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1915

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Monumenta Reformationis Polonicae et Lithuanicae. Serie X, Heft 1 1915

Rezensent:

Völker, Karl

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mann leicht, an welche Werke der Verfafler denkt. Gerade er | mit großer Hingebung in feinen letzten Lebensjahreiwur^ Seite
bedarf jedoch einer folchen Vorführung der Probleme am wenig-
ften. Für die weitern Kreife aber, für die die Schrift beftimmt
ift, hätte fie außerordentlich an Brauchbarkeit gewonnen, wenn
der Verfaffer, ähnlich wie A. Meyer in feinem derfelben Sammlung
angehörenden Stockholmer Vortrage, dem Lefer Winke gegeben
hätte, wo er fich über die befprochenen Fragen und Antworten
näher unterrichten kann.
Bafel. Eberhard Vifcher.

flanke, D. Leop. Frdr.: Bilder aus der Gefehichte des Papfttums.

(VIII, 410 S. m. 16 Taf.) 8». München, C. H. Beck 1914.

Geb. M. 4.50

Es fcheint mir eine nicht ganz einfache Sache, Ranke zu
heißen und über die Gefehichte der Päpfte zu fchreiben. Der
Vergleich mit dem großen Meifter liegt herausfordernd nahe und
kann leicht fchlecht für den zweiten Träger des großen Namens
ausfallen. Hier fällt er recht fchlecht aus. L. F. Ranke gibt
uns in feinem Vorwort Auskunft über das Entftehen des Buches:
Vorträge, die er im Luther Frauenkränzchen gehalten hat, gibt
er auf Bitten feiner Hörerinnen in die Öffentlichkeit. Eigene
Forfchungen will er nicht geben: er will nichts anderes bieten
als eine lesbare Darftellung der wichtigften Tatfachen und merk-
würdigften Perrönlichkeiten. Diefes Ziel ift zur Not erreicht:
aus den klaffifchen Darffeilungen Roms und feiner Päpfte, fowie
aus andren leicht zugänglichen Publikationen find die Hauptbestandteile
des Buchs herausgenommen und durch nicht immer
eigene Worte des ,Verfaffers' miteinander verbunden. Wie von
eigener Forfchung, fo ift auch von einer auch nur geringen Verwertung
der modernen Literatur Abftand genommen: fo mutet
vieles in Rankes Büchlein antiquiert an. Wie blaffe Schemen
gleiten die Päpfte in fchließlich ermüdender Weife am Lefer
vorüber. Eine Einzelkritik, die recht unerquicklich für den Verf.
ausfallen müßte, möchte fich Ref. fparen. Das Büchlein ift vom
Verlage recht freundlich, auch mit guten Papftbildern ausgestattet.
Leipzig. Otto Lerche.

Monumenta reformationis Polonicae et Lithuanicae. Serie X, Heft 1.
(XII, 32 S.) gr. 8». Wilno 1913. Rbl. 1.20

Das vorliegende Heft enthält einen Neudruck des 1559 in
der proteftantifchen Druckerei zu Brzesc erfchienenen für die For-
fehung fehr wichtigen Berichtes über den Übertritt eines Teiles
der evang. Gemeinde zu Wilno vom Luthertum zum Calvinismus.
Unter dem Einfluß Laskis fchließt fich der Begründer der Gemeinde
, der Kanzler Nikolaus Radziwill der Schwarze, 1558 der
Genfer Lehre an, um zwei Jahre fpäter in das arianifche Lager
überzugehen. Der zur Calvinifierung Wilnos berufene Superintendent
Simeon Zacjus fiedelt deshalb bald nach Kleinpolen über.
Aus der Einleitung verdient Beachtung die hiftorirche Skizze
der Brzescier Druckerei, welche 1563 die große; polnifche Bibelausgabe
beforgte. (Serie I f. ThLz. 1912, Sp. 462.)
Wien. Karl Völker.

ftand, zeichnet bis in die kleinften Details Kants häusliches Leben
und den Verlauf feines Leidens. Die große und gütige Perfön-
lichkeit Kants tritt aus allem fehr eindrucksvoll hervor; aber auch
für das Verftändnis feines Denkens wichtige Mitteilungen finden
fich mehrfach. — Nicht minder wichtig wird vorausfichtlich der 2.
Band fein, der ,alles fonft aus der Zeit Erhaltene an biographifchem
und anekdotifchem Material, fowie überhaupt alles zur Charak-
teriftik Kants irgend Wertvolle' zufammenftellen foll. — Fichtes
für die Religionsphilofophie wichtigfte Schrift hat Heinrich Scholz
mit einer umfangreichen, tiefdringenden Einleitung, mit Erläuterungen
namentlich aus Fichte felbft und feinen Zeitgenoffen, fowie
mit einer den Gedankengang genau analyfierenden ,Inhaltsanzeige
' herausgegeben. In der kritifchen Herausarbeitung der
Grundgedanken Fichtes und ihrer Eingliederung in Fichtes eigne
wie in die hiftorifche Entwicklung überhaupt, bringt diefe Ausgabe
erhebliche Fortfehritte; möge fie auch einen Markftein für eine
erneute Wirkfamkeit des Fichte'fchen ethifch-religiöfen Idealismus
bezeichnen. — In eine ganz andre Sphäre führt die an dritter Stelle
genannte Schrift. Schopenhauer hat während feines Berliner
Aufenthalts diefe Überfetzung des fpanifchen Originals, gleichfam
eine Vorarbeit zu feinen Aphorismen zur Lebensweisheit, angefertigt;
fie ward aber erft aus feinem Nachlaß von Frauenftädt herausgegeben
(1862; 4. A. 1891) und ift nun von Alexander von Gleichen-
Rußwurm mit kurzer Einführung neu herausgegeben. Balthazar
Gracian, der Rektor des Jefuitenkollegiums zu Tarragona, dann
zu Tarazona (f 1658) hat durch feine ,Kunft, geiftreich zu denken
und zu fchreiben' die Modebildung des 17. Jahrhunderts beherrfcht.
Aus feinen Werken find 300 Sentenzen als ein Brevier des Hofmannes
in der Kunft fich geltend zu machen, von Juan de Lafta-
nofa ausgezogen. Manches darin ift macchiavelliftifch, wie z. B.
,die Kunft, das Schlimme andern aufzubürden verftehn', doch ift
die Grundhaltung eine ethifche, die nur auf dem fchwierigen
Terrain des Hoflebens Taubeneinfalt mit einer doppelten Dofis
von Schlangenklugheit zu verbinden fich genötigt lieht. Ein moderner
Gefchmack und Kunft des Ausdrucks, Höflichkeit ohne
Affektiertheit und zeremoniöfe Art, eine edle Unbefangenheit,
die nie fich ganz ausgibt, und zu imponieren weiß, eine Reife
und Gehaltenheit, von der eine fehr ruhige Autorität ausgeht, ein
erhebliches Maß von Mißtrauen gegen fich felbft und andre, das
etwa ift der dem Verf. vorfchwebende Typus. Neben Gedanken,
die an der allgemeinen Heerftraße liegen, finden fich feine, von
tiefer Menfchenkenntnis zeugende Bemerkungen.

Göttingen. Titius.

RöTener, Pfr. Karl: Glaube u. Tat. Predigten. (87 S.) 8". Erfurt,
K. Villaret 1913. M. 1 —

Diefe neun Predigten des Herausgebers der Burggraf'fchen
Predigten zeigen eine befondere homiletifche Begabung des Ver-
faffers und manche fchöne eigenartige Ausführung. Schon die
Themen zeigen dies: ,Wer ift fromm; Jefus der Knecht', und
die Predigten können gewiß manchem eine Bereicherung bieten.
. Zu beanftanden ift eine etwas aufgeregte Art, die fich manchmal
Immanuel Kant. Sein Leben in Darftellgn. v. Zeitgenoffen. Die j unangenehm vordrängt, derGebrauch vieler Fremdwörter: .Brillant-
Biographien von L. E. Borowki, R.B. Jachmann u. A. Ch. j feuerwerk der Worte, Romanheld'u.ä. Gewagt erfcheinen manche
Wasianski. (VII, 306 S.) kl. 8». Berlin, Deutfche Bibliothek fcharf zugefpitzte Sätze, z. B. S. 13: .Luther ift uns das ver-
(1912). . r ,. ,Geb- M- 1— i deutfehte Gotteswort', und von Chriftus (S. 41) wird gefagt: ,Zu

Fichte, Joh. Gottlieb: Die Anweifung zum feligen Leben. (LIX,
224 S.) kl. 8«. Berlin, Deutfche Bibliothek (1912). Geb. M. 1 —
Gracian's, Balthazar, Hand-Orakel u. Kunft der Weltklugheit. Aus
deffen Werken gezogen v. Don Vincencio Juan de Laftanofa
u. aus dem fpan. Original treu u. forgfältig überf. v. Arthur
Schopenhauer. (XVI.209 S.) kl. 8". Berlin, Deutfche Bibliothek
(1912). Geb. M. 1 —
Zu einem erftaunlich billigen Preife hat die deutfche Bibliothek
in gutem Druck und einem für zwanglofes, befinnliches
Lefen fehr geeigneten kleinern Format eine Serie von Neudrucken
wichtiger Werke begonnen.

Felix Groß bringt die biographifchen Skizzen Kants von Borows-
ki, Jachmann und Wasianski, die in Kants Todesjahr in Königsberg

einer großen Pflanzung ift der Schößling Paläftinas geworden'.
Am beften hat mir die Predigt über: ,Eins ift not' gefallen.
Ahlden (Aller). E. W. Bussmann.

Religion und Bildung. Jahrbuch der Evangelifchen Vereinigung
für Elfaß-Lothringen. (79 S.) 8". Straßburg i. E., J. H. E. Heitz
1914. M. 1.50

Das feine Büchlein wird eingeleitet von Pf. Winnecke-
Mülhaufen mit einer Umfchau über das Ziel der Gruppe: Was
wir wollen, unter dem Motto 1 Cor.3,22.23. F. Menegoz-Straßburg
fkizziert kurz den Streit der Verftandes- und der Willensphilo-
fophie um den Gottesbegriff, auslaufend in den Ausdruck der
Sehnfucht nach dem mit dem ewigen Sein und Werden felbft

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erlchienen. Borowski, einer der älteften Schüler Kants, hat fchon i verwachfenen Denken, nach in fich felbft ruhender Gewißheit,

bei feiner Magifterdisputation mitgewirkt, fein 1792 verfaßter Ent- j die des Notbaus theologifcher Gerüfte nicht bedarf, ohne doch

Wurf hat' Kant relbft vorgelegen und ift von diefem ftellenweife j der kritifchen Theologie als Anleiterin entbehren zu wollen,

geändert; er ift dann bis zu Kants Tode fortgeführt und einige j G. Lafch - Straßburg kritifiert B. Willes Allbefeelungslehre,

Beilagen von Intereffe find beigefügt. Jachmann hat ca 1784—94 ; G. Walther-Reitweiler den populären Unfterblichkeitsglauben,

mit Kant in fehr enger Beziehung geftanden, ift auch von ihm : nicht ohne nun den Zusammenhang von .Diesfeits' und Jenfeits'

felbft als fein Biograph auserfehen; er entwirft (in Briefform) ' zu gründlich zu zerreißen. Neben Aphorismen von Pafchali und

vornehmlich ein begeiftertes und allfeitiges Charakterbild von 1 einerWiedergabe des Prudhommefchen Gedichtes: .Die Augen'von

Kant. Wasianski, der feit 1790 Kant fehr nahe getreten war und ihm demfelben finden wir fünf prächtige Sinngedichte von F. Kauf f-