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Ausgabe:

1915

Spalte:

451-452

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Walther, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Das Ichbewußtsein Jesu gegenüber dem Menschengeschlecht 1915

Rezensent:

Wendland, Johannes

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 20/21.

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eingeteilte Darftellung der Normen, die für den Religionsunterricht
, genauer für die Katechefe, alfo die Methode
von Frage und Antwort, zu gelten haben. Frei von irgend
einer ,Schule' gibt S., was ihn die eigene Erfahrung und
das Studium der theologifchen und pfychologifchen
Grundwiffenfchaften gelehrt haben. Im Rahmen folcher
theologifcher und pfychologifcher Erkenntniffe, wie fie
dem gegenwärtigen Stand der Dinge entfprechen, gibt
er feine Anleitung, mit den verfchiedenen Stoffen gemäß
der ihnen angemeffenen Methode zu arbeiten. Neu find
einige Stücke, die über die alte Katechefe hinauszufüh-
fen beftimmt find; fo die Empfehlung des Gefprächs, das

unglaubwürdig halten, ,bis das Gegenteil unzweifelhaft bewiefen
ift.' — Dagegen möchte ich in diefer ernften Zeit unterlaffen, mit
W. darüber zu (Feiten, ob wirklich das Widerftreben des natürlichen
Menfchen gegen das Chriftentum und das naturaliftifche
Dogma, nach dem es nichts als naturgefetzliche Vorgänge gibt,
dazu führt, Jefus reftlos in die Menfchheit einzuordnen.
Bafel. Johannes Wendland.

Peake, Arthur S., M. A., DD.: The Bible, its Origin, its Significance
and its abiding Worth. Second Edition. (XXXVI, 517 S.) 8".
London, Hodder & Stoughton 1913. s. 6 —

Diefes Buch wendet fich an diejenigen Kreife in England,
die noch an der Infpirationstheorie feilhalten zu müffen glauben,

fogar bis zur Schülerfrage vorfchreiten foll; ferner die *nde.r1f f«ts aber durch die moderne Bibel™ beunruhigt find

Schätzung des Gefamteindrucks einer Erzählung, der >hnen ze.gen, daß die B.belknt.k unbedingt notig .ft und
durch die lehrmäßige Behandlung ihrer einzelnen Teile
gefährdet werden kann; ferner einige draftifche Über-

fchriften, die etwa einem Pfalm (z. B. Pf. 90: Gedanken
eines einfamen alten Mannes am Totenbett feines Weibes)
oder einer Epiftelftelle (Die frommen Tagediebe von
Theffalonich) einen ftärkeren Reiz für die Aufmerkfamkeit
geben, als es die alte blaffe Katechefe hat tun können.
Außerdem find einige Entwürfe für Katechefen hinzugefügt
und, der Zeitmode entfprechend, möglichft viele
Fremdwörter getilgt. Endlich ift manches Zitat und

keineswegs den großen Wert der Bibel beeinträchtigt. Sein Buch
atmet freien, echt wiffenfchaftlichen Geift und ift daher fehr geeignet
, denen, für die es beftimmt ift, zu helfen. Wiffenfchaftlich
Neues bringt es nicht. P. lieht in enger Fühlung mit der deut-
fchen Theologie. Er macht feine Lefer z. B. mit Wellhaufen,
Kittel, Winckler, Gunkel, auf neuteltamentlichem Gebiet mit
Deißmann, Pfleiderer, Heitmüller, Wrede, Schmiedel ufw. bekannt.
Man gewinnt aus dem Buche einen deutlichen Eindruck davon,
wie bahnbrechend die Bibelkritik Deutfchlands für den Fortfehritt
der englifchen Bibelwiffenfchaft ift.
Gotha. Fie big.

Referate.

Vernes, Dir. et Pres. Maurice: Les Emprunts de la Bible hebraique
au Greo et au Latin. (IV, 256 S.) gr. 8». Paris, E. Leroux
1914. fr. 7.50

Muß-Arnold, Lewy ufw. haben den femitifchen Urfprung
einer Reihe griechifcher Wurzeln nachzuweifen verfucht; Samuel
Krauss' treffliche ,Lehnwörter' verzeichnen hinwiederum zahlreiche
Anleihen des Neuhebräifchen aus dem Griechifchen, La-
teinifchen ufw. Beide Umltände haben im Haupte des biederen
franzöfifchen Studiendirektors den fchnurrigen Plan erzeugt, nachzuweifen
, daß auch das Biblifch-Hebräifche fich nicht weniger
als 364 Wörter bei den beiden altklaffifchen Sprachen ausgeborgt
habe. Ein Beifpiel genügt vollkommen, um den Wert des unfreiwilligen
Witzbuches zu kennzeichnen: amn kommt nach Herrn

manches Beifpiel weggelaffen, das dem auf fchwäbifche j Trzeciak, Prof. Dr. Stanislaus: Quaestio alcoholica apud Judaeos
Verhältniffe berechneten Grundzug der erften Auflage temporibus Domini Nostri Jesu Christi. Etitio (!) secunda. (51 S)
entfprochen hatte. So hat das treffliche Buch nur an all- gr. 8°. St. Petersburg, Katholische Buchhandlung 1913.
gemeiner Brauchbarkeit gewonnen, wennfehon man neu- Die unter dem obigen Titel veröffentlichte Abhandlung von

gierig fein kann, welchen Einfluß die oben genannten Trzeciak ift eine nicht üble, obgleich teilweife unvollftändige
neuen Lappen auf das alte Kleid fernerhin ausüben 1 Materialienfammlung von Stimmen zu Gunften und zu Unguntten
werden j °-es Weines aus Bibel, Talmud, Philo, Jofephus und antiken

. klaffifchen Autoren. Aus dem A. Teil, fehlen u. a. die Stellen
Heidelberg. Niebergall. Genef. 43, 34. 49, 11 ff., Rieht. 9, 13. Wie (tark kontrattiert die

Weinfeindlichkeit Philos zu der Weinfreundlichkeit der Rabbinen.
Aus der Tatfache, daß in Ifrael zur Zeit der Propheten und des
N. Teft. viel Wein getrunken und bittre Klage über die Verrohung
des Volkes durch den Alkohol erhoben wurde, kommt T. S. 49
zu dem Schluß: est ergo ebrietas infensissimus hostis mortalium.
Propterea ... praeeipitur vino uti cum timore Dei atque cum
prudentia. Non vinum in se, sed abusus vini malus est et ad malum
ducit. Einzelnen Perfonen und ganzen Völkern möchte T. S. 51
den Rat geben, fich lieber ganz des Weingenuffes zu enthalten.
Wie merkwürdig, eine folche geiftliche Stimme aus Rußland,
dem Lande des klaffifchen Fufels!
Heidelberg. Beer.

Theobald, Dr. Leonhard: Die Einführung der Reformation in der
Graffchaft Ortenburg. 1. Tl. (Beiträge zur Kulturgefchichte
des Mittelalters u. der Renaiffance. Heft 17.) (III, 136 S.)
gr. 8«. Leipzig, B. G. Teubner 1914. M. 4.80

V. vom griechifchen Xoyi^ac; ).o- und -« werden als unerheb- *L" f „t ?' ^uü' c ., . . m- ™u

,. , „6, , j v p n. y -n m Dle konfeffionellen Schickfale der k einen, unweit Paffau

lieh geftnehen, und von dem Konfonantenrefte y-q-ft ift y=n, . , „ „ , „ . . „. , * ' ' .

' 6^'"'»- ' " " _ . . 75 ' fudheh der Donau gelegenen Reichsgraffchaft Ortenburg bean-

£ = il u = a. Quod erat demonftrandum! r_____. , , °. „° , , . . . .f.. , ,„„,.,

s 7' " x Erich Bifchoff ipruchen mehr a s b oß oka gefchichthches Intereffe, wei evan-

gelifcherfeits der Kampf um*die Behauptung des Proteftantismus

Walther, Prof. D. Wilh.: Das Ichbewußtfein Jehl gegenüber dem in ihr als eine Teilerfcheinung des Widerstandes gegen die katho-
Menfohengerchlecht. Ein Beitrag zur Chriftologie. (37 S.) j lifierende Reaktionspolitik des bayrifchen Herzogs Albrecht ange-
gr. 8°. Leipzig, Dörffling & Franke 1914. M. —60 j fehen wurde. Darum find auch räumlich abliegende evangelifche

Walther wirft die Frage auf: Hat Jefus die Grenzen des 1 Reichsfürften (fo Pfalzgraf Wolfgang von Pfalz-Neuburg, Kurfürft
Menfchlichen überfchritten? Genauer: Hat Jefus fich nur in I Auguft von Sachfen und Landgraf Philipp von Helfen) für das
die Menfchheit eingerechnet oder hat er fich doch zugleich J reichsrechtlich unanfechtbare ius reformandi des Ortenburger
der ganzen Menfchheit gegenübergeftellt, ja über alle Menfchen j Grafen Joachim energifch eingetreten. Diefer führte, nachdem

die Verhandlungen der evangelifchen bayrifchen Landftände mit
Herzog Albrecht auf dem Landtage in Ingolftadt 1563 mit einem
Mißklange geendigt hatten, unverzagt noch im felben Jahre die
Reformation in feinem Territorium ein, konnte aber die gewalt-
fame Vertreibung der nach Ortenburg berufenen beiden evangelifchen
Prädikanten Coeleftin und Karrer, ja fogar die vorübergehende
Einziehung feiner bayrifchen Güter durch Albrecht nicht
hindern. Auch die Intervention Kaifer Maximilians IL zu Gunften
Joachims vermochte Albrecht nicht zur Zurücknahme diefer Maßregeln
zu beftimmen. Erft die energifche Haltung der evangelifchen
Stände auf dem Reichstag zu Augsburg (April 1566) und
eine vermittelnde Aktion des Kurfürften Auguft von Sachfen
veranlaßten den bayrifchen Herzog zur Nachgiebigkeit: am 10. Mai
1566 willigte er — gegen eine von Joachim zu leidende Abbitte
— in die Rückgabe der dem Ortenburger Grafen gehörigen bayrifchen
Landgüter und in die Einführung der Reformation in der

gedellt? — W. weid darauf hin, daß fich Jefus in religiöfer Beziehung
niemals durch ein ,Wir' mit den andern Menfchen zu-
fammenfchließt. Er dellt fich vielmehr ihnen als der Reine, als
der Retter und als der Richter gegenüber. W. glaubt keinen
wefentlichen Unterfchied zwifchen den Synoptikern und dem
Joh.-Ev. fedzudellen zu dürfen, und doch faßt nur das Joh.-Ev.
Jefus in einem /Wir' mit Gott zufammen (17,21 f. und 14,23). Dagegen
überfieht W. die Stelle Mc. 9,40, in der Jefus von dem
/Ich' zu einem ,Wir' übergeht und fich religiös mit den Jüngern
zufammenfchließt. Das Vater-Unfer hat Jefus nach W. nicht felbd
gebetet fondern nur feinen Jüngern zu beten vorgefchrieben. Daß
die fpätere Gemeinde-Tradition Worte Jefu umgeftaltet habe, be-
ftreitet W. Er polemifiert aber (S. 22) nur gegen die Möglichkeit
einer bewußten Umgeftaltung, ohne die Möglichkeit einer unwillkürlichen
Verfchiebung ins Auge zu faffen. Sein hermeneutifcher
Kanon ift: man dürfe einen urchriftlichen Schriftfteller nicht für