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Ausgabe:

1915 Nr. 2

Spalte:

557

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weber, Ottokar

Titel/Untertitel:

Von Luther bis Bismarck. Zwölf Charakterbilder aus deutscher Geschichte. 2. Bde. 2. Aufl 1915

Rezensent:

Schuster, Hermann

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557

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 25/26.

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quellen-Hypothefe. Die Priorität des Matthäus vor Markus ver- j 6m xä naiäia1 xi Uysi; ep^iaiov yyetxo avxö; ■=■ ,hielt er das für

Tucht D. — das ift methodifch auch in einem Volksbuch das ! eine zu benützende Schickfalsgunft' d. h. ,machte er Gebrauch

Richtige — an einzelnen Perikopen darzulegen. Dabei verwifcht J davon?' — Ich möchte zu dem fehr dankenswerten Nachweis

er allerdings Händig die Grenzen zwifchen literarifcher und hi- Jägers noch zwei Bemerkungen hinzufügen: 1) gerade wenn es

ftorifcher Beurteilung: fo wenn er die Matthäusvarianten der
erften Abfchnitte mit der Abficht des Mt. erklärt, die Jiochmef-
fianifche Amtseinführung Jefu durch den Täufer' ausführlich
darzuftellen und wenn er den Sammelbericht Mt 4, 23—25 darum

fleh nur um eine Redensart handelt, ift ganz deutlich, daß Paulus
gar nicht den Rang des präexiftenten Chriftus befchreiben will;
aller Nachdruck liegt vielmehr auf dem Gedanken: er machte
keinen Gebrauch davon, nämlich von der nopwij &eov, d. i. von

nicht aus Mk. ableiten will, weil Mt. in diefem ,wuchtigen Stück' j dem ehai i'oa S-cw. Wenn fo die alte Erklärung ,er hielt es nicht

für eine res rapienda' aufzugeben ift, fo bleibt doch der Unter-
fchied zwifchen Präexiftenz und Poftexiftenz auch nach diefer
Stelle beliehen: *i'(uoc-Titel und kultifche Verehrung find erft dem
poftexiftenten Chriftus zuteil geworden. Erft recht zur Geltung
kommt nun die von vielen Erklärern betonte Akzentuierung des
Gedankens: wiewohl er (nach Jägers Deutung können wir nun
Tagen:) Gott gleich war, machte er davon keinen Gebrauch (er
genoß ja tatfächlich keine kultifche Verehrung), fondern ward
Menfchen gleich. — 2) Die gegenfätzliche Beziehung des VerRietz
, Gualterus: De Origenis prologis in Psalterium quaestiones haltens Chrifti zum ,Rauben' der Geifterwelt ift aufzugeben; die

einen .Grundriß der galiläifchen Wirksamkeit JeTu' entwerfe. Auf
folche Art kann man fchließlich alles beweifen. Der Verf. gibt
aber auch offen zu, daß felbft den katholifchen Forfchern, die
bis zum Jahre 1912 eine modifizierte Zweiquellentheorie vertreten
zu können meinten, das Dekret der päpftlichen Bibelkommiffion
aus demfelben Jahre ,auch diefen Ausweg abgefchnitten' habe.
Alfo ift für ihn die Zweiquellentheorie auf jeden Fall erledigt.
Heidelberg. Martin Dibelius.

selectae. Diss. (Jena). (48 S.) 8». Jena 1914.
Diefe von Hans Lietzmann angeregte tüchtige Differtation
gibt zuerft den Text von fünf Prologen zu Pfalmenerklärungen
nach drei Catenenhandfchriften der vatikanifchen Bibliothek. Beim
erften von ihnen, der auch handfehriftlich als jmüfivrjiia 'Sipiye-
vovt rt; toüc yaipovtf bezeichnet wird, Hellt R. die Urheberfchaft
desOrigenes mit fprachlichen und fachlichen Gründen außer Zweifel
und macht es mit Batiffol gegen Bardenhewer wahrfcheinlich, daß
er dem von Hieronymus erwähnten ,enchiridion' angehörte. Beim
zweiten Prolog ift die Herkunft von Origenes fchon durch das
Zeugnis des Hieronymus gefichert, beim dritten gewinnt R. dafür
eine ziemliche, bei den übrigens wenigften eine gewiffe Wahr-
fcheinlichkeit.

München. Hugo Koch.

Weber, Prof. Dr. Ottokar: Von Luther zu Bismarck. Zwölf Charakterbilder
aus deutfeher Gefchichte. 2. Bde. 2. Aufl. (Aus Natur
u. Geifteswelt, 123. u. 124 Bdchn.) (VII, 125 u. 140 S.) kl. 8».
Leipzig, B. G. Teubner 1913. M. 1 —; geb. M. 1.25

In 2. Aufi. läßt der Verfaffer, Profeffor an der deutfehen
Univerfität Prag, diefe 12 (erweiterten) Vorträge ausgehen. In
Lebensbildern fchildert er den Gang der neueren deutfehen Gefchichte
: 1. Martin Luther. 2. Die Fugger. 3. Wallenftein.
4. Maximilian von Bayern. 5. Der Große Kurfürft. 6. Leopold I.
7. Auguft der Starke. 8. Friedrich der Große. 9. Jofeph II.
10. Freiherr vom Stein. 11. Metternich. 12. Bismarck. Man fleht,
es find nicht bloß Helden fondern auch Typen ausgewählt; es
rollten (Nr. 2. u. 7.) auch gewiffe Lebenserfcheinungen, wie Geld-
wirtfehaft und Hofzuftände, veranfehaulicht werden. Der Verf.
hat fleh bemüht, ,den konfeffionellen und politifchen Meinungen
der verichiedenften Art Rechnung zu tragen', ohne ,mit feinen
perfönlichen Urteilen hinter dem Berge zu halten'. Das ift ihm
im Ganzen wohl gelungen. Bei Luther habe ich mir einige Fragezeichen
gemacht (z. B. S. 26 zu der Behauptung, er fei feit 1522
von Jahr zu Jahr radikaler geworden). Jofeph II hat mich kirchen-
gefchichtlich am meiften intereffiert. Die Kunft knapper prägnanter
Darftellung leuchtet am hellften im Bismarck-Kapitel.
Hannover. Schufter.

Tatfache, daß Paulus bei der Schilderung des Erhöhten an feinen
Triumph über die Geifter gedacht hat, wird davon natürlich nicht
berührt, denn in V. 11 find ja die Geifter genannt.

Übrigens hat Goethe — offenbar, wie auch J. annimmt, von
der Bibelftelle beeinflußt — nicht nur in der ,Hexenküche' (Fauft
I 2358), fondern auch fonft den Ausdruck gebraucht: ,Freund
Meyer wird es auch für keinen Raub achten, zu diefer barbari-
fchen Produktion Zeichnungen zu verfertigen' (28. 4. 1798 an
Schiller); augenfeheinlich in der Bedeutung ,etwas nicht für zu
gering achten' — ,fich nicht zieren, etwas zu tun'.
Heidelberg. Martin Dibelius.

12. Kantgefellfchaft. Der Ablieferungstermin für die
flebente Preisaufgabe ift vom 15. April 1916 auf den 15. April
1917 verlegt worden. Das Thema diefer Preisaufgabe lautet:
,Der Einfluß Kants und der von ihm ausgehenden deutfehen idea-
liftifchen Philofophie auf die Männer der Reform- und Erhebungszeit
'. (1. Preis 1500 M., 2. Preis 1000 M., 3. Preis 500 M.; Preisrichter
die Herren Profefforen Max Lenz-Hamburg, Friedrich
Meinecke-Berlin, Eduard Spranger-Leipzig.) Näheres durch den
ftellvertret. Gefchäftsführer Hochfchuldozenten Dr. Artur Lieben,
Berlin W 15, Fafanenftr. 48.

13. Seitens derTeylerfchenTheologifchenGefellfchaft
zu Haarlem ift zur Beantwortung vor 1. Januar 1917 ausge-
fchrieben: ,Die Gefellfchaft verlangt eine Befchreibung der römifch-
katholifchen Moraltheologie in ihren charakteriftifchen Zügen,
fowie eine Darlegung ihres Zusammenhangs mit dem ganzen
römifch-katholifchen Glaubensfyftem'. — Die neue, zur Beantwortung
vor 1. Januar 1918 ausgefchriebene Preisfrage lautet: ,Die
Gefellfchaft verlangt eine Abhandlung über Zwingli als Dogma-
tiker'. Das Programm der Gefellfchaft ift von Jahr zu Jahr
um den 15. November koftenfrei zu bekommen auf Anfrage bei
den Direktoren von Teylers Stiftung in Haarlem.

Wichtige Rezenfionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Bezügl. Hinweife und Sendungen find jederzeit erwünfeht.

Watkins: Der Kampf d. Paulus um Galatien (v. GH-e: LtZtrbl 1914,
32; v. ERiggenbach: ThLtbl 1914, 15; v. Hadoru: ThLitber 1914, 1;
AmerJournTh 1914, 3).
Wellhaufen: Krit. Analyfe d. Apoftelgefch. (v. GKittel: LtZtrbl 1914,
51/52; v. WPArmstrong: PrincetonThRev 1915, 2; v. GWohlenberg-
ThLtbl 1915, 15).

Wernle: Evang. Chriftentum u. d. Gegenw. (v. ABaur: DtfchLtz 1914,
18; v. RHGrützmacher: ThLtbl 1914, 14; v. Kahler: ThLtber 1914, 7).
Wiekes: The sources of Luke's Perean section (v. HVogels: ThRev 1913

.... .. UDimill___. t_____tlc...j___. - .____t_____ rr... _ _

Mitteilungen.

11. W. W. Jaeger hat im 4. Heft der Zeitfchrift ,Hermes'
(50, S. 537ff.) den apnecy/tög Phil. 2,6 aufs neue unterfucht. Unter
Bekämpfung meiner Hypothefe, daß die Worte im Gegenfatz zu
dem ,Rauben' niederer Engelmächte zu verliehen feien, begründet
J. die Auffaffung der Wendung 01V/ "pnayfidv fjyijoaxo als einer
feiten Redensart ,er hielt es nicht für fein gutes Vorrecht' (alfo
= apnayuu oder tpuaiov noietoOui oder iiyelaSat). Den Beweis

, . ' ' ^' ., n ,, ■ . f n 1 w ix x. o . A aum x,x-ct v»a uunv, o .1 x-l v.,xu atLUGU IV. 11 V UECIS; A UIXCV 1UI 'J,

für die Geläufigkeit diefer Redensart möge man felber nachleren. I?. v NPWilliams: JoumThStud 1914, jan; AmerJournTh 1914 3 v

Den gleichen Schluß aus dem z. T. auch in meinem Kommentar j GWohlenberg: ThLtbl 1915, 7).

angeführten Material zu ziehen, hinderten mich damals gewiffe j Wiener: Wie fleht's um den Pentateuch? (v. JH: LtZtrbl 1914, 32; v.

Bedenken. J. hat fle größtenteils getilgt durch den Nachweis, | AAllgeier: ThRev 1914, 11; BiblZ 1914, 3).

daß die Wendung aus der Sphäre des Trivialen (,für ein gefun- 1 Willmann: Aus d. Werkftatt d. philosophia perennis (v. Stier: ThLtbl

denes Freffen halten') allmählich aufgeftiegen und gerade in der ; »9J3. "i v. JBrandenburger: ZKathTh 1913,2; v. LBaur: ThQuartfch

verneinenden Form mit folgendem &U& zum literarirchen xönog i ^»^X, Der Mifchnatraktat Baba qamma (BiblZ 1914, 1; v WAS
geworden ift, alfo in einem Zufammenhang wie dem untren Elmslie: JoumThStud 1914, apr; v. BHalper: JournQuartRev 1915 july)
durchaus möglich erfcheint. Ich habe mir dazu die von J. nicht wittig: Die Friedenspolitik des Papftes Damafus I (v. JFlamion: Rev
berückfichtigte Stelle Epiktet IV, 1, 163 notiert, wo es von dem HistEccl 1914, 2; v. AMKoeniger: DtfchLtz 1915, 5; v. FLauchert:
gefangenen Sokrates heißt: xov KpIxojvoq avxö> Xiyovxog vxi ,e'£fAI>£ ThRev 1915, 1/2).