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Ausgabe:

1916 Nr. 10

Spalte:

236

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Valentin, Veit

Titel/Untertitel:

Bismarck und seine Zeit 1916

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 10.

236

Kirchenrechts ein Meifterftück von Kürze und Vollftändig-
keit. Das deutfch-evangelifche Kirchenrecht ift im Vergleich
dazu viel zu knapp und fkizzenhaft geraten. Vermutlich
ftellte die für die Enzyklopädie vorgefchriebene
Raumbefchränkung Stutz vor die Frage, ob er das eine
ganz und das andere andeutend oder beides nur halb
machen wolle, und er entfchied fich erfreulicher Weife für
das Erfte. Aber dem Lefer bleibt der Wunfeh, beides
gleichmäßig zu erhalten, und er verbindet fich naturgemäß
mit der Erwartung, daß Stutz fein ,Kirchenrecht' in nicht
zu ferner Zeit gefondert als eigenes Buch erfcheinen laffen
möge, das mit Regiftern verfehen fchnell das Handbuch
des Kirchenrechts werden dürfte. Hoffentlich tut er's!

Jena. Hans Lietzmann

Referate.

Kittel, Prof. D. Rud.: Die Pralmen Ifraels nach dem Versmaß der
Urfchrift verdeutfeht. (VIII, 217 S.) kl. 8». Leipzig, A. Deichen
1915. M. 2.50; geb. M. 3 —

Es ift erfreulich, daß fich der Verleger des Kittelfchen
Pfalmenkommentars (vgl. ThLZtg. 1915, 4) entfchloffen hat, die
Überfetzung der Lieder, die dem Kommentar beigegeben ift, als
felbftändiges Buch ausgehen zu laffen. Dadurch wird das gelehrte
exegetifche Werk für weitere Kreife nutzbar gemacht. K.
hat fich das Ziel gefetzt, die Pfalmen tunlichft im Anfchluß an
Luther's kongeniale Verdeutfchung, aber zugleich mit voller
Wahrung der Anfprüche, die die Wiffenfchaft in Bezug auf Textkritik
und metrifch-rhythmifche Form der Gedichte erheben muß,
zu überfetzen. Das ift ihm auch gelungen. Einige fprachliche
und rhythmifche Härten muß der Lefer natürlich dabei mit in
Kauf nehmen. K. hat Recht, wenn er im Vorwort nachdrücklich
betont, daß eine wirklich ,moderne' Überfetzung der Pfalmen
nach Luther immer ein gewagtes Unternehmen bleiben wird. Die
bisher gemachten Verfuche find allefamt nicht imftande, die
religiöfe und poetifche Kraft der Lutherfchen Pfalmenfprache zu
überbieten. Man kann diefe einzigartige religiöfe Lyrik wohl
wiffenrehaftlich genauer Überretzen und ihr eine äfthetifch gefälligere
Form geben, aber den religiöfen Dichter Luther, der die
Glut feiner Frömmigkeit in die Verdeutfchung der Pfalmen hineingelebt
hat, wird nur ein ganz Großer erreichen können.
Jena. W. Staerk.

Kirch, Conr., S. J.: Enchiridion fontium historiae ecclesiasticae
antiquae quod in usum scholarum collegit K. Ed. II et III,
aueta et emendata. (XXXI, 624 S) 8». Freiburg i. B., Herder
1914. M. 8 —; geb. M. 9 —

Die neue Auflage diefer Quellenfammlung ift um 108 Numern
vermehrt worden und hat trotzdem an Umfang nicht zu, fondern
fogar (um 12 Seiten) abgenommen. Dies wurde dadurch erreicht,
daß für die lateinifchen Texte kleinere Typen gewählt wurden
und die lateinifche Überfetzung der griechifchen Texte nicht mehr
daneben, fondern darunter gefetzt wurde. Bei der Aufnahme
neuer Nummern hat der Herausgeber die von verfchiedenen Seiten,
zum Teil auch die in diefer Zeitg. 1911, 715 f. geäußerten Wünfche
und Anregungen berückfichtigt. Literaturangaben lind wieder mit

wenig auf die Überlieferung ein; er behandelt eine Reihe von
Bifchöfen,die angeblich deutfeher Abftammung waren; er geht zu
weit, wenn er formuliert, daß wir in der Befetzung italienifcher
Bistümer mit deutfehen einen befonderen, eigenen Maßftab für
die abfolute Machtftellung der deutfehen Kaifer in Italien haben,
der mit tadellofer Genauigkeit auf jede Schwankung reagiert.
Wenn P. Ergänzungen zu Garns bietet, fo tut das Schw. noch
viel mehr. Von einzelnen Unzulänglichkeiten fei hier abgefehen.
Leipzig. Otto Lerche.

Buchenau, Doz. Ob.-Lehr. Dr. Art.: Nationalerziehung u. Humanitätsidee
vor 100 Jahren. (F. Mann's pädagog. Magazin 594. Heft.)
(37 S.) gr. 8°. Langenfalza, H. Beyer & Söhne 1915. M. —50
In großzügiger Weife ftellt der Verf. die fein Thema illu-
ftrierenden Gedanken der führenden Geifter am Anfange des 19.
Jahrhunderts zufammen, eines Kant, eines Wilh. v. Humboldt,
eines Fichte, Peftalozzis und andrer, um den Unterfchied der von
diefen Männern geforderten und der bis dahin geübten Erziehung
hervorzuheben. Beachtenswert ift, daß er S. 31 ff. auf die Bedeutung
der meift unberückfichtigt gelaffenen Schrift von Peftalozzi:
,An die Unfchuld, den Ernft und den Edelmut meines Zeitalters
und meines Vaterlandes' aufmerkfam macht, die es in der Tat
verdient, eingehender beachtet zu werden, als dies bisher ge-
fchehen ift.

Göttingen. K. Knoke.

Schwann, Dr. Lukas: Die Beziehungen der katholifchen Rheinlande
und Belgiens in den Jahren 1830—1840. Ein Beitrag zur Vor-
gefchichte der kirchl. u. polit. Bewegg. unter den rhein. Katholiken
. (Straßburger Beiträge zur neueren Gefchichte, 11.
Band.) (XX, 208 S.) gr. 8». Straßburg i. E., Herder 1914. M.4.80
Schwahn behandelt in 5 Abfchnitten: 1. Die Anfänge der
ultramontanen Partei der Rheinlande 1830—1835; 2. Die belgifchen
Parteien und die Rheinlande 1830—1836 ; 3. Die Bewegung der
ultramontanen Partei in den Rheinlanden von Droftes Erhebung
bis zum Kölner Ereignis; 4. Die Tätigkeit der ultramontanen
Partei in den Rheinlanden und Belgien unmittelbar nach dem
Kölner Ereignis;5. Das Verhalten der rheinländifchen Bevölkerung
nach dem Kölner Ereignis und die vergeblichen Verfuche, Me von
Belgien aus zu revolutionieren. Die Arbeit, für die archivalifches
und gedrucktes Material in weiteftem Umfang herangezogen ift,
geht überall in die Tiefe, fördert fehr viel Neues zu Tage und ift
der Berückfichtigung durch die Mitforfcher ficher, darf aber darüber
hinaus um der guten Darfteilung eines fehr intereffanten
Themas willen allgemeiner Beachtung empfohlen werden.
Gießen. G. Krüger.

Valentin, Veit: Bismarck und feine Zeit. (Aus Natur u. Geiftes-
welt. 500 Bdchn.) (VI, 134 S. mit Titelbild.) kl. 8«. Leipzig,
B. G. Teubner 1914. M. 1 —; geb. M. 1.25

Eine trotz ihrer Kürze umfaffende und eindringende Dar-
ftellung. Bismarcks Perfon wird mit ihren Härten und Ecken
plaftifch und kantig hingeftellt. Das Beftreben, nichts zu vertufchen
und zu verfchönern, führt den Verf. vielleicht hier und da zu weit.
Die Schilderung feines Scheidens aus dem Amt wird nicht ohne
Grund für unbillig gehalten werden. Aber in dem Büchlein fteckt
foviel Kenntnis, Urteil und Fähigkeit knapper, gefammelter Darwenigen
Ausnahmen unterblieben. Immerhin wurde diesmal bei ftellung daß es mich ftark gefaßt hat. Über Bismarcks Frömmig-

0 _ ____ _ . __ . v-oit urteilt H*.r Va».F y:.. „.----1. ~ /-" .....__r. j____j.

dem Jofephuszeugnis über Jerus Chriftus auf Bole, Kneller und
Seitz verwiefen (S. 5), merkwürdiger Weife aber nicht auf die
neueften Auffätze von Harnack und Norden (dazu jetzt Corffen,
vgl. diefe Ztg. 1915, 174). Der Druck ift forgfältig, wenn auch
nicht fehlerfrei. So muß es z. B S. 129 Z. 5 v. u. heißen: ow-
apd/utvoc ftatt avvar/äfxevov, S. 133 Z. 4 v. u.: öiaxQlvov ft. öiaQxtvov.
München. Hugo Koch.

Pahncke, Dr. Hans: Gefchichte der Bifchöfe Italiens deutfeher
Nation von 951—1264. I. Tl. Einleitende Periode: Gefchichte
der Bifchöfe Italiens deutfeher Nation von 951—1004. Nebft
e. Beilage: Zur Kritik v. P. B. Garns, Series episcoporum
totius ecclesiae catholicae. (Nachträge und Verbefferungen.)
(Hiftorifche Studien 112. Heft.) (119 S.) gr. 8». Berlin, E.
Ebering 1913. M. 4 —

Der Arbeit von G. Schwartz (vgl. Theol. Lit. Ztg. 1916 nr. 3
Sp. 59) gegenüber fteht diefe Studie PahnÖkes bedeutend im Werte
zurück. Zunächft ift das Thema zeitlich durch die Abgrenzung der
Jahre 951 bis 1004 fehr zufammengeftrichen. Wann die Arbeit
einmal vollftändig abgefchloffen fein wird, fteht zur Zeit noch
offen. Im Gegenfatz zu dem Buche von Schwartz geht P. zu

keit urteilt der Verf. .Bismarcks Gläubigkeit wurde erft durch die
Liebe entfehieden, fo kam er zu einem Ziele, nach dem fein
innerftes Wefen rang. Der fouveräne Egoismus feiner aktiven
Natur hätte ihn ohne einen oberften Rückhalt zerfchellt. Er war
keine religiöfe Natur; aber er beugte lieh demütig vor dem Göttlichen
, und zwar dem Göttlichen in der Formung, wie er es in
dem Leben und Sterben geliebter Menfchen beglückend wirkfamfah.
Ein Orthodoxer und Kopfhänger in der platten Art wurde B. natürlich
nie, ebenfo wie er welterlöfender Myftik immer fremd war.
Aber ein Pofitiver ift er geworden, der in gegebener Form das
Ewige verehrte und zu dem Gotte feiner Art in ein kraftvolles
Vertrauensverhältnis trat'.
Hannover-Kleefeld. Schufter.

Rupp, JuL: Gerammelte Werke. (In 12 Bdn.) Hrsg. v. Paul Chr.

Elfenhans. 6. Bd. Religiöfe Vorträge. 2 Tie. (IX, V, 651 S.)

8». Jena, E. Diederichs 1915. M. 6—; in 1 Bd. geb. M. 7.50
Der Inhalt diefes neuen Bandes entflammt den Jahren
1849—78; er ift zufammengeftellt aus Vorträgen, die meift zerftreut
erfchienen, teilweife aber noch ungedruckt waren. Die Anordnung
ift zeitlich. — Der Band bereichert das Gefamtbild nicht durch wefent-