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Ausgabe:

1915

Spalte:

1-4

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Söderblom, Nathan

Titel/Untertitel:

Gudstrons uppkomst. Studier 1915

Rezensent:

Otto, Rudolf

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

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Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

, _ Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan .-. T in. r

■40. Jahrg. Ir. 1 Profeffor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fcnden. y. dBnUcVT iyiO

^ Rezenfionsexemnlare ausfchließlirh an den Verlnir

An unfere Freunde und Lefer.
Söderblom, Gudstrons uppkomst (Otto).
Infchriften aus Syrien, Mefopotamien und Klein-

afien II (Greßmann).
Gärtner, Kompofition u. Wortwahl des Buches

der Weisheit (Beer).
Headlam, St. Paul and Christianity (W. Bauer).
Westcott, St. Paul and Justification (W.Bauer).
Müntz, Rome, St. Paul and the early Church

(Derf.).

Edmundson, The Church in Rome in the first

Century (Derf.).
Brückner, Die Wahrheit über die Slavenapoflel

(Snopek).

Stieglitz, Die Staatstheorie des Marfilius von
Padua (Sander).

Reyburn, John Calvin (Lobftein).

Weinel, Johann Gottlieb Fichte (Hirfch).

Liepe, Das Religionsproblem im neueren Drama
von Leffing bis zur Romantik (Petfch).

Wobbermin, Zum Streit um die Religions-
pfychologie (Heinzelmann).

H e n f e 1, Hauptprobleme der Ethik (E. W. Mayer).

Endriß, Zwanzig Reden (Schian).

Thrändorf, Allgemeine Methodik des Religionsunterrichtes
(Kabifch).

Richter, Das Erziehungswefen am Hofe der
Wettiuer Albertinifchen (Haupt-)Linie (Knoke).

Referate: Okakura-Yoshisaburo, Life and
Thought of Japan. — König, Die Gefchicht-
fchreibung im Alten Teftament. — Knopf,
Probleme der Paulusforfchung. — Ranke,
Bilder aus der Gefchichte des Papfttums. —
Monumenta reformationis Polonicae et Li-
thuanicae. — Immanuel Kant. Sein Leben
in Darftellungen von Zeitgenoffen. — Fichte,
Die Anweifung zum feligrn Leben. — Gra-
cian's, Hand-Orakel u. Kunft der Weltklugheit
. — Röfener, Glaube u. Tat. — Religion
und Bildung.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

An unfere Freunde und Lefer.

In dem heißen Ringen um Beftand und Größe unferes
Volkes muß notwendig alles, auch die wiffenfchaftliche
Arbeit, in die zweite Linie treten. Mehr als andre Blätter
leidet unter dem Kriege die ,Theologifche Literaturzeitung',
da fie eine beträchtliche Zahl ihrer Bezieher im Auslande
hat, befonders auch in den mit dem Deutfchen
Reiche im Kriege flehenden Staaten. Was in unfern
Kräften fleht, wird gefchehen, um auch in diefer fchweren
Zeit das Blatt auf der bisherigen Höhe zu halten, und
fo werden wenigftens die nächften Nummern verfuchs-
weife wieder vierzehntägig im Umfang von anderthalb
Bogen erfcheinen. Aber wir bitten dringend diejenigen
unferer Lefer in Deutfchland und Öfterreich wie im Auslande
, denen unfer Blatt wertvoll geworden ifl, uns auch
gegenwärtig treu zu bleiben, ja, wo es bisher nicht gefchehen
ifl, uns gerade im Jahre 1915 durch Bezug des
Blattes zu unterflützen. Redaktion und Verlag

Söderblom, Nathan: Gudstrons uppkomst. Studier. (XV,
400 S.) 8». Stockholm, H. Geber (1914). Kr. 8 —

Die primitiven Anfänge, an die fich eine Gottesvor-
ftellung im eigentlichen Sinne anknüpft, füllen aufgefpürt
werden. Die ,gängigen Theorien' darüber follen berichtigt
werden, infonderheit der Animismus. Der Weg der
Entwicklung ift hier nicht fo geradlinig und einfach ge-
wefen, von .Seelen und Geiftern' her, wie man gemeinhin
Annimmt. Es gibt mehrere Wege. Sie kreuzen fich,
laufen zufammen und trennen fich wieder. — Drei Hauptausgange
werden aufgewiefen, die felbftändig und von-
diea wo^^ng'g fein follen: die Seelenvorftellung,
Mvth llung von der >Macht' und die .Urheber'-
zunächfl Tk£iemBud?Ut7Z Seelenvorftellung wird
„.'^Jo™ v^aP- u) behandelt, leider etwas gar zu knapp.
Animismus w,rd hier .__ im'mer noch ^ entfcWeden

genug unterfchieden von ,Allbefeelungslehre' (Ani-
matismus) und ,m Sinne von McDougall beftimmt als
die Annahme eines feineren Prinzips im Körper, das, von
diefem unterfchieden, deffen Bewegungen und Lebens-
äußerungen hervorbringt. Befonders auf den Willen
wird dabei der Nachdruck gelegt. — Daß dergleichen

in der primitiven Seelenvorftellung wirklich Ausgang und
Hauptfache war, hätte reichlicher nachgewiefen werden
müffen. Und die Bedeutung solchen .Animismus' für die
Entwicklung der Gottesidee felber wäre aufzuweifen ge-
wefen. Dafür finden wir eigentlich nur die Behauptung,
daß fie zweifellos fei (S. 29). — Sein Hauptaugenmerk
richtet S. in den folgenden, höchft inhaltsreichen Kapiteln
auf die felbftändigen Konkurrenten des Animismus,
die .Macht'-Vorftellung und die .Urhebermythen'.

Eindringlich und ausführlich werden in Kap. III die
fchwebenden Vorftellungen, die fich um Mana, Joia, Wa-
kanda, Orenda, Manitu ufw. mit ihren Korrelaten von
Tabu, Qadofch, Sacer, Heilig herumlegen, unterfucht und
mit .Macht' wiedergegeben. Der präanimiftifchen Hypo-
thefe wird hier infoweit recht gegeben, als es fich in
diefen Begriffen zweifellos um taftende Ausgänge und
Anfänge der religiöfen Begriffs- und Gefühlsproduktion
handelt, die von der animiftifchen ganz verfchieden find.
Es handelt fich um ein Prädikat, das aus einem durchaus
eigentümlichen, gefühlsmäßigen Werten geboren wird
und fich an das Allerverfchiedenfte hängen kann, an
Gegenftände der unbelebten und belebten Natur, der
körperlichen wie der feelifchen, und an Zuftände, Vermögen
und Gefchehniffe ebenfogut wie an Gegenftände.
Ich habe in meiner Auseinanderfetzung mit Wundts Animismus
für diefes Wertungsvermögen die Bezeichnung
.Scheu' vorgefchlagen und darauf hingewiefen, daß die
pfychologifche Analyfe diefer Scheu nach ihrer negativen
und pofitiven Seite und die Auffindung ihrer Entwicklungsbahn
und der fie hervortreibenden Reize das eigentliche
Problem fei. Söderbloms Unterfuchungen des ,Macht'-
Begriffes beftätigen das. Und er felber wird beftändig
dazu gedrängt, Gefühle des .Unheimlichen', .Geheimnisvollen
', die gar nichts anderes find als rohe .Ahnungen'
des Übernatürlichen, als den Ausgang der ganzen Entwicklung
anzufetzen. (Vgl. S. 179: Mana drückt aus eine
befondere pfychifche Reaktion, eine Art Werten.) Die
Bedeutung diefer Vorftellung für die Entwicklung des
Gottesglaubens beftimmt er dann fo: 1. Es war die .Macht',
die beftimmte, ob ein Wefen oder ein Gegenftand einen
Platz fand im Ritus oder nicht. (Damit ift aber eigentlich
die Idee des Animismus als Theorie der Religion überhaupt
aufgehoben!). 2. Damit hat .Macht' direkt Urfprung für
Götterwefen gegeben. 3. Im Machtbegriff liegt anderer-
feits der Same unpersönlicher, pantheifierender Vorftellungen
des Göttlichen und Übernatürlichen (das Brah-