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Ausgabe:

1916 Nr. 13

Spalte:

298-299

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hagemann, Georg

Titel/Untertitel:

Elemente der Philosophie. I. Logik und Noëtik. 9. u. 10. Aufl., neu bearb. v. Adolf Dyroff 1916

Rezensent:

Jordan, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 13.

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berückfichtigt bei feinem Referate nicht nur die reiche
Katechismusliteratur der erften anderthalb Jahrhunderte
nach dem Erfcheinen des Lutherfchen Enchiridions, fondern
benutzt mit Recht auch die biblifchen Hiftorien-
bücher, die biblifchen Bilder- und Spruchbücher bis herab
zu den biblifchen Kalendern und gereimten Katechismuslehren
u. dgl. Sein Abfehen geht dabei dahin, methodifche
Fragen, zu welchen der Inhalt diefer Bücher anregt, zu
erörtern, Fragen über Stoffauswahl, Anordnung des Stoffes,
über Anwendung der erotematifchen Lehrform, über Ziele
des Unterrichtes in intellektueller, memorieller, ethifcher,
feelforgerifcher Hinficht ufw. Mit Recht hebt er hervor,
daß die älteren evangelifchen Hilfsbücher für den Religionsunterricht
nach diefer letzteren Seite unverkennbare Vorzüge
gegenüber den fpäteren haben, und man wird ihm
darin zuftimmen müffen, daß diefe Tatfache ihren Grund
in zeitgefchichtlichen Erfcheinungen hat, in der verehrungsvollen
Wertfehätzung des Lutherfchen Katechismus als
eines Buches, das vom Heil. Geifte diktiert worden, in der
Marken Polemik, mit welcher fich die Lutheraner gegen
Calviniften, Jefuiten und Sektierer glaubten wehren zu
müffen, um nur diefe Charakterzüge der orthodoxen
Periode hervorzuheben. — Der Verf. benutzt bei feinen |
Unterfuchungen und Erörterungen vorwiegend die,Quellen
zur Gefchichte des kirchlichen Unterrichts' etc. von Reu^
kann aber aufgrund eigener Forfchung die Titel einiger
Bücher mit einfehläglichem Inhalt anführen, die Reu nicht
genannt hat, und erweitert dadurch unfre Kenntniffe auf
diefem Gebiete der kirchlichen Literatur. Anderes ift ihm 1
entgangen, worüber ich in verfchiedenen Zeitfchriften j
berichtet habe. So wäre, um nur dies zu erwähnen, feine I
Berichterftattung über die pfychologifche Seite der älteren
reformatorifchen Katechefe noch anfehaulicher und in- |
haltsreicher geworden, wenn er z. B. über die Katechismen
von Cafp. Aquila referiert hätte, über die ich in der |
Monatfchrift fürGottesdienft und kirchlicheKunftBd. 9,830".
berichtet habe. Erwähnt fein mögen noch folgende Einzelheiten
. Die S. 18 genannte ,Chriftliche gottfelige Bilder-
fchule' ift nichts andres als die Übertragung der feinen
Kupferftiche in große Holzfchnitte zum Gebrauch für den
Maffenunterricht, die fich in dem Buche von Sigismund
Evenius mit demfelben Titel vorfinden. Das Buch ift
bereits 1636 in Jena erfchienen, alfo ein Jahr früher als
die in Nürnberg veröffentlichten Bildertafeln (Vgl. Katechet.
Ztfchr. 1898, S. 273ff., dort find auch S. 275 die Titel
verfchiedener mit Bildern illuftrierter Hiftorienbücher aufgeführt
). Spruchbücher gibt es eine viel größere Zahl,
als auch z. B. von Reu aufgeführt werden. Das ältefte
ift vielleicht das folgende, welches 1526 ohne Angabe des
Druckortes erfchienen ift: ,Aus der || gantze Bibel viel

fcho II ner fpruche | das es mit vns | ... . nichts ift ufw.
Zu den von Frenzel aufgeführten biblifchen Räzelbüchern
von Mich. Saxe 1593 und 1602, fowie von Rodius 1599
(S. 15 und 16) find u. a. die beiden älteren Datums zu
Mellen: Ein chriftl. Radtbüchl. für die Kinder. Wittenberg
1536 und Jo. Behem, Ein chriftl. Ratbüchlein für die
Kinder. Nürnberg 1540. Die S. 21 erwähnte Katechismuslegende
, nach welcher Gott die Kinder Evas im Katechismus
verhört, ift zweifellos am anziehendften in dem Katechismus
von Joh. Baumgarten. Magdeburg 1559 wiedergegeben
; diefe Bearbeitung wird von Frenzel nicht erwähnt
. Berichtigt werden muß die Zahl 1557 S. 5; Beiers
bibl. Gefchichte ift fchon 1555 zuerft erfchienen. — Auf
diefe wenigen Bemerkungen befchränke ich mich; fie ließen
fich aus den Notizen, die ich im Laufe der Zeit an-
gefammelt habe, erheblich vermehren. Sie follen den
Wert der Frenzelfchen Arbeit nicht beeinträchtigen, fondern
nur dazu dienen, ihren Inhalt in etwas zu ergänzen.
Die Schrift ift zuerft als Progamm zur Feier des Refor-
mationsfeftes an der Univerfität Leipzig erfchienen und
hat als Specimen eruditionis des damals defignierten
Dekans der Theologifchen Fakultät zu gelten. Wir begrüßen
fie als vollwertige Legitimation für das Amt,
dem der Verf. als Vertreter der Praktifchen Theologie ;
jener Univerfität berufen ift.

Göttingen. K. Knoke.

Jahrbuch der Gefellfchaft für die Gefchichte des Proteftantismus
in Öfterreich. In Verbindg. m. Drs. Thdr. Haafe u.
G. Trautenberger, begründet v. Dr. C. A. Witz-Oberlin.
Hrsg. v. Dr. Geo. Loefche. 35. Jahrg. (III, 330 S.)
gr. 8°. Wien, Manz. — Leipzig, J. Klinkhardt 1914.

M. 9.60

Das Jahrbuch' ift nach wie vor eine gut geordnete
und reichhaltige Sammelftelle für die innere uud äußere
Gefchichte des öfterreichifchen Proteftantismus. Im
Wiener Staatsarchiv und in den Beftänden der provinziellen
Sammlungen, von denen in den letzten Jahrzehnten
die fteierifchen durch Loferth in mufterhafter Weife
ausgekauft worden find, bietet fich ein faft unerfchöpf-
liches Material. Und eine Schar von Mitarbeitern fucht
auch die literarifchen Niederfchläge und Quellen anderer
Art umfaffend fruchtbar zu machen. Der vorliegende
35. Band zeigt das betreffs der lokalen Reformations-
gefchichte (Die Gegenreformation in Bifchoflach von
Heg emann; die wiederauflebende Gemeinde Eger im
dreißigjährigen Kriege von dem feit Beginn des Jahrbuchs
' ftets getreuen und fleißigen Scheuffler). Zu der
literarifchen Tätigkeit öfterreichifcher Exulanten gibt
Pfarrer Clauß Beiträge, das ,innere Leben der Toleranzkirche
' belichtet D. Schenner durch Berichte aus dem
handfehriftlichen Nachlaffe Urlspergers und Kießlings in
Bafel (S. 188—224). ,Die böhmifche Konfeffion, ihre
Entftehung, ihr Wefcn und ihre Gefchichte' ftellt F.
Hrejfa dar (S. 81—123, I. Tl.) in einer Studie, der man
angefichts ihrer Anlage und ihres Unterbaues den Namen
einer gründlichen Studie nicht weigern wird, obwohl fie
tatfächlich nur einen Extrakt aus dem im Jahre 1912 er-
fchienenen (tfchechifchen) Werke des Verfaffers darftellt,
welches nicht weniger als 817 Seiten umfaßt. Profeffor
Skalsky fetzt feine Beiträge ,aus der liturgifchen Vergangenheit
. . . nach dem Toleranzpatent, fort, indem er
über die Bemühungen des bekannten Generals von
Wurmfer berichtet, eine von dem Erlanger Profeffor
Seiler entworfene liturgifche Ordnung in ganz Öfterreich
einzuführen, auch die fehr eingehende durch den Superintendenten
Bartelmus erftattete Kritik beifügt, welche
der Einführung mit Erfolg entgegentrat (S. 153—187).

Zu diefen Einzelbeiträgen kommt wie alljährlich
eine bedeutfame ,Literarifche Rundfchau', welche das ge-
famte in 1913 geförderte Material zum Gegenftande hat,
auch wie es fich in tfchechifchen und polnifchen Zeitfchriften
und Schriften findet. Hier verfehen die drei
Dozenten der Wiener Fakultät, Loefche, Skalsky und
Völker den Dienft — die beiden Letzteren um fo dankenswerter
, da fie ähnlich wie im .Theologifchen Jahresbericht'
bis 1913 die Kenntnis der recht zahlreichen in den beiden
fremden Sprachen vorliegenden Beiträge weiteren Kreifen
erft vermitteln. An der Spitze diefer von S. 225 bis 330
reichenden Abteilung fleht die Kritik, welche Loefche
der .Gefchichte Öfterreichs von Richard Kralik' widmet,
deren formelle Vorzüge und vielfach neu orientierende
Aufftellungen L. durchaus anerkennt, die er jedoch auf
das fchärffte zurückweift da, wo es fich um die Haltung
dem Proteftantismus gegenüber handelt.

Königsberg. Benrath.

Hagemann, weil. Prof. Dr. Georg: Elemente der Philofophie.

I. Logik u. Noetik. Ein Leitfaden f. akadem. Vorlefgn.
fowie zum Selbftunterricht. 9* 10. Aufl., neu bearb.
v. Prof. Dr. Adolf Dyroff. (XII, 289 S.) gr. 8°. Freiburg
i. B., Herder 1915. M. 4—; geb. M. 4.60

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