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Ausgabe:

1915 Nr. 2

Spalte:

556-557

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dausch, Petrus

Titel/Untertitel:

Die synoptische Frage. 1. u. 2. Aufl 1915

Rezensent:

Dibelius, Martin

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 25/26.

täre, foziale und biologifche in der Mehrzahl. Wer das
Material zu Vorträgen bequem zufammen haben will,
findet kein praktifcheres Buch.

7. Kriegsfrömmigkeit fchildert Jeremias 19, be-
fonders nach Feldpoftbriefen und nach Erfahrungen in
feiner Induftriegemeinde. Er fpricht nicht von religiöfer
Wiedergeburt; er findet, daß die Frömmigkeit der Nichtkombattanten
zu wünfchen übrig läßt. Dennoch geht ein
Zug freudiger Hoffnung durch das Heft. Die Art, wie
die Bewegung in die einzelnen Züge hinein verfolgt wird,
wirkt, fo fummarifch das Ganze gehalten ift, recht anregend
; der Lefer ergänzt aus Eigenem, ftimmt zu oder j
widerfpricht, gewinnt aber jedenfalls einen Anftoß zu ge- j
nauerem Nachdenken. Dasfelbe Thema faßt Eberhard 20
unter etwas anderem Gefichtspunkt an, indem er Geltung j
und Wirkung von Gottes Wort im Feld unter Zugrunde- !
legung zahlreicher Einzelzeugniffe darfteilt. Der zweite j
Abfchnitt zieht die für unfere religiöfe Erziehung fich er- j
gebenden Folgerungen. Chriftliche Jugenderziehung foll j
auch ferner im Mittelpunkt ltehen; biblifch und bekenntnisgemäß
fei der Religionsunterricht; die Bedeutung des
Memorierftoffes ift nicht zu unterfchätzen; das Gemüt
darf keinesfalls leer ausgehen. In diefem Teil fprechen
natürlich die pädagogifchen Anflehten des Verfaffers mit;
auch wer felbft fachlich weite Strecken mit E. geht, wird
anerkennen, daß nicht alle feine Folgerungen notwendige
Konfequenzen find. Schließlich zeigt doch auch die
Schützengrabenfrömmigkeit ein mannigfaltiges Bild, neben
den von E. herausgehobenen Zügen ftehen auch andere.
Wir nehmen feine Arbeit als dankenswertes Material,
deffen endgültige Verarbeitung im Einzelnen noch vorbehalten
werden muß. Noch ftärker tritt das eigene Urteil
in Dettmerings21 gehaltreichem Vortrag hervor. Er
fchildert knapp die nationale und religiöfe Erhebung und
ftellt eine ganze Anzahl von Punkten heraus, an denen
dringende Zukunftsaufgaben, wie fie gerade die Gefchichte
diefer Tage als folche erkennen läßt, unferer harren.
Daß wir neben diefen Darfteilung und Urteil verbindenden
Schriften auch unverarbeitetes Material bekommen, ift
fehr erfreulich. Es liegt vor in der Sammlung von Stange
und Neuberg22. Geordnet ift es hier nach Rubriken,
die freilich keine ganz fcharfeEinteilung bedeuten können:
Hungrige Herzen; Im Feuer; Neuland; Im letzten Kampf;
Die wiederentdeckte Kirche; Das liebe alte Kirchenlied;
Das mobilifierte Lutherlied; Der Fahneneid; Chriftfeft im
Kriegerherzen; Das Gebet u. f. w. Außer Feldpoftbriefen
und Kriegstagebüchern find Darftellungen von Feldpredigern
, Offizieren u. a. gegeben. Die Sammler nahmen
alles Wertvolle, wo es fich bot, alfo auch aus Zeitungen,
Zeitfchriften, Büchern. Die Quellen find notiert; doch wäre
noch größere Genauigkeit der Zitierung erwünfeht; die
Nummer der Zeitung fehlt meift. Auch wäre es fehr
willkommen, wenn der Beruf der Schreiber mitgeteilt
werden könnte (ob Theologe? oder was fonftr); es wird
vielfach nicht möglich fein, aber doch vielleicht öfter.
Auch fonftige Angaben über die Verfaffer wären wertvoll
; bei den der ,Furche' entnommenen Stücken darf |
man wohl mehrfach auf Mitglieder der DCSV fchließen; j
das macht für die Wertung etwas aus. Und follten nicht j
auch Dokumente von inhaltlich anderer Art, wie fie be- |
gegnen, mitgeteilt werden? Vielleicht gibt es wenige; j

19) Jeremias, Pfr. Dr. Johs.: Frömmigkeit im Kriege. Beobach- j
tungen aus e. Induftriegemeinde m. evangel. Iievülkerg. (60 S.) 8°.
Leipzig, G. Schloeßmann 1915. M. —80

20) Eberhard, Sem.-Dir. Schuir. Otto: Gottes Wort im Felde
und daheim. Ein Beitrag zur religiöfen Erziehg. auf der Grundlage zeit-
genöffifcher Zeugniffe. (52 S.) 8°. Berlin, Vaterlandifche Verlags- u.
Kunftanftalt 1915. M. —50

21) Dettmering, Gen.-Superint. Otto: Der deutfehe Freiheitskampf
und feine Frucht. Ein Wort an unfer flarkes deutfehes Volk. (32 S.)
8°. Berlin, Vaterlandifche Verlags- u. Kunftanftalt 1915. M. —30

22) Gottesbegegnungen im großen Kriege. Feldpoftbriefe, Auszüge
aus Kriegstagebüchern u. Erfahrgn. v. Feldpredigern gefammelt v. Pfr.
Lic. Neuberg u. Paft. Lic. Stange. (V u. S. 1—146) 8». Dresden,
C. L. Ungelenk 1915. je M. —50

und diefe wenigen find fchwer zu erreichen. Aber
manches ift da; z.B. in Wolzogens ,Landfturm im Feuer',
und in einem Feldpoftbrief im Auguftheft von ..Deutfch-
Evangelifch', fowie in einem anderen im Oktoberneft 1915
der ,Zeitfchrift f. d. evang. Religionsunterricht'. Wie ich
höre, planen die Herausgeber die Mitteilung auch folcher
minder günftigen Mitteilungen. Auf alle Fälle aber verdienen
die Verfaffer auch mit dem, was fie bisher bringen,
unferen großen Dank.

8. Verfchiedenes. Höchft interreffante Betrachtungen
über die Beziehungen des Weltkriegs zum Katholizismus
und die möglichen Rückwirkungen auf ihn ftellt
Schrörs23 an. Er ftellt den Krieg in den Gefchichtslauf
hinein und gewinnt von daher Parallelen und Fragen.
Dabei fchweift fein Blick über mehrere der großen am
Krieg beteiligten Länder: Deutfchland, Frankreich, (Italien
ftand, als Sch. fchrieb, noch nicht im Krieg), Rußland,
die Türkei. Er gibt nur Richtlinien, manchmal nur Andeutungen
; und felbftverftändlieh ift, was er fagt, von den
Zukunftserwartungen, die er hegt, ftark abhängig. Aber
er lenkt den Blick des Lefers auf eine ganze Reihe von
Zufammenhängen, die fonft leicht überleben werden und
die man doch im Gedächtnis halten foll; und er tut es
in geiftvoller Art. — Auf ein ganz anderes Gebiet führt
Mulert24. In den Kreifen der evangelifchen Theologen
ift fein Thema aktuell geworden; da ifts denn fehr gut,
daß M. die aktenmäßigen Unterlagen gibt, die Paragraphen
und Verordnungen abdruckt. Darüber hinaus verfolgt
er die Frage in die Gefchichte und in die Zukunft
hinein. Er findet das bisherige Syftem (Friedensdienft
mit der Waffe; Ausfchließung vom Waffendienft im Kriege)
widerfinnig und erwägt in befonnener Weife die Möglichkeiten
der Umgeftaltung. Das Schwergewicht fällt
aber nicht auf die Vertretung einer beftimmten Löfung,
fondern auf den Erweis der Notwendigkeit klarer Regelung.
Über das ,Daß' wird man einig werden; das Wie wird
Schwierigkeiten machen.

Gießen. M. Schian.

Referate.

Rießler, Prof. Dr. Paul: Der Prophet Jeremias. 1. u. 2. Aufl.
(Biblifche Zeitfragen. VII, 5.) (36 S.) 8«. Münfter, Afchen-
dorff 1914. M. —50

Rießler gibt im I. Teil, ,die Tätigkeit des Propheten Jeremias',
einen Überblick über fein Leben und feine Wirkfamkeit auf dem
Hintergrunde der gefchichtlichen Ereigniffe. Der 2. Teil, ,die
Perfönlichkeit des Propheten' entrollt ein Charakterbild desfelben.
Der 3. Teil, ,die theologifche Bedeutung des Propheten' würdigt
feine religionsgefchichtliche Größe. — Über Echtheitsfragen zu
den einzelnen Abfchnitten des Jeremiasbuches kann man ja ver-
fchiedener Meinung fein und mehr oder weniger konfervativ verfahren
; aber die Chronik als gleichwertig mit den Königsbüchern
zu behandeln und die Angaben beider zu harmonifieren, vgl. z. B.
S. 15 zum Ende Jojakims, fcheint mir in einem Buch, das zur
Aufklärung gebildeter Laien dienen foll, nicht ftatthaft. In der
Erklärung des Jeremiastextes hätte manche neuere Auffaffung,
ebenfalls nicht zum Schaden der Lefer, berücküchtigt werden
Tollen, vgl. z. B. S. 13 zum Eufrat. Der ,Eufrat' ift hier wirklich
unfinnig; lies in v. 5 para für perat (v. 4 u. 7 entfprechend). Gemeint
ift'en und wädi fära bei Jerufalem, vgl. hierzu ZDPV III,
6 ff. PIB X, 23.

Königsberg Pr. Max Lohr.

DauTch, Lyz.-Prof. Dr. P.: Die fynoptirche Frage. 1. u. 2. Aufl.

(Biblifche Zeitfragen. VII. Folge, 4. Heft.) (44 S.) gr. 8».

Münfter i. W., Afchendorff 1914. M. — 50

Das Heft polemifiert gegen alle Quellenhypothefen zugunften
einer kombinierten Traditions- und Benutzungshypothefe'. Denn
,die „Quellen" find Kinder der Gelehrten-Phantafie' und außerdem
mehren fich auch unter den Proteftanten die Gegner der Zwei-

23) Schrörs, Prof. Dr. Heinr.: Der Krieg u. der Katholizismus.
(41 S.) gr. 8". Kempten, J. Köfel 1915. M. —60

24) Mulert, Priv.-Doz. Lic. Herrn.: Der Waffendienft der evangelifchen
Pfarrer. (36 S.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1915. M. — 50