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Ausgabe:

1915 Nr. 5

Spalte:

106-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weissembach, Alfred v.

Titel/Untertitel:

Quellen zur Geschichte des Mittelalters bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts 1915

Rezensent:

Lerche, Otto

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105 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 5. 106

griechifchen Textes der lateinifchen Überfetzung bietet der | (pag. 87 — 159) und Tract. III (pag. 159—94) der v01'-
erfte Anhang. ! liegenden Überfetzung C.'s gibt nicht nur eine Erklärung

Die überfichtliche und forgfältige Unterfuchung der ' der termini technici der liturg. Anfprachen, Gebete und
Sprache der Überfetzung endet "bezüglich ihrer Datierung Gefänge, fondern auch eine Begründung ihrer Stellung
nach Alter und Heimat leider mit lauter negativen Re- j innerhalb der neftor. Gottesdienftordnung. Jetzt könnte
fultaten, deren Feftftellung dadurch natürlich nicht weniger j und follte endlich einmal eine deutfche Überfetzung und
dankenswert wird. Die Überfetzung bedient fich eines j Erklärung der Liturgie des Addai und Mari verfucht werden,
guten Spätlateins, mit dem man nicht wefentlich über das Die Expositio offic. eccl. ift — das laffen fchon die

dritte Jahrhundert hinabgehen dürfen wird. Da ihre afri
kanifche Provenienz ganz unerweislich ift, bleibt es fruchtlos
, durch Vergleich mit den afrikanifchen Bibeltexten
genauere Beftimmungen nach oben zu verfuchen. Jedenfalls
ift ihr Verfaffer nicht identifch mit den Überfetzern
des Barnabasbriefes, der Didaskalia und der Canones
Hippolyti. — Ein zweiter Anhang verfolgt die Gefchichte
des fpätlateinifchen Wortes altare und feiner Kompofita,
befonders des durch die lateinifche Bibel geläufig gewordenen
exaltare. Vielleicht gehörte dies fchon der
antiken Myfterienfprache in feiner chriftlichen Bedeutung
an, wenn wir es in einer leider fehr fragmentierten In-
fchrift, CIL VIII 1072, mit dem Verfaffer fo deuten dürfen.

Ein griechifch-lateinifches und lateinifch-griechifches
Glofiar ift beigegeben und dient zugleich alsRegifter. Der
Eindruck der befprochenen Arbeit läßt uns einer darin
gelegentlich in Ausficht geftellten gleichartigen Unterfuchung
der lateinifchen Ignatiusbriefe mit vertrauender
Erwartung entgegenfehen. Unfere Verleger follten fich
entfchließen, für folche Werke verfchiedene Typen für
lateinifche und deutfche Sprache zu bewilligen, wenn für
erftere Antiquafatz verwendet wird.

Berlin-Dahlem. H. v. Soden.

Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Scriptores
syri. Series secunda. Tomus XCI et XCII. Anonymi
auctoris. Expositio officiorum ecclesiae Georgio
Arbelensi vulgo adscripta. Ed. et interpretatus est
R. H. Connolly, O. S. B. gr. 8°. Leipzig, O. Harrafio-
witz 1913. fr. 21 —

XCI. Versio. (198 S.) Romae. fr. 8.25. — XCII. Textus.
(180 S.) Parisiis. fr. 12.75.

Als N. Nilles fein vielgerühmtes Kalendarium manuale
utriusque ecclesiae orientalis et occidentalis (Innsbruck 1896)
herausgab, mußte er fich hinfichtlich der fyrifchen Kalender
auf den antiochenifchen und maronitifchen Ritus
befchränken. Die Herausgabe des neftorianifchen (chal-
däifchen und malabarifchen) Kalenders mußte er aus
Mangel an Hilfsmitteln auf fpätere Zeiten verfchieben.
In der Tat ftanden ihm damals außer dem von Assemani
B. O. III, pag. 380—86 veröffentlichten Kalendarium
Syrorum Nestorianorum nur noch gelegentliche Angaben
einiger Märtyrer- und Heiligenakten als Quellen zur
Verfügung. C.'s Überfetzung der drei erften Traktate der
Expositio off. eccl. bringt die erfehnte Wendung zum
Befferen. Tract. I (pag. 16—87), ein eingehender Kommentar
zu den wichtigften Zeitabfchnitten und Feften des
chald. Kirchenjahres, ermöglicht eine fachgemäße Rekonstruktion
des neftorianifchen Kalenders. Im Lichte diefes
Kommentares könnte und follte man A. J. Maclean's
Kalender and lectionary (East Syrian daily offices, London
J-.894, pag. 264—81) unferen Studenten für kirchengefchicht-
hche und praktifch-theol. Übungen in die Hand geben.
uas Verftändnis unferes abendländifchen Kirchenjahres
wurde dadurch eine wefentliche Förderung erfahren.
Weiter: Als die Society for promoting Christian know-
ledge (London 1893) die erfte vollftändige Überfetzung
der Liturgy 0f the holy apostels Addai and Mari veröffentlichte
, ftanden die Herausgeber den meiften terminis
technicis diefer Liturgie völlig ratlos gegenüber. Assemani
und Badger ließen im Stich, und die Auskünfte der un-
wiffenden neftorianifchen ITiefter Kurdistans brachten

hier überfetzten drei Traktate erkennen — kein einheitliches
Werk. In der Hauptfache mag fie von 'Abdiso' bar
Bahriz (Saec. XI) — nicht von Georgius Arbelensis, wie
C. in der praefatio pag. 2 f. nachweift — verfaßt worden
fein. Aber einerfeits hat der Verfaffer fehr altes Material
verwertet. So z. B. tract. I, cap. 7, wo mit der Verfechtung
des 29. März als des Tages der Verkündigung Chrifti
noch das ältefte Kirchenjahr vorausgefetzt wird, während
wir cap. 17 fchon im Kirchenjahre Isojahbs III (652 — 61)
flehen. Anderfeits finden fich ganz junge Zufätze in dem
Werke. Während z. B. in der Hauptmaffe des eben erwähnten
17. Kapitels ingressus Christi in templum die
Darfteilung Jefu im Tempel bedeutet, verlieht man von
pag. 67, Z. 14 auf einmal den Eintritt des 12jährigen Jefus
in den Tempel darunter. Da auch die Überfchrift des
Kapitels den Inhalt von pag. 67, Z. 14ff. ausfchließt, fo
werden wir hier mit der Annahme eines ganz fpäten Zu-
fatzes nicht fehlgreifen. Hätte C. diefe literarifche Zu-
fammengefetztheit der Expositio erkannt und verfolgt, fo
würde feine Arbeit ohne Frage an wiffenfchaftlichem Werte
gewonnen haben. Bar Bahriz felber hat nur ein Ziel im
Auge. Er will das große liturg. Reformwerk des Patriarchen
Iso'jahb III darlegen und rechtfertigen. Daß er
fich dabei in felbftändigen Gedankengängen bewegte, kann
man nicht behaupten. C. hat an einigen Stellen die Vorlagen
des Autors aufgedeckt. Ich darf vielleicht noch
darauf aufmerkfam machen, daß fich die exeget. Argumente
der Expositio fall alle in den Kommentaren des
Bar Koni (Editio Scher, Parisiis 1912) und Iso'dad (Ed.
Gibfon Vol. I. Translation, Cambridge 1911) nachweifen
laffen,

cfr. die Ausführungen von pag. 37 mit Bar Koni pag. 62 und
Iso'dad pag. 11 f.; pag. 50, /,. 29 mit Iso'dad pag. 29; pag. 56, Z. 2 — 5
mit Bar Koni pag. 118 und Iso'dad pag. 82; pag. 56, Z. 11 f. mit Bar
Koni pag. 118, Z. 25—pag. 119, Z. 2; pag. 56, Z. 36 mit Bar Koni, pag.
118, Z. 13 f.; pag. 61, Z. 6—12 mit Bar Koni pag. 151, Z. 16—22 ufw.

Für die lateinifche überfetzung der Expositio hätte auch in der
proteflantifchen Gelehrtenwelt Deutfchlands kein zuverläffigerer Syrologe
gefunden werden können. C. war durch feine Überfetzung der liturgifchen
Homilicn Narfai's vorzüglich dafür vorbereitet.

Einige Druckfehler find liehen geblieben: pag. 66,
Z. 22 lies discerent für docerent; Z. 34 baptismus für bap-
tismum; pag. 152, Fußn. 3 Matth. XXVIII, 20 für XXXVIII,
20, ufw.

Berlin. Diettrich.

Weitfembach, Alfred v.: Quellen zur Gefchichte des Mittelalters
bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. (XII, 235 S.)
8°. Leipzig, K. F. Koehler 1913. Geb. M. 5.75

Ein Bedürfnis für die vorliegende Publikation kann
ich nicht anerkennen. Wir haben an derartigen Zu-
sammenftellungen, um nur Einiges zu nennen, die Ur-
kundenfammlungen von Zeumer, Altmann und Altmann
-Bernheim (zur Verfaffungsgefchichte), die von
Keutgen (zur Stadtgefchichte), die von Mirbt (zur Papft-
gefchichte) mit Auszügen aus hiftoriographifchen Quellen,
auch ein leidliches Qellenlefebuch zur Kulturgefchichte
von Jahr. Wir haben in Lietzmanns kleinen Texten
und in Brandenburgs Quellenfammlungen gute Hilfen.
Durch eine Unzahl von Handreichungen aller Art werden
unfere Studenten von der Benutzung der Originalausgaben
abgehalten und des Studiums derQuellenfprachen enthoben.
Das ift ganz entfchieden bedauerlich, fo viel man auch
dafür anführen mag. v. Weiffembach gruppiert feine

mehr Verwirrung als Klarheit Tn die Sache. Tract. II I Texte unter zehn Gefichtspunkten: die chriftliche Kirche

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