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Ausgabe:

1916 Nr. 12

Spalte:

268-270

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erbt, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Untersuchungen zur Geschichte der Hebräer. 2. Heft. Jesus. Die Entstehung des Christentums 1916

Rezensent:

Dibelius, Martin

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 12.

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in den Berichten wird befonders hervorgehoben, daß es
auch von Seiten der Frauen gefchieht. In fittlicher Beziehung
überragen die Mosleme kaum ihre heidnifche Umgebung
.

Die Ausfichten für die Ausbreitung des Ifiams find
feit der deutfchen Befitzergreifung von Kamerun un-
günftiger geworden, denn eine gewaltfame Iflamifierung
der Eingeborenen, wie fie durch den Einfall der Fulbe
in Adamaua herbeigeführt wurde, ift nicht mehr möglich.
Dagegen nimmt die Ausbreitung auf dem Wege der
natürlichen Affimilation ihren Fortgang, und es ift fogar
zu erwarten, daß fie in den Nordbezirken und in den
mittleren Teilen Kameruns dem Iflam neue Anhänger
zuführen wird. Für eine eigentliche Miffionstätigkeit des
Ifiams liegen nirgends Beweife vor, abgefehen von dem
1906 in Togo verbreiteten Mekkabrief. Am Schluß geht
W. auf die chriftliche Miffion ein, die in Togo und in
Kamerun fich eine große Tätigkeit gefchaffen hat. In
beachtenswerten Ausführungen tritt er dafür ein, daß fie
fich auch der iflamifchen Bevölkerung zuwendet und
dabei nicht von den umherziehenden Hauffahändlern
abfieht.

In den wertvollen ,Beilagen' wird zunächft ein in
Hauffa mit arabifchen Lettern verfaßter Mekkabrief, den
Captain Charlton 1908 veröffentlicht hatte, und eine Betrachtung
über den Tod in deutfcher fjberfetzung zugänglich
gemacht. Der Abfchnitt ,Iflamifches aus Sprache
und Volkstum der Digamba' (Togo) behandelt die von
ihnen gebrauchten Fremdwörter, die Namengebung, die
Befchneidung, eine moslemifche Predigt. Den Abfchluß
macht ein intereffanter Bericht von Prof. Mittwoch über
die iflamifche Literatur aus Togo und Kamerun.

Göttingen. Carl Mirbt.

Killermann, Prof. Dr. S.: Die Blumen des heiligen Landes.

Botanifche Auslefe e. Frühlingsfahrt durch Syrien u.
Paläftina. 2 Tie. (Das Land der Bibel. Bd. I, Heft 5.
u. 6.) (44 u. 35 S. m. 6 bez. 4 Abbildgn.) 8°. Leipzig,
J. C. Hinrichs 1915. je M. —60

Eine Reife, deren Jahr nicht angegeben ift, hat den
Verfaffer, der am 25. März in Beirut ankam, Gelegenheit
gegeben, die Aprilflora von Paläffina an einigen Stellen
in näheren Augenfchein zu nehmen. Er vereinigt nun
die eigenen Beobachtungen in Baalbek, in Damaskus, am
Jarmuk, am Wege von Tiberias nach Haifa, in der
Saronsebene, bei Jerufalem und auf dem Wege nach
Jericho und zum Jordan mit den Mitteilungen Anderer
zu einem anmutigen uud anfchaulichen Bilde, das die
Natur des Heiligen Landes dem Lefer nahebringt und
auch dem Kenner Freude machen kann. Wiffenfchaft-
lichen Wert darf die Schrift da beanfpruchen, wo das
Vorkommen beftimmter Pflanzen für einzelne Gegenden
aus eigener Anfchauung bezeugt wird, vorausgefetzt, daß
ihre Beftimmung zuverläffig war. Leider wird die eigene
Beobachtung nicht immer gegen die Entlehnung aus gedruckten
Quellen abgegrenzt. So würde man II 14 gern
wiffen, ob der Verfaffer wirklich die Schilfart Arundo
Donax bei der Sultansquelle und am Jordan ,in förmlichen
Dfchungeln' feftgeftellt hat, ob er nach II 21 am
Jordan die Weidenart Salix safsaf, nach II 4 den Dorn-
ftrauch Paliurus bei Jerufalem als häufig vorkommend
tatfächlich fah, während ich bisher am Jordan weder
eine Weidenart noch Arundo Donax und bei Jerufalem
keinen Paliurus entdeckt habe. Von der Flora von
Engedi redet er S. 24 ff. offenbar nicht aus eigener Anfchauung
. Er würde fonft weder Palmen noch den
Sennesftrauch und den Zypreffenwachholder in diefem
Zufammenhang erwähnen. Mit der Eifenbahn ift der
Verfaffer ohne Zweifel von Jaffa nach Jerufalem gefahren.
Aber daß er vom Zurre nach II 1 wilden blauen Rosmarin
gefehen habe, halte ich für unmöglich. Dagegen würde

man erwarten, etwas von der Macchie zu hören, welche
der Zug paffiert. Daß die weiße Lilie irgendwo in Galiläa
fich finde, wird I 25 für möglich gehalten. Ich habe
fie nirgends gefehen und kenne kein zuverläffiges Zeugnis
, daß fie jemals da wild wuchs. Irrtümlich werden
I 41 der Meerzwiebel Urginea maritima nach der Winterruhe
entwickelte Blätter und Blütenfchäfte zugefchrieben.
; Sie hat überhaupt keine Winterruhe, fondern treibt im
j Herbft vor dem Regen ihre Blüten, die als Propheten
; des Winterregens gelten, und nach dem elften ergiebigen
Regen ihre großen Blätter. Pancratium maritimum
wächft nicht im Bereiche des Wellenfchlags (fo I 41),
fondern auf den Dünen. II 30 werden Gipskräuter als
die Rollpflanzen Paläftinas vermutet und Bedenken erhoben
gegen Gefenius-Buhl, wonach die wilde Artifchoke
gemeint fei. Dies Bedenken ift gerechtfertigt, aber die
Vermutung irrig. Gundelia Tournefortii ift die in ganz
Paläftina gewöhnliche Rollpflanze, in Paläftinajahrbuch
1911 S. 127, 1913 S. 82 mit Recht genannt. Daß ,ewiger
Frühling' am Jordan herrfche, würde II 20 nicht gefagt
fein, wenn der Verfaffer im Winter dort gewefen wäre.
Die Euphratpappcln und Tamarisken, welche den Fluß
umrahmen, liehen dann alle kahl. Die Beobachtung, daß
die Euphratpappel nur in den heißeften Teilen Paläftinas
auftritt, würde ihn bei längerem Aufenthalt im Lande
auch gehindert haben, fie mit Poft für den Beka-Baum
von 2. Sam. 5,24 zu halten. Zur Flora der Gegend von
Jerufalem gehört der Judasbaum nicht (fo II 4). Auch
ift Origanum Maru zwar wohl der Yfop des priefterlichen
Rituals (s. Paläftinajahrbuch 1912, S. 124 f.), aber fchwer-
lich der ,Yfop an der Wand' von 1. Kön. 5,13, weil ihm
nicht eigen ift, auf Mauern zu wachfen (fo bei Killermann
II 5), dieser gewiß auch nicht die von K. vorge-
fchlagene Kapper, obwohl fie auf Mauern wächft, fondern
am eheften jede Mauerftaude, etwa zuerft das Bilfenkraut
(Hyoscyamus aureus). Daß man mit Thymus capitatus
Jefu den Schwamm ans Kreuz gereicht habe (Joh. 19,29),
wie K. nach Heidet annimmt (II 6), ift befonders
deshalb unmöglich, weil man dann die Hauptfache,
einen Rohrftab, doch noch ergänzen muß. Der Erzähler
denkt vielleicht an den Stengel irgend einer
wildwachfenden Staude, wofür man am eheften den
dürren Schaft der Meerzwiebel oder allenfalls den langen
Stengel des Asphodill nennen würde. Am wahrfchein-
lichften bleibt aber, daß voomncp früh für voocp ver-
fchrieben worden ift, was fchon längft vermutet wurde,
aber zu wenig Beachtung gefunden hat.

z. Z. P"reienwalde a. O. Da Im an.

Erbt, Wilb..: Unterfuchungen zur Gelchichte der Hebräer.

2. Heft. Jefus. Die Entftehg. des Chriftentums. (VII,
191 S.) gr. 8°. Leipzig, E. Pfeiffer 1914. M. 8.—

Im erften Kapitel wird die Hypothefe vertreten, Jefus
habe in Kapharnaum am Mittelmeer gewirkt, das bei
Wilhelm von Tyrus erwähnt wird, und nicht in einer
Stadt am Ufer des Sees Gennezareth. Außer den bekannten
Zweifeln an der Identifizierung der Stadt Jefu
mit TellHum bildet den Hauptgrund das Poftulat, daß
Jefus fich als Wirkungsftätte einen Ort ausfuchen mußte,
von dem aus er ganz Paläftina erreichen konnte. Mit
ähnlicher Hypothefenfreudigkeit verfucht E. im zweiten
Kapitel aus Angaben der Apoftelgefchichte zu folgern,
daß Paulus erft von feinem erften Aufenthalt in Korinth
zum Apoftelkonvent gereift fei, um damit ein Datum für
die Chronologie zu gewinnen. Bereits das erfte Kapitel
aber hat den Vf. zu der Annahme geführt, daß die geo-
graphifchen Angaben des Markus-Evangeliums zum Teil
künftlich gemacht find. Diefe Gefchichtsfälfchung ift die
Folge einer Parteifpaltung: am Mittelmeer faßen die freier
gerichteten Petrusleute (Wortführer: Stephanus und der
Evangelift Philippus); in Jerufalem die gefetzesftrengen
Jakobusleute, ehemalige Täuferjünger, von denen die Be-