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Ausgabe:

1915 Nr. 1

Spalte:

5-6

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gärtner, Eugen

Titel/Untertitel:

Komposition u. Wortwahl des Buches der Weisheit 1915

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 1.

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tiques 1907). Leider hat M. diefe Publikation abfichtlich
ignoriert, zum Schaden des Lefers und zu feinem eigenen
Schaden. Pognon, der die Originale ftudieren konnte, war
im Vorteil, da fich M. mit Photographien, Abklatschen
oder gar Zeichnungen begnügen mußte. In allen zweifelhaften
Fällen wird man die Lefungen Pognons bevorzugen
, wenngleich M. Einzelnes verbeffert hat.

Nr. I enthält nur die beiden Worte ,König Euphrath'; wertvoll ift
die beigegebene Photographie des Mofaikbild.es von Mas udije, das den
Flußgott Euphrath darfteilt. — Nr. 2 Bau- und Grabinfchrift des Ma'nu
am Turm von Serrtu (= Pognon Nr. 2). Wertvoll ift die vergrößerte
Wiedergabe der Photographie, die eine felbftändige Nachprüfung ermöglicht
. Z. 6 hat Pognon recht, wenn er lieft: ,wer (aber) kommt und dies
Werk zerftört'. Was M. lieft, gibt keinen Sinn und ift überdies falfch
überfetzt; dann chabbel heißt nicht ,zugrunde gehen', fondern ,zu gründe
richten'. In Z. 7 fchlage ich ftatt der unmöglichen Lefungen von Pognon
und Moritz vor: ,und (wer) diefe Gebeine . .'. . (fchändet), Glück foll
ihm nicht zu teil werden'. Ich lefe kuäara; der horizontale Strich vom
rechten Balken des fchin ift noch deutlich erkennbar. Zur Sache vgl.
Pognon Nr. 44 Z. 5 : ,wer meine Gebeine aufrührt, Freude foll ihm nicht
zu teil werden'. Z. 8 hat wieder Pognon beffer entziffert: ,noch Söhne,
die Staub werfen auf feine Augen'. Allerdings, ob ,auf feine Augen'
richtig ift, kann man bezweifeln; da ein Buchftabe weggebrochen und
der erfte befchädigt zu fein fcheint, vermute ich ginaui ,auf feine
Toten'. Zur Sitte des Staubftreuens vgl. Payne Smith (Zitate bei den
betreffenden Wörtern) und Quint. Smyrn. 2, 647 ff. — Nr. 3 Grabinfchrift
von LTfa (= Pognon Nr. 36—39). In 3, 3 Z. I hat M. einen Druckfehler
, in Z. 5 war, wie es fcheint, die ihm vorliegende Kopie falfch;
dann daß nicht ,die frcigelaffene Frau', fondern die ,Erben' gemeint find,
lehren 3, 1 und die Iufchrift auf S. 174 (vorletzte Zeile). Die Bemers
kung auf S. 168 ,Über die Zeit der Infchrift läßt fich kaum etwas fagen'
verftehe ich nicht, da die Infchrift nach feiner eigenen Angabe auf S. 167
aus dem Jahre ,513 Sei. = 212 p. Chr.' flammt. Leider ift auch dies
falfch; es follte ,202 (refp. 201) p. Chr.' heißen. Dies alles ift bei Pognon
richtig zu finden. Dagegen wird man M. beiftimmen, wenn er den Namen
der Frau ,Gallai' lieft (Pognon ,Ganal'). — Nr. 9 Mofaikinfchrift aus
Urfa (fchon von Chabot, dann von Pognon S. 81 ff. Anm. veröffentlicht);
wertvoll ift die gute Reproduktion der Photographie. — Die Infchriften
NT. 4—8 haben kein befonderes Intereffe. Dasfelbe gilt von den 5 hebrä-
ifchen Infchriften (aus dem 14. Jahrh. oder noch jÜDger), die Euting bearbeitet
hat.

Berlin-Weftend. Hugo Greßmann.

Gärtner, Eugen: Kompofition u. Wortwahl des Buches der
Weisheit. (Schriften der Lehranftalt f. die Wiff. des
Judentums, Bd. II, Heft 2—4.) (VIII, 231 S.) gr. 8°.
Berlin, Mayer & Müller 1912. M. 4.50

Ältere Kritiker wie Houbigant, Eichhorn und
Bretfchneider haben das apokryphe Buch ,die Weisheit
Salomonis' für ein zufammengefetztes Werk »ehalten

während die jüngeren Gfrörer 1835 und Grimiri 1860 ! Plagen- Es ift das ÄBC, durch das Ifrael den Heiden

Anhänger gefunden in der oben zitierten Bearbeitung der
Sap. Salom. von Holmes und mehr noch in der gründlichen
, wenn auch ermüdend umftändlichen Studie von
Gärtner.

In der Hauptfache kann ich Gärtner zuftimmen.
Denn 1. Kap. 1—5 ift ein in fich gefchloffenes Ganzes.

I, 1 nennt die Adreffe. 1,15 ift das Thema: Gerechtigkeit
führt zur Unfterblichkeit, Üngerechtigkeit aber zum Tode.
Diefes Thema wird an dem Ergehen der Gottlofen und
der Frommen nachgewiefen. Ob die Verfe 1, 4—6a. 3,9.
3,11—4,i9auszufchalten feien, wofür mancherlei zu fprechen
fcheint, halte ich nicht für fo wichtig, als die Einficht,
daß Kap. 1—5 keiner Ergänzung durch Kap. 6 ff bedarf.
2. Mit Kap. 6 fetzt etwas Neues ein. 6, if. ift die
Adreffe, 6, 22—25 ift das Thema: die Verkündigung des
Wertes, Urfprunges und Wirkens der Weisheit. Der
Redende ift hier Salomo 7,1 ff, der an feinem Beifpiel zugleich
zeigt, wie man fich die Weisheit zu eigen machen
kann. Wegen 6,22 ff. und 7,1 ff. hat das ganze Buch ja
den Titel aocpla ^aXmpimvoq erhalten. Der zweite Teil
reicht bis 11, 1. Von 10, 1 an wird bis 11,1 das Wirken
der Weisheit von der Schöpfung an gefchildert. Die Zugehörigkeit
von 10, 1 —11, 1 zu Kap. 6—9 ift durch 6,22
gefichert, wo Pfeudo-Salomo erklärt, er wolle, von Anfang
der Schöpfung, der Weisheit nachfpüren: aXXa cut ap^^c
ysviaemq i£,ixviäoa>. In Kap. 10, I—11, 1 reicht die Ge-
fchichte der Weisheit bis zur Rettung Israels im Roten
Meer. Damit bricht der 2. Teil ab. Gewöhnlich wird nun
in Kap. 11. 12 und 16—19 (nach Ausfcheidung der Kap.
13—15) die Fortfetzung zu dem in Kap. 10 beginnenden
Nachweis von der Wirkfamkeit der Gofpia gefehen. Aber
mit Unrecht 1 11, 2 — Kap. 12 Ende hat zwar bei Siegfried
die Überfchrift: ,Die weisheitsvolle Führung Ifraels
durch die Wüfte bis zum Einzüge in das heilige Land
im Gegenfatze zu dem Schickfal der von der Weisheit
verlaffenen Ägypter' — aber von der Weisheit ift von

II, 2 an nicht die Rede. Das Wort Goqoia kommt von
II, 2 an nicht mehr vor! (14, 2, 5 kommt öo<pla nicht
in Anfchlag, da Kap. 13—15 eine Einlage.) Kap. 10,1—II, I
ift aber gerade dem Nachweis gewidmet, wie die Helden
von Adam bis Mofe unter dem Einfluß der ootpia ftanden.
Diefen Unterfchied zwifchen Kap. 10 und 11. 12 und
16—19 haben Siegfried, Schürer, Bertholet und
Steuernagel einfach überfehen! Die Kapitel 11. 12.
16—19 find ein Midrafch zu dem fo unendlich gern behandelten
Thema: der Wüftenzug und die ägyptifchen

für die Einheitlichkeit des Ganzen eintraten (vgl. Holmes
in The Apocrypha and Pseudepigrapha of The O. T.,
1913. S. 521). Unter dem Einfluß der Letzteren flehen
noch immer im Allgemeinen die neueren und neueften
Forfcher z. B. Siegfried (bei Kautzfeh, Die Apokryphen
I icyjo, 476ff) und Schürer, Gefchichte des
jüdifchen Volkes III4 1909, 505 — 512. Von Schürer find
abhängig Bertholet (in Budde's Gefchichte der Ält-
hebräifchen Literatur 19092 S. 4ioff) und Steuernagel
in feiner Einleitung in das AT 1912 § 175. Nur die
Kapitel 13—15: eine Abhandlung über den Götzendienft,
werden von Siegfried, Schürer, Bertholet und Steuernagel
als ein Exkurs oder eine Einfchaltung angefehen.1

1904 verfuchte W. Weber in der Zeitfchrift für
wiffenfehaftliche Theologie S. 145 — 169 eine neue Zerlegung
des Buches, indem er Kap. 1—5 den efchato-
• t k i. Teil unterfchied von dem eigentlichen Weis-
neitsbuche 6— io. Die Kap. 11—19, von denen fich wieder
die eben genannten Kapitel über den Götzendienft ab-
r-t-! n ein Ganzes für fich. Während Heinifch,
Gnechifche Philofophie im Buche der Weisheit 1908 und
Leidmann, Zur Einheit des Buches der Weisheit, Bibl.
Zeitlchr. 1909, 140—150 Weber bekämpfen, hat er einen

') Bouffet, Religion des Judentums 1906 fcheint S. 34f, 212 und
301 zu Ich wanken, ob das Buch einheitlich oder zufammengefetzt ift.

beweift, daß es auch in der größten Not von feinem Gott
nicht verlaffen werde und fchließlich — wie einft über
die Ägypter — über alle Feinde triumphieren muß! Der
Untergang der Ägypter ift das Paradebeifpiel. Er bildet
u. a. auch bekanntlich den Hauptftoff der Pafchahaggada.
Wenn auch nicht eigens für das jüdifche Ofterfeft zu-
fammengeftellt, verdanken die Kapitel W. Sah II. 12.
16—19 ihren Urfprung dem Zweck, Ifrael und feine Religion
gegenüber dem Pleidentum zu verherrlichen.

Mit dem Nachweis der Selbftändigkeit der 4 Stücke
1) 1 — 5. 2) 6—10. 3) 11. 12. 16—19. 4) 13—15 wollen
wir uns begnügen. Ob es möglich ift, daß fie einen Ver-
faffer haben, oder daß er aus ihnen ein opus zufammen-
ftellte, wollen wir hier auf fich beruhen laffen. Einem
modernen Philofophen traut man ja viel zu — einem
antiken gewiß noch mehr: denn ein Philofoph foll ja der
Autor von Sapientia Salomonis feinl

Auf S. 107—229 hat Gärtner in dankenswerter Weife
den Wortfehatz von Sap. Sah alphabetifch vorgeführt und
dabei das Vorkommen eines Wortes allein in Sap. Sah,
oder nur in den Apokryphen, das Verhältnis zum NT
ufw. berückfichtigt.

Heidelberg. Beer.