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Ausgabe:

1915

Spalte:

49-51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jastrow jr., Morris

Titel/Untertitel:

Hebrew and Babylonian Traditions 1915

Rezensent:

Ungnad, Arthur

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

_ Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find a u s f c h 1 i e ß 1 i c h an . irnur*

•40. JahrfT. NF. 3 Profeflbr D. Titius in Güttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. D. .T 6DrUcLr iyiO

© Rczenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Jaftrow jr., Hebrew aud Babylonian Traditions
(Ungnad).

Charles, The Book of Enoch or I Enoch (Beer).

Woltjer, Het woord Gods eu hct woord der

menfchen (Regula).
Kaflner, Jefus vor Pilatus (W. Bauer).
Kamsay, The Teaching of Paul in Terms of

the present Day (Vifcher).
Füller, The Problem ofEvil in Plotinus(Bouffet).

Kaufmann, Handbuch der chriftlichen Archäologie
(Hennecke).

Henning, Der Wulfila der Bibliotheca Augufla
zu Wolfenbüttel (Codex Carolinus) (Brecht).

Stengel, UTkundenbuch des Klofters Fulda
(Bonwetfch).

Greven, Der L'rfprung des Beginenwefens (O.
Giemen).

Wappler, Die Täuferbewegung in Thüringen
1526—1584 (Barge).

Heimfoeth, Die Methode der Erkenntuis bei
Descartes u. Leibolz (Kohlmeyer).

Dillmaun, Das Chritlentum das Ziel der Weltentwicklung
(Kleinert).

Zeitfchrift für Gefchichte der Erziehung und des
Unterrichts (Knoke).

Referate: Morin, lTdeal monastique et la vie
chretienne des premiers jours. — Nack,
Außergottesdienftliche ,Wortverkündigung'. —
Rade, Unfre Pflicht zur Politik.

Mitteilungen: (2) Aus der Jüdifch-Literarifchen
Gefellfchaft. (3) Preisaufgabe der Teylerfchen
Theologifchen Gefellfchaft zu Haarlcm für
das Jahr 1916.

Wichtige Rezenfionen. —■ Neuefte Literatur.

Jaftrow jr., Prof. Morris, Ph. D.: Hebrew and Babylonian

Traditions. (XVII, 376 S.) 8°. London, T. F. Unwin
1914. s. 10.6

Diefes neuefte Werk Jaftrows ift aus ein er Reihe von
Vorträgen vor dem Oberlin College entftanden. Der Ver-
faffer, der durch feine religionsgefchichtlichen Unter-
fuchungen befonders auf dem Gebiete der babylonifchen
Religion rühmlichft bekannt ift, verficht hier in populärer
Form die hauptfächlichften auf eine gerneinfame Grundlage
zurückgehenden hebräifchen und babylonifchen .Traditionen
' zu behandeln, und es fei gleich von vornherein
bemerkt, daß er feine Aufgabe in äußerft gefchickter
Weife gelöft hat. Nicht nur der Laie, fondern auch der
Kenner altorientalifcher Religionen wird das anziehend
gefchriebene und mit geiftreichen Beobachtungen durchwebte
Buch gern und mit Genuß lefen.

Worauf es Jaftrow befonders ankommt ift wenicer

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wird (f. u.) und das gleichfalls den Vollmondstag bezeichnet
. Daß die Einrichtung der fiebentägigen Woche mit
dem Ruhetag am Ende nicht aus Babylonien flammt,
kann keinem Zweifel unterliegen, wenn es vorläufig auch
noch nicht klar ift, wie FQEJ zu der fpäteren Bedeutung
des 7. Tages der Woche gelangte.

Die Vorftellungen vom Leben nach dem Tode (IV. The
Hebrew and Babylonian Views of Life after Death) berühren
fich in beiden Religionskreifen außerordentlich
nahe: während aber im Babylonifchen die Vorftellung von
einer ausgleichenden Gerechtigkeit nach Vollendung des
irdifchen Dafeins niemals Wurzel gefaßt hat, beginnt eine
folche (wenn auch erft fehr fpät in nachexilifcher Zeit)
fich allmählich im Judentum Geltung zu verfchaffen, um
dann im Chriftentum beftimmtere Formen anzunehmen.

Das letzte Kapitel befchäftigt fich mit den ethifchen
Vorftellungen beider Völker (V. Hebrew and Babylonian
Ethics): auch hier tritt der auf der Gottesidee beruhende

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die Aulzeigung der_Ubereinftiinmungen zwifchen babylo- I materialitttfche Zug der babylonifchen Ethik in fcharfen
nifchen und hebräifchen Vorftellungen, fondern vielmehr ! Gegenfatz zu dem von den Propheten angeltrebten Ideal,
der Nachweis, wie fich die gemeinlämen Grundvorftdlungen Ein Anhang gibt eine Analyfe der hebräifchen und

bei den Hebräern in ganz eigentümlicher Weife ent- babylonifchen Sintflutfagen. Den Befchluß macht ein von
wickelt haben, indem ihnen eine ethifche Deutung gegeben Dr. Charles angefertigter Index, der manchem Lefer

willkommen lein wird.

Einige Bemerkungen feien hier noch geftattet. S. 10. Daß Ninib
(niCHX) eine frühere Gottheit von Nippur war als Enlil, läßt fich fchwer-
lich aufrecht erhalten. — S. 21. Die Tradition Dt. 26, die Ahraham zu
einem Aramäer macht, fcheint in ihrer Bedeutung bisher unterfchätzt zu
werden. Sie läßt fich mit den babylonifchen Volkerverhältuiuen wohl
in Einklang bringen: vgl. meine Bemerkungen in The Sunday School
Times, Philadelphia 1911, p. 139. — S. 531. Ich möchte in Gen. 3, 24
keine Textvcderbnis annehmen: es handelt fich um die Vorftellung vom
Gottestier (3TS) und Gottesfymhol (rOEnnan 3")Hr]), die auch fouft
im alten Grient gemeinfam auftreten. — S. 73! Mummu urfprünglich wohl
,Korm', ,1'ormpriuzip' (daher bit mummi ,Hochfchule'), nicht aber
,Waffcr'. — S. 85. Daß Marduk fein eigenes Blut zur Schöpfung des
Menfchen nimmt, ift nicht ficher zu erweifen. — S. 92. Die Kultftätte
der Aruru ift wohl Res; f. ZDMG 67, S. 134. — S. 128. Der Bei des
Beroflus ift, wie in neuhabylonifcher Zeit, ficher Marduk und nicht Enlil;
überhaupt fcheint die bloße Bezeichnung Bei für Enlil nicht gehraucht
worden zu fein — S. 172, I. Die Endung 6n in jinavs entfpricht keinesfalls
dem um in bab. sibattum. Letzteres Wort hat ficher urfprünglich
p, nicht h; vgl. befonders die intereflante Stelle im Brief Thureau-Dangin,
Lettres et Contrats, Nr. 50, Rs., wo ar-ha-am neben sd-pa-at-ta am
fteht, ganz wie im AT snh neben n325 Man wird hier doch wohl
lefen mülTen: ar-ha-am si hu-ta-am ü äa-pa-at-ta-am kt-ma ku-ul-lu-ma-
a-ta sü-ul-li-im ,Neumond, fieheutcn l ag und Vollmondstag vollende, wie
es dir gezeigt ift'. Auch andere Stellen fprechen für sapattu mit p.
Dann ift aber das b des Hebräifchen wohl erft eine fpäte Volksetymologie
nach naiü .ruhen'. Die Etymologie des bab. sapattu ift ganz
unficher. Ich halte es nicht für ausgcfchloflen, daß es ein mit si ,Hert,
zufammengefetztes furaerifches Lehnwort ift. Wird doch der Tag als

50

wurde, die ihnen urfprünglich fremd war.

Zur Beleuchtung diefer Tatfache gibt J. bereits in
dem erften, einleitenden Kapitel (I. Relations between
Hebrews and Babyionians) eine Analyfe der Sündenfall-
erzählung, deren babylonifches Gegenftück bekanntlich
der Adapa-Mythus ift: während aber der Held des letzteren
Rhuldlos — im blinden Vertrauen auf die Worte des
Lottes Ea — das ewige Leben verliert, das ihm vom
Lotte Anu angeboten wird, ift es im AT einzig und allein
«er menfchliche Ungehorfam eeeen das göttliche Gebot,
der die Kataftrophe herbeiführt

fam xf if° augenfäüig ift die Divergenz der auf gemeinten
mwSLtauffaffun8" zurückgehenden Schöpfungsgefchich-
in Bäk 1 hebrew and Babylonian Accounts of Creation):
imATe mythifch-materialiftifcher Polytheismus,

lop-ifpfi^P ftblfcner Monotheismus, den auch einige mytho-
pkr e,trefal<te der Poefie nicht in Frage ftellen können.
Hphr™ 7 wertvoll ift das dritte Kapitel (III. The
trifWn r ihe BaMonian Sabbath), in dem J. mit
nicht Lrunden zeigt, daß das hebr. naili urfprünglich
meU k r7' Wochentag bedeutet, foridern, wie der
(lef r ° ^e?enfatz zu »in zeigt, den Vollmondstag
KahiTi # u ' 23; Am- 8- 5i "Hof. 2, 13; Ez. 46, 1), wie im
ßabylonifchen ein Wort, das gewöhnlich sabattu gelefen