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Ausgabe:

1915 Nr. 2

Spalte:

511-512

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wohlenberg, G.

Titel/Untertitel:

Der 1. u. 2. Petrusbrief und der Judasbrief, ausgelegt. 1. u. 2. Aufl 1915

Rezensent:

Windisch, Hans

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 24.

Eigenschaft als Kinderlehrer. Diefe Vermutung ift fehr Gefchraubtheit der Wortftellung, die üch indes ergibt, widerlegt m. E.

beachtenswert die(e AuslegUI1g- Ebenfo unmöglich fcheint mir, dniorovoiv 2,7 als

Eu 4. c ü Ml4. raJ«Ä« „„,.„1__i„u_.___j___o „• „_ 1 verbum finitum zu faffen, wie W. will. Rhythmifches Gefühl würde mir

hat (ich mit.feiner grundgelehrten und großzugigen , aucb verbieten h die Worte h TClT/ 6ictli zum folgeil.

Gefchichte des JUdllcnen Gottesdienttes Ohne trage ein zu zichen, doch gebe ich zu, daß man hier gut auch anders empßndeu

bleibendes wiffenfchaftliches Verdienft erworben. Seine j kam. Gleiches gilt von 5,5, wo w. n&vteg äe äWjXoig noch zu ino-

Arbeit wird ficherlich auch auf unfere Erforfchung des 1 ™yrxt zieht, w.s Beziehung des 6>g Xoylt,oiicu 5,12 auf öV öXlywv

Urchriftentums und der Gefchichte des alten chriftlichen [ftaU,au/ 5oC ™roi. «M<P<>v) würde uns von einer großen Verlege,.-

f, .... /, , 1 , , . . , —-» f /s heit befreien, will mir indes gleichwohl nicht einleuchten, da es dann

Gottesdienftes fordernd und anregend einwirken. Er felbft m, E hintcr öl> 6h ftelien m^ßte In der AusieguI1g des n Petr. nnd

hat dazu fchon Fingerzeige gegeben, Vgl. z. B. das S. 277 : des Judas habe ich weniger folche Anftöße gefunden — abgefehen von
Über Beziehungen zu fyrifchen Kirchengefängen gefagte. : den mit der Gefamtbeurteilung der Briefe zufammenhängenden Einzelaus-
Für die bald zu erhoffende Neuauflage möchte ich den j legungen.

Wunfeh ausfprechen, daß die Abkürzungen von Bücher- W. hat reichlich Literatur eingefehen, namentlich

titeln in den gelehrten Anmerkungen etwas verdeutlicht ältere. Von rein wiffenfehaftlichen Büchern vermißte ich

werden. Sie find für nicht Eingeweihte öfters nicht ver- nur De Zwaan, II Petrus en Judas, Textuitgave enz. 1909.

(ländlich. Prinzipiell hat fich W. von der Berückfichtigung popu-

w Qf- 1 lärer Bibelauslegungen entbunden; leider hat er fich da-

Jena- w- btaerk- durch wohl die feinfinnigfte Auslegung des I Petr. ent-

----__---- gehen laffen, die von Gunkel in den Schriften des N. T.,

der Judasbrief, ausgelegt. 1. u. 2. Aufl. (Kommentar
zum Neuen Teil., hrsg. v. Th. Zahn. 15. Bd.) (LV, 334 S.)
gr. 8°. Leipzig, A. Deichert Nachf. 1915.

M. 9.50; geb. M. 11 —

Mit dem vorliegenden Bande greift das Zahnfche
Kommentarwerk nun auch in das Korpus der katholifchen
Briefe ein. Wohlenberg, der bereits das Markusevangelium,
die Theffalonicher- und die Paftoralbriefe bearbeitet hat,
erweift fich auch hier als ein gründlicher Exeget, der
feinen Text mit größter Akribie behandelt. Auch wer
die zuletzt erfchienenen Kommentare zu den Petrus- und
Judasbriefen, die von Knopf und die des Ref., mit denen
W. fich hauptfächlich auseinanderfetzt, kennt, wird aus
dem nunmehr neueften Kommentar viel lernen können.
Freilich hält fich Beurteilung und Auslegung ftreng an
Erlanger Traditionen, gute und minder gute.

Alle drei Briefe find natürlich echt. I Petr. ift etwa
a. 64 gefchrieben, an Heidenchriften; etwaige Bedenken
fchafft die auch von Zahn gebilligte Silvanushypothefe
weg. Petrus gab die Gedanken, Silvanus (nach W. auch

gefunden ift.

Ich hoffe noch einmal Gelegenheit zu haben, um annehmend
und abwehrend W.s Kommentar verwerten zu
können.

Druckfehler: S. XXXI Aum. 29 1. Henoch 13, 7 (ftatt 6) und im
Zitat felbft: 'füdlich' (ftatt nicht'). — S. 102 Z. 10 v. o. 1. 'wilder' (ftatt
'milder'). — S. 198 Z. 1 v. u. 1. 'Origenes'.

Leiden. H. Windifch.

Kirchengefchichtliche Feltgabe, Anton de Waal dargebracht.

Im Auftrage hrsg. v. Priv.-Doz. D. Franz Xaver Seppelt
. (XIV, 488 S.) gr. 8°. Freiburg i. B., Herder
1913. M. 16 —

Zum goldenen Priefterjubiläum (11. Oktbr. 1912) des
als Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom wohlbekannten
päpftlichen Hausprälaten und apoftolifchen Pro-
tonotars Dr. Anton de Waal, deffen prächtiger, an einen
römifchen Cäfaren erinnernder Kopf vor dem Titelblatte
fleht, haben fich fiebzehn katholifche Gelehrte unter Leitung
Verf. des Hebr.) konzipierte den Brief: der Ort der Ab- des Privatdozenten F. X. Seppelt in Bresl au zu einer

fendung ift Babel-Rom; das Argument, daß diefe Glei- Feftfchrift vereinigt. Daß fie der verehrte Jubilar reich-
chung vor 64 kaum denkbar ift, alfo die Echtheit ernft- iich verdient hat, leidet keinen Zweifel; die den gelehrten
lieh gefährdet, hat W. nicht zu entkräften vermocht. , Beiträgen vorangefetzte Adreffe hebt mit Recht de Waals
II Petr. ift vor I Petr. gefchrieben, etwa a. 63, wahr- Verdienfte um die jetzt über 1100 Jahre beftehende Stif-
fcheinhch urfprünglich hebräifch(ll), vermutlich an Chnften ; tung des deutfchen Campo Santo heraus; durch ihn ift
in Galiläa und Umgegend. Der Judasbrief kurz nach 70 hier ejne Pflanzftätte der Gelehrfamkeit und Wiffenfchaft
entftanden, ift von II Petr. abhangig — ein Beweis, ins- | gefchaffen worden, nicht zum wenigften manch feiner
befondere eine Erklärung, warum Judas fich ganz an Faden zwifchen deutfeher Heimat und römifcher Kurie
II Petr., und zwar nur an fein Mittelftuck hielt, wird nicht , angefponnen worden. Und wenn die Feftfchrift im Rah-
gegeben. Gegen die Unechtserklärung foll fich ,ein Sperr- j men der Römifchen Quartalfchrift' erfcheint, fo war auch
fort fehler unüberwindlicher Schwierigkeiten' türmen. das eine fdne Huldigung: 1887 hat de Waal diefe vor-
Wäre dem fo, fo könnte man den Beweifen namentlich 1 treffliche Zeitfchrift ,für chriftliche Altertumskunde und
für die Unechtheit des II Petr. getroft noch immer die Kirchengefchichte' begründet und ihr und ihren Supple-
.Durchfchlagskraft' von 42 cm Granaten zufchreiben; denn | mentheften wirklich ,eine hochgeachtete Stellung in der
W. hat die entfcheidenden Argumente entweder ignoriert , internationalen Gelehrtenwelt errungen'. Für die Arbeits-
(fo den unleugbaren .Hellenismus') oder nur durch un- ! kraft des :etzt 78jährigen (geb. im Mai 1837) legt fein
haltbare Exegefe fcheinbar zum Schweigen gebracht (fo ; neueftes Buch über Benedikt XV. beftes Zeugnis ab.
die Fiktion der .Weisfagung' der Irrlehren). Die Feftfchrift zerfallt in Beiträge zur Gefchichte der

Das Urteil, daß aus dem Buch viel zu lernen fei, Kurialbehörden, zu dem Thema: Deutfche in Rom und an
bezieht fich hauptfachlich auf die ausführliche Auslegung. der Kurie und Varia. Wie das unvermeidlich ift, find
Die Erlanger Neigung zu künftlichen unannehmbaren ; nicht alle Beiträge gleich gut, manche, z. B. der von P. M.
Wortauslegungen und Wortverbindungen betätigt fich Baumgarten ein wenig breit, aber das Ganze präfentiert
freilich auch in diefem Kommentar. Bei der Kürze des nch fenr „ut Fs handelt fich um folgendes:

zur Verfügung flehenden Raums kann ich nur einige
folcher exegetifchen An flöße namhaft machen.

Mit das Unbegreiflichfte begegnet gleich auf den erften Seiten:
Die Profeten, von denen I Petr. i, iof. die Rede ift, will W. auf folche
der urchriftlichen Gemeinde, die Weifungen für die Heidenmiffion erhielten
, beziehen; daß der Wortlaut auch nicht mit Gewalt mit folcher
Auffaffung zu vereinen ift, hat W. nicht gefühlt. Anderes ift weniger
arg, aber doch kaum annehmbar. In i, 19 will(W. die Worte cöc. ttfivov
X%. zu nQOeyviodLiivov ziehen und überfetzen: fintemal zu einem tadel-
lofen und makellofen Lamme Chriftus vorher beftimmt worden war'; die

Göller erzählt von feinem Einderglück in Rom, das ihn im Archiv
der Pönitentiarie die Regiftereintragungen Alexanders V. und Johanns
XXIII entdecken ließ, ja, bis auf wenige Lücken das von Coccinus benutzte
alte Archiv der Pönitentiarie für das 15. und 16. Jahrhundert. G.
gibt eine Überficht über die vorhandenen Regifter von Alexander V. bis
Pius IV. und macht einzelne Mitteilungen aus den Bänden. .Wefentlich
Neues konnte für die Gefchichte der Pönitentiarie, foweit es fich um deren
Organifation und VerfalTung, Kompetenz und Gewalt handelte, nicht gewonnen
werden', hingegen manche Perfonalnotizen. Materialien pro foro
interno liegen vorauslichtlich nicht vor, und fo dürften der Erfchließung