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Ausgabe:

1915 Nr. 23

Spalte:

486-489

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marti, Karl (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Studien zur semitischen Philologie und Religionsgeschichte. Julius Wellhausen zum 70. Geburtstag am 17.5.1914 gewidmet von Freunden und Schülern 1915

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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485 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 23. 486

das Lebenskraut und damit das ewige Leben gewinnen läßt; den Studien zur femitifchen Philologie u. Reliyionsgefchichte. Julius

Stier hat er vielleicht mit Lift bezwungen, indem erihnmitdem Wellhaufen zum 70 Geburtst ur im 17 C im 1 oe

Lebenswaffer anlockt (S. 115). Der Verfaffer bleibt ftch des Hy- wetinauien zum /0. ueour stag am 17. 5. 1914 ge-

pothetifchen durchaus bewußt und befchränkt ßch auf kurze Be- widmet v. Freunden u. Schülern u. in ihrem Auftrag

merkungen, mit denen es jeder halten kann, wie er will. Wer hrsg. v. Karl Marti. (Zeitfchrift f. die altteft. Wiff.

Phantaße beßtzt, wird die Bilder leicht anders interpretieren und 27. Beiheft.) (XI, 388 S. m. I Bildnis.) Gießen A Töpel-
das Epos demgemäß umdichten können. Immerhin darf man

auf Folgendes hinweifen: 1. Nach dem von Prinz beibebrachten

mann 1914. M. i!

Material ergibt ßch als Tatfache: In der älteften Zeit ift ,Gilga- j Der vom Verleger fehr fchön ausgeftattete Band enthält
mefch' ausfchließlich Gott oder Göttertrabant — zumal wenn ; — außer den Geleitworten des Herausgebers (S. V—VII),
man die Bilder von dem göttlichen Fifchmeifter mit heranzieht, j dem von Alfred Rahlfs forgfaltig zufammengeftellten
die bis in die archaifche Periode (um 3000) zurückreichen — j Verzeichnis der Schriften des Jubilares (351—368) und
fpäter (feit etwa 2000) gilt er daneben als König von Uruk. Da- i ausführlichen Regiftern (S. 369-88) — 21 wiffenfehaft-
raus könnte man bedeutfame religionsgefchichtliche Konfequenzen , liche Abhandlungen. Ich werde mich darauf befchränken
ziehen, die freilich das gerade Gegenteil von dem lehren wurden, j den Inhalt diefer Beiträge der Reihe nach kurz zu fkizzieren
w« Prinz behauptet. Er formuliert zwar niemals das Axiom, j d der Kritik nur bef Fragen von größerer Wichtigkeit
fcheint es aber zu teilen, daß die Sagenfiguren niemals degra- 1 T, , , , • j 1. • t„ öc-^

diene Götter oder mythologifche Geftalten ßnd. Dies Prinzip j "aum, S^hfoder da, wo mir durch eigene frühere Stu-
ift zwar als Reaktion gegen die früher herrfchenden Theorien, ( dien der bto 1 belonders vertraut llt

nach der alle Sagenfiguren verblaßte Götter waren, begreiflich, I Karl Albrecht ediert ,die fünfte Pforte aus Mofe
dennoch aber einteilig übertrieben. Indeffen 2. wenn nun diefer »bn Ezras Buch der 'legnis'. Georg Beer, ,Zur Zukunfts-
,Gilgamefch' gar nicht Gilgamefch ift? Hat nicht Prinz fleh | erwartung Jefaias', führt den überzeugenden Nachweis,
felbft widerlegt, wenn er, um die Identität des .Gilgamefch' mit j daß die fogenannten ,Anti-Affur-Stücke' auf fpäterer Über-
Gilgamefch durchführen zu können, das Gilgamefchepos erft arbeitung beruhen. Alfred Bertholet, ,Textkritifche
umdichten muß? Der einzige Punkt, in dem ,Gilgamefch' und j Bemerkungen zu Deuterojefaia', legt eine große Reihe fehr
Gilgamefch wirklich übereinftimmen, ift der Kampf gegen die , anfprechender Verbefferungen vor. A. A. Bevan, ,Mu-

wilden Tiere. In allen übrigen Dingen aber weichen fie ab, zu-
nächft in der Tracht: .Gilgamefch' ift nackt, Gilgamefch dagegen
bekleidet; fodann in den Funktionen: .Gilgamefch' ift göttlicher

hammads Ascension to Heaven', gibt eine Analyfe der
verfchiedenen Traditionen über die Himmelfahrt des
Propheten und fetzt ihr gegenfeitiges Verhältnis ausein-

Fifchmeifter Waffenträger, Vafenhalter und Fußfchemel alfo ant£r R Budde, ,Zur Gefchichte des Buches Arnos',
"wl tg^^Zd >^ '2 ! weift überzeugend nach, daß der hiftorifche Abfchnitt

ganzen Wefen: .Gilgamefch' ift unfterblicher Halbgott, der das
ewige Leben befitzt, Gilgamefch dagegen fterblicher Menfch, der
fich vergeblich bemüht, das ewige Leben zu gewinnen. So mag
man Tagen: Die beiden Geftalten berühren fich zwar, aber fie
decken fich nicht. Es ift möglich, aber nicht nachzuweifen, daß
die Bilder Illuftrationen einer älteren, uns unbekannten Gilgamefch-
fage find. Umgekehrt kann man einzelne Figuren des uns überlieferten
Gilgamefchepos, wie Engidu und den Himmelsftier,
zwar nicht mit diefen Darftellungen identifizieren, aber fie doch
darauf zurückführen. Das habe ich bereits in meiner Interpretation
des Epos getan und freue mich, jetzt bei Prinz von ganz

Kap. 7, 10—17 fragmentarifch und nicht an urfprünglicher
Stelle fleht. Genaueres über die ältelte Anordnung ifl
mit unferen gegenwärtigen Hilfsmitteln m. E. nicht mehr
feftzuftellen PTants Buhl verfucht als eigentliche Bedeutung
von hebr. yb nicht .fpotten', fondern .übermütig
, frech fein' zu erweifen. Meines Erachtens bleibt
alle Mühe vergeblich, fo lange die Etymologie nicht aufgeklärt
ift. Ein Zufammenhang mit fyr. yba .bedrängen'
ift ausgefchloffen. Aus Pefchittha und Targum geht nur
hervor, daß diefe Überfetzungen z. B. Jef. 43, 27 für y^bft

anderen Gefichtspunkten aus die Beftätigung dafür zu finden; er , entweder -vB = ru^B „eiefen oder es fo verftai den
felbft ift freilich zu anderen Refultaten gekommen. | ~ "FweaeI. .7 ~ 'V" UrW , j u r u • r . r

.Gilgamefch' ift demnach nicht der König von Uruk, fondern j habfn- *™ p5* .Dolmetfcher', das wahrfchemheh Fremdein
Götterdiener; diefe Bezeichnung erfchöpft fein Wefen und wort ift darf man fich nicht auf das Phoniz.fche berufen,
umfaßt alle feine Funktionen. Von hier aus läßt fich auch die j wo diefe Bedeutung auf Grund des hebraifchen Wörter-
Beziehung zum Lebenswaffer erklären, ohne daß man der Gil- I buchs geraten und nirgends durch den Kontext einer
gamefchfage bedürfte. Urfprünglich ift es vielleicht ein be- j Infchrift gefiebert ift. C. I. Burney will den Weg de.
ftimmter Gott gewefen, der das Leben fpendet und für den darum
als Rangzeichen das Waffergefäß gefchaffen ift; aber in
den uns vorliegenden Texten und Bildern eignet das Lebenswaffer
fchon vielen großen Gottheiten (Prinz S. 137 ff.). Das ift die erfte

vor Gideon flüchtenden Midianiter genauer feftlegen. C.
H. Cornills kritifche Beiträge ,zum Segen Jakobs und
zum jahwiftifchen Dekalog' find reich an guten Beobachtungen
, leider nehmen die Auseinanderfetzungen mit

(oder zweite) Stufe: Der Gott hält felbft das Waffergefäß. Auf , Sellin und anderen feiner Eachgenoffen einen allzu breiten
der nächften Stufe wird dem Gott ein Diener beigegeben, der ; Raum ein H r Elhorft, ,Die israelitifchen Trauerriten'
,Gilgamefch', der unter, vor oder hinter ihm kniet oder fteht und

das Waffergefäß in der Hand hat. Auf der letzten Stufe fehlt
der Gott; der Diener ift felbftändig geworden oder vertritt feinen
Herrn. Es ift übrigens von Intereffe, wie gerade diefe Gottheiten
fpäter fogar in der außerbabylonifchen Literatur nachgewirkt
haben. Schon Prinz (S. 137 Anm. 8) hat im Anfchluß an Eichhorn
auf Joh. 7, 38 hingewiefen; das Bild von den .Strömen
lebendigen Waffers, die aus dem Leib des Gläubigen fließen' geht
auf genau entfprechende babylonifche Darftellungen zurück.
Ferner ift zu erinnern an den 24. Sterngott im .heiligen Buch
des Hermes an Asklepios' (Ruelle S. 264 v. 151), eine Stelle, die
Boll (Aus der Offenbarung S. 52) ans Licht gezogen hat; ,er hat
die Geftalt eines Menrchen, der an einer Quelle mit zwei fich
wieder vereinigenden Strömen fteht, mit dicht gefchloffenen Fußen,
gegürtet von der Bruft bis zu den Knöcheln, im Barte Locken, in der
rechten Hand ein Waffergefäß'. Typifch für.Gilgamefch'ift nichtnur
das Waffergefäß, fondern auch die Locken (Prinz S. 105). Der babylonifche
,Gilgamefch' ift allerdings völlig nackt, aber wir kennen
einen affyrifchen mit gegürtetem Ärmelchiton (Prinz S. 117=Taf.XV,
2). Hierher gehört auch Ode Sal. 28,13, wie ja diefe Lieder überhaupt
das Motiv vom Waffer des Lebens unendlich oft variieren:
Ich aber hielt das Waffer in meiner Rechten,
darum trug ich ihre Bosheit mit meiner Sanftmut.

übt fcharffinnige Kritik an den feitherigen Theorien, ich
kann ihm aber fall: nur in der Negative beiftimmen.
Namentlich, was er über die Bedeutung der unterirdifchen
Götter und Dämonen für das Problem andeutet, ift mir
fraglich. Wilhelm Frankenbergs Aufiätz über die
.Determination im Semitifchen' fteht ganz auf dem Boden
feiner im Jahre 1913 erfchienenen Abhandlung ,der Organismus
der femitifchen Wortbildung', die ich in diefer
Zeitfchrift, Jahrg. 1914 S. 420f. befprochen habe. Auguft
von Gall unterfucht mit großer Gründlichkeit die reli-
gionsgefchichtlich nicht unwichtige Frage nach der
.Herkunft der Bezeichnung Jahwes als König'. Von der
Beobachtung aus, daß nicht nur die exilifchen und nach-
exilifchen, fondern auch die älteften vorexilifchen Stellen
(Jef. 6,5. Jer. 8,19) das Königtum Jahves an den Zion
knüpfen, kommt er zu dem Ergebnis, ,daß Jahve König
heiße nicht etwa als der König von Israel oder Juda,
fondern als der König vom Zion, der feine Refidenz ift'.
Man kann die Richtigkeit der Beobachtung zugeben,
ohne dem daraus gezogenen Schluffe zuftimmen zu müffen.
Bei der großen Wichtigkeit die der Zion nicht allein für

Zehlendorf bei Berlin. Hugo Greßmann. die fog. meffianifchen Weisfagungen, fondern fchon in