaft idealer Sinn,
eine wirklich vorhandene pantheiftifche Frömmigkeit bei
feinem gänzlichen Mangel an philofophifcher Schulung

kannte Gedankengänge H.s wiederholen, braucht hier j fich nur in rein naturaliftifchen Formen zu äußern. Als
nicht eingegangen werden; auch muß ich auf eine i ethifchen Idealiften und als .Propheten einer neuen Reli-
Blütenlefe befonders markanter Äußerungen verzichten, j gj0n' — auch ,in feinen gefprochenen und gefchriebenen
Dagegen darf ich nicht unterlaffen, auf eine gewiffe Ab- j Reden faft monoton wie der Prophet' — feiert ihn denn
Wandlung der Gefamtanfchauung H.s aufmerkfam zu auch fein langjähriger Amanuenfis Heinrich Schmidt2
machen. Er will (feit 1904) ,die Empfindung als drittes I m überfchwenglicher und unkritifcher Weife. Erheblich
Attribut der Subftanz neben die raumerfüllende Materie | tiefer als Schmidt und als Breitenbachs fchon erwähnte

Skizze der wiffenfehaftlichen Arbeiten Häckels greift
Oftwalds3 Rede, die geiftvoll und inftruktiv die von O.

1) Haeckel, Ernft: Gott-Natur (Theophyfis). Studien üb. monift.
Religion. (71 S.) gr. 8». Leipzig, A. Kröner 1914. M. I —

— Ewigkeit. Weltkriegsgedanken über Leben u. Tod, Religion
und Entwicklungslehre. (128 S.) 8». Berlin, G. Reimer 1915. M. 1.50;
geb. M. 2 —

_ Moniftifche Baufteine. Mit e. Einleitg. hrsg. v. Wilh. Breiten-

2) Schmidt, Heinr.: Ernft Haeckel. Rede, geh. zur Feier v. Hae-
ckels 80. Geburtstag. (30 S.) gr. 8°. Leipzig, A. Kröner 1914. M. 1 —

3) Oftwald, Wilh.: Ernft Haeckel. Feftrede. (Flugfchriften des
deutfehen Moniftenbundes. Nr. 30.) (51 S.) 80. Leipzig, Unesma 1914.
M. — 60

bach. (Erltes Heft.) (VIII, 224 S.) 8». Brackwede i. W., Dr. W. Breitenbach
1914. M. 3 —

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