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Ausgabe:

1915 Nr. 1

Spalte:

419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Friede, Paul

Titel/Untertitel:

Der Kreuztod Jesu und die ersten Christenverfolgungen 1915

Rezensent:

Bauer, Johannes

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Seite 1

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419

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 18/19.

420

weife ich auf diefe Zeitung 1913, Sp. 451 ff. und auf die Mono- ; und weift erheblich mehr Entlehnungen und Übereinftimmungen

graphie Ed. Königs: Die moderne Pentateuchkritik, vgl. diefe | nach. Er zeigt ferner, daß fich Gedanke und Tendenz bei Luther

Zeitung 1914 Sp. 612f. im Laufe der Monate öfters geändert hat. Das wichtigfte Ergebnis

Straßburg i/E. W. Nowack. 1 ift dies, daß L. den Gr. K. begann auf Grund der Predigten von

Swete, Prof. Henry Barclay, DD.: The last Discourse and Prayer
of our Lord. A Studie of St. John XIV.-XVII. (XVII, 187 S.)
8°. London, Macmillan & Co. 1913. s. 2. 6

Diefe Erklärung der Schlußreden Jefu im vierten Evangelium
kann und will nicht den Anfpruch erheben, neue Auffchlüffe zu
den herkömmlichen beizutragen. Der Exeget wird den Sinn des
letzten Redaktors meift getroffen haben. Vorhandene Sprünge im
Gedankenfortfehritt werden kaum von ihm bemerkt. Doch weiß er
dem Schwebenden in der Rededarfteilung des vierten Evangeliften
durch Herantragung anderwärtiger neuteftamentlicher Begriffe gelegentlich
eine konkretere Färbung zu geben. So wird zu 17,2
Matth. 28,18 angeführt, doch ohne Schlußfolgerung; begriffliche
Parallelen aus der zeitgenöffifchen Religionsgefchichte, es fei
denn der jüdifchen, beizubringen unterläßt er. Von der Authentie
des Redetenors in diefen Schlußgefprächen ift er trotz gelinder Bedenken
, die ihm aufgeftiegen Mnd, fchon wegen der Eindrucksfähigkeit
der Lage, in der fie gehalten wurden, reftlos überzeugt.
Betheln (Hann.) E. Hennecke.

Mai u. September 1528 und dann unter dem Einfluß derKirchen-
u. Schulvifitation im volkstümlich-praktifchen Sinne auf Grund
der 3. Predigtreihe überarbeitete. Durch diefe Quellenfcheidung
fällt nicht nur auf viele Einzelheiten, fondern auch auf die Ge-
famttendenz des Gr. K. neues Licht.
Zwickau i. S. O. Clernen.

Wichern. weil. Vorfteher J. H.: Die innere Mirrion der deutfehen
evangelifchen Kirche. Eine Denkfchrift an die deutfehe Nation.
Im Auftrage des Central-Ausfchuffes f. die innere Miffion verfaßt
. 5. neubearb. Aufl. (IV, 156 S.) kl. 8». Hamburg, Agentur
des Rauhen Haufes 1914. Geb. M. 1 —

Wicherns berühmte Denkfchrift ift hier faft bis auf die Hälfte
ihres Umfanges verkürzt und mit einem Anhang über den Begriff
der inneren Miffion in feiner Entwicklung bei Wichern, Sachregifter
und einigen Anmerkungen verfehn. Das Ziel, auf diefem Wege
ein billiges Lefebuch für Seminare, Lyzeen und höheren Schulen
zu fchaffen, verdient volle Anerkennung. Leider aber ift nicht nur,
wie das Vorwort fagt, das z. T. überholte ,Belegmaterial aus dem
I Ausland und Inland' geftrichen, fondern auch wichtige Gedanken
Friede, Paul: DerKreuzestodJefu u.die erftenChriftenverfolgungen. 1 find übergangen. So ift namentlich der fehr charakteriftifche

Nach den Quellen dargeftellt. (88 S.) 8°. Berlin, E. Hofmann
& Co. 1914. M. 1.60

Verf. beabfichtigt die Vorftellung, daß die Juden maßgebend
am Tode Jefu und an den Verfolgungen der Urgemeinde beteiligt
gewefen feien, einer Prüfung zu unterziehen, um fo das Hauptmoment
der Trennung zwifchen Juden und Chriften, wenn möglich
, auf die Seite zu räumen. — Originaljüdifche Quellen für das
Leben Jefu gibt es nicht. Wir find auf die Evangelien angewiefen.
Diefe jedoch find getränkt von der judenfeindlichen Stimmung,
die die Großkirche des 2. Jahrhunderts, in dem die Evangelien
entftanden find, beherrfcht hat. Lieft man fie mit Kritik, fo ergibt
fleh, daß der wirkliche Jefus fich niemals in der Öffentlichkeit
als der MeHlas bekannt habe und daß fein ganzes Auftreten ein
derartiges gewefen fei, daß kein frommer Jude daran Anftoß zu
nehmen brauchte. Seine Gegner find denn auch nicht die Phari-
fäer gewefen, fondern die Pfeudopharifäer, die ihn als ftaatsgefähr-
lich denunziert und feine Hinrichtung durch Pilatus herbeigeführt
haben. Auch die Verfolgungen der Urgemeinde gehen nicht von
den Juden aus. Die Verfolgung, deren erftes Opfer Stephanus

erfte Abfchnitt von 30 auf 8V2 Seiten zufammengefchrumpft. Wer
Wichern ftudieren will, wird daher auf den vollftändigen Druck im
dritten Bande der ,Gefammelten Schriften' zurückgreifen müffen.
Göttingen. Titius.

Die Religion. Frankfurter Vorträge. 7. Reihe. (92 S.) 8». Frankfurt
a. M., M. Diefterweg 1914. M. 1.60
Die Schrift enthält 4 Vorträge: Förfter, Ift Gott eine Wirklichkeit
? Bornemann, Wie kommt es zu perfönlicher Frömmigkeit
? Lueken: Ift Religion etwas Krankhaftes? Veit: Hat Beten
Sinn? Den Mittelpunkt des Förfter'fchen Vortrages bildet eine
Auseinanderfetzung mit Feuerbachs Illufionismus, die jedoch felbft
bei der gebotenen Kürze kaum als ausreichend erfcheint. Bornemann
legt anziehend und feinfinnig dar, daß gefunde perfönliche
Frömmigkeit fich weder durch Lehre, noch durch den Zwang von
Sitte und Gefetz, noch durch jefuitifche und methodiftifche Methoden
hervorbringen läßt, fondern durch Einflüffe innerhalb der
religiöfen Gemeinfchaft geweckt wird, fich in ftiller Selbftbefinnung
und in unabläffigem Suchen, Streben, Kämpfen entfaltet und bei
alledem ftets vom Schleier des Geheimniffes verhüllt bleibt. Der

Wurde, galt den Antinomiften, gegen die fich auch der Haß des ' , " , ' e^m-TuTL^^~i „w.3.-««c

D. , '____j_. „ _ u j * n. o. u treffliche Vortrag Luekens fchildert in Anlehnung an Hauptmanns

Paulus wendet. Die Gegner aber, deren Anfturm Stephanus er- " , " ■* 5 , „. . . „ „. 5 UP „, ■. A

1 1. -n. 1- w ?U r • -1 iw t. u 1 i_■ Emanuel Quint und unter Hinweis auf manche Seltfamkeiten der

lag, waren chriftglaubige Diafporajuden. Wir beobachten hier zum „ "f . v? .. , u A D ,,._ Um..a ,, , • , ,

m 1 A c. j j j- ,• -f u r> • j Relig onsgefchichte, wie mit der Religion häufig allerlei krank-

erften Mal den Streit, der dann die pauhnifchen Gemeinden ver- , '6 7 ' . . „_, .. _ . ,5. , . .. ,

.„••»„•. c -4. -r u ... . . ■ , J~ hafte Erfcheinungen verbunden find, um darauf defto nachdruck-

wuftet, den Streit zwifchen gefetzesfreiem und gefetzestreuem , , ' .6. , n D ,. . ' „ ■ _ ..._. .-

Chriftentum licher hervorzuheben, daß Religion auf einem Naturtriebe beruht,

r. ' - . D . , . . . j r. P 1. j daß neben Krankheitserfcheinungen ebenfo unbezweifelbar reli-

Das genüge als Probe der Arbeitsweife wie der Refu täte des .... „ , A A n r„Q,;«n A- d r • 1 r

c t 1. j j- 1- j- j t.,,. giöfe Heilwirkungen ftehen, und daß fpeziel die Re g on jefu,

Verf. Ich vermag weder die eine noch die anderen zu bi igen, i 6 ', " „ b T , . ' ., ,*~ _ „ .? J - '

w/ia m.a o..c &L r a aapaau^,a„ i-„„„ a.n ai. c • a a.. wenn fie im Gemutsieben wurzelnd das ganze Menfchenwefen

Wie man aus Act. 6,9 entnehmen kann, daß die Feinde des , .____. ... Aa. ,„rpha„5 „r„nH 1. h;» r.r„n^_

Stephanus ,chriftgläubige Diafporajuden' waren (S. 82), entzieht
fich meiner Einficht. Die triumphierende Feftftellung, daß Paulus
nichts wüßte von den Juden als Mördern Jefu und Gegnern der
erften Chriften (S. 53f.), ift angefichts I. Theff. 2,14—16 hinfällig.
Und in ihrer Willkür bodenlos ift die Behandlung der evangelifchen
Überlieferung.

Breslau. Walter Bauer.

Luther's großer Katechismus. Textausg. m. Kennzeichng. feiner

durchdringt, beanfpruchen darf, durchaus gefund, ja die Grundlage
alles höheren Lebens genannt zu werden. Durch Kraft und
Anfchaulichkeit zeichnet fich Veits Vortrag aus. Wir hören, wie
nicht nur die Wiffenfchaft, fondern auch die Religion das Gebet
zu bedrohen fcheint, daß es aber gleichwohl als Quelle innerer
Kraft und Bereicherung und infolgedeffen mittelbar auch als Hebel
von Wirkungen, die in das äußere Gefchehen hineingreifen, gelten
darf und muß. Nicht alle Ausführungen des Redners fcheinen
mir einwandfrei, am wenigften die über menfehliche Freiheit auf

Predigtgrundlagen u. Einleitg. v. Prof. D.Johannes Meyer, i ^- 82- w/ Th-

(VIII, 178 S.) gr. 8°. Leipzig, A. Deichert Nachf. 1914. M. 3.80 Ibur6- w. 1 nimme.

Nachdem von Meyer als Nr. 103 von Lietzmann's Kleinen ! Wanckel, Geh. Baur. Alfr.: Der deutrehe evangelirche Kirchenbau
Texten i.J. 1912 ,Luthers Kleiner Katechismus, der deutfehe Text j zu Beginn des 20. Jahrh. Ein Handbuch f. Geiftliche, Kirchen-

vorftände u. Architekten. (Die Bücher der Kirche. 4.-6. Bd.)
(VIII, 317 S. m. 221 Abbildgn.) Wittenberg, A. Ziemfen 1914.

Geb. M. 9 —

Ein ausgezeichnetes, ja einfach vorbildliches Hilfsmittel für
alle, die fich mit Kirchenbau oder -wiederherftellung wie Aus-
geftaltung der gottesdienftlichen Räume, auch an Friedhöfen, zu
befallen haben. Aus dem berechtigten Selbftbewußtfein der Archi-

in feiner gefchichtlichen Entwicklung' herausgegeben worden ift,
folgt hier die entfprechende Bearbeitung des Großen Katechismus!
M. hat nicht nur den Text der Wittenberger Erftausgabe vom
April 1529 (mit der Ermahnung zur Beichte aus der 2. und der jüngeren
Vorrede aus der 3. Wittenberger Originalausgabe und unter
Vergleichung mit diefen beiden fpäteren Ausgaben) wiedergegeben,
fondern zugleich durch verfchiedenen Druck höchft lehrreich

dargeftellt, wie Luther feine drei Katechismuspredigtreihen von j tektenwelt feit dem Beginn des 20. Jahrh. auf Grund der gefteigerten
Mai, September, November/Dezember 1528 und in den Schlußab- i Leiftungsfähigkeit und des eigenartigeren Könnens (im Vergleich

fchnitten von Beichte und Abendmahl die Predigten der Karwoche
1529 hineinverarbeitet hat. Buchwald hat diefe Predigten zuerft
veröffentlicht und dabei auf ihre Benutzung im Großen Katechismus
vorverwiefen. Meyer geht umgekehrt vom Gr. K. auf fle zurück

mit den äußerlich nachahmenden und anhäufenden Leiftungen des
19. Jahrh.) heraus gerchrieben, vereinigt das Handbuch alle Vorzüge
, die an ein folches zu Hellen find, klaren Aufbau der Syftc-
matik des Kirchenbaus, reiche Illuftrierung mit Abbildungen ty-